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Hans Holbeins d. J. »Madonnen des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen«

Im Zentrum des Buches von Bernhard Maaz steht ein jahrhundertlanger Streit um die Urheberschaft der Gemälde „Die Madonnen des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“. Ist das Dresdener oder das Darmstädter Werk, das heute in der Sammlung Würth in Schwäbisch-Hall seinen Platz gefunden hat, aus der Hand des Meisters Hans Holbein d.J.?
Das Werk, heute als Original von Hans Holbein d. J. aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts ausgezeichnet, befand sich über viele Jahre im fürstlichen Privatbesitz und war daher lange Zeit dem öffentlichen Publikum verborgen geblieben. Stattdessen erlangte die in Dresden stehende Kopie, die man ebenfalls Holbein zuschrieb, höchste Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Aufgrund der Frage, welches Bild nun das Original sei, entbrannte der legendäre Holbein-Streit bereits wenige Jahre nach dem Erwerb des Gemäldes Mitte des 18. Jahrhundert, und zahlreiche Personen des öffentlichen und kulturellen Lebens mischten sich vehement ein.
Dieser Prozess, akribisch, aber lebendig und frisch beschrieben, ist das Thema des Buches und führt den Leser in die Welt der kunstgeschichtlichen Auseinandersetzungen, die noch bis ins 20. Jahrhundert reichten. Auch wenn man in einer Münchener Ausstellung im Jahre 1870/71 beide Gemälde dem Publikum und der Fachwelt präsentierte, dauerte es noch weitere Jahre, bis man den Kopisten Holbeins, Bartholomäus Sarburgh ausmachen konnte.
Doch noch einmal, in den 1930er Jahren, flammten die Streitigkeiten erneut auf, wem man die Urheberschaft dieses geliebten Gemäldes zuschreiben könnte.
Die jüngste Auflage des Holbein-Streites gab es im Jahr 2002, als die Hessische Hausstiftung seine Darmstädter Madonna verkaufen wollte. Schlussendlich hat das berühmte, von Hans Holbein d.J. ausgeführte Darmstädter Gemälde der Sammler Reinhold Würth für sage und schreibe 60 Millionen Euro erworben und damit ein urdeutsches Kulturgut der europäischen Kunstgeschichte gekauft, das in Schwäbisch Hall von der staunenden Nachwelt zu besichtigen ist.
Aber auch die Kopie in Dresden findet eine angemessene Würdigung. Was schrieb der Künstler Eduard Magnus bereits 1870? „Das Gemälde in Dresden wird all die arroganten Esel überdauern! Braucht keinen Verteidiger!“

Und wer sich darüber hinaus weitere Kunstwerke der Sammlung Würth zu Gemüte führen möchte, ist mit dem Meister von Messkirch, beziehungsweise einer Monografie seiner Bildtafeln in der Sammlung Würth ebenfalls gut bedient. Der Meister von Messkirch gehört nicht nur zu den bedeutendsten Künstlern der altdeutschen Malerei, sonder auch zu den rätselhaftesten. Mit dem Erwerb wesentlicher Teile des nach 1530 entstandenen Falkensteiner Altarretabels ist ein zentrales Werk des Meisters in die Sammlung Würth gekommen. Der Kunsthistoriker Dietmar Lüdke kommentiert dessen Bilderfindungen anhand einer Zusammenschau der Arbeiten mit denen von Albrecht Dürer, Hans Schäufelin und Hans Baldung genannt Grien sowie anderen hochrangigen Künstlern dieser Zeit.

Der Meister von Messkirch. Die Bildtafeln in der Sammlung Würth. Lüdke, Dietmar. Hrsg.: Weber, C. Sylvia. 2013. 96 S. 28 x 23 cm. Pb. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2014. EUR 24,00. CHF 31,20 978-3-89929-282-4

27.03.2015
Gabriele Klempert
Hans Holbeins d. J. »Madonnen des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen« in Dresden und Darmstadt: Wahrnehmung, Wahrheitsfindung und -verunklärung. Maaz, Bernhard. Hrsg.: Weber, C. Sylvia. 64 S. 28 x 23 cm. Pb. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2014. EUR 20,00. CHF 24,00
ISBN 978-3-89929-289-3   [Swiridoff]
 
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