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Mystische Stätten der Menschheit

Der Titel des vorliegenden Buches weist auf eine zentrale Grundfrage des Menschen hin: Wo wohnt Gott, wo ist die Wohnstatt der Götter? So verschieden die Antworten zu diesem Problem je nach individuellem oder kollektivem Standpunkt auch ausfallen müssen (und im Laufe der Geschichte des Menschen ausfielen), eines dabei läßt sich festhalten: immer trafen die Menschen ihre Aussagen über die vermutete Wohnstatt der Götter in Bezug auf bestimmte Punkte auf der Erde.
Immer schon schienen die Berge als Sitz der Götter - als realer Ort wie beispielsweise der Berg Sinai oder symbolisch gedeutet in der Architektur der ägyptischen Pyramiden und auch der Baukunst der Maya - besonders geeignet, um die Existenz des Menschen spirituell im Jenseits zu verankern. In der Tat gehören diese Vorstellungen mit zu den rätselvollsten Phänomenen der menschlichen Existenz und die Vielfalt diesbezüglicher Verortungen dürfte gegenwärtig nur noch von Spezialisten annähernd zu überblicken sein.
Insofern ist das gemeinsame Projekt des Autors Claus Jacobi und des Fotografen Tom Jacobi, nämlich eine Auswahl solcher Orte vorzustellen, zu begrüßen. Insgesamt werden 37 ""Mystische Stätten der Menschheit"" präsentiert, wobei die geographische Gewichtung - Afrika und Nahost (6), Asien (11), Amerika (7) und Europa (13) - etwas ungleichmäßig ausfällt. Der Leser trifft überwiegend auf bekannte heilige Orte wie beispielsweise die ""stehenden Steine"" von Callanish aus der Zeit der Megalithkultur auf den schottischen Hebrideninseln, die Pilgerkirche Santiago del Compostela, das Felsenheiligtum der Externsteine oder das griechische Orakel von Delphi und die berühmten nordgriechischen Meteoraklöster.
Schade, dass sich neben so bekannten Stätten wie dem 560 Meter hohen Shiprock der Navaho-Indianer im Nordwesten von Neu-Mexiko, der Pyramide der ""Gefiederten Schlange"" in Mexiko, dem Roten Berg von Lhasa sowie der Bergstadt der Inka, Machu Picchu, und den rätselhaften Steinstatuen auf der Osterinsel nur wenig wirklich unbekannte heilige Orte finden - etwa die Totempfähle der Haidas auf Anthony Island vor der Westküste Kanadas, der am Fuße eines der fünf Heiligen Berge Chinas gelegene taoistische Tempel von Zhongyue oder die äthiopischen Felsenkirchen von Roha.
So bleibt nach der Lektüre der anregenden Texte und dem Studium der mehr als 200 teilweise ganzseitigen Farbabbildungen ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück. Mitunter grandiose Aufnahmen - etwa die Serie brennender Räucherstäbchen im Tempelheiligtum von Zhongyue (S. 208-209) oder die Detailfotos von Callanish (S. 68) - wecken zwar durchaus die Neugierde des Betrachters, doch wird dieses Moment insgesamt dadurch wieder relativiert, dass zwischen Anfang und Ende des opulent gestalteten Werkes kein wirklicher Spannungsbogen zu finden ist und der Leser am Ende nicht wirklich durch die getroffene Auswahl ""mystischer"" Stätten in Beschlag genommen wird. Weshalb fehlt beispielsweise die Kathedrale von Chartes? Der Nutzen dieser Arbeit wird zudem auch noch dadurch beeinträchtigt, dass bibliographische Angaben zu den interessanten Kurztexten von Claus Jacobi ebenso fehlen, wie Hinweise auf die entsprechende Literatur zum Thema heilige Orte. Alles in allem ein schöner Bildband, dem man eine Überarbeitung wünscht, um ihn wirklich empfehlen zu können.
Matthias Mochner
Tom Jacobi, Claus Jacobi. Wo Gott wohnt. Mythische Stätten der Menschheit. 288 S., 200 fb. Abb. 31 cm, HC, EUR 49,90
ISBN 3-7774-8780-5
 
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