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Geschichte der Künste

Kompakte Kunstgeschichte
An kunstgeschichtlichen Übersichtsdarstellungen mangelt es nicht und so ist es verwunderlich, dass Michael Guery mit „Geschichte der Künste“ noch eine schrieb. Neu ist in dieser Publikation, dass sie Architektur, Malerei, Skulptur, Literatur, Theater, Musik, Tanz, Fotografie und Film zusammen behandelt werden. Dargestellt werden sollen Entwicklungen dieser Künste seit der griechischen Antike bis zur Gegenwart. Geographisch nicht festgelegt ist es im wesentlichen eine europäische Geschichte mit Ausläufern in die USA und im Bereich der Literatur nach Lateinamerika.

Gegliedert ist das Buch in zwei Teile, einen historischen und thematischen Überblick. Jenseits der bekannten Nachzeichnungen über die Entwicklung der Stile, die im ersten Teil geliefert wird und sehr verständlich geschrieben ist, bietet Guery im ersten Teil zwei Neuerungen. Er bezieht das politische Umfeld mit ein. Dies kommt in anderen Darstellungen oft zu kurz, ist aber für die Entwicklung der Künste von Bedeutung. Sehr reizvoll ist auch, Gemeinsamkeiten der Künste in einem Epochenbild zusammenzufassen. So kommt darin Interessantes, wie die Anführung kultureller Zentren, das jeweilige Kunstverständnis oder welche Kunstgattungen die Führungsrolle übernahmen, zur Sprache. Im Durchgang durch die Epochen arbeitet Guery aneinander gereiht jeweils markante Entwicklungen in den verschiedenen Künsten ab, so dass sich am Ende des ersten Teils ein guter Überblick gewinnen lässt.

Der zweite Teil widmet sich einem thematischen Zugang zur Kunst. Es sollen Kontinuitäten über die Epochen hinweg dargestellt werden. Dieser Teil ist natürlich angreifbar, weil hier noch stärker gerafft werden musste. Insgesamt aber bietet dieser Teil insofern Neues, da ein solcher Zugang in anderen Überblicksdarstellungen fehlt. So wird deutlich, wie stark Entdeckungen von Naturwissenschaften und Technik die Kunst verändert haben. Ein simples Beispiel, die Entwicklung von Farben in Tuben, verdeutlicht dies. So profitierten die Impressionisten von dieser Erfindung, da es Malern nun erstmals möglich wurde, unter freiem Himmel zu malen. Alltagspraktisch noch umfassender wirkte sich 1880 die Entwicklung von armiertem Beton und Stahl als Geburtshelfer des modernen Bauens aus.

Diese tour d’horizon bewältigt Guery auf 260 Seiten und dies ist eine große Leistung, wenngleich Auslassungen und zum Teil zu starke Reduktionen den guten Eindruck etwas trüben. Entschieden zu knapp sind die bibliographischen Hinweise für diejenigen ausgefallen, die einen Aspekt vertiefen möchten. Vom geographischen Zuschnitt her, ist es etwas merkwürdig, lateinamerikanische Literatur zu erwähnen, große Künstler aus Mittelamerika wie Diego Rivera aber unerwähnt zu lassen. Auch nicht angesprochen wurde die Auswahl der Künste – hier könnte man fragen, wo bleibt das populäre Genre des Comic oder der Bildergeschichte, die Videokunst oder digitale Kunst, wie Kunst, die sich nur im Internet bewegt, kommt praktisch auch nicht vor. Immerhin, die „nationalsozialistische Kunst“ wird nicht ausgespart, wenngleich Sätze gegen Ende dieses Artikels, dass sich, bedingt durch die Emigration vieler Künstler, New York zum „wichtigsten Kulturzentrum der Welt“ entwickelte, überzogen sind. Begründungspflichtig wäre es auch gewesen, weshalb aus dem Bereich der angewandten Kunst, Architektur, berücksichtigt wurde, nicht dagegen Design oder Kunsthandwerk.

Als Überblick ist die kurze Geschichte der Künste empfehlenswert, da sie auch sprachlich, mit Erläuterungen von Fachbegriffen im Text, einen leichten Zugang zur Kunstgeschichte ermöglicht und durch zahlreiche Abbildungen das Gesagte gut veranschaulicht. Was Guery zur Postmoderne zu sagen hat, sollte man allerdings prüfen, da sie sich gerade durch eine Ästhetisierung der Lebensbereiche auszeichnet, was Guery in Abrede stellt. Im Anhang gibt es noch einen Schnelldurchlauf „Kurzübersicht der Kunstepochen“, der wirklich gelungen ist.
1. 04. 2010.



Sigrid Gaisreiter
Guery, Michael: Geschichte der Künste von der Antike bis zur Gegenwart. 190 S., 61 sw. u. 91 fb. Abb., 20 x 13 cm. Pb. D. Reimer Verlag, Berlin 2014. EUR 16, 90
ISBN 978-3-496-01407-2   [Dietrich Reimer Verlag]
 
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