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Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts

Venedig ist bis heute ein weltweit geschätzter Anziehungsort für all jene, die sich im Grenzbereich zwischen Morbidität und Schönheit aalen wollen. Das war im 19. Jahrhundert nicht anders. Auf dem Weg ins sonnige Italien, in das Land, in dem die Zitronen blühen, wurde es für Künstler aus ganz Europa Usus, auch in Venedig Station zu machen.

Auch viele Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machten hier nicht nur Station, sondern nahmen Ateliers, ließen sich gleich ganz nieder, wie nun eine faszinierende Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe zeigt. Zur Ausstellung ist im Michael Imhof Verlag ein Buch erschienen, das den Titel „Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts“ trägt. Es versammelt mehr als 150 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Fotografien, welche die Schönheit der Lagunenstadt preisen.

Natürlich ist es zumeist das Miteinander von Licht, Architektur und Wasser, das Künstler wie Oswald Achenbach, Rudolf von Alt, Ludwig Dill, Friedrich Kallmorgen, Max Liebermann, Friedrich Nerly, Eduard Schleich, Carl Schuch, Gustav Schönleber oder Carl Spitzweg anzog. Manche – darunter Anselm Feuerbach, Hans Makart, Anton von Werner und August Wolf – beschäftigten sich intensiv mit der venezianischen Malerei der Vergangenheit und fertigten Kopien nach Meisterwerken des Cinquecento an. Feuerbach etwa schuf im Jahr 1855 im Auftrag des badischen Prinzregenten eine Kopie nach Tizians „Himmelfahrt Mariä“.

Die Themen und Sujets sind unterschiedlich, doch zumeist ist es das Wasser, das im Zentrum des Interesses der Maler steht. Viele Veduten zeigen die Stadt vom Wasser aus, ihre Silhouette vor dem abendlichen Himmel etwa. Die Schönheit der Stadt ins Szene setzen, darum ging es den meisten der im Buch und in der Ausstellung versammelten Künstler.

Auch die Architektur der Stadt faszinierte die Maler. Brücken und Kanäle, Paläste und Plätze, allen voran Piazza San Marco, Markuskirche und Dogenpalast. Die venezianische Renaissance, die von den Künstlern als Inbegriff des Schönen, als eine Art Vorbild begriffen wurde. Der aus Erfurt stammende Maler Friedrich Nerly hat über vier Jahrzehnte von 1837 bis 1878 immer wieder die Palazzi und Kirchen der Stadt in Szene gesetzt – frühe Bildungstouristen in der Serenissima erwarben seine Bilder und sicherten ihm ein Auskommen.

Manchmal war es aber auch vermeintlich Unspektakuläres, was den Künstlern zum Bild taugte: Max Liebermann etwa hielt 1878 einer enge Gasse fest, andere zeigten die Alltagswelt der Fischer und Marktfrauen wie etwa Gustav Schönleber, der vor allem im Fischerhafen von Chioggia am südlichen Ende der Lagune arbeitete.

Das Leben der Fischer, die Sehenswürdigkeiten der Stadt, romantische Abend- und Nachtszenen mit Gondeln, Brücken und Kanälen – die Künstler fanden in Venedig zumeist das, was wir bis heute suchen: typisch venezianische Impressionen wie etwa Friedrich Nerlys „Canal Grande mit Blick auf Santa Maria della Salute“, entstanden um 1845. Venedig, denkt man beim Blättern im Buch, ist damals wie heute eine Welt für sich, eine Gesamtkunstwerk aus den Farben des Wassers, des Himmels und der Paläste, eine faszinierend bildwürdige Stadt, dessen Einzigartigkeit auch diese Publikation zum eigentlichen Thema hat.

Ausstellungen: Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. Städtische Galerie Karlsruhe
Bis 6. März 2011 Vom 2. April bis 3. Juli 2011 in der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloß Neuhaus.

11.12.2010
Marc Peschke
Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. Hrsg.: Städtische Galerie Karlsruhe; Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloss Neuhaus. 216 S., 146 fb. Abb. 24 x 30 cm, Gb. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010. EUR 29,95 CHF 43,50

ISBN 978-3-86568-644-2   [Imhof]
 
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