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Mona Lisa

Wenn die Mona Lisa kunsthistorisch aufgearbeitet wird, ist das für wissbegierige Liebhaber des Bildes natürlich interessant. Fraglich ist, ob es ebenso reizt, das Bild als Untersuchungsobjekt neuester labortechnischer und computergestützter Analysen kennenzulernen. Die Antwort nach der Lektüre des großformatigen Buches „Im Herzen der Mona Lisa. Dekodierung eines Meisterwerks“ ist eindeutig: Es ist hochspannend! Da wird mit dem Aufschlagen das abenteuerlustige Kind im Leser geweckt.
Mit fast allem, was heutzutage technisch möglich ist, wurde die Mona Lisa untersucht. Für Technik-Freaks ist das legendäre Bild jetzt, nach diesen akribischen Untersuchungen, die vom Louvre ab Oktober 2004 vorgenommen wurden, ein Beispiel dafür, wie viel im Ergebnis feststellbar ist. Im Buch aber werden die Besonderheiten der Mona Lisa, wie sie auch ganz ohne Streiflichtphotographie, 3-D-Digitalisierung, Mikrofluoreszenzanalyse bestehen, für „normal“ Kunstinteressierte immer mit bedacht. Gleich der Eingangstext schildert neben den Ergebnissen der Elektronenradiographie –zum Beispiel: Die linke Hand hat Leonardo da Vinci während der Arbeit am Bild verändert - auch von den ganz traditionellen Archivrecherchen, die die Identität der Mona Lisa, der Gioconda, festlegen konnten. Die Geschichte des Bildes, wie sie hier erzählt wird, ist die seiner Schädigungen, Gefährdungen (durch den spektakulären Diebstahl 1911), seiner früheren Restaurierungen, seiner Reisen (1962 in die USA, 1974 Tokyo und Moskau). Das Bild hat eine lange Geschichte auf dem Buckel, und die Konsequenz daraus ist ein Diskussionsansatz, der sich aufgrund der heutigen Chancen durch Technik stellt: „Ihre Patina ist ein Teil ihres Mythos und trägt zu ihrer Faszinationskraft bei.“ Die Mona Lisa, das ist nachweisbar, sah nach ihrer Entstehung ganz anders aus. Jedes einzelne Haar, das das Gesicht rahmte, war erkennbar - beispielsweise. Die Alterung überdeckt viel vom künstlerischen Genius. Doch wäre die Mona Lisa heute so berühmt, wenn sie sich seit Verlassen von Leonardos Werkstatt nie verändert hätte? Oder wäre sie gar noch berühmter?
Die Untersuchungen haben sich nicht nur auf das reine Bild bezogen. Der Holzträger und die kleinsten Risse in ihm sind nach allen Regeln der Messtechnik bearbeitet worden. Die Leser werden Schritt für Schritt, Photo für Photo (in bester Qualität) mitgenommen ins Forschungslabor – so auch bei den chemischen und den 3-D-Erkundungen.
Es ist eine Reise mit offenem Ausgang gewesen: Es erfüllten sich nicht alle Wünsche; die Suche nach Vorzeichnungen etwa blieb erfolglos.
Das Buch ist sehr eigen, sehr schön gestaltet. Es hat etwas von einem Katalog, aber die geschmackvollen, sehr dicken, nicht biegsamen Buchdeckel machen zusammen mit der Überformatierung das Buch vorzeigenswert. Man kann es schon als dezentes Möbelstück bezeichnen; es könnte prächtig und gleichberechtigt das Designertischchen schmücken. Chic und auf einfache Art auffällig. Das Buch macht richtig Freude, von innen wie von außen.
13.2.2007
Mareile Herbst
Leonardo da Vinci: Mona Lisa. Das grosse Buch zum berühmtesten Gemälde der Welt. Hrsg. v. Mohen, Jean P /Menu, Michael/Mottin, Bruno. 128 S., 280 fb. Taf. 30 x 45 cm. Gb. Schimer & Mosel, München 2006. EUR 49,80
ISBN 3-8296-0233-2
 
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