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Thomas Wrede: Strange Paradise


Die Welt als Modellbausatz

Ein neues Fotobuch von Thomas Wrede.
Der Münsteraner Thomas Wrede ist ein Fotokünstler, der sich an der Grenze zwischen Vertrautem und Abseitigem bewegt. Ein gutes Beispiel ist eine Serie, die er vor einigen Jahren aufgenommen hat. Fototapeten waren das Thema, die Wrede in Wohnungen fand, süßliche Tropen-, Wald- oder Alpenlandschaften, die sich Menschen mit Fernweh in die eigenen vier Wände holten. "Domestic Landscapes" nannte Wrede diese Serie fotografischer Interieurs damals.
Ähnlich seine "Magic Worlds" – Fotografien, die in Freizeit- und Vergnügungsparks entstanden sind. Auch sie betonten das Künstliche in unserer Umwelt – und stellen die alten Fragen der Fotografie: Was ist echt? Und was ist falsch? Was ist wirklich? Und was ist künstlich? Da steht das Schwarzwaldhaus neben der Freiheitsstatue – ein steriles Plastikszenario, das Wrede genüsslich seziert. Die Welt als Modell – in Realgröße.
In "Strange Paradise" kann man auch die aktuellen Beispiele Wrede'scher Landschaftsfotografie bewundern: "Small Worlds" etwa, eine Serie, die große Dinge wie Lastwagen, Feuerwehrautos oder Containerschiffe betörend klein erscheinen lässt. Oder die "Wrapped Landscapes": Fotografien eingepackter Kunststoffbäumchen für die Modelleisenbahn.
Die Irritation des Betrachter-Auges und die Hinterfragung des Landschafts-Begriffs ist das Ziel des 1963 in Iserlohn geborenen Thomas Wrede. Eine Konstante, seit Jahren schon, ist die oft hochdramatisch inszenierte Sehnsucht nach den Resten einer (verschütteten) Naturerfahrung. Auch für Thomas Wredes "Seascapes", seinen in der "wirklichen" Natur entstandenen Meereslandschaften, gilt: In der Landschaft entdeckt der Mensch, was ihm seine Gegenwart allzu oft versagt: ein Wiedererkennen des Eigenen, eine sinnliche Rückbesinnung auf Vergangenes. "Ich sehe die Welt als Modellbausatz, als große Inszenierung, als Bild und Nachbildung", sagt Thomas Wrede.
18.3.2006

Marc Peschke
Thomas Wrede. strange paradise. Hrsg. Rainer Danne,
Städtische Galerie Iserlohn. Text Rainer Danne, Christoph Schaden. Dtsch, Engl. 120 S. 76 fb. Abb. 30 × 23 cm, Gb., Kerber, Bielefeld 2005. EUR 38,-
ISBN 3-938025-56-5
 
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