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Friedrich der Große und die Hohenzollern

Es werden zum 300-jährigen Geburtstag Friedrichs des Großen und den entsprechenden Jubiläumsveranstaltungen auch Kinder und Erwachsene sich diesem Ereignis stellen, die bis heute von dem gern zitierten preußischen König nur wenig gehört haben. Die dargestellten Bilder, nach Vorlagen bekannter Künstler, stammen aus dem Jahr 1895. Sie stellen die preußischen Kurfürsten und den „Alten Fritz“ meist in Uniform und in Begleitung seiner Hunde, oder auf dem Pferd sitzend dar und treten nicht selten als Helden am Rande großer Schlachtgetümmel auf. Hin und wieder trifft man sie auch bei den Bauern an, oder einsam und nachdenklich, wie es einem Fürsten geziemt, der für sein Volk zu sorgen hat.

Geschichten und Taten der Hohenzollern werden, bis zum prominentesten Vertreter, Friedrich der Große, chronologisch in gut verständlicher Sprache erzählt. Eingestreut sind Anekdoten und Ereignisse, wie die Einführung der Biersteuer durch Johann Cicero von Brandenburg im Jahre 1488, oder dass Johann Georg von Brandenburg 1573, nachdem es im Lande zu Pogromen gekommen war, die Juden aus Brandenburg vertrieb, bis 1675 der erste Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg den Titel „Großer Kurzfürst“ erwarb. Er galt als tolerant und reformfreudig. Friedrich I. 1701, endlich preußischer König, setzte sich die Herrscherkrone dann gleich selber auf, nachdem er zuvor eine Menge Geld an den Kaiser und die Kirche gezahlt hatte. Das Geld wurde folgend immer knapper, die Steuern stiegen, schließlich musste der königliche Pomp auch bezahlt werden. Auch sein „großer“ Nachfolger Friedrich II. stellt sich im Kinderbuch durchaus schillernd dar. Unter seinem ausgesprochen strengen Vater leidend, entwickelt sich der Knabe zunächst zu einem friedliebenden und den Künsten zugewandten Mann. Doch im Zuge seiner Amtszeit ließ er dann doch keinen Krieg aus, um sein Herrschaftsgebiet auszudehnen, zog er von Schlacht zu Schlacht.
Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges dürfen die KInder dann staunend zur Kenntnis nehmen, dass der Herrscher noch Geld genug hatte, 1769 in Potsdam ein prächtiges Schloss zu bauen. Als der Alte Fritz 1786 starb war Preußen zur Großmacht gediehen. Die Geschichte seiner Nachfolger ist in wenigen Stichworten erzählt und endet mit dem Ersten Weltkrieg, für die Hohenzollern höchst unrühmlich, mit der Ausrufung der Weimarer Republik.

Ob Kinder mit 8 Jahren, wie der Verlag empfiehlt, ungetrübte Freude an dem Stoff finden, mag dahingestellt sein. Die Bilder dürften dem jungen Publikum durchaus gefallen, könnten aber dazu verleiten, die Zeit der Hohenzollern, insbesondere des preußischen Königs allzu rosig zu sehen. Welchen Preis das Volk für Pomp und Krieg zu zahlen hatte, wird im Text durchaus angesprochen.
Und immerhin hat der Alte Fritz dem Kartoffelanbau zum Durchbruch verholfen. Ohne Fritz also keine Pommes…

Für Erwachsene, die den Zeitgeist der preußischen Dynastie abgesehen von den vielen Ausgaben zum Leben von Friedrich dem Großen nachvollziehen möchten, sei hier noch auf ein Buch hingewiesen, in dem das Verhältnis zwischen Friedrich dem Großen und seinem heißgeliebten Neffen Prinz Heinrich von Preußen untersucht wird. Als dieser, vom kinderlosen König heiß und innig geliebt, mit neunzehn Jahren stirbt, stürzt sein Tod den König in eine tiefe Depression, obgleich das Sterben tausender Soldaten ihn nur wenig berührte.

02.10.2012
Sachs, Michael. Durchlauchtigster Prinz, freundlich Geliebter Neveu. Heinrich Prinz von Preußen (1747–1767), Neffe Friedrichs des Großen. Sein Leben und tragischer Tod in Zeitzeugenberichten. 237 S., 24 Abb. 22 x 14 cm, Gb. Alcorde Verlag, Essen 2012. EUR 29,80 ISBN 978-3-939973-12-6
Gabriele Klempert
Imhof, Michael. Friedrich der Große und die Hohenzollern. Ein Buch für Kinder. 48 S. 28 x 22 cm. Pb. Imhof Verlag, Petersberg 2011. EUR 12,80. CHF 18,90
ISBN 978-3-86568-769-2   [Imhof]
 
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