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Medieval Painting in the Lebanon

Kürzlich legte Erica Cruikshank Dodd, Spezialistin für die Malerei des christlichen Syrien und Dozentin an der University of Victoria in British Columbia, bei Reichert, Wiesbaden eine umfangreiche Bearbeitung mittelalterlicher Fresken des nördlichen Libanon vor. Zwar wurde ein Teil der Wandmalereien in den Kirchen, Klöstern und Grotten des Libanon seit Ende des 19. Jhs. vereinzelt besprochen, jedoch weder in einen näheren Zusammenhang gebracht noch in der vorliegenden Ausführlichkeit und Qualität bearbeitet. Besonderes Anliegen ist die Dokumentation der zum Teil zerstörten bzw. von Zerstörung bedrohten Malereien: Der reiche Katalog mit den exzellenten s/w- und Farbtafeln bildet den Mittelpunkt der umfangreichen Arbeit und macht sie zu einem Standardwerk über christliche Kunst in der ehemaligen römischen Provinz Syria. Einziges Desiderat: eine bessere Karte, auf der die einzelnen Standorte, die Bergzüge sowie die wichtigsten Flüsse eingetragen sind.
Die Tradition der Wandmalerei mit christlicher Thematik besteht in Syrien und dem Libanon seit dem frühen Christentum. Der Großteil der von Cruikshank Dodd vorgestellten Fresken entstand allerdings im 12. und 13. Jh., der Zeit der Kreuzzüge ("crusader art"), die Malereien repräsentieren jedoch nach Meinung der Autorin eine "späte Blüte", die auf der Mal-Tradition des 5. nachchristlichen Jahrhunderts fußt. Stilistisch scheidet die Autorin die insgesamt 26 Denkmäler in zwei Gruppen: Die erste aus dem 12. Jh. folgt dem künstlerischen Vorbild Konstantinopels; die spätere aus dem 13. Jh. greift auf orthodox-syrische Traditionen zurück, die in Damaskus, Aleppo und Antiochia üblich waren. Cruikshank Dodd betont, dass die nord-libanesischen Fresken von Stil und Bedeutung her untrennbar zur byzantinischen und mittelalterlichen Kunstgeschichte dazugehören.
Die besprochenen Fresken sind von der schlichten Kirchenarchitektur, in denen sie sich befinden, und von der Landschaft des Nord-Libanon nicht zu trennen: Die Gotteshäuser, die mitunter in Höhlen unwegsamer Bergregionen liegen, werden bis zum heutigen Tage noch als Andachtsstätten genutzt - mit allen Vor- und Nachteilen. Wegen der Feinheit des Ausdrucks sind sie schon zur Zeit ihrer Entstehung häufig von arabischen Moslems bewundert worden. Die Themen folgen dem christlichen Kanon: Kreuz, thronende oder stillende Muttergottes, Taufe Christi, Apostel und Engel, Heilige Männer und Frauen, Verkündigung, Opferung des Isaak etc. Die Kirchen-Apsis wird oft mit der Majestas Domini (thronender Christus) in Gemeinschaft mit den Heiligen ausgestattet. Die stilistischen Eigenschaften der Fresken kennt man vor allem aus der Ikonenmalerei. Heilige und Stifter sind als Oranten mit spröden, wie gefrorenen Segensgesten nebeneinander aufgereiht, meist frontal, allenfalls mit leichter Kopfneigung zur Seite. Bei Engeln sind die Körper im Profil, die Gesichter in Dreiviertelansicht dargestellt. Manche Heilige wie Maria, Salome und Barbara, der Heilige Bartholomäus sowie die Säulenheiligen sind besonders beliebt, da sie im Glaubens-Milieu des Libanon tief verwurzelt sind. Allen Figuren gemeinsam sind - gemäß dem Stil der Zeit - weit geöffnete große Augen, die das Gesicht dominieren und mit dem Betrachter in Kontakt zu treten scheinen.

Daniela Ziegler
Cruikshank Dodd, Erica: Medieval Painting in the Lebanon. Durchgehend englischer Text. 448 S., 371 sw. u. 94 fb. Abb., 31 cm. (Sprachen und Kulturen des Christl. Orient 8) Gb. L. Reichert, Wiesbaden 2004. EUR 248,-
ISBN 3-89500-208-9   [L, Reichert]
 
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