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Franz von Stuck

Franz Stucks Karriere könnte ein warnendes Vorbild für so manchen zeitgenössischen Künstler abgeben. Sein Stern stieg am Beginn der 1890er Jahre so schnell wie kaum ein anderer in den europäischen Kunsthimmel, um keine zwanzig Jahre später ermattet am Rande des Firmaments zu verdämmern. Andererseits könnte das Gedächtnis der Kunstgeschichte so manche Hoffnung bei Zeitgenossen wecken, denn letztlich haben sich Stucks Bilder über alle Geschmacksmoden hinweg in diese Geschichte eingeschrieben. Seine Leistung ist vielleicht nicht mehr so präsent wie in den Tagen seines Erfolgs, aber sie kann ebenso wenig wegdiskutiert werden.

Dass aus seiner Künstlervilla ein Museum wurde, war ein sicherer Weg zur Festigung seines Ruhmes. Am Rande gesagt, müsste die Geschichte dieser Künstlermuseen, die sich in den letzten Jahren immer besser vernetzen, auch einmal geschrieben werden. So pflegt man hier seit Jahrzehnten sein Werk und findet doch immer wieder neue Ansätze, es in Erinnerung zu halten. Zum 80. Todestag des Künstlers und zum 40. Jahrestag der Gründung des Museums beschränkte sich die Kuratorin M. Th. Brandlhuber nicht auf den Bestand der eigenen Sammlung, sondern führte 53 Gemälde des Künstlers aus zahlreichen Museen und Privatsammlungen Europas zusammen. Dies allein ist eine eindrucksvolle Demonstration der weit reichenden Wirkung des einstigen Künstlerfürsten, der sogar ganz real geadelt wurde. Der Mythos des Müllersohns, der zum europäischen Star wurde lebt also weiter.

Der Katalog ist nicht chronologisch, sondern nach Themen aufgebaut, die mehr oder weniger ikonographisch angelegt sind („Die Macht des Mythos“,, „Tugend und Sünde“, „Kreuzigung und Grablegung Christi“, „Amor vincit omnia“, „Visionen des Untergangs“, „Kampf ums Dasein“, „Appolinisch und Dionysisch“, „Athene“, „Amazone“, „Sphinx“, „Schönheit und Versuchung“). Damit fehlt leider der Überblick über die künstlerische Entwicklung, aber der wurde ja in früheren Ausstellungen oft genug gegeben. Dafür stehen nun die eindringlichen Bilderfindungen mit den typischen Kompositionen der Gruppen und Einzelfiguren, die sich in den Vordergrund der Bilder drängen, besonders deutlich vor Augen. Was uns heute nicht mehr bewusst ist, auch ein Edvard Munch oder ein Gustav Klimt ließen sich von diesen Bilderfindungen anregen.

Eine Reihe von Essays stellt das Werk in unterschiedlicher Durchdringungstiefe in seinen zeitlichen Kontext. So bleibt zum Beispiel ein Beitrag über die Verbindung von Stucks Bildern zu den englischen Symbolisten eher konfus, da sich bis heute nicht überzeugend der übliche „Einfluss“ konstruieren lässt. Stuck fand anscheinend seinen Weg unabhängig. Die Auseinandersetzung mit der antiken Kunst und dem literarischen Mythos wird ebenso ausführlich dargestellt, wie die frühen Publikationen über den Künstler, die wesentliche Bausteine seines Erfolgs waren. Eine Ausstellung in Trient zeichnete erstmals den großen Erfolg Stucks in Italien nach. Deren Kuratorin, Alessandra Tiddia, legt dies nun auch dem deutschen Leser vor.

Auf Grund der Konzentration auf den Maler trat leider in den Hintergrund, dass Stucks Karriere in den 1880er Jahren als Zeichner und da auch gleich überregional – nämlich in Wien – begann. Der kaum zwanzigjährige Akademiestudent hatte noch kein Ölgemälde geschaffen, da waren seine Zeichnungen schon in aufwendig publizierten Sammelwerken präsent. Dies wurde nicht nur der erste Baustein einer steilen Karriere, die Zeichnung blieb auch die Grundlage seiner Malerei. In seiner Selbstbeschränkung wurde aus dem Katalog also leider keine neue Monographie, aber ein schöner Überblick über sein malerisches Werk und eine Sammlung von Argumenten für seinen kunsthistorischen Rang ist das Buch allemal.
28.2.2009


Andreas Strobl
Franz von Stuck. Meisterwerke der Malerei. Katalogbuch zur Ausstellung in München, 2008-15.3.2009, Museum Villa Stuck. Hrsg. v. Brandhuber, Margot Th /Buhrs, Michael. 200 S., 150 fb. u. sw. Abb. 28 x 20 cm. Pb Hirmer, München 2008. EUR 34,90
ISBN 3-7774-5055-3
 
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