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Nan Goldin - Luzifers Garten

Ihre zutiefst intimen Fotos spiegeln das Leben Nan Goldins im Kreis ihrer Freunde und Freundinnen wieder und machten die Fotografin (*1953, Washington DC., USA) seit den achtziger Jahren zu einer der meist diskutierten Fotografinnen.

Das fotografische Werk Nan Goldins verliert nicht an Aktualität. Die Themen kehren ewig menschlich wieder: der Betrachter entdeckt sich selbst und seinen Alltag in den Fotografien. Darüber hinaus ist ihr Werk, einmalig in Art und Authentizität, ein unschätzbarer Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössische Fotografie.
Nach der einzigartigen Schau „Into Me/ Out of Me“ in den Kunstwerken in Berlin (2007) und der Ausstellung „Das Achte Feld“ im Museum Ludwig in Köln (2006), sind ihre Fotografien in diesen Monaten in Gruppenausstellungen in New York, Reykjavik, Winterthur, Innsbruck, Stuttgart und Bochum zu sehen. Von Oktober 2007 bis Januar 2008 zeigt das Hamburger Haus der Fotografie mit „Bildwechsel 02“ Fotografien von Goldin in Wechselwirkung zu Werken Larry Clarks, David Hockneys und Jürgen Klemkes.
Einen Überblick über das Werk von Nan Goldin liefern momentan neben etwa zehn monographischen Katalogen zwei Titel des Phaidon Verlages. Diese bieten auf einem in Bildqualität und -Auswahl hochwertigen Niveau einen repräsentativen Einblick in das Werk der amerikanischen Künstlerin.

„Nan Goldin“, herausgegeben von Guido Costa, ein Buch aus dem Jahr 2001 im Umfang von 128 Seiten, zeigt eine Auswahl einiger ihrer bekanntesten Fotografien von 1973 bis 2000. Guido Costa, ein Freund und Kurator von Nan Goldin, stellte die Auswahl von 54 Fotografien zusammen und versah jede mit einem kurzen Kommentar. Dabei ist jedem kommentierten Bild eine Doppelseite vorbehalten. Am Anfang des Buches führt ein 12seitiger Text den Leser in Goldins Leben und Werk ein. In diesem chronologischen Überblick gelingt Guido Costa die Verbindung zwischen einem subjektiv freundschaftlichen und einem objektiv analysierenden Standpunkt.
Seine einfühlsame Beschreibung aus freundschaftlicher Sicht liefert Details aus dem Privatleben der Fotografin, über ihre Freund- und Liebschaften, ihre Charakterzüge und Interessen, die in ihren Fotos wie in einem Tagebuch zu lesen sind. Bereits im ersten Satz betont der Autor, dass er nicht isoliert über ihr Werk schreiben könne ohne die Künstlerin als Person zu beschreiben.
Demgegenüber steht die Sicht von Costa in seiner Funktion als Kurator, der die Arbeitsweise der Künstlerin aus der Zusammenarbeit an Ausstellungsprojekten kennt. Er teilt das Werk Goldins in Phasen ein und benennt zur Orientierung die der Zeit entsprechenden Publikationen und Ausstellungen. Aus einer rezeptionsästhetischen Herangehensweise akzentuiert er Menschlichkeit und Poetik der Fotos und entkräftet Vorurteile, die beim Rezipienten, gegenüber manchen Arbeiten, bestehen könnten.
Auch den kurzen Bildkommentaren neben den Fotos gelingen dadurch förderliche Einordnungen einzelner Fotografien in den Kontext von Werkreihen und des Gesamtwerkes. Guido Costa erläutert die abgebildeten Orte und Personen, sowie deren Relevanz für das Werk und die Künstlerin persönlich. Er geht auf die Häufigkeit von Motiven ein, erklärt Schwerpunkte und macht Motiv-Kategorien auf.

Die Verknüpfung von Informationen aus den zwei Blickwinkeln des Autors, als Freund und Kurator, macht die Stärke dieses Buches aus. In der Literatur über Nan Goldin sind sonst entweder nur Erfahrungsberichte von Freunden der Künstlerin oder wissenschaftliche Texte zu finden, selten aber eine derartige Verbindung.

„Luzifers Garten“ erschien 2003 im Phaidon Verlag und ist nicht nur der jüngste, sondern mit rund 500 Seiten quantitativ der umfangreichste Bildband zu Nan Goldin. Er zeigt eine Auswahl bisher unveröffentlichter Fotografien, neben bekannten Arbeiten der letzten Jahre. Der Katalog wird den Leser interessieren, der die früheren Fotografien der Künstlerin schätzt und nun auf die Entwicklung in ihren neuen Arbeiten, auf Fotos von Stärke, Tiefe und monumentaler Ruhe, neugierig ist. Zu entdecken ist eine Nan Goldin, die in Farbe, Licht und Komposition einen gereiften Umgang fand.

Die Bilder bestechen sowohl durch ihre Größe, da sie nicht selten die gesamte Doppelseite ausfüllen und durch ihre Farbigkeit. In ihrer Abfolge formen sie sich im Betrachterauge unwillkürlich zu einem Geschichtenstrang. Von nur sehr wenigen Text-Seiten unterbrochen ziehen die Fotografien den Betrachter durch ihre Tiefe und Wirkung in einen Bann. Untergliedert in 21 Kapitel folgen die Werkreihen wie immer neue Facetten des Werkes aufeinander. Im Unterschied zu anderen Publikationen zeichnet sich dieser Band durch breiter angelegte Fotoserien aus; wo sonst ein bekanntes Bild stellvertretend abgedruckt wird bekommt man hier die Gesamtheit einer Serie oder Szene zu sehen.
Der chronologische Aufbau des Bildbandes lässt den Betrachter die Lebensthemen der Fotografin von den achtziger Jahren bis 2003 entdecken. Der Betrachter begleitet die Fotografin mittels ihrer Bilder auf Reisen, mit Freunden und durch Klinikaufenthalte.

Gedichte und Liedtexte von Künstlern wie Nick Cave oder Leonhard Cohen sowie kurze Texte zum Werk Nan Goldins erscheinen unregelmäßig zwischen den Bildkapiteln und unterstreichen den poetischen Gesamteindruck des Bildbandes. Texte, sowie Bilder, wurden von Nan Goldin mit ausgewählt.

Beide Publikationen des Phaidon Verlages bilden zusammen einen Bild-zentrierten Überblick. Dem von Costa herausgegebenen Buch gelingt in prägnanter Kürze ein dennoch schlüssiger Überblick. „Luzifers Garten“ dagegen akzentuiert besonders die chronologische Entwicklung im fotografischen Werk von Nan Goldin.
18.5.2007

Costa, Guido: Nan Goldin. 2001. 128 S., 55 Fotos, 15 x 13 cm. Br. EUR 24,95
0-7148-4553-1

Kristine Preuß
Goldin, Nan. Luzifers Garten. 504 S., 460 fb. Abb. 33 x 24 cm, Gb. Phaidon, London 2003. EUR 95,00.
ISBN 978-0-7148-9380-8
 
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