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Handbuch Sprache in der Kunstkommunikation

Schon der Titel dieses in der Reihe „Handbücher Sprachwissen“ erschienen Bandes verrät etwas vom seriösen und streng wissenschaftlichen Anspruch dieser umfangreichen und mit Sicherheit „verdienstvollen“ Darstellung. Untergliedert in die sieben Kernbereiche (Sprache in der Bildenden Kunst, Kunstrezeption, Kunstkritik, Kunstvermittlung, Ausstellungskommunikation und Kunstvermittlung) untersuchen hier 22 Autorinnen und Autoren die „Formen und Funktionen der Sprache“, die in der historischen und gegenwärtigen Kunstkommunikation eine wichtige, wenn nicht sogar bereits eine zentrale Rolle spielen. Die Anwendung von sprachlich vermittelter Kommunikation gilt heute besonders im Kunstkontext als das A und O der jeweils unterschiedlichen Autoren: Wissenschaftler, Kuratoren, Kritiker, Ausstellungsmacher und -besucher verfügen heute über ein mehr oder weniger komplexes Sprachvermögen, das in jeweils sehr unterschiedlichen Situationen den Sprachcharakter nicht nur von Werken, sondern heute vielmehr auch von Kunstvermittlungs-Situationen reflektiert. Dem größten Teil der hier versammelten Texte ist deren akademisch-universitärer Hintergrund durchaus anzumerken. Viele dieser 22 Darstellungen lassen sich dabei weniger im Modus einer jetzt entstehenden Neugierde rezipieren, als dass diese vielmehr umgekehrt die Mühe und penible Genauigkeit transportieren, mit der ihre Urheber sich hier ihren Namen verdient haben. Spannend und mitreißend wird in diesem Handbuch das Wissen um die Sprache bei der Vermittlung von Kunst nur sehr selten vermittelt. Eine Ausnahme bildet etwa die Kritikerin Swantje Karich, die in ihrem Text zur Kunstvermittlung im Feuilleton einmal ganz simpel und unvermittelt die freche Frage stellt: „Wo „kracht“ es heute noch im Feuilleton?“ (S. 352.) Der Rezensent, der anfänglich mit großer Neugierde dieses Buch zur Hand genommen hat, ist sicher um viele, relevante und weniger relevante Sach- und Kontextinformationen reicher geworden. Doch hätte man gerade von diesem Übersichtswerk nicht generell etwas mehr „Leserfokussierung“ und vor allem Gegenwartsorientierung erwarten dürfen? Wie sich etwa die Sprache der digitalen Textsorte „Kunstblog“ gerade entwickelt, wäre doch sicher einen eigene Beitrag wert gewesen. Und überhaupt – wie lernt ein junger (oder älterer) Autor heute mit seiner eigenen Sprache umzugehen – und eben nicht nur ungezählte Sachinformationen in die Welt zu setzen?
Walter Benjamin hat einmal in einer Rezension zu dem Kinderbuch „Spielfibel“ von Tom Seidmann-Freud geschrieben: „Wenn etwas dieses Elementarbuch aus der Reihe aller bisherigen hebt, so ist es die seltene Vereinigung gründlichsten Geistes mit der leichtesten Hand.“ Die „leichteste Hand“, die Lust an der hellwachen Übertragung von Sprach-Wissen in Lese-Erfahrung, vermisst der Leser – trotz aller fundierten zusammen gestellten Darstellungen am Ende doch beinahe schmerzlich. Zur unangestrengten Empathie mit dem jeweils eigenen Denken, dem Synchronisieren von Sprachvermögen und „eigener“ Kognitionsleistung in Kunstkontexten, kam es – zumindest während meiner gegenwärtigen Lektüre – leider kaum.

21.09.2017
Michael Kröger
Handbuch Sprache in der Kunstkommunikation. Hrsg.: Hausendorf, Heiko / Müller, Marcus. Handbücher Sprachwissen (CG125), Band: 16. X / 526 S., 24 x 17 cm. Gb. De Gruyter Mouton Verlag, Berlin 2016. EUR 179,95
ISBN 978-3-11-029583-2
 
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