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Flora Photographica

Das vorliegende Werk - im Jahre 1991 in London erstmals erschienen - bietet einen guten Überblick über die Möglichkeiten fotografischer Beschäftigung mit Blumen. Dass es sich bei diesem Thema um weit mehr als das amateurhafte, täglich tausendfach geübte Ablichten ästhetischer Blumenmotive mit der Kamera - ein Klischee mit dem das Buch vielleicht zu kämpfen haben wird - handelt, offenbart die Lektüre ziemlich bald. Die Metapher, mit welcher der Verlag das interessante Buch bewirbt, wurde zu Recht gewählt: Die Bedeutung der Blumenfotografie und ihre Geschichte vermittelt sich dem Leser tatsächlich wie die Wirkung eines kunstvoll arrangierten Blumenstraußes - nämlich nach und nach.
Dass die Blumenfotografie in der Geschichte der Fotografie von Anfang an eine keineswegs geringe Rolle gespielt hat, mag vielleicht mit daran liegen, dass die Flüchtigkeit des Augenblicks hier nicht nur vom Fotografierenden versucht wird festzuhalten, sondern dass eben dieses Moment zugleich in der Vergänglichkeit der Pflanzen selbst begründet ist, mithin also Überschneidungen zwischen fotografierendem Subjekt und fotografiertem Objekt bestehen, die in identischer Weise in den übrigen Bereichen der Fotografie so nicht anzutreffen sind.
Für den Laien jedenfalls erweist sich der bemerkenswerte einleitende Essay des Autors und Fotohistorikers William A. Ewing "Die Blume in der Fotografie" (S. 7-31) als ausgesprochen hilfreich, da er mit dem Hintergrundwissen bekannt gemacht wird, das für ein wirkliches Verständnis der präsentierten "Meisterwerke der Blumenfotografie" unerlässlich ist.
Wer hätte etwa gedacht, dass die Fotografie trotz der ihr eigenen Exaktheit der Abbildung in der Botanik anfangs nur zögerlich Verwendung fand, jedoch als Porträtaufnahme gleichzeitig boomte und erst später den Beruf des Kunstzeichners in den Naturwissenschaften verdrängte?
Ewings lebendig geschriebener - zuweilen (S. 16) sogar witziger - Essay ist spannend zu lesen und weckt die Neugierde des Lesers an der Blumenfotografie ohne dabei - wie auch die insgesamt 215 Abbildungen - das Thema erschöpfend behandeln zu können und zu wollen. Die wissenschaftlichen "Kommentare zu den Tafeln" (S. 214-221) am Ende des Bandes enthalten allerdings diesbezüglich entscheidende weiterführende Hinweise.
Doch gerade durch die Beschränkung auf wesentliche Aspekte aus der Geschichte der Blumenfotografie und charakteristische Fotografien - die Aufnahmen verteilen sich auf zehn thematische Aspekte wie etwa "Blüten", "Eros", "Forschung", "Personen" oder "Mutation" - verleiht dem Werk einen eigenen Reiz. Man kann sich an der Ästhetik der Abbildungen erfreuen oder darin auch richtig studieren. Hervorzuheben ist, da der Schwerpunkt zu Recht auf den Tafeln liegt (S. 32-213), die gelungene Gegenüberstellung bestimmter Motive wie etwa "Südliche Magnolie" von Yasuhiro Ishimoto und "Stengel" von Robert Mapplethorpe (Tafeln Nr. 59/60) oder "Einzelne Calla" von Imogen Cunningham und "Calla mit Schatten" von Robert Mapplethorpe (Tafeln Nr. 174/175). Solche Korrespondenzen machen Sinn.
Ein schönes Buch, das seine Leser tief in die Geheimnisse der Blumenfotografie einführt und nicht zuletzt auch zur Selbtsreflexion beim amateurhaften Fotografieren von Blumen nachhaltig anregt.
Matthias Mochner
Flora Photographica. 2002. 224 S., 215 Abb., dav. 56 fb. u. 127 in Duotone 30 cm. Br EUR 35,-
ISBN 3-8170-2538-6
 
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