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Malerei und Skulptur. Brücke-Museum Berlin

Ein heller, bungalow-ähnlicher Bau unter hohen Kiefern am Ende einer ruhigen Strasse: die Lage des 1967 eröffneten Brücke-Museums in Zehlendorf am Rand des Grünewalds könnte nicht reizvoller sein. Einzigartig jedoch ist seine Kunstsammlung, die ausschließlich Werke der “Brücke“-Künstler sowie ihrer Freunde und Schüler enthält und die umfangreichste Sammlung expressionistischer Kunst ist.

Gegen die Wilhelminische Kunstförderung und gegen die akademischen Fesseln revoltierend, durchdrungen von dem Willen zur eigenen Kraft und dem Glauben an sie und aus dem Verlangen, ihren künstlerischen Impuls „unmittelbar“ und “unverfälscht“ zum Ausdruck zu bringen, hatten sich 1905 in Dresden die Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff zur Künstlergruppe “Die Brücke“ zusammengeschlossen. Max Pechstein, Otto Mueller u.a. und vorübergehend Emil Nolde kamen später dazu. 8 Jahre existierte die Gruppe, bis sie sich 1913, drei Jahre nach ihrem Umzug nach Berlin, offiziell auflöste.

Die Bedeutung der “Brücke“ für den Expressionismus und ihre inzwischen große Popularität läßt sich nicht zuletzt an der nur noch schwer überschaubaren Literaturflut ablesen. Doch zwischen den zahllosen Bildbänden, Künstlermonographien und Ausstellungskatalogen nimmt der vorliegende Band eine Sonderstellung ein. Was der Untertitel schlicht „Kominentiertes Verzeichnis“ nennt, ist ein schwergewichtiges und gehaltvolles großformatiges Kunstbuch, das sämtliche im Besitz des Brücke-Museums befindlichen Gemälde und Skulpturen der Brücke-Künstler und ihrer Freunde und Schüler, darunter Christian Rohlfs, Otto Herbig und Emy Roeder, präsentiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Werke aus den “Brücke“- Jahren 1905–13, sondern auch um Werke aus dem späteren Schaffen der Künstler, deren weitere Entwicklung damit deutlich wird. Alle Exponate sind auf ganzseitigen Farbtafeln abgebildet und ausführlich, bis zu anderthalb Seiten lang hervorragend kommentiert – Texte, die beispielhaft für kompetente, verständnisvolle, informative, eingängige und anregende Kunstbetrachtung und -vermittlung sind.

Dem Band vorangestellt ist ein Aufsatz über die „freie und unabhängige künstlerische Entwicklung der Gruppe, über ihre Formgebung, Komponenten und Verflechtungen und ein weiterer über die deutschen und internationalen Einflüsse, die die Brücke-Maler inspirierten, über die „Suche der Expressionisten nach nationaler Identität im Rahmen des internationalen Modernismus.“ Im Anhang finden sich, sehr nützlich, die Biographien aller im Buch vertretenen Künstler, außerdem eine chronologische Auflistung der Erwerbungen von 1964 bis 2003 und eine Auswahlbibliographie.

Ein attraktiver, ansprechender, informativer Kunstband über die Brücke-Künstlergemeinschaft und umfangreichste und bedeutendste Sammlung ihrer Werke (auch nach Rückgabe der Kirchner-“Ikone“ “Berliner Straßenszene“ von 1913 an rechtmäßige Erben), ein Band, der “in konzentrierter Weise den Aufbruch zur Moderne in Deutschland“ dokumentiert.
21.10.2006

Christa Chatrath
Bestandskatalog Malerei und Skulptur. Brücke-Museum Berlin. 360 S., 100 Abb., 180 fb.Taf. 28 x 24 cm. Hirmer, München 2005. EUR 39,90
ISBN 3-7774-2715-2
 
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