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Gedankenraum: Nora Schattauers Künstlerbücher

Nora Schattauer ist eine Künstlerin, welche die Malerei an ihre Grenzen treibt: Schon ihre künstlerischen Techniken sind ungewöhnlich: Da gibt es etwa Arbeiten, bei denen in Wasser gelöste Mineralsalze, Silberpulver oder Ammoniak mit einer Pipette auf Papier oder Leinwand aufgetragen werden - um dort, auf dem Feld, wo sonst Malerei stattfindet, chemisch-künstlerisch miteinander zu reagieren.
So entstehen Netze und Gitter, Werke aus dem Grenzbereich von Kunst und Naturwissenschaft, die sich über die gesamte Bildfläche erstrecken. Ein fein aufgetragenes, durchscheinendes All Over, oft in Grün- oder Blau-Tönen. Doch diese wie durch ein Mikroskop gesehenen Strukturen, sie haben nichts Angst einflößendes, im Gegenteil: Sie sind nicht statisch, könnten sich – so sehen sie zumindest aus – im nächsten Moment auflösen oder eine neue Konstellation bilden.
„Ich löse als Künstlerin einen Prozess aus, in dem Farben und Formen erst entstehen“, sagt die Kölnerin, die auch mit Wachs oder Naturkautschuk arbeitet, der auf Folien, Leinwand oder Glas aufgetragen wird. In der künstlerischen Suche verbirgt sich bei ihr stets auch der „Versuch“: der Versuch, die Grenzen und Möglichkeiten ihres Materials auszuloten.
Elementar sind die Formen und Muster Schattauers – eine Kunst, die manche an Zellgewebe oder DNA-Strukturen erinnert. Eine Kunst aus dem Bildlabor der Natur, die Schattauer, ergänzt um Zeichnungen und auch Fotografien, immer wieder, seit 1992 schon, in Künstlerbüchern zusammenfasst, welche sowohl als Unikate, aber auch in Auflagen erscheinen. „Unabhängig von Ausstellungen brauche ich Orte, wo Vorstellungen Gestalt annehmen“, schreibt Schattauer im Vorwort des Bandes „prima vista“, einem Katalogbuch zu einer Ausstellung im Museum Burg Wissem in Troisdorf, das soeben im Verlag für moderne Kunst Nürnberg erschienen ist.
Es ist Schattauers experimentelle Offenheit, die Fotografien von Wassertropfen oder Strandhafer genauso gebiert wie Fotogramme oder „Blindzeichnungen“ auf Kohlepapier, die beim Blättern beeindruckt. Ein „Gegenpol zum Vorherberechneten in der Welt“, nennt Nora Schattauer ihre Kunst. Ein Künstlerbuch ist für sie ein „Gedankenraum“. In diesen Gedankenräumen kann man nun geistig flanieren gehen: Texte von Maria Linsmann und Michael Glasmeier führen in das Werk ein.
27.11.2007

Marc Peschke
Maria Linsmann, Michael Glasmeier, Nora Schattauer. Nora Schattauer. Dtsch/engl. 2007. 80 S., 136 fb. Abb., Gb. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2007. EUR 25,00
ISBN 978-3-939738-55-8
 
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