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Impressionismus. Eine Welt aus Farbe und Licht

Die Literatur über den Impressionismus ist kaum noch zu überschauen. Entsprechend vielfältig sind die wissenschaftlichen Thesen über seine Rolle und Bedeutung. Trotzdem oder gerade deshalb sucht der renommierte Kunsthistoriker Norbert Wolf einen "Ausweg aus diesem definitorischen Dilemma", indem er Definitionen und Stilfragen verschiedener Autoren sichtet .und hinterfragt und ihnen seine Deutung gegenüberstellt und begründet. Überzeugend, auch selbstkritisch, definiert er den "Impressionismus als zweipoliges Spannungsfeld": als "optischen Impressionismus" mit seinem Hauptanliegen der "künstlerischen Erforschung und Umsetzung physiologischer Gesetzmäßigkeiten des Sehens" und als "synthetischen Impressionismus", der "zwar die taktilen Werte im Bild...bestehen läßt, aber daneben Farb- und Lichteffekte des optischen Impressionismus ausschöpft."
So kann er auch Caillebotte, Renoir und Degas mit Fug und Recht dem Impressionismus und zwar dem synthetischen, zuordnen, ebenso wie Manet, die "Leitfigur zumindest des frühen Impressionismus." Insofern bedeutet die jeweilige Bevorzugung der Künstler von "Farbe oder Linie" für Wolf keinen Bruch innerhalb des impressionistischen Stils, weil beide, die "lichtdurchtränkte Farbe" und die "vom denkerischen Kalkül geleitete Linie" einen "übergreifenden Stil" mit einem "gemeinsamen Nenner" bilden, als Teil einer "Richtung, die es verdient, einen gemeinsamen, von "le Impression" abgeleiteten Namen zu tragen."
Einleuchtend, auf das Wesentliche konzentriert untersucht der Verfasser einzelne Aspekte im Hinblick auf Charakteristika, Optionen, Chancen oder Aporien des Impressionismus. Thematisch geordnet behandelt er vor allem den französischen Impressionismus, denn Frankreich habe im Lauf des 19. Jahrhunderts das "innovativste künstlerische Potential in Europa" besessen, untersucht sein Umfeld (Paris und seine Gesellschaft), die Gruppendynamik der Künstler, Stilkategorien (darunter den Japonismus), das neue Sehen und Themen und Motive; er stellt Maler und insbesondere die zu ihrer Zeit wenig beachteten bzw. verkannten Malerinnen vor, behandelt die Expansion des Stils in Europa und den USA und weitere Kunstformen wie Neoimpressionismus und Postimpressionismus, sowie die Folgewirkungen in der Moderne. Wolf wertet den Impressionismus als "eine der bedeutendsten und anregendsten künstlerischen Strömungen zwischen Tradition und Avantgarde,...wenn nicht gar die bedeutendste" —-eine Einschätzung, der man zustimmen möchte, wenn man allein die Gemäldeausschnitte auf ganzseitigen Farbtafeln unter den weit über 200 farbigen Abbildungen dieses großformatigen, schweren Kunstbandes anschaut. Geradezu atemberaubend dicht, wie in keinem Museum möglich, wird der Betrachter an das Bild herangeführt, so daß er jeden einzelnen Pinselstrich oder -tupfer erkennen und verfolgen kann, als schaue er dem Künstler beim Malen über die Schulter. — Ein wunderbarer, faszinierender Bild-Text-Band (mit wissenschaftlichem Anhang) zur Freude jedes Kunstliebhabers und als Anregung und Diskussionsbeitrag für Fachleute.

14.02.2016
Christa Chatrath
Impressionismus. Eine Welt aus Farbe und Licht. Norbert Wolf. 272 S., 220 fb. Abb. 28 x 34 cm. Gb. Prestel Verlag, München 2015. EUR 69,00 CHF 85,00
ISBN 978-3-7913-4977-0
 
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