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Auf dem Weg zum Welterbe – Die SchUM-Gemeinden Speyer – Worms – Mainz

Die Städte Speyer, Mainz und Worms, zusammengefasst im hebräischen Akronym SchUM-Gemeinden genannt, erzählen noch heute von ihrer großen jüdischen Vergangenheit, die sich dort etwa seit der ersten Jahrtausendwende nachweisen lässt. Drei Publikationen widmen sich diesem Thema und man sollte es nicht versäumen, bevor man als Tourist diese Orte besucht, zuvor die umfangreicheren Beiträge der internationalen Tagung zu lesen, die 2011 im Landesmuseum Mainz unter dem Titel „Auf dem Weg zum Welterbe“ stattfand.
Bereits im 10. Jahrhundert entstand in Mainz die älteste der Gemeinden, Worms und Speyer schlossen sich an und schufen im 12. Jahrhundert eine weltweit einmalige Gemeinschaft. Die Gemeinden in diesen drei Kathedralstädten waren die Wiege der Gelehrsamkeit in „Aschkenas“, eine jüdische Bezeichnung für Deutschland. Sie zogen Lehrende und Lernende aus ganz Europa an, deren Protagonisten bis heute im jüdischen Gedächtnis erhalten blieben.
Vom Zusammenwirken dieser jüdischen und christlichen Kultur zeugen in diesen Städten zahlreiche Kunst- und Bauwerke.

Die Beiträge der Tagung folgen dem Ziel, die Bedeutung der SchUM-Gemeinden unter dem Aspekt des Welterbegedankens zu diskutieren. In den ersten Beiträgen geht es dabei um die Entstehung der Beziehungen der drei Gemeinden Mainz, Worms und Speyer zueinander sowie um die jüdischen Architekturvorstellungen, aus denen sich im Mittelalter eigenständige Architekturformen für Ritualbauten, Synagogen, Frauensynagogen und Mikwen nachweisen lassen. Der Platz von Frauen im synagogalen Ritual wird dabei genauso untersucht, wie die Funktion der Synagogen als Zentrum des sozialen Lebens. Mit Elementen der materiellen Überlieferung und ihrem Aussagewert für die Entwicklung der Architektur und die Ausgrabungen, bzw. Funde vom Speyerer Judenfriedhof und dem Bauschutt der Wormser Synagoge beschäftigen sich die folgenden Beiträge.
Auch die Bedeutung der Grabsteinepigraphik sei nicht zu unterschätzen, lautet das Fazit der Forschungen über den 900 Jahre belegten jüdischen Friedhof von Worms, dessen Bild-Text-Dokumentationen weitere wichtige Informationen liefern, wobei nicht nur judaistische kunsthistorische Erkenntnisse gewonnen werden, sondern auch mathematische Expertisen der Erforschung diesem kulturellen Erbes zu gute kommen.
Zwei weitere Beiträge befassen sich mit den 2007 ergrabenen Funden in der Nähe des Mainzer Friedhofs, deren Steine nach der Plünderung im Mittelalter zweckentfremdet wurden.
Nicht nur ein illustriertes Festtagsgebetbuch aus der Zeit um 1310, das Reaktionen auf die Krisenerfahrungen zeigt wird wissenschaftlich untersucht, auch 16 Dichtungen aus dem Spätmittelalter sowie die Bedeutung von Gelehrtennetzwerken und ihre Rolle in der Tradierung von Wissen und Brauchtum werden ausführlich dargelegt.
Drei Beiträge widmen sich den christlich-jüdischen Beziehungen in den SchUM-Städten, bzw. im römisch-deutschen Reich. Die Auswirkungen des christlich-jüdischen Zusammenlebens werden im Zusammenhang mit der Synagogen-Architektur im Kontext mittelalterlicher Städte ebenso erörtert wie im 15. Jahrhundert die Entwicklung der jüdischen Reichssteuern und ihr Zusammenhang mit den Judenvertreibungen in dieser Zeit. Am Ende wird noch ein Blick auf das Nachleben der SchUM-Gemeinden und auf Aspekte zur Forschung, Dokumentation, der Vermittlung und Präsentation geworfen sowie ein Ausblick auf das 21. Jahrhundert gewährt.

Es macht durchaus Sinn, sich diesem ausführlichen Werk zu widmen. Wer sich dem Thema etwas schneller annähern möchte oder einen Reiseführer für einen Besuch braucht, der ist bestens mit dem kleinen Bändchen „Ausflugsziele zu den Kulturstätten des Judentums am Rhein“ versorgt oder liest und betrachtet die wunderbaren Fotos, die die Dokumentation der Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz bereit hält, beide Ausgaben sind von Matthias Preißler.

Weitere Ausgaben:

Preißler, Matthias. Die SchUM-Städte am Rhein. Speyer (Schpira) – Worms (Warmeisa) – Mainz (Magenza). Hrsg.: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Direktion Landesdenkmalpflege. 2012. 40 S. 38 fb. Abb. 30 x 21 cm. geheftet. EUR 5,00. CHF 7,60 ISBN 978-3-7954-2661-3

Heberer, Pia; Reuter, Ursula. Die SchUM-Gemeinden Speyer – Worms – Mainz. Auf dem Weg zum Welterbe. Hrsg. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Schriftleitung: Pia Heberer, Ursula Reuter. 2011. 288 S. zahlr. fb. Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 49,95. CHF 66,90 ISBN 978-3-7954-2594-4

03.07.2014

Gabriele Klempert
Die SchUM-Gemeinden Speyer – Worms – Mainz. Auf dem Weg zum Welterbe. Ausflugsziele zu den Kulturstätten des Judentums. Hrsg.: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Generaldirektion. 2013. 100 S. zahlr. fb. Abb. 21 x 13 cm. Pb. EUR 14,95. CHF 21,90
ISBN 978-3-7954-2595-1   [Schnell & Steiner]
 
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