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Für Jean Christophe Ammann

Festschriften sind manchmal mehr als schön gestaltete Texte. Der opulente Band "Für Jean Christoph Amman" ist ein solches Beispiel. Auf 376 Seiten präsentieren zahlreiche namhafte AutorInnen - Künstler, Kunstvermittler, Kunsthistoriker und andere im Kunstbetrieb Arbeitende (u.a. Bazon Brock, Boris Groys, Uwe Schneede, Klaus Herding und Harald Szeemann) - Texte und visuelle Darstellungen, die man als persönliche Huldigung, als Freundschaftsbeweis oder als mehr oder weniger geglückten "akademischen" Beitrag lesen kann.
Wie seine ebenfalls prominenten Mitstreiter Harald Szeemann und Jan Hoet ist Jean-Christoph Ammann ein Kunstvermittler mit eigenem Esprit und Charisma. Das von ihm seit 1987 aufgebaute Frankfurter Museum für moderne Kunst lebt durch und mit seinen Ideen, Obsessionen und kreativen Kreuzwegen. Ammann begreift dabei Kunst eigentlich westlich-traditionell als Medium individuell wirksamer Künstler-Energie. Kunst als Transformator und als lebendiger Impuls, der sich vor allem aus sich selbst heraus erhält - dieser Anspruch an sich selbst wird auf nahezu jeder Seite auch in diesem Band deutlich. Es liest sich als öffentlich gemachte persönliche Gabe eines großen Kollegen- und Freundeskreises an eine charismatische Figur, die im bundesdeutschen Ausstellungsbetrieb seit den späten sechziger Jahren in Luzern, Basel und zuletzt in Frankfurt aktiv war. In Richard Serras eindrucksvoller Profilansicht von Ammann aus dem Jahr 1988 ist es das Auge, das ahnungsvoll den Raum und die Grenzen zum Bild fixiert.
25 Jahre bevor das Thema - wie heute sichtbar - aktuell wurde, hatte sich Ammann (1974) mit der Rolle der Geschlechter und der Körperidentität beschäftigt. Seine jährlichen Frankfurter Szenenwechsel machten regelmässig von sich reden. Wer Ammann als Redner erlebt, der weiß, was es bedeutet, wenn jemand, nein, wenn Ammann mit Kunst spricht und nicht nur über diese. Wenn Ammann gerne "den Bankern die Kunst erklärte wie Joseph Beuys dem Hasen und diese dann die Löffel spitzten" (Bernhard Freiherr von Loeffelholz), dann wird auch ablesbar, mit welchen Strategien Ammann die Kunst mühelos für sich vereinnahmen kann. Sollte einmal ein Kunsthistoriker eine Arbeit über die Geschichte inspirierender Festschriften für namhafte Kunstvermittler verfassen - die Ammann gewidmete Schrift würde sicher auf einem der vordersten Plätze liegen. Ein schöneres Geschenk hätte sich der clevere "Kenner mit Gespür und Weitblick" (Uwe Schneede) wohl kaum wünschen können...

22.9.2002
Michael Kröger
Für Jean Christophe Ammann. Hrsg. v. Lauter, Rolf. 376 S., zahlr. fb. Abb.. Br EUR[D] 49,80;
ISBN 3-7973-0789-6
 
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