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Zum Schreiben ermutigt. Hans Purrmann und das Ehepaar Göpel

Dass der Maler Hans Purrmann (1880–1966) zu den großen Briefschreibern seiner Zeit zählte, das haben die Publikationen des Archivs, das seinen Nachlass betreut, inzwischen hinlänglich bewiesen. Groß meint in diesem Fall nicht nur die Menge an Briefen, die er im Laufe seines langen Lebens abgefasst hat, sondern auch die schriftstellerische Begabung des Malers, die neben der Mitteilung von Alltäglichem fast immer auch spannende Beobachtungen zu den Zeitläuften, zur Kunst und zur Kunstpolitik mit einfängt. Seine Briefe sind daher nicht nur für den Fan dieser Malerei, sondern für alle an der Kunst des 20. Jahrhunderts Interessierte ertragreiche Quellen und zudem eine oft spannende Lektüre.
Nach dem familiären Briefwechsel und unter anderem dem mit Karl Scheffler, einem der führenden Kunstpublizisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erschien nun ein weiterer Band mit einem der umfangreicheren Konvolute, die sich in Purrmanns Nachlass und dem seines Briefpartners erhalten haben. Dieser Briefpartner, Erhard Göpel (1906–1966) – eine Generation jünger als der Maler und promovierter Kunsthistoriker – hat sich große Verdienste um das Werk von Max Beckmann erworben, war aber auch zum willigen Gehilfen des NS-Kunstraubs in den besetzten Ländern Frankreich, Niederlande und Belgien geworden. Dies verwehrte ihm nach 1945 – paradoxerweise als einem der wenigen aus dieser Riege der Kunsträuber – die angestrebte Museumslaufbahn. So musste Göpel sein Geld weiterhin als Kunstschriftsteller und -kritiker verdienen.
Er hatte die verstreut publizierten Texte Purrmanns zu Kunst und Künstlern für sich entdeckt und die Idee entwickelt zu dem nahenden 80. Geburtstag des Malers eine Monographie mit Dokumenten zu publizieren. Der an der französischen Kunst geschulte und mit Henri Matisse befreundete Maler hatte sich nie mit dem NS-Regime gemein gemacht, im Gegenteil musste er noch während des Kriegs in die Schweiz fliehen. In den Jahren gegenstandsloser Kunst sowie des abstrakten Expressionismus nach 1945 und nicht zuletzt durch sein Exil war er auch ein wenig ins Abseits geraten, so dass ihm die Aufmerksamkeit des Jüngeren sehr zupass kam. Die 280 bislang unveröffentlichten Briefe erzählen die Entstehungsgeschichte des von dem Ehepaar Barbara und Erhard Göpel herausgegebenen Buches „Leben und Meinungen des Malers Hans Purrmann“, das 1961 erschien. Darüber hinaus erhält man einen Einblick in die Kunstszene und die Ausstellungspolitik der Nachkriegszeit. Erstaunlich, aber wohl typisch für die frühen Jahre der Bundesrepublik ist es, dass das jeweilige Verhalten in der NS-Zeit und überhaupt die Kulturbarbarei der Nazis so gut wie kein Thema in diesen Briefen ist. Wie man es so schön ins Positive gewendet hat: Man blickte nach vorne.
Mehrere, kenntnisreiche Essays leiten – wie immer bei den Briefeditionen des Purrmann Archivs – in die Thematik ein. Dies sind in diesem Fall die Kunst der Nachkriegszeit und natürlich die Biographien der Hauptprotagonisten. Damit wird einem, egal ob man nur an Purrmann oder nur an der Kunst nach 1945 interessiert wäre, ein weiter Horizont eröffnet. In der ausführlichen Kommentierung der Briefe setzt sich dies fort. Das riesige Netzwerk aus Bekannten und Freunden Purrmanns wie Göpels erschließt sich auf diese Weise ganz nebenbei.

05.09.2026
Andreas Strobl
Zum Schreiben ermutigt. Hans Purrmann und das Ehepaar Göpel. Der Briefwechsel 1954?1966. Hrsg.: Billeter, Felix; Leitmeyer, Maria.2026. 67 Abb. 17,3 x 11,7 cm. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2026. EUR 56,00.
ISBN 978-3-422-80398-5
 
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