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Lucca Chmel. Architekturfotografie

Wir wissen es: Die erste Fotografie ├╝berhaupt, Joseph Nic├ęphore Ni├ępces "Blick aus dem Fenster des Arbeitszimmers im Maison Le Gras" von 1827, war ein Architekturbild. Und auch die Fotografiegeschichte war lange Zeit eine Geschichte der Architekturfotografie. Beide k├╝nstlerische Medien, Fotografie und Architektur, wurzeln in der Wirklichkeit und orientieren sich an ihr. Bauwerke m├╝ssen sich an den Anforderungen ihrer Benutzer messen lassen, wachsen aber im besten Fall ├╝ber ihre Funktion, also ├╝ber die Wirklichkeit hinaus. Im Laufe der Zeit entwickeln sie eine eigene Geschichte.
Jetzt erinnert ein Ausstellungskatalog an eine Architekturfotografin der Moderne, die beinahe dem Vergessen anheim gefallen ist, obwohl sie wie kaum ein anderer das Neue Bauen ihrer Heimat begleitete. "Lucca Chmel - Architekturfotografie 1945 - 1970" hei├čt der Band zu einer Schau im Wiener "Westlicht", die in Zusammenarbeit mit der ├ľsterreichischen Nationalbibliothek entstanden ist - und noch einmal verdeutlicht, wie viele Entdeckungen die Geschichte der Fotografie noch bereit h├Ąlt. Die 1911 geborene und im Jahr 1999 verstorbene Lucca Chmel ist so eine Entdeckung. Als bildgebende Fotografin, aber auch als Dokumentaristin der ├Âsterreichischen Nachkriegsarchitektur, die f├╝r die Impulsgeber des Bauens wie Roland Rainer, Erich Boltenstern, Oswald Haerdtl, Georg Lippert, Theiss & Jaksch oder Karl Mang arbeitete.
Die elegante Zur├╝ckhaltung, mit der Chmel ans Werk ging hat bis heute einen besonderen Reiz, wie etwa die Arbeiten ├╝ber das "B├Âhlerhaus" des Architekten Roland Rainer aus dem Jahr 1958 oder die fotografischen Umsetzungen des Strandbad G├Ąnseh├Ąufel, des Messepavillon Felten & Guilleaume, des Ringturms, der Wiener Stadthalle und des Flughafens Wien-Schwechat zeigen.
Die sachliche Pr├Ązision ihrer Arbeit, die punktgenaue, effektvolle Inszenierung durch Licht und Schatten, verdeutlichen auch ihre Innenraumaufnahmen von Kinos, Gesch├Ąftslokalen oder Caf├ęs, von denen sich nur wenige Bauten erhalten konnten. So haben die meisten der hier gedruckten Arbeiten auch Erinnerungsfunktion. Sie f├╝hren einen Abschnitt der Architekturgeschichte, vor allem die f├╝nfziger und sechziger Jahre, vor Augen, die erst seit wenigen Jahren wieder st├Ąrker ins Bewusstsein ger├╝ckt sind: "Wo die sch├Âpferische Kraft der Fotografin auf hohe architektonische Qualit├Ąt traf, entstanden Bildleistungen, die ├╝ber das dokumentarische hinaus eine Interpretation der "Form ihrer Zeit" darstellen."
Besonders nahe kommt uns die Fotografin vor allem in Interviews, welche die Herausgeber mit einigen Architekten gemacht haben, deren Werk Chmel fotografisch inszeniert hat. So sagt etwa Roland Rainer ├╝ber die Fotografin: "Als Fotografin, als K├╝nstlerin k├Ânnte man sagen, war sie eine wirklich leidenschaftliche Person. Und als Technikerin wiederum, als Fachfrau, von unerh├Ârter Pr├Ązision und Genauigkeit."

Marc Peschke
Gabriele Hofer und Uwe Sch├Âgl: Lucca Chmel. Architekturfotografie 1945-1970. 216 S., 35 sw. Abb., 123 Duoton-Abb., 23 x 24 cm, Dietmar Klinger Verlag. Passau 2004. EUR 24,80
ISBN 3-932949-36-6
 
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