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Brandenburgisches Klosterbuch

Mit dem Brandenburgischen Klosterbuch liegt erstmals ein Handbuch vor, das die Geschichte und Bedeutung aller Klöster, Stifte und Kommenden Brandenburgs zugänglich macht.
Im Raum von der Alt- bis zur Neumark, von der Niederlausitz bis zur Uckermark stellt das Klosterbuch 106 geistliche Gemeinschaften von ihrer Gründung bis in die Reformationszeit vor. Unter den Beiträgen des Handbuchs finden sich nicht nur alle mittelalterlichen Klöster im heutigen Berlin und Brandenburg, sondern auch die ehemals brandenburgischen Klöster in Sachsen-Anhalt bis zum polnischen Schivelbein.

Das zweibändige Handbuch besteht aus drei Hauptteilen: Im ersten Teil findet sich ein Überblick der „Klöster, Stifte und Orden in der Mark Brandenburg“ bzw. „Höfe nichtbrandenburgischer Klöster“ und die Orte mit dem Namen ‚Münchehofe‘ in Brandenburg“ über die mittelalterliche (Kirchen-) Geschichte Brandenburgs. Ergänzt werden diese Beiträge durch eine Übersichtskarte aller behandelten Einrichtungen.

Im zweiten Teil werden 106 Klöster, Stifte und Kommenden dargestellt, ausgestattet mit hervorragendem Bild- und Kartenmaterial, deren Umfang je nach Quellenlage von einer bis zu 44 Seiten umfassen kann. Dabei folgen alle Beiträge einer einheitlichen Systematik, die neben der allgemeinen Geschichte der jeweiligen Institution u.a. auch Aspekte ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, ihrer spirituellen Ausstrahlung sowie ihrer Bau- und Kunstgeschichte berücksichtigt. Umfangreiche Angaben zu Archivbeständen und zur Literatur machen die Beiträge zu einer Fundgrube für weitergehende Forschungen.

Elementarer Bestandteil der Beiträge sind die mehr als 450 hervorragenden farbigen Abbildungen, darunter Klostersiegel sowie Besitzkarten, Lagepläne und Grundrisse (Ellen Franke). Eine Gesamtbibliographie im dritten Teil des Handbuches mit etwa 3.000 Einträgen liefert außerdem ein einzigartiges Literaturverzeichnis.

Das Brandenburgische Klosterbuch — das erste Handbuch dieser Art für die ostdeutschen Bundesländer und in seiner Gestaltung bundesweit ohne Vorbild — eröffnet einen ganz neuen Blick auf die brandenburgische Kulturlandschaft des Mittelalters. Entgegen landläufiger Vorstellungen, etwa beim Blick auf Chorin, Lehnin und Zinna, ist Brandenburg nicht nur „Zisterzien-serland“, sondern angesichts zahlreicher weiblicher Ordensgemeinschaften eher ein „Zisterzienserinnenland“. Dieser wissenschaftliche Perspektivenwechsel, der – ginge es nach den Wünschen der Herausgeber – auch ein neues Interesse für die „kleineren“ Klöster bewirken mag, spiegelt sich auch in der Bewertung anderer Ordensgemeinschaften wieder: Die in nahezu allen Städten der mittelalterlichen Mark präsenten Bettelorden – Franziskaner, Dominikaner und Augustiner-Eremiten – verschwanden mit dem Abriss ihrer Klöster häufig aus dem Stadtbild oder , so z. B. in Strausberg. Andernorts – etwa in Brandenburg/Havel, Gransee oder Kyritz – erinnern nur noch Ruinen an das Wirken der Ordensleute. Neu in den Blick rücken auch die als Kommende oder Komturei bezeichneten Niederlassungen der Ritterorden. Um deren Geschichte darstellen zu können, betrieben die Autoren mangels einschlägiger Vorarbeiten oftmals umfangreiche Archivstudien.
Mit diesem umfassenden Blick auf die, die Landschaft prägenden geistlichen Gemeinschaften, zeichnet das Klosterbuch ein ganz neues Bild der brandenburgischen Geschichte und eröffnet damit vielfältigste Möglichkeiten weiterer Forschungen an der Schnittstelle von Kirchen-, Kultur- und Landesgeschichte.

Das Brandenburgische Klosterbuch geht auf eine im Jahr 2001 von Prof. Dr. Heinz-Dieter Heimann an der Universität Potsdam entwickelte Initiative zurück, die in das universitäre Forschungsprofil „Regionale Identitäten“ eingebunden ist.
Damit wollte man landesweit an authentischen Orten die Bedeutung der mittelalterlichen Christianisierung und die Beteiligung christlicher Gemeinschaften an der Ausformung mittelalterlichen Kulturlandschaft Brandenburgs verständlich machen. Dabei wird der wissenschaftlichen Verlässlichkeit ebenso viel Aufmerksamkeit gewidmet, wie auch einer für Laien geeigneten Darstellungsweise.

Außer der „Initiative Klosterbuch“ arbeiteten das federführend von Heinz-Dieter Heimann konzipierte und 2005 eröffnete Museum für brandenburgische Kirchen- und Kulturge-schichte des Mittelalters in der ehemaligen Bischofsresidenz Burg Ziesar zusammen, ebenso beteiligten sich Mitarbeiter der Ausstellung „Wo Himmel und Erde sich begegnen“ im Luise-Henrietten-Stift Lehnin und der Verein „Kulturland Brandenburg e. V.“; sowie Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit Historischen Stadtkernen“ und die Besucher einer Tagung zum Thema „Klosterlandschaften“ in Kooperation mit den Universitäten Paderborn und Torufi (Polen) 2005 an den vorliegenden Arbeiten.
Die Arbeit am Brandenburgischen Klosterbuch hat dazu beigetragen, ein neues Netzwerk im Bereich landeskulturgeschichtlicher und ordenshistorischer Mittelalterforschung zu knüpfen. Neben dem interdisziplinären Austausch der Autoren untereinander - insbesondere zwischen Historikern einerseits und Archäologen und Bauforschern andererseits - entstanden neue institutionelle Kooperationen.

Nicht nur für die Fachwelt, sondern auch für den interessierten Laien dürfte das Brandenburgische Klosterbuch über Jahrzehnte ein Grundlagenwerk sein. Bleibt zu wünschen, dass andere Wissenschaftler in weiteren Regionen diesem Vorbild folgen.







Gabriele Klempert
Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Hrsg. v. Heimann, Heinz D /Neitmann, Klaus /Schich, Winfried /Franke, Ellen /Gahlbeck, Christian /Riedel, Peter /Bauch,Martin /Popp, Christian. 1104 S., 500 fb. Abb. 27 x 21 cm. Gb. Bebra Verlag, Berlin 2007. EUR 98,00
ISBN 978-3-937233-26-0
 
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