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Raffael - eine Biographie

Im Lebenslauf des Malers und Baumeisters Raffaelo Sanzio da Urbino, genannt Raffael, reiht sich ein Höhepunkt an den anderen: Bereits im Alter von zwölf Jahren übernahm er nach dem Tod des Vaters Giovanni die väterliche Malerwerkstatt; mit 17 war er schon ein angesehener Künstler; in seinen Zwanzigern feierte er in Florenz und schließlich in Rom Triumphe als Maler, Architekt und Generalkonservator der römischen Antiken. Seine Zeitgenossen waren Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarroti, Andrea del Sarto und Fra Bartolomeo. Das Leben des jüngsten Vertreters der Hochrenaissance deckt sich mit dem Pontifikat zweier kunstliebender Päpste: Sowohl Julius II. (1503-13) und auch Leo X. (1513-21) hat er in seinen Werken ein Denkmal gesetzt, dem einen in den programmatisch gemeinten Allegorien der Poesie, Philosophie und Theologie der vatikanischen Stanzen (seit 1509), Wandmalereien von überwältigender Schönheit, dem anderen im Gruppenbild „Leo X. mit den Kardinälen Giulio de’Medici und Luigi de’Rossi“ von 1518. Auftrag folgte auf Auftrag, bis der Chef einer bestens ausgelasteten Werkstatt nach zweiwöchiger Krankheit auf dem Höhepunkt seines Schaffens im Alter von 37 Jahren starb; beigesetzt hat man den beliebten Künstler im Pantheon. Sowohl Geburts- als auch Todestag fielen auf einen Karfreitag: ein Umstand, den man damals als höchst bedeutsam ansah.
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Adel und Klerus, vor allem der Vatikan, waren es, die am Vorabend der Reformation große Kunst ermöglichten. Bekannte Meister zu beschäftigen, war sowohl für eine Stadt als auch für eine reiche Familie eine Sache des Prestiges, und man wetteiferte darum, nur die Besten zu beschäftigen. Ein Beispiel für den Wettstreit zweier Städte bildet Raffaels „Vermählung Mariä“. Der Maler Perugino hatte 1499 dieses Thema bereits für den Dom in Perugia gemalt, nun gab die kleine Provinzstadt Città di Castello Raffael fünf Jahre später den Auftrag mit dem gleichen Motiv. Klug, wie der junge Mann war, lehnte er sich mit seiner Komposition der Vermählungsszene vor einem prachtvollen Tempel zwar an Perugino an, ließ den Vorgänger in seiner Detailgestaltung jedoch weit hinter sich: Symmetrie, Eigenständigkeit der Figuren, Schönheit, Emotionen, architektonische Präzision, Detailfreude sind die Elemente, die Raffael nicht nur in diesem Werk verfolgte.

Perugino soll das junge Talent aus Urbino unterrichtet und beeinflusst haben – so steht es in allen Lexika. Diese Annahme gründet sich auf Giorgio Vasaris Biographie – eine der wichtigsten Quellen der Kunstgeschichte – und wurde seitdem, aus Mangel an anderen stichhaltigen Quellen, gerne als Tatsache übernommen. Forcellino aber meint, dass Raffael durchaus eigenständig und mit wohlkalkulierter Überlegung bestimmte Stilelemente der Kollegen, die er für gut befand, in seine Werke miteinfließen ließ. Von den Porträts des Leonardo da Vinci, den Raffael sehr bewunderte, hat er zum Beispiel die Art und Weise übernommen, Figuren schräg vor einer offenen Landschaft zu platzieren, von Michelangelo dessen sensationelle Verkürzungen und Drehungen der Körper. Kurz: Er schaute den Großen das Beste ab und paraphrasierte es. Dennoch kann – so betont der Autor – von Kopie an keiner Stelle die Rede sein.

Wenn Forcellino Komposition, Aufbau, Farbwahl, Motivgeschichte eines Bildes oder die typische Werkstattarbeit – Vorbereitung des Maluntergrundes, Mischen der Pigmente, Vorarbeiten auf Papier und Karton, Arbeitsteilung zwischen Meister und Gesellen etc. – beschreibt, erweist er sich als einer, der sein Handwerk als Restaurator und Kunsthistoriker bestens versteht. Diese Passagen sind ihm geglückt und garantieren sowohl Genuss als auch Gewinn, im Gegensatz zu den Abschnitten über den historischen Hintergrund, die wie hölzerne Nacherzählungen klingen.

Gerade bei einer Künstlerbiographie ist es besonders schade, wenn die Anordnung der Abbildungen unbefriedigend ist: So gut wie nie wird im Text auf das besprochene Bild verwiesen, sodass man danach suchen muss. Das Bildnis der Magdalena Doni, das auf Seite 109 besprochen wird, findet man endlich auf Seite 227. Besonders die Schwarz-Weiß-Abbildungen sind viel zu klein geraten, und mitunter hätte ein zusätzlicher Bildausschnitt sicher nicht geschadet.
24.3.2009
Daniela Maria Ziegler
Forcellino, Antonio: Raffael. Biographie. Aus d. Ital. v. Peter, Antje. 352 S., 20 sw. Abb. 22,70 x 15,00 cm. Siedler, München 2008. Gb EUR 24,95
ISBN 3-88680-881-5
 
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