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Vertraulicher Bericht über den Verkauf eine Kommode und andere Kunstgeschichten

Der landläufigen Meinung, dass die Beschäftigung mit schönen, geistreichen Dingen die damit verbundene Arbeit adele oder gar auf das Treiben der damit Beschäftigten abfärbe, begegnet Wolfgang Kemp mit seinem Buch "Vertraulicher Bericht über den Verkauf einer Kommode und andere Kunstgeschichten". Die Tatsache, dass die Welt des Schönen nicht gleichbedeutend mit der Welt des Guten sein muss, verpackt der Autor in acht fiktive Geschichten aus dem Kulturleben, denen es an Realitätsnähe nicht fehlt. Geradezu seismograpisch hat er die Zustände im Kunst- und Wissenschaftsbetrieb aufgezeichnet und in unterhaltsame Beiträge verpackt. Es scheint, als schreibe sich der vielseitige Universitätsprofessor Kemp, dessen Name für grundlegende Veröffentlichungen etwa zur christlichen Kunst und zur Fotohistorie steht, hier so einiges von der Seele. Der renommierte Forscher bringt das harte Geschäft der Kulturarbeiter sensibel formuliert zu Papier. Zwei Kapitel seines Buches sind als Glossen bereits 1999 und 2000 in der "Neuen Runschau" erschienen. Das Zustandekommen hohler Künstlerinterviews, wie sie zuhauf in trendigen Journalen erscheinen, und die Mauscheleien und krummen Geschäfte zwischen großen und kleinen Lichtern der Kunstszene sind enthüllend geschildert. Eine Protagonistin des Buches taucht gleich in drei der Geschichten auf. Und obwohl sich diese Frau Doktor jeweils in ganz unterschiedlichen Positionen ihrer holprigen Berufslaufbahn befindet, hat sich ihre Situation nicht wirklich verändert oder gar verbessert, denn Versuchungen und damit zwangsläufig verbundene Fehltritte warten geradezu darauf, von ihr begangen zu werden. Die Passagen des Buches vom Glanz und Elend im Leben festangestellter Museumsmenschen des öffentlichen Dienstes, von nach alternativen Verdienstmöglichkeiten suchenden Selfmade-Männern und Eventmanagern kommentieren den schnelllebigen Kulturbetrieb mit seinen Widersprüchlichkeiten und Intrigen. Mit außerordentlich spitzer Feder ist die Politik eines sonnig gelegenen, begehrten Auslandsinstituts mit seinen skurrilen Insassen geschildert, die einem beim Lesen sofort einige reale Orte in den Kopf schießen lassen.
Kemps Kunstgeschichten sind mehr als nur Unterhaltungslektüre. Sie sind pointiert gefasste bittere Zustandsberichte - auch wenn mancher dies leugnen würde -, die viel Lesespaß bringen.
22.2.2003

Annette Scherer
Wolfgang: Vertraulicher Bericht über den Verkauf einer Kommode und andere Kunstgeschichten. 2002. 216 S.. Kst EUR[D] 15,90
ISBN 3-446-20232-3
 
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