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Wandmalerei in Nordkerala - Vom Untergang bedroht

Mit großem Engagement haben Autor und Fotograf Wandmalereien von 32 hinduistischen Tempelanlagen im Gebiet von Nordkerala (im Südwesten von Indien) zusammengetragen. Das Präsentierte erweist sich in zweifacher Weise als bedeutsam. Einmal, weil die in den Mythen und Legenden des Hinduismus gründenden lebendigen Wandmalereien mit diesem zweisprachigen Kunstband einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, und zum anderen, weil die entlegenen Tempel heute teilweise vom Verfall bedroht sind oder schon nicht mehr existieren. Das Werk leistet somit Wichtiges für Kunstforschung und zum zumindest ideellen Erhalt kultureller Geistesleistungen vergangener Jahrhunderte. leistet. Die vorgestellten Bauten datieren vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie zeigen gleichsam Sinfonien in orangefarbenen Tönen auf drei der vier Außenwände des Srikovil – ein zweigeschossiges, quadratisches Gebäude mit zwei weit ausladenden mit Kupferplatten gedeckten Dächern, das der Gläubige in festgelegter Weise mehrfach zu umschreiten hat – und erzählen in vielfältigen Variationen immer wieder neu die Geschichten von Shiva, Parvati, Rama, Vana Sastavu, Mohini, Vishnu, dem Weisen Narada, Sita und Valmiki und all den anderen Gestalten des Ramayana- und Mahabharata-Epos'. Der Beschreibung der Wandmalereien der einzelnen Tempel ist zumeist eine den Srikovil im Gesamt zeigende Farbaufnahme beigestellt, so dass der Leser der ja doch zunächst dem Laien etwas fremden hinduistischen Bilderwelt nicht unvermittelt begegnet, sondern ihre Bedeutung im Kontext der Tempelanlage annähernd ermessen kann. Indirekt erfährt der Leser dadurch auch etwas über das spezifische Verhältnis von Farbe und Baukunst im Bezug auf die spezielle Sakralarchitektur des Srikovil. Im Mittelpunkt stehen freilich die Malereien mit ihren in einem Meer aus wogenden Farbtönen (Orange, Gelb, Hellrot, und Grün) aufscheinenden Motiven. Ihnen kann sich der Leser aufgrund der Qualität der Aufnahmen und dem passenden Layout in Ruhe widmen. In einem einfühlsam geschriebenen und informativem >Epilog< liefert Albrecht Frenz nicht nur zahlreiches Wissen um die Hintergründe der hinduistischen Tempelmalereien, sondern lässt den Leser zugleich auch an der Entstehungsgeschichte des Buches, seiner Arbeit mit dem Fotografen Krishna Kumar Marar teilhaben. Ein ausgesprochen hochwertiges Kunstbuch.






Matthias Mochner
Marar, Krishna K: Wandmalerei in Nordkerala /Indien. 208 S., 400 fb. Abb. 30 cm. Gb. Arnold'sche, Stuttgart 2004. EUR 49,80
ISBN 3-89790-208-7
 
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