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Theo - Eine Retrospektive

Ausstellung vom 9. Februar bis 27. April im Schloss Moyland.

Theo wurde 1918 in Stolberg bei Aachen geboren und lebte von 1977 bis zu seinem Tode nahezu unbemerkt in einem Pflegeheim in Weeze am Niederrhein. Erst zu Beginn der 80er Jahre wurde Robert Küppers, der damals ein Praktikum auf der Pflegestation absolvierte, auf das solitäre Zeichentalent des als "schwachsinnig" geltenden Menschen aufmerksam. Ihm gelang es, einen Teilbestand des Oeuvres zu retten. Fünf Jahre nach seinem Tode sind Theos Arbeiten in den bedeutendsten internationalen Art-Brut-Sammlungen vertreten.
Das erhaltene Werk besteht aus Filz- und Aquarellstiftarbeiten auf zumeist billigsten Papierträgern. Theos Themen kreisen hauptsächlich um tradierte religiöse Darstellungen und Märchenmotive. Im Zentrum des erhaltenen Bildbestandes stehen indes Portraitdarstellungen berühmter historischer Persönlichkeiten, die der Künstler aus seiner Erinnerung konzipiert hat. Von besonderer Prägnanz sind über 45 gemalte und gezeichnete Portraits, die Adolf Hitler zeigen. Im Schnittpunkt von Karikatur, Erinnerungsbild und (Selbst-)Portrait weisen die Bilder eine signifikante künstlerische Handschrift und Ikonografie auf. Darüber hinaus werden biografische Bezüge offenbar, denn Theo entkam im Dritten Reich nur durch Zufall der Euthanasie. In den Hitlerportraits zeigt sich die künstlerische und obsessive Verarbeitung aus der Perspektive des Opfers in beeindruckender Weise. Theos markante Obsession spiegelt sich zudem in der Verwendung schriftlicher Kommentare am Rand und auf der Rückseite des Papierträgers, die auf nahezu allen Bildern vorfindbar sind. Sie offenbaren in ihrer eigenwilligen Orthografie und Inhaltlichkeit die kryptische und zugleich faszinierende Gedankenwelt des wortkargen Künstlers.
Mit ca. 160 Papierarbeiten wird die Ausstellung erstmals einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Werkkomplexe Theos gewähren. Im Zentrum der Präsentation steht hierbei die künstlerisch vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Phänomen Hitler, die mit ca. 40 Portraitarbeiten vorgestellt wird. In einem dokumentarischen Appendix der Ausstellung wird der Fokus auf die Persönlichkeit des Künstlers und Menschen Theo gelenkt. Fotografien und Filmmaterial gewähren einen intimen Einblick in die eigensinnige und faszinierende Lebenswelt Theos und wecken ein vertieftes Verständnis zu Leben und Werk des Außenseiters.
6.2.2003
vdr
Eduard Micus. Malerei. Retrospektive. Katalog Zu erhalten über Museum Schloss Moyland
ISBN 3-929042-00-1
 
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