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Ideen zur Kunstgeschichte

Bewährte Tradition. - Die >Ideen zur Kunstgeschichte< Gottfried Richters gehören – im Jahre 1937 erstmals und dann in mehrfacher Auflage erschienen – zu den frühen Versuchen einer durch die Anthroposophie Rudolf Steiners erweiterten Wissenschaft, die Geschichte der Kunst, ja die Kulturgeschichte, geistig zu durchdringen, sie in Existenzbeziehung zum Menschen zu bringen.
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War den >Ideen zur Kunstgeschichte< in der Erstauflage seinerzeit vom Autor der Untertitel „Beiträge zu einer Geschichte des Menschen“ beigegeben, der später dann weggelassen wurde, so findet diese Anregung Gottfried Richters, der Kunsthistoriker und Pfarrer der Christengemeinschaft war, in der im Hawel Verlag erschienenen, nunmehr schon 9. Auflage mit „Die Kunstgeschichte als ein Spiegel der Menschheitsentwicklung“ zu Recht verwandelt wieder Eingang. Die neunte Auflage der >Ideen zur Kunstgeschichte< (mit welcher die Grenze von 30.000 Exemplaren insgesamt überschritten wird) bezieht ihre Legitimation aus der Tatsache, dass Richter tatsächlich Ideen zur Kunstgeschichte – als Anregungen für die eigene Arbeit – formulierte.

In diesem Sinne macht der Herausgeber Peter Hawel in seinem Vorwort darauf aufmerksam, dass sich der Leser fragen muss bei aller Liebe zur Kunst und Kulturgeschichte, „wer oder was schreitet fort, wer treibt was voran, wer geht voran“ (S. 13). Und bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass aus der Beschäftigung mit den Ideen zur Kunstgeschichte Anregungen für Änderungen in die vorliegende Ausgabe eingeflossen sind. So stehen den 167 Seiten (und 32 Abbildungen in Schwarzweiß) der 3. Auflage von 1949 nun 269 Seiten mit insgesamt 78 Abbildungen gegenüber, wobei positiv auffällt, dass diese jeweils ganzseitig in den Text – und nicht an das Ende wie früher – gesetzt sind. Die Überarbeitung lässt auch den Versuch erkennen, Richters Gedanken noch durch erweiternde Kursivierungen einzelner Wörter für den Leser klarer hervortreten zu lassen – wobei sich über den Nutzen eines solches interpretierenden Vorgehens durchaus streiten lässt. Sinn macht es hingegen, dass Lebensdaten von im Text erwähnten Autoren ergänzt wurden, eine Auswahlbibliographie weiterführender Literatur und zusätzliche Anmerkungen angefügt wurden.

Die neunte Auflage der >Ideen zur Kunstgeschichte< wirft für mich letztlich aber doch die Frage auf, wann sich wieder einmal ein Autor oder eine Autorin findet, die oder der den Mut aufbringt, ein der beliebten Monographie Gottfried Richters vergleichbares Werk zu schreiben, das die inzwischen doch recht zahlreichen Darstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte aus anthroposophischer Sicht miteinbezieht und in Beziehung zu den wesentlichen diesbezüglichen aktuellen Überlegungen anderer Forschender bringt.

22.9.2008

Matthias Mochner
Richter, Gottfried: Ideen zur Kunstgeschichte. 2006. 270 S., 77 Abb., 7 Strichzeichn. 22 x 14 cm. Ln. Hawel Verlag, München 2006. EUR 33,00
ISBN 3-9810376-1-8
 
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