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Porträts der Renaissance. Hintergründe und Schicksale.

Mit erstarkendem Selbstbewusstsein des Adels und des gehobenen Bürgertums seit dem ausgehenden Mittelalter veränderte sich auch der Anspruch an die Bildnismalerei. Die bis dahin übliche typologisierte Wiedergabe eines Menschen entwickelte sich zur Darstellung mit individueller Ähnlichkeit, der Porträtmalerei, die in der Renaissance ihre höchste Blüte erlebte. Dennoch gibt es aus dieser Epoche nicht wenige Bildnisse, deren Maler zwar bekannt sind, nicht aber die Namen der Dargestellten. "Dadurch fehlen im Grunde Anlass und Inhalt", die "authentische Identität" des Bildes.
Ein neuer, schmaler Kunstband stellt 24 solcher, ursprünglich zur Repräsentation gemalten Porträts von Adeligen, Klerikern, Gelehrten und Kaufleuten vor. Zumindest die Namen der sieben ausgewählten Maler, darunter Bartolomeo Veneto, Vittore Carpaccio, Lucas Cranach d.Ä. und Hans Holbein d.J., sind bekannt, wenn auch vereinzelt Ungewissheiten zu ihren Daten und Viten bestehen, etwa bei Bartolomeo Veneto aus Mantua, der im Band mit 11 Werken am stärksten vertreten ist. Mit geradezu detektivischem Spürsinn geht der Autor, ein Privatgelehrter, auf Spurensuche, wertet die verfügbare Literatur aus, sucht in entlegensten Quellen nach Hinweisen, aus denen er Rückschlüsse auf die Identität der Porträtierten oder auf Details aus den Künstlerbiographien zieht und zu neuen Erkenntnissen und Gewissheiten gelangt. Seine Besondere Aufmerksamkeit – die massige Wiedergabequalität der Gemälde beeinträchtigt allerdings die Wahrnehmung des Lesers ein wenig – gilt den Gegenständen auf den Bildern, wie Details an der Garderobe, insbesondere an Kopfbedeckungen, Beigaben wie Schmuck, Waffen oder Werkzeuge u.a. und ihrer Beziehung zueinander, denn die trotz aller "ausgeprägter individueller Verschiedenheiten" der Dargestellten sind gerade die "zeitbedingten Übereinstimmungen" aussagestark.
Jedes der 24 ganzseitig wiedergegebenen Porträts, die durch motivisch ähnliche, kleinformatig abgebildete Gemälde oder Graphiken ergänzt werden, wird in ausführlichen, mehrseitigen, mit umfassenden Literaturangaben versehenen Texten gründlich betrachtet, kommentiert und analysiert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Beschreibung der einzelnen Schritte des unterschiedlichen Vorgehens bei der Recherche und den gewonnenen Erkenntnissen. Auf diese Weise ist eine interessante, informative und auch spannende Sammlung bisher zum Teil wenig beachteter kunst- und kulturhistorischer Facetten der Renaissance entstanden.

30.03.2012


Christa Chatrath
Christoph Wilhelmi. Porträts der Renaissance. Hintergründe und Schicksale. 192 S., 91 fb. und s/w, Abb. Gb., Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2011. EUR 19,95 CHF 28,90
ISBN 978-3-496-01432-4   [Dietrich Reimer Verlag]
 
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