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Walter Ophey - Zeichnungen |
Walther Ophey (1882–1930) ist außerhalb des Rheinlands wenig bekannt. Das liegt zum einen an seinem frühen Tod mit 47 Jahren und zum anderen daran, dass ihn dieser kurz vor der Nazi-Diktatur ereilte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zwar sein Andenken insbesondere in Düsseldorf, wo sich im Museum Kunstpalast der größte Teil seines Nachlasses befindet, weiter gepflegt, aber sein überregionaler Nachruhm entspricht leider nicht dem Rang, den der kommunikative Künstler sich seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in ganz Deutschland erarbeitet hatte. Eine weitere Ausstellung aus dem Nachlass in Düsseldorf konzentrierte sich nun auf das zeichnerische Werk, eine besondere Stärke des Künstlers, der sich einen ganz eigenen Stil erarbeitet hatte. An der Düsseldorfer Akademie ausgebildet hatte er zunächst mit dem zeittypischen deutschen Impressionismus und dem gerade aktuellen Jugendstil experimentiert, ehe er seine Zeichnungen schon vor 1914 weitgehend auf den Strich reduzierte und einen besonderen Rhythmus in diesen reduzierten Bildern entwickelt hatte.
Ophey selbst wollte nie mit dem Schlagwort Expressionismus zusammengebracht werden und es würde seine Kunst auch nur unzureichend charakterisieren. Dennoch wurde er in diese Rubrik gesteckt, wobei eher an die Kinobilder des „Cabinet des Dr. Caligari“ denken sollte, die von Opheys Bilderfindungen geprägt sind, als an die Farbräusche der Brücke-Künstler. Die Farbe ist dennoch entscheidend für die Wirkung der Bilder von Ophey, aber indem er seine Kreidezeichnungen nur aus der Linie und deren zurückhaltender Verwischung aufbaut, entsteht eine kristalline Wirkung und eigenartige Räumlichkeit auf der Blattfläche.
Eine Ausstellung ist schnell verpasst, aber der vorliegende „Katalog“ ist eine voll gültige Monographie zu dem Zeichner Ophey, die in hervorragenden Reproduktionen dieses Werk der farbigen Linien entfaltet. So bleibt der Zeichner über die Ausstellung hinaus erlebbar. Die Texte von Daniel Cremer und Gunda Luyken führen in den Werdegang des Künstlers und seine Netzwerke ein. Luyken beleuchtet zudem einen bislang weitgehend unbeachteten Aspekt, die Skizzenbuchblätter vom Lazarettaufenthalt Opheys während des Weltkriegs im ostpreußischen Culm. Seine schwache Konstitution, die letztlich auch den frühen Tod bedingte, hatte den Künstler vor dem Einsatz direkt an der Front bewahrt, aber gleich schwer erkranken lassen. Das bot ihm die Gelegenheit noch einmal ganz andere Perspektiven auf sein ungewohntes Umfeld zu entwickeln. Auch Ophey-Kenner haben also in diesem Buch etwas zu entdecken.
02.04.2026
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| Andreas Strobl |
Walter Ophey. Zeichnungen. Hrsg.: Cremer, Daniel; Luyken, Gunda. 200 S. 180 Abb. 27 x 22 cm. Wienand Verlag, Köln 2025. EUR 30,00. CHF 36,80
ISBN 978-3-86832-784-7
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