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Ägyptische Mumienmasken im Martin von Wagner Museum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Julius-Maximilians-Universität in Würzburg besitzt mit der Sammlung des Martin von Wagner Museums eine bislang großenteils noch unpublizierte Objektgruppe ägyptischer Antiken. Diese wurde 1990 durch die Schenkung von Friedrich Gütte um eine weitere Attraktivität bereichert: um eine Mumienmaskensammlung aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert.
Die Totensorge, wie man zusammenfassend sowohl das Bemühen des Einzelnen um ein künftiges angemessenes Begräbnis als auch den Kult der Nachwelt für den Verstorbenen bezeichnen kann, ist ein fester Bestandteil der altägyptischen Religion. Nirgends in der Menschheitsgeschichte hat das Weiterleben des Menschen über den Tod hinaus eine so herausragende Rolle gespielt wie im Niltal. Keine andere Kultur hat für die individuelle Fortexistenz einen solchen Aufwand betrieben wie die altägyptische.
In den religiösen Aspekten des Totenglaubens liegen auch die Wurzeln für die Herausbildung jener Kunst und Technik, die als Mumifizierung bekannt geworden ist. Dabei ging es darum, den Körper des Verstorbenen für die Nachwelt zu erhalten. Sichtbarer Abschluss der Mumifizierung war die äußere Umhüllung der Mumie, die je nach Stand und Vermögen des Verstorbenen aus kostbaren Materialien bestand.
M. A. Stadler geht im vorliegenden Buch nicht explizit auf Mumifizierung, Grabausrüstung, Totentexte oder Wandmalereien in Gräbern ein (derartige Informationen enthält das Katalogbuch zur Ausstellung: Tutanchamun. Das goldene Zeitalter. Grabschätze aus dem Tal der Könige. Hirmer Verlag München 2004). Er beschränkt sich auf 12 Mumienmasken und Maskenauflagen, deren Herkunft, Datierung, Ikonographie er wissenschaftlich untersucht und die er im abschließenden Teil des Buches katalogmäßig erschließt und beschreibt. Damit füllt er eine Lücke in der Ägyptologie. Denn die ägyptischen Mumienmasken aus der ptolemäisch-römischen Zeit haben bislang kaum eine eigene zusammenhängende Untersuchung erfahren. Bei den abgebildeten Mumienmasken handelt es sich durchgehend um stuckierte Leinenkartonagen, die bemalt und teilweise mit Blattgold verziert wurden. Es ist bewundernswert und höchst aufschlussreich, was die Beschreibung der Masken zutage fördert: Religiöse Symbolik, wie beispielsweise einen Ba-Vogel, den Seelenvogel, hieroglyphische Inschriften, zumeist auch religiösen Inhalts, oder Anhaltspunkte zu Position und Professsion des Verstorbenen. Die Ornamentik auf den Maskenauflagen wird minutiös beschrieben, so dass die abgebildeten Mumien - ganz im Sinne des ägyptischen Totenglaubens - für die Nachwelt, unsere Gegenwart, Erinnerungswert erhalten.
Dieses Buch wird Fachgelehrte und jene Personen, die an altägyptischer Religion Interesse zeigen, ansprechen. Text und wissenschaftlicher Apparat erfordern Aufmerksamkeit und wissenschaftliche Aufgeschlossenheit. Aber auch der Buchliebhaber kommt bei dieser Publikation auf seine Kosten. Abbildungen, Druck und die einbandtechnische sowie - künstlerische Gestaltung sind beachtenswert.
Gisela Ewert
Stadler, Martin A: Ägyptische Mumienmasken im Martin von Wagner Museum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. (Schenkung Gütte). 120 S., 19 sw. u. 16 fb. Abb. 24 cm. Gb. L. Reichert, Wiesbaden 2004. EUR 29,-
12. Januar 2005
ISBN 3-89500-361-1   [L, Reichert]
 
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