KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Metzler Lexikon Kunstwissenschaft Anzeige Verlag Langewiesche Königstein | Blaue Bücher
[Home] [Kunst] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurück]

Maschen der Kunst

Ob in der Industrie-, im Handels- oder im Dienstleistungsgewerbe, immer ruft der Markt angeblich nach etwas Neuem, nach etwas Besonderem. Und wenn dem Erfinder nichts wirklich Neues einfällt, bedient er sich zur Vermarktung seiner Produkte bestimmter „Maschen“. In der Kunst ist das nicht anders.
Auch in der Kunst scheinen die Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks heutzutage schier unbegrenzt. Schließlich ist „jeder ein Künstler“ und immer mehr Positionen drängen ins Rampenlicht des Kunstmarkts und versuchen, sich durch scheinbare Innovation von der Konkurrenz zu unterscheiden.

Welche Maschen der Kunstmarkt zu bieten hat, um das Interesse seiner Verehrer zu wecken, darüber informiert brillant Christian Janecke, Jahrgang 64, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, den neugierigen Leser. Von A wie Amoralismus bis W wie Wortwörtlichkeit, listet Janecke, leider reichlich akademisch und in langen Sätzen, aber dennoch mit viel Witz und noch mehr Ironie, zahllose Tricks der Kunstverführung auf, dass es nur so scheppert.
So kommt, laut Janecke, der „Hängungsmischmach“ häufig dann zum Einsatz, wenn das einzelne Werk allein nicht überzeugt, aber im „Schwarm“ irgendwie doch Eindruck schinden kann. Was von einem Künstler originell erstmals vorgetragen, findet, insbesondere in der Fotografie, sogleich Nachahmer und verkommt zur „Masche“.
Auch die Liebhaber des hochgehandelten Künstlers Neo Rauch reiben sich beim Lesen die Augen, wagt es doch Janecke, die Werke dieses wortkargen Künstlers und noch mehr, die seiner Nachahmer als „Figurentheatralik“ zu enttarnen. Nicht deren Bildpersonal findet die Kritik Janeckes, sondern „‘wie‘ die Figuren statt etwas zu tun, nur hantieren, ‚wie‘ sie, statt zu gehen, einherschreiten und ‚wie‘ jeder Aufbruch tumultuös auf der Stelle tritt.“

In 36 höchst aufschlussreichen und amüsanten Essays entfaltet Janecke ein Feuerwerk von Routinen in der Präsentation von Kunst. Am Ende der Lektüre – die unbedingt zu empfehlen ist – hat man abzuschätzen gelernt, was von den einzelnen Erscheinungsformen jüngerer Kunst nach Abzug der Maschen tatsächlich übrig bleibt.
Dieses Buch kann man übrigens gut in Etappen und sogar zwei bis dreimal lesen…

20.02.2012

Gabriele Klempert
Janecke, Christian. Maschen der Kunst. 238 S. 19 x 12 cm. Gb.zu Klampen, Springe 2011. EUR 19,80.
ISBN 978-3-86674-159-1
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]