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Exotik um die Ecke

„Fake Holidays“ von Reiner Riedler

Man muss nicht allzu weit reisen, um im Urlaub zu sein. Manchmal muss man keine Grenzen überwinden, manchmal sind die Ferien ganz nah. Etwa in der neuen Form von Themenparks, von künstlichen Ferien-Paradiesen, die überall entstehen. Jetzt illustriert ein Fotobuch des österreichischen Künstlers Reiner Riedler dieses Phänomen.

Man muss nicht allzu weit reisen, um im Urlaub zu sein. Die tropischen Insel, der Traumstrand, die ewige Sonne, das exotische Ferien-Paradies – all das ist ganz in der Nähe. „Fake Holidays“ heißt eine Fotoserie des Wiener Fotografen Reiner Riedler. Sie zeigt die überall grassierende künstliche Nachbildung von Urlaubswelten, die, wie Jens Lindworsky schreibt, ein „Schlaglicht auf die Sehnsüchte und Träume der Menschen“ wirft.

Die Fotografien in diesem Buch dokumentieren Monstrositäten und Absurditäten: Tropische Inseln in Berlin-Brandenburg. Niagarafälle in China. Ein venezianisches Hotel in Las Vegas. Ski-Paradiese im Ruhrgebiet. Die Moskauer Basilius-Kathedrale in einer Ferienanlage in Antalya: Alles ist möglich – und alles gibt es. Die kunterbunten ästhetischen Grausamkeiten der Exotik um die Ecke zeigt dieser Bildband, den der „Spiegel“ als einen „der amüsantesten dieser Saison“ beurteilt hat. Doch das trifft es nicht wirklich. Vor allem ist dieses Buch ein fotografischer Beweis einer Sehnsucht und ihrer Unmöglichkeit: Die hier gezeigten Fantasiewelten entlarven sich unter der fotografischen Ägide Riedlers in ihrer öden, simulierten Unvollkommenheit.

Ganz neu ist diese fotografische Sicht auf die Dinge freilich nicht. Fotografen wie Thomas Wrede haben schon in den neunziger Jahren ihren Blick auf jene künstlichen Welten gerichtet. Doch das Thema ist heute noch wichtiger geworden, wie der Fotograf sagt: „Ich sehe diese Parks als eine Art Bedrohung ... Beispielsweise im World Disney Resort Epcot: Da hat man das Oktoberfest in Miniatur neben der Sphinx und Venedig. Da wird alles durcheinandergemischt, da lernt man nichts. Es geht nur um Reize. Man wird bombardiert mit Eindrücken – mehr nicht.“ „Fake Holidays“ ist ein grellbuntes Buch mit präzisen, komischen, doch zumeist traurigen Bildern. Was unsere Stimmung aber sicher heben dürfte ist dieser Gedanke: Das echte Leben ist um vieles spannender als die hier porträtierten Fantasie-Paradiese.
30.10.2009



Marc Peschke
Reiner Riedler - fake holidays. Photograph: Reiner Riedler /Adapt. v. Susanne Traub-Schweiger /Hrsg.: Bill Konwenhoven /Jens Lindworsky /Aus d. Dt. v. David Smith. 144 S. 34 x 27 cm. Moser Verlag, München 2009. Gb EUR 59,00
ISBN 978-3-9812344-4-2
 
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