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Gartenkultur im Rheinland vom Mittelalter bis zur Moderne

„Der Gärtner tut mit seinen Sträuchern und Stauden, was der Dichter mit den Worten tut: er stellt sie so zusammen, dass sie zugleich neu und seltsam scheinen und zugleich auch wie zum ersten Mal ganz sich selbst bedeuten, sich auf sich selbst besinnen. Das Zusammenstellen oder Auseinanderstellen ist alles; denn ein Strauch oder eine Staude ist für sich alleine weder hoch noch niedrig, weder unedel noch edel, weder üppig noch schlank: erst seine Nachbarschaft macht ihn dazu, erst die Mauer, an der er schattet, das Beet, aus dem er sich hebt, geben ihm Gestalt und Miene“. Diese von Hugo von Hofmannsthal stammenden Zeilen sind dem hier anzuzeigenden Buch nicht nur vorangestellt, sondern umfassen es auch inhaltlich. Nicht der einzelne Garten oder Park wird analysierend hervorgehoben, sondern die im Rheinland vorhandene Dichte der historischen Grünanlagen betont. Dabei gelingt es den acht Autoren, die den Fachdisziplinen Landschaftsarchitektur, Kulturwissenschaften und Geographie entstammen, den verschiedenen, im Verbund vorgestellten Gartentypen ihre singulare Besonderheit zu entlocken und durch Vergleiche zugleich neue Qualitäten entstehen zu lassen.

So sind insgesamt zwanzig Kapitel entstanden, die sich einem Spektrum an Gartenkultur widmen, welches breit gefächerter kaum sein könnte: Dazu gehören Kloster- und Burggärten, im großen Stil angelegte Barock- und Landschaftsgärten, das offizielle Grün der Stadtanlagen, das private Kleinod der Villengärten oder das bürgerliche Pendant in Form von Siedlungsgrün und Vorgärten. Ebenso wenig fehlen botanische, zoologische, Heilgärten und Sportstätten. Den Abschluss markiert eine Ein- und Ausblick auf die Garten- und Parkanlagen der Zukunft. Um der Auswahl Struktur zu geben, sind den Beschreibungen der repräsentativen Anlagen einleitende Kapitel vorangestellt, die in aller Kürze, aber präzise die Gartentypen charakterisieren. Allein das als (Schluss-)Kapitel ausgewiesene, aber ohne Autorenkürzel versehene ‚Bahnwärtergärtlein‘ erstaunt, zumal dem Leser hier ‚nur‘ ein zehn Strophen umfassendes Gedicht von Carl Zuckmayer offeriert wird. Sicherlich, ein schöner Schluss, aber die sich dahinter verbergende Idee, die Intention erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Vielleicht ist es die Schlusssequenz, die möglicherweise die Wahl bzw. den Auswählenden konturiert. Dort heißt es: „Ist es ein Zauber, der hier wirkt und treibt? Der Erde Zittern – wenn die großen Züge zur Ferne hasten – und die Selbstgenüge des guten Wächters, der im Lande bleibt?“ Der ‚Blumenstrauß‘ dürfte somit mindestens sinnbildlich an den Herausgeber, den Landeskonservator Udo Mainzer gehen.

Dieser ist es denn auch, der im Vorwort mit eindringlichen Worten notiert, dass zwar mit dem 1995 vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege eingerichteten Fachreferat für Gartendenkmalpflege ein dringend gebotener Schritt getan wurde, da auf diesem Gebiet „erheblicher Nachholbedarf“ bestand, jedoch weiterhin alle daran Beteiligten und Partizipierenden in eindringlicher wie konzentrierter Weise dafür sensibilisiert werden müssen, das „Zeugnisse der Gartenkunst den Rang von Denkmälern beanspruchen und (…) deshalb wie alle übrigen Denkmäler zu erforschen, zu erhalten und zu pflegen“ sind. Acht Jahre nach Gründung des Fachreferates dokumentiert die Veröffentlichung nachdrücklich bereits Geleistetes. Zudem gliedert sie sich in eine Reihe von gartenkünstlerischen Ereignissen ein, die das Profil der Gartenkultur im Rheinland geschärft haben, wozu u.a. die museale Aufbereitung des Themas im eigens gegründeten ‚Museum für Europäische Gartenkunst‘ im Schloss Benrath oder das ‚Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur‘ auf Schloss Dyck zählt.

Als ‚Arbeitsheft‘ deklariert, besticht das Werk nicht nur durch die Fotografien von Jürgen Gregori, welche zudem von historischen Aufnahmen und Plänen flankiert werden und die Anlagen im Bestand dokumentieren, sondern auch und vor allem durch die breit gefächerte Auswahl der im Rheinland befindlichen Parks und Gärten, die, wie der Titel verkündet, vom Mittelalter bis zur Moderne, also von den Gärten der Abtei Brauweiler bis zum Emscher Landschaftspark reichen. Dabei versuchen die Autoren nicht nur den historischen Bestand und dessen Genese, womit gleichermaßen historisch überlieferte Architekturen, Ausstattungsprogramme und die Grünanlagen gemeint sind, zu rekonstruieren, sondern binden immer auch die zeithistorische Kulisse wie Kontexte in ihre Beschreibung mit ein. Zudem wird der Fokus wiederholt auf die gärtnerische Betreuung der Anlagen gelegt – und zwar im Bestand, in Form von Ersatzpflanzungen oder modernen Interpretationen. Dem ist es geschuldet, dass der Leser einen guten Überblick über die mit den Park- und Gartenpflegewerken verfolgten Herausforderungen und Ziele erhält.

Einem Arbeitsheft gerecht werdend, findet sich im Anhang neben weiterführender Literatur ein kurzes Glossar. Leider sucht man ein Namens- und Ortsregister vergeblich, dafür entschädigt, wenigstens in Teilen, das Verzeichnis der Garten- und Parkanlagen, die mit Adressen und Telefonnummern aufwartet.

Das Buch‚ Gartenkultur im Rheinland‘ richtet sich somit gleichermaßen an Liebhaber von Grünanlagen, Flaneure wie Fachleute, wobei vor allem die umfängliche Zusammenstellung, das Aufzeigen der Gärten und Parks als lebendiges Kulturgutes als verdienstvoll herauszustellen ist.




Martina Dlugaiczyk
Gartenkultur im Rheinland. Von Andreae, Judith /Engelen, Petra /Geyr-Wittig, Monica von /Harzheim, Gabriele /Hormisch, Nadja /Rümler, Roland /Schreiner, Peter /Weingarten, Petra. Photograph: Gregori, Jürgen. Redakt.: Knopp, Gisbert /Parakenings, Birgit. 2003. 320 S. 319 fb. Abb. 30 cm. (Landesverband Rhld - Arb.-hefte d. rhein. Denkmalpflege 60 Sonderbd) Gb EUR 39,90
ISBN 3-935590-94-6   [Imhof]
 
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