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Leni Hoffmann

Die Welt ist nicht schön, zumindest nicht die Welt bundesrepublikanischer Städte, nicht der Asphalt, nicht die Baulücken, Parkplätze und Brachlandschaften weiter draußen. Aber Leni Hoffmann macht alles ein bißchen bunter. Vor allem mit Knet arbeitet die 1962 in Bad Pyrmont geborene, heute in Düsseldorf lebende Künstlerin. Die Ausformulierungen ihrer Kunst sind unterschiedlich, doch eines haben alle raumgreifenden Arbeiten gemeinsam: Sie entstehen nicht im Atelier, sondern in situ, vor Ort.
Wie etwa in Hannover, wo Hoffmann die Georgenstraße zum Ort ihrer Kunst machte: Knetbällchen in Blau, Orange, Grün und Gelb ließen die Künstlerin und einige Helfer für die Arbeit "Iluka" über die Straße rollen, 80 Kilogramm insgesamt, die von den vorbeifahrenden Autos auch schnell plattgefahren wurden. Doch damit war "Iluka" noch nicht zu Ende - nach und nach löste sich das bunte Farbfeld wieder auf, der Straßenasphalt holte sich den Raum zurück.
Manchmal benötigt Hoffmann nicht einmal Knete für ihre Kunst: Für eine in diesem Jahr in Hannover geschaffene Installation reichten ihr zwei gelb ummantelte Elektrokabel, um ein eindrucksvolles Wandbild zu schaffen. Und manchmal holt sie die Asphaltwelt sogar in die Kunsthallen: Die Installation "Zabrisky" etwa schmückte einen Raum im Kunstverein Hannover mit massiven Stahlbetonfertigteilen.
Doch warum all der Aufwand? Warum mauert Hoffmann in Museen ganze Wände hoch, überzieht sie mit durchgefärbtem Kunststoffputz, warum beknetet sie ganze Hauswände wie 1997 in Bregenz geschehen, warum verlegt sie Knetboden in Galerien, den doch nach wenigen Minuten die Fußspuren der Besucher verunstalten? In Hoffmanns Worten: "Ich dehierarchisiere Räume. Ich bemühe mich um Integrität. Ich glaube an Demokratie. Ich bin fasziniert von anarchischen Systemen. Ich freue mich an werkimmanenter Logik. Ich liebe den Zufall und die Kontroverse."
Es ist von einigen Kritikern beschrieben worden, dass Leni Hoffmanns Eingriffe subversiven Strategien folgen würden. Blättert man im neuen Katalogbuch zu einer Ausstellungsreihe, die in diesem Frühjahr in Hannover zu Ende ging, so will man ihnen Recht geben: Von dadaistischem Humor zeugen viele der vorgestellten Arbeiten. Andere, schwächere, lassen eine Nähe zu (guter) Innenarchitektur, zur Dekoration erkennen. Oder ist diese Nähe gewollt - und thematisiert Hoffmanns Werk gerade die Nichtunterscheidbarkeit von Kunst und Architektur? Wie auch immer: In Hoffmanns Werk wird Architektur mittels Farbflächen umgedeutet, Fassaden neu gegliedert, wie etwa mit der Arbeit "Harah", die im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin zu sehen war.
Besonders auffällig ist die Kunst von Leni Hoffmann aber dort, wo sie sich am wenigsten aufdrängt: "Ubik" etwa ist ein schönes Beispiel für dieses charmante Understatement. Eine Arbeit, die aus nichts besteht, als aus kleinen blauen Knetecken, welche die Künstlerin auf die Treppenstufen im Münchner Haus der Kunst gedrückt hat. Oder, ebenfalls "Ubik" betitelt, ein bisschen grüne Knete in einer Mauerfuge in Milwaukee.
9.12.2004
Marc Peschke
Leni Hoffmann. Hrsg. Kunstverein Hannover. Texte Stephan Berg, Martin Engler u.a. Dtsch, Engl., Ital., Span. 272 S. 249 fb. und 66 sw. Abb. 21 cm, Gb., Modo, Freiburg 2004. EUR 34,-
ISBN 3-937014-02-0   [modo]
 
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