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Arms and Armor from Iran

Die Herstellung von (Damaszener-)Stahl, Blankwaffen und Rüstungen hat in Iran eine Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt. Dies wird dem Leser des Buches höchst eindrucksvoll vor Augen geführt. Der Inhalt ist zur einen Hälfte in einen fortlaufenden, dreispaltig auf großen Seiten gedruckten Text mit vielen Schwarz-Weiß-Fotos geteilt und zur anderen Hälfte in einen Katalog, der eine Fülle hervorragender farbiger Gesamt- und Detailaufnahmen bietet sowie genaue Beschreibungen der abgebildeten Stücke mit Angaben auch von Maßen und Gewicht. Alle Inschriften werden im Wortlaut wiedergegeben und übersetzt. Freilich vermag die Umschrift des Arabischen und Persischen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht immer zu genügen. So findet sich beispielsweise der auch in Europa berühmte Sultan Saladin als „El-Sultan-Salah-el-Din el-Aiubi“ (S. 123) wieder statt als Sultan Salah al-Din al-Ayyubi (oder:Aiyubi).
Den Kern des Materials bilden Exponate aus zehn iranischen Museen. Keine Feuerwaffen, aber die verschiedenen Arten von Schwertern, Dolchen, Streitkolben und Streitäxten, Speerspitzen, Pfeil und Bogen, Schilden und Rüstungen werden von der Bronzezeit bis in das 20. Jahrhundert hinein ausführlich vorgestellt und klassifiziert. Im Mittelpunkt steht der Shamshir („Löwenschweif“), ein Schwert mit ursprünglich gerader Klinge. Der Autor kann anhand mehrerer Beispiele zeigen, dass Shamshire mit gebogener Klinge bereits unter der Herrschaft Timur des Lahmen (gest. 1405) und nicht etwa - wie früher angenommen - erst unter dem safawidischen Schah Abbas I. (gest. 1629) hergestellt wurden. Der Säbel verdrängte in Iran aber nicht völlig das zweischneidige Schwert mit gerader Klinge.

Eine ganze Reihe von Shamshiren mit gebogener Klinge, aber keine Dolche oder andere Waffen, weisen eine Schmiedemarke auf, die den Beinamen des vierten Kalifen Ali, Asadallah („der Löwe Gottes“), trägt. Sie hat der bisherigen Forschung erhebliches Kopfzerbrechen bereitet. Vom zeitlichen Rahmen her ist klar, dass damit nicht nur ein Schmied gemeint sein kann. Mit guten Argumenten vertritt der Autor die Auffassung, dass nur Männer, die ihr Handwerk mit herausragender Meisterschaft beherrschten, dazu berechtigt waren, die von ihnen hergestellten Klingen mit einer derartigen Schmiedemarke als Ehrentitel zu versehen.
Der Verfasser bemüht sich, die Entwicklung der verschiedenen Waffenarten vor dem allgemeinen kulturellen Hintergrund aufzuzeigen. Dabei geht es ihm auch darum, die iranische von der islamischen bzw. arabisch-islamischen und türkisch-islamischen Kultur abzugrenzen und die kulturelle Eigenheit und Eigenständigkeit des Iran deutlich zu machen. Infolgedessen geht der Autor mit einiger Ausführlichkeit beispielsweise auf die Literaturgattung der Handbücher über die Kriegführung ein und auf frühere Trainingsmethoden im Zweikampf, nicht zuletzt auf die große persische Tradition des Ringkampfes, aber auch auf die Aussagen der Quellen über das legendäre Schwert des Kalifen Ali sowie auf Fragen der Ikonographie, etwa auf das weit verbreitete, zum iranischen Staatssymbol gewordene Emblem der Sonne über einem schreitenden Löwen und auf das Motiv des mit einem Stier kämpfenden Löwen.
Der Preis achtjähriger Arbeit entspricht dem Ergebnis. Das Buch verrät auf jeder Seite, wie intensiv sich der Autor mit allen für sein Thema wesentlichen Fragestellungen auseinanderge-setzt hat. Es wird vermutlich schon bald in der Fachwelt als Standardwerk gelten, mit dem die Grundlage für weitere seriöse Forschungen geschaffen ist.


Arms and Armor from Iran

The manufacture of (damascus) steel, edged weapons, and armor has a history in Iran that goes back to thousands of years. This fact is presented to the reader of this book in a very impressive way. Half of the content of the book consists of big, continuous three-column pages with many black-and-white pictures, and the other half contains a catalog that shows an abundance of excellent color pictures in full overview and detailed view as well as exact descriptions of presented artifacts with measurements and weights. All inscriptions are transcribed and translated. Admittedly, the transcription of Arabic and Persian does not always fulfill the scientific requirements. For example, the name of Sultan Saladin, who is also famous in Europe, is transcribed as “El-Sultan-Salah-el-Din el-Aiubi” (page 123) instead of Sultan Salah al-Din al-Ayyubi (or Aiyubi).

Artifacts from ten Iranian museums build up the core of the material. There are no firearms, but a variety of different types of swords, daggers, maces, axes, spearheads, bows and arrows, shields, and armor from the bronze age to the 20th century are presented in full detail and classified. The emphasis is placed on the shamshir (the tail of lion), a sword that originally had a straight blade. Based on different examples, the author can show that highly curved swords were already made under the rule of Timur the Lame (died 1405) and not – as assumed before –under the Safavid Shah Abbas I (died 1629). However, the saber did not fully replace the double-edged straight sword.

A number of shamshirs with a curved blade, but no daggers or other weapons, bear the maker’s mark Assadollah (the lion of God), the title of the fourth Caliph Ali. This maker’s mark was a considerable worry and challenge for the previous researchers. It is clear from the chronological framework that this could not be the name of one smith. Based on good arguments. the author is of the opinion that only men who excelled in their craft with excellent mastery were allowed to supply their forged blades with such a mark that served as an honorary title.

Based on general cultural background, the author attempts to show the development of different types of weapons. He intends to and stresses the cultural uniqueness and autonomy of Iran and separates it from general Islamic culture, i.e. Arabo-Islamic and Turco-Islamic culture. Consequently, for example, the author analyzes the literary genre of the manuscripts on warfare, the ancient methods of training in duels, and the great Persian tradition of wrestling, as well as the statements of the manuals about the legendary sword of the Caliph Ali as well as the questions of iconography of the widespread state symbol of Iran, “the emblem of the lion and the sun,” and the motif of a lion fighting a bull.

Eight years of research can be seen in the result. The book shows on each page how intensively the author dealt with the important research questions. It will probably be a standard work among experts and professional circles very soon, where a foundation for further reputable research is provided.
Dr. Hannes Möhring Übersetzung Legat Verlag
Hannes Möhring
Moshtagh Khorasani, Manouchehr: Arms and Armor from Iran. The Bronze Age to the End of the Qajar Period. 780 S., 15 sw. Tab., 625 sw. u. 2841 fb. Fotos, 170 sw. Zeichn. 30 x 27 cm. Gb. Legat Verlag, Tübingen 2006. EUR 149,80
arms-and-armor-from-iran.de

ISBN 3-932942-22-1
 
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