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Der Taunus

Jahrelang gab es keinen neuen Bildband mehr über den Taunus. Nun sind gleich zwei Bände erschienen. Während Tina Olbrich und Stefan Lingnau sich dem Taunus mit großformatigen Bildern und sparsamen, aber dafür dreisprachigen Texten unter dem Titel „Impressionen einer Kulturlandschaft“ nähern, (erschienen im B3 Verlag), untertitelt Eugen Ernst sein Werk mit: „Ein l(i)ebenswertes Mittelgebirge“ (erschienen im Societätsverlag) und fügt den vielen Bildern ausführliche, aber leider etwas klein gedruckte Texte hinzu.

So üppig der Band von Olbrich und Lagnau ist, so informativ ist das Buch von Eugen Ernst. Ernst, von Haus aus Geograph, Geologe und Gründer, sowie lange Jahre Leiter des Freilichtmuseums Hessenpark, beginnt seine Reise durch den Taunus - der vom Rhein bis zur Wetterau reicht - mit dem Sein und Werden seiner Oberflächengestalt. Anschließend werden dann Aspekte der Erdgeschichte und des Klimas betrachtet, bevor die Geschichte von der Frühzeit bis zur modernen Siedlungsplanung folgt.
Warum die Themen „Kirchen, Kreativität und Bildung“ zusammengefasst behandelt werden ist nicht ganz ersichtlich. Löblich aber, dass dem Thema „Fremde Konfessionen und Kultusgemeinden“ ein eigener Beitrag gewidmet wird, wobei der Begriff „Fremd“ vielleicht andeuten soll, dass die allerorten gewünschte Integration „anderer“ Religionen auch im Taunus noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.

Im Kapitel „Baustile und Volkskunst“ geht es nach Epochen gegliedert um sakrale und profane Baustile, um den Fachwerkbau bis hin zur Gestaltung der im Taunus gebräuchlichen Trachten und endet mit der Vorstellung ausgewählter Chöre, regelmäßig wiederkehrender Kulturveranstaltungen und einer Auswahl berühmter Dichter und Maler sowie verschiedener Schulen und Museen.
Und weil letztlich Alles am Gelde hängt, erfährt der Leser auch noch einiges Wissenswerte über den Taunus als Wirtschafts- und Sozialraum. Über Wald- und Landwirtschaft, warum Rolls-Royce und die Firma Braas in den Taunus kamen, was heute in der Villa Rothschild los ist und warum man schon im 19. Jahrhundert sein Geld bei der Nassauischen Sparkasse anlegte, die damals freilich noch anders hieß.

Zum Thema Rechtswesen wird es dann noch einmal mittelalterlich, bevor die Justizvollzugsanstalt in Butzbach und das Justizministerium in Wiesbaden ins Bild gesetzt werden, gefolgt von verschiedenen Möglichkeiten, die Freizeit im Taunus zu verbringen, wobei man zwischen schlichtem Spazierengehen, Wellnessaktivitäten und Gut-Essen-Gehen noch vieles andere wählen kann.
Ein Buch also, das den Taunus in seiner ganzen Vielfalt und Schönheit erfasst. Ein Buch für die ganze Familie. Nimmt man beide Bände zusammen, ist sowohl den Hinguckern als auch den Leseratten gedient.

„Taunus – Impressionen einer Kulturlandschaft“ von Tina Olbrich und Stefan Lingnau, 144 S. zahlr. fb. Abb. Gb. B3 Verlag, Frankfurt/Main 2009. EUR 19,90.
ISBN: 978-3-938783-36-8

15.4.2010


Gabriele Klempert
Ernst, Eugen: Der Taunus. Ein l(i)ebenswertes Mittelgebirge. 256 S. 29,7 x 24 cm. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt 2009. Gb EUR 49,90
ISBN 978-3-7973-1146-7
 
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