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Anja Niedringhaus

„Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“
Sie gilt als eine der wichtigsten Kriegsfotografinnen weltweit: Anja Niedringhaus, die Pulitzerpreisträgern von 2005. Ihre Bilder sind überall präsent, erscheinen in vielen Tageszeitungen und Magazinen – bestimmen unser Bild der Krisenregionen dieser Welt.

Anja Niedringhaus wurde 1965 in Höxter geboren – seit 20 Jahren fotografiert sie unter extremen Bedingungen: Ihr Bilder entstanden in Kroatien, in Serbien, im Irak, in Afghanistan, Libyen oder Israel: Bilder von Menschen im Krieg, die nun in einem neuen, bei Hatje Cantz erschienenen Buch zusammengefasst worden sind.

Niedringhaus ist eine der wenigen Frauen, die sich als Kriegsberichterstatterin einen Namen gemacht hat. Ihr Bilder zeigen nur selten Spektakuläres, eher die Momente des Dazwischen: Momente der Erschöpfung, stille Verzweiflung, aber auch das, was es inmitten des Krieges auch gibt: Momente der Freude, Gelassenheit für wenige Minuten.

Im Jahr 2005 bekam sie den Pulitzerpreis für ihre Irak-Bilder – als erste deutsche Fotografin. Doch Niedringhaus ist keine, die darüber viel Aufheben macht: „Jeder kann fotografieren“, sagt sie. Und auch: „Ich verstehe meine Bilder nicht als Kunst.“ Niedringhaus geht es darum, Bilder zu machen, um der Welt zu zeigen, was passiert: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt“, sagt sie.

Weltbekannt wurde etwa jenes Bild eines US-Soldaten, der einen gefesselten Gefangenen abführt – eine Fotografie aus dem Irakkrieg, die Macht und Ohnmacht vor Augen führt – und auch das, was Krieg und Elend aus Menschen machen kann. Für dieses Bild hat die Fotografin den Pulitzerpreis erhalten.

Ihre Bilder gehen nicht aus dem Kopf. Bilder aus Sarajevo, aus Bagdad. Bilder, die vor allem für die Nachrichtenagentur Associated Press entstehen – Bilder, für die sich die Fotografin immer wieder in Lebensgefahr begeben hat. Sie wurde beschossen, ein Polizeiwagen brach ihr das Bein, noch immer sind vier Granatsplitter aus Afghanistan in ihrer Hüfte – warum begibt man sich in solche Situationen? „Es ist das Gefühl, das absolut Richtige zu tun“, sagt sie.

In Interviews hat sie betont, dass die Kamera auch ein Schutz wäre: Das fokussierte Sehen schützt vor den Eindrücken, erklärt Niedringhaus. Es klingt paradox. Das jetzt bei Hatje Cantz erschienene Buch „At War“ versammelt Bilder, die unter die Haut gehen, schonungslose Bilder, die herausfordern – ergänzt um grundlegende Essays zum Werk von Anja Niedringhaus und zum Sujet des Kriegsbildes.

30.09.2011


Marc Peschke
C/O Berlin (Hrsg.): Anja Niedringhaus: At War. Vorwort von Associated Press, Texte von Jean-Christophe Ammann, Ulrike Demmer, Felix Hoffmann. Gebunden. Deutsch/Englisch. 180 Seiten. 78 Abbildungen. Verlag Hatje Cantz, Ostfildern 2011. EUR 34,00
ISBN 978-3-7757-3232-1
 
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