KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Metzler Lexikon Kunstwissenschaft Anzeige Verlag Langewiesche Königstein | Blaue Bücher
[Home] [Kunst] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurück]

Die utopische Stadt und andere Projekte

Utopie des Alltags: Ilya und Emilia Kabakovs fiktive Architektur. Die Sehnsucht nach der utopischen Stadt ist in Architektur und Kunst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ungebrochen. Architektur als Traum, das ist auch das Thema der beiden Künstler Ilya und Emilia Kabakov, deren Werk jetzt ein großes Ausstellungsbuch der Kunsthalle Bielefeld vorstellt, die bis zum 14. November 400 Zeichnungen und 40 Sperrholzmodelle unter dem Titel „Emilia und Ilya Kabakov: Die Architekturprojekte“ zeigte.
„Seit meiner Kindheit fühle ich mich als normaler sowjetischer Mensch: Ich habe Angst“, sagt der aus der Ukraine stammende, 1933 geborene Kabakov - und so ist seine Beschäftigung als Künstler vor allem durch einen Wunsch geprägt: Ziel allen Schaffens soll Befreiung sein, Flucht aus Enge in Leben und Architektur.
So stellt das opulente Katalogbuch die wichtigsten (zumeist fiktiven, weil nicht realisierten) Architekturprojekte der vergangenen Jahre vor – Arbeiten, die gemeinsam mit Emilia Kabakov, der Ehefrau des in New York lebenden Künstlers, entstanden sind. Kernstück des Buchs bildet die Arbeit „Die Utopische Stadt“, die für die Zeche Zollverein in Essen entworfen wurde.
Allen vorgestellten (und exakt von den Künstlern beschriebenen) Projekten ist eines gemeinsam: Die utopische Stadt der Kabakovs ist kein futuristischer, nachmoderner Städtetraum, kein funkelnder Organismus aus Glas und Stahl, keine inhumane Negativutopie wie Fritz Langs „Metropolis“: Die Kabakovs träumen Architektur für den "kleinen Mann", für den Alltag. Ihre anfangs surreal anmutenden Entwürfe sind nicht ganz so weltfremd, wie man glauben könnte. Durchsetzt von Melancholie und Humor zeigen die Kabakovs, wie man in der ehemaligen Sowjetunion noch heute lebt – und vor allem, wie man besser leben könnte - mit der „Toilettenwohnung“ etwa oder der „Wohnung im Schrank“.
Die schönste Utopie freilich scheint in dem Werk der beiden wunderbar erfüllt. Kunst und Leben haben sich gefunden, auch wenn sicher ist: Das meiste aus Kabakovs zauberhaftem Kosmos werden wir nie gebaut erleben dürfen. Zumindest ein Projekt ließ sich in Bielefeld aber in situ bestaunen: Im nahen Gutspark Böckel war die „Himmelsleiter“ zu sehen – eine sechzehn Meter hohe Installation, auf der ein Mann nach seinem Engel späht.
Weitere Ausstellungen im Kunsthaus Zug (27.2. - 29.5.2005) und in der Albion Gallery London (13.10. - 23.12.2005)

27.4.2005
Marc Peschke
Ilya und Emilia Kabakov. Die Utopische Stadt. Hrsg. Kunsthalle Bielefeld. Dtsch/Engl. Texte v. Thomas Kellein. 416 S., 467 fb. und 148 sw Abb., 35 cm, Gb., Kerber, Bielefeld 2004. EUR 125,-

Ausstellungen: Kunsthaus Zug, Frühjahr 2005, Albion London, Herbst.
ISBN 3-936646-89-9
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]