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Eine Geschichte des Tourismus

Urlaub als Bildung. Urlaub als Erholung. Urlaub als Status. Touristisches Reisen hat viele Facetten. Hasso Spode erzählt, wie sie sich herausbildeten und sich veränderten – und dabei auch die Menschen, die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Kultur und die Natur.
Spode spannt einen großen Bogen von der Grand tour des 18. Jahrhunderts bis zu den heutigen Abgründen des zerstörerischen Massentourismus (derzeit sieht man überall Plakate „25 Jahre AIDA“ - und das sollte uns Warnung genug sein). Er erzählt von einstiger Exklusivität für die upper class und den Adel. Er zeigt, wie Landschaften „nationalisiert“ und touristisch erschlossen wurden. Wie sich Reiseunternehmen und Transportgesellschaften entwickelten. Er widmet sich der „Guidenliteratur“, also den Reiseführern, die mit dem deutschen „Baedeker“ im 19. Jahrhundert ein Standardkonzept entwickelten (Sehenswürdigkeiten mit Sternchen zu bewerten). Auch Tourismus als Teil totalitärer Ideologie (Dopolavoro im faschistischen Italien, KdF im NS) spielt eine Rolle. Kurzum: es gibt nichts, was man an diesem schick gestalteten Buch vermissen würde.
Aber es kommt noch besser. Spode ist ein absoluter Experte, der es auf wunderbare Weise versteht, sein Spezialgebiet einem breiten Publikum zu vermitteln. Der Text ist so geschickt gegliedert, dass wir nicht einfach eine chronologische Abhandlung lesen, sondern eine Abfolge kleiner Themenessays, die aufeinander aufbauen, sich ergänzen, erweitern, vertiefen. Dabei erscheinen die Phänomene des Tourismus im größeren Zusammenhang: durchaus politisch, immer kritisch blickt Spode auf die Folgen einer immer mächtiger werdenden Industrie. Und er zeigt – eine Variante auf Enzensbergers klassisch gewordenes Bonmot, nachdem der Tourist das, was er sucht, zerstört, indem er es findet –, dass Tourismus in sich eine vollkommen widersprüchliche Kulturpraxis ist. „Das Ideal der Bewahrung von Natur und Tradition ist ein Produkt unseres Vergangenheitsvergegenwärtigungsbedarfs“, heißt es auf den letzten, essayistisch-fulminanten Seiten des Buches. Im Satz drauf spricht der Autor gewitzt von „schizophrener Romantisierung“. Brillant!
Dieses Buch macht Spaß, belehrt und regt zum Nachdenken an – über die Gesellschaft in der wir leben, genauso wie über das eigene Reiseverhalten und die damit (scheinbar) verbundenen Bedürfnisse. Es ist ein Werk, das weit über den Anspruch einer populären Einführung ins Thema hinausreicht und daher auch Lesern, die sich bereits besser auskennen, neue Facetten (und Fakten und Zusammenhänge) bieten wird. Unbedingte Empfehlung!

02.07.2026
Christian Welzbacher
Traum Zeit Reise. Eine Geschichte des Tourismus. Spode, Hasso. 336 S. 67 teils fb. Abb. 24,8 x 17,5 cm. Bebra Verlag, Berlin 2026. EUR 30,00.
ISBN 978-3-89809-264-7
 
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