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Wie leben die Alten?

Relativitätsfotografie:“Phase Drei: Wie leben die Alten?“ Es klingt schon ein wenig paradox: ein Fotowettbewerb, der junge Fotokünstler einlädt, sich mit dem Thema „Wie leben die Alten?“ zu beschäftigen. Ist das denn ein Thema für die junge, deutsche Fotografie?
Bisher eher nicht – und deswegen ist der mit 2500 Euro dotierte „Körber-Foto-Awards“, die jetzt im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg eröffnete Wettbewerbsausstellung und der dazu erschienene Ausstellungskatalog so sehenswert. Zu sehen gibt es nämlich, was in Fotokunst, Fotojournalismus und Werbefotografie kaum mehr vorkommt: Das Leben älterer Menschen. Mediales Grenzgebiet, ästhetische Peripherie jenseits der Öffentlichkeit, über die kaum zu berichten lohnt.
Beim Blättern im Katalog wird deutlich, wie unterschiedlich die Perspektive sein kann. 12 Fotoserien sind zu sehen, fotografiert von zwölf jungen Fotografinnen und Fotografen. Da mischt sich Kritik an den Lebensbedingungen mit der Scheu, das Ende der Selbstständigkeit oder die Einsamkeit allzu brutal ins dokumentarische Licht zu setzen – wie etwa die fein beobachtete Serie „Erna“ von Dawin Meckel zeigt. Zu sehen ist eine alte Frau, deren Leben sich in nur noch einem Zimmer abspielt.
Doch es gibt auch freie, assoziative Arbeiten, wie etwa „Ruhestand“ von Jonas von der Hunde, eine Arbeit über Interieurs, die wir mit „Alter“ assoziieren – oder die prämierte Serie „Rosen“ des Berliners Michael Tewes. Viele Gespräche hat der Fotograf geführt. Wie etwa mit der Frau, die ihm von der Sehnsucht erzählt hat: „Vielleicht verhält es sich ja so, dass Sehnsucht im Alter immer weniger Sucht und immer mehr Sehnen wird.“
„Einstein“ hat Tewes einen der großen Farbabzüge genannt, auf der eine maskierte Frau dem Betrachter (wie Albert Einstein auf dem berühmten Foto) die Zunge herausstreckt - und sich dabei ins Fäustchen lacht. Lacht sie über uns? Oder über das Bild, das wir vom Alter haben? Alter, gibt es das? Frau Einstein, ist das Alter eigentlich relativ? Viele Fragen, über die sich zu sprechen lohnt. Der begleitende Katalog mit einem Text von Petra Meier-Ehlers und einer Laudatio von Professor Bernhard Prinz hilft vielleicht ein wenig, generationenübergreifende Sprachblockaden zu lösen.
10.9.2005

Marc Peschke
Phase Drei: Wie leben die Alten? 72 S., 35 sw. u. 126 fb. Abb. 24 x 21 cm. Pb. Körber Stiftung, Hamburg 2005. EUR 12,-
ISBN 3-89684-343-5
 
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