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Die Schwestern des Ikarus. Frau und Flug

Wenn Frau in die Luft geht und sich Forscherinnen, begleitet von zwei männlichen Kollegen, der Thematik annehmen, dann muß die Luftfahrtgeschichte, die weitgehend als erforscht galt, neu geschrieben werden. Ein ambitioniertes Projekt, dessen Ergebnisse nun in einem wunderschönen und informativen Katalog, betitelt mit Frau und Flug, Die Schwestern des Ikarus, mit vielen Abbildungen vorgelegt wurden. Erschienen ist der Katalog beim Spezialisten für Kulturgeschichten, dem umtriebigen Jonas-Verlag. Allein die Menge, das Wirken von 1000 Frauen in der Luftfahrt in einem Zeitraum vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1950 zu dokumentieren, zeigt einmal mehr, wie stark die Geschichte weiblich geprägt, aber immer noch unterbelichtet ist. „Geh, flieg und streife durch die grauen Sphären“ dichtete Alexander Blok in den 20er Jahren, davor mußten die Frauen der Luftfahrt harte Geschlechterkämpfe austragen. Dabei wurden die Schwestern des Ikarus allerdings mit wenig Bruderliebe behandelt. Dazu kam der nicht minder starke Kampf um Definitionsmacht. Der symbolische Kampf war beherrscht von den Konnotierungen weiblich für Erde und Masse und männlich für Geist und individuelle Stärke. Diesem Dualismus zu entkommen und Brücken zwischen den Geschlechtern zu bauen sei ein starkes Motiv für Frauen, sich in der Fliegerei zu engagieren, gewesen, so die profunde Einführung von Maria Osietzki. Heike Vogel, eine weitere Autorin widmet sich den Durchsetzungsstrategien. Und viele schafften es, der Anhang zeigt die Daten der Flugprüfung von Frauen in den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Russland, Rumänien, Österreich-Ungarn, Belgien, der Schweiz und den USA. Auch als Militärpilotinnen standen Frauen „ihren Mann“, so das eindrucksvolle Kapitel von Barbara Waibel. Sportfliegerinnen der Zwischenkriegszeit widmet sich der Beitrag von Evelyn Zegenhagen, die Langstreckenfliegerinnen stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Gertrud Pfister und den Zeitraum seit 1945 beleuchtet Isolde Wördehoff. Flug um Flug fliegen sie sich heran, die mutigen Pionierinnen. Der Weltraum steht ihnen offen und für uns blättert Heike Vogel dieses Kapitel auf. Zwei Aspekte ergänzen diese Buch-Flugschau der Sonderklasse. Ästhetik pur bieten die beiden Abschlußkapitel mit Frauen in Flugkleidung und Künstlerinnen zur Flugkunst. Die Kampfzone der Geschlechter in der Luftfahrt existiert fort, die Pionierinnen in dieser Fülle versammelt zu sehen ohne verbiestert zu wirken, da kann man nur abheben.

27.8.2005
Sigrid Gaisreiter
Die Schwestern des Ikarus. Frau und Flug. Hrsg. v. Zeppelin Museum Friedrichshafen. 304 S., 150 Abb., Pb., Jonas, Marburg 2004. EUR 29,-
ISBN 3-89445-329-X
 
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