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Inventur

Inventur ist eine Bestandsaufnahme. Und im Vorwort zu diesem Buch wird diese als „Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Radierung in Deutschland“ benannt. Das vorliegende Buch ist gleichzeitig ein Katalog zweier Ausstellungsprojekte: im Kunstverein Reutlingen und im Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster.
Zuerst beeindruckt das Buch durch seinen Umfang und die hier präsentierte Fülle. Beinahe hundert in Deutschland geborene oder jetzt tätige Radierer und Radiererinnen werden auf je einer Doppelseite mit wenigstens zwei Werken präsentiert. Ein künstlerischer Werdegang wird aufgezeigt, die dargestellten Werke mit den nötigen Informationen versehen.
Vor der Präsentation der Werke und Künstler wird der Leser und Betrachter in den Bereich der Technik und Geschichte der Radierung eingeführt: Mit „Kleine Mediengeschichte der Redierung“ ist ein historischer Abriss umschrieben. „Eine seltene Technik – Mezzotinto heute“ weist auf eine herausragende Spielart der Radierung hin. „Bruder Claude“ ist der Blick eines aktuellen Künstlers auf einen weit vorausgegangenen Kollegen. „Inventur, eine sehr persönliche Bestandsaufnahme aus der Sicht eines Druckers“ stellt den Blick dessen gegenüber, der das Kunstwerk auf das Papier bringt. „Why not – Experimentelle Drucktechniken der Gegenwart“ zeigt auf, dass die Radierung kein Ausdrucksmittel der Vergangenheit ist, sondern so vielseitig, dass auch experimentelle Künstler sich daran wagen.
Im Anschluss an den Abbildungsteil sind alle diese Texte noch einmal in englischer Sprache abgedruckt.
Das Buch ist eine Fleißarbeit; ohne jeden Zweifel. Für den Laien birgt aber der Titel zwei Gefahren: Zum Einen vermittelt der Begriff „Inventur“ etwas Abgeschlossenes; als handele es sich um einen Blick auf eine künstlerische Ausdrucksform, die doch eher der Vergangenheit angehört. Ich vermisse den Aufruf an Künstler und Sammler, sich diesem Medium zu stellen. Ein zweiter Kritikpunkt ist der Eindruck, als sei mit der „Inventur“ die Fülle der Künstler benannt. Natürlich kann eine Ausstellung und deren Katalog dies nie leisten. Sehr zu bedauern ist aber, dass eine Vielzahl von hoch angesehenen und erfolgreichen sowie künstlerisch an vorderster Stelle stehender Künstler hier keine Erwähnung gefunden haben (z.B. Wolfgang Werkmeister, Klaus Eberlein, Rolf Escher, Eva Aulmann, Susanne Theumer, Hanif Lehmann, Herwig Zens, Andreas Raub, Walter Herzog, Thomas Löhning uvm. als kleine Auswahl renomierter und junger Künstler).
7.7.2008
Jürgen Schweitzer
inventur – Zeitgenössische Radierung in Deutschland. Hrsg.: Clemens Ottnad, Volker Lehnert, Kunstverein Reutlingen und Graphikmuseum Pablo Picasso Münster. Texte: Hans Dieter Huber, Volker Lehnert, Bernd Schäfer, Linda Schwarz, Kurt Zein. Texte in Deutsch und Englisch. 240 S., 200 meist fb. Abb., 22 x 30 cm Gb., Modo, Freiburg 2008. EUR 38,00
ISBN 978-3-937014-56-2   [modo]
 
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