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Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts (75). Hrsg.: Seidlmayer, Stephan J.; Polz, Daniel. Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 75 (2019). Deutsch; Englisch. 302 S. 165 Abb., 26 Tabellen. 29,7 x 21 cm. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2020. EUR 128,00. ISBN: 978-3-447-11343-4 Harrassowitz Verlag
Seit 1930 bieten die jährlich erscheinenden Mitteilungen der Abteilung Kairo eine internationale Plattform für Beiträge zur Archäologie und Kulturgeschichte Ägyptens. Die Themen erstrecken sich dabei von der prädynastischen über die pharaonische und christliche bis hin zur islamischen Zeit. Neben dem Schwerpunkt Archäologie und der Veröffentlichung neuester Grabungsergebnisse internationaler Unternehmungen werden auch kultur- und kunstgeschichtliche Inhalte und aktuelle Fragestellungen diskutiert. Die hochwertige Publikation der aktuellen Forschungsergebnisse des DAI Kairo ist eine zentrale Aufgabe der Mitteilungen. So wird unter anderem in jeweils zwei- bis dreijährigem Abstand über die laufenden Ausgrabungen berichtet. Die Beiträge erscheinen in deutscher, englischer oder französischer Sprache, jeweils von einer englischen Zusammenfassung begleitet. Ihre Qualität wird durch ein Peer-Review-Verfahren gesichert. Illustriert werden sie durch zahlreiche Abbildungen, Pläne und Tafeln.
Studien zur formalen Struktur des Palastgebäudes und den Funktionen der Palastinstitution. Schriften zur Vorderasiatischen Archäologie (18). Mönninghoff, Hannah. Der Palast in Nuzi. Deutsch. 10.12.2020. 480 S. 408 Abb., 296 Tabellen. 29,7 x 21,0 cm. EUR 178,00. ISBN: 978-3-447-11500-1 Harrassowitz Verlag
Der Fundort Nuzi (Yorġāntappe) im heutigen Nordirak war in der Spätbronzezeit ein urbanes Zentrum mit mehreren Wohnvierteln, einem Tempel und einem Palast. Seit den archäologischen Ausgrabungen des Fundortes 1925–1931 ist Nuzi außerdem ein Leitfundort für die Kultur des sogenannten Mittani-Reiches.
Hannah Mönninghoff unterzieht die archäologischen Funde aus Nuzi knapp 100 Jahre nach ihrer Wiederentdeckung einer Neubewertung mit aktuellen Fragestellungen. Im Fokus steht dabei das zentrale Palastgebäude, der soziale, ökonomische und topographische Mittelpunkt der antiken Siedlung. Beleuchtet werden vor allem die Aktivitäten und die Raumnutzung der Palastverwaltung und des Palasthaushaltes. Die Untersuchung demonstriert exemplarisch, dass unser Verständnis eines altorientalischen Palastes sich über das repräsentative Zentralgebäude hinaus erstrecken muss und dass die Institution in der Spätbronzezeit eng mit der Zivilgesellschaft verflochten war. Die Studie stützt sich auf die originale Dokumentation der Ausgrabungen sowie die Sammlung von Funden im Harvard Museum of the Ancient Near East. Zudem enthält der Band auch einen neu zusammengestellten, detaillierten Katalog aller Funde aus der letzten Siedlungsphase Nuzis.
Studien zu den "Deutschen Berichten" über Vlad III. Draculea. MGH - Studien und Texte (67). Annas, Gabriele; Paulus, Christof. Geschichte und Geschichten. Deutsch. 10.12.2020. 270 S. 8 Tabellen. 22,7 x 14,8 cm. EUR 55,00. ISBN: 978-3-447-11390-8 Harrassowitz Verlag
Nicht die Grausamkeit Vlads III. Drăculea selbst war für das gewaltgesättigte 15. Jahrhundert ungeheuerlich, sondern die brutale, sich gegen Freund und Feind richtende Maß- und Gnadenlosigkeit des walachischen Woiwoden. Entscheidend geformt wurde das blutrot gezeichnete Vlad-Bild durch die um 1463 entstandenen „Deutschen Berichte“. Sie markieren den Übergang von der woiwodalen Geschichte zu den in Historie und Literatur nachhallenden Geschichten über den Pfählerfürsten.
Die Fallstudie von Gabriele Annas und Christof Paulus macht erstmals die bislang bekannten handschriftlichen Textzeugen in einer historisch-kritischen Edition zugänglich. Beleuchtet werden die Verstehens- und Wirkhorizonte der Überlieferungsträger. Dass die vordergründig schlichten ‚Berichte‘ keineswegs kunstlos waren, sondern mit Sub- und Co-Texten spielten, zeigen motivgeschichtliche Untersuchungen. Mit der textuellen Offenheit der Erzählungen verbinden sich Überlegungen zum Gattungsverständnis kleinerer (Gebrauchs-)Schriften jenseits diplomatischer Akten und kanonischer Werke. Diskutiert werden Fragen zu Entstehung, Autorschaft, Vermittlungswegen und der divergierenden Rezeptionsgeschichte. So regt die Fallstudie zugleich ein Nachdenken über Rolle und Bedeutung vergleichbarer Texte im Rahmen einer politischen Kultur- und Kommunikationsgeschichte an und richtet den Blick auf einen gleichsam schwebenden Wissenstransfer und manipulative Formen der Meinungsbildung im Spätmittelalter.
Bilddaten in den Digitalen Geisteswissenschaften. Episteme in Bewegung. (16). Hrsg.: Hastik, Canan; Hegel, Philipp. Deutsch. 2020. 280 S. 60 Abb., 26 Diagramme, 4 Tabellen. 24,0 x 17,0 cm. EUR 68,00. ISBN: 978-3-447-11460-8 Harrassowitz Verlag
Digitale Bilder sind in Zeiten des Internets, der Mobiltelefonie und der sozialen Medien fest in der Lebenswelt zahlreicher Menschen verankert. Auch in den unterschiedlichen Geisteswissenschaften ist die Nutzung von digitalen Bildern als Forschungsmaterial an vielen Stellen zum Alltag geworden. In Bilddaten in den Digitalen Geisteswissenschaften wird mit einer Auswahl von Anwendungsfällen und Lösungsansätzen aus Informatik und Informationswissenschaft, Architektur- und Kunstgeschichte, Philologie und Medienwissenschaft eine Bandbreite der je nach Disziplin und Gegenstand variierenden Anforderungen dargestellt, wobei auch zunächst eher technisch anmutende Aspekte betrachtet werden.
In drei Abschnitten werden digitale Verfahren und ihre Anwendungen in einzelnen Teilgebieten der Geisteswissenschaften behandelt. Obwohl sich die einzelnen Beiträge in unterschiedlichem Maße auf informatische und geisteswissenschaftliche Interessen, Ansätze, Verfahren und Details konzentrieren, verweisen sie immer auch auf den jeweils anderen Aspekt, sodass sich die Fächer in diesen Darstellungen einander annähern. Bilder werden dabei nicht nur als Gegenstände von Wissen betrachtet, sondern sie werden in ihrer Relevanz für die Genese, die Repräsentation und die Dissemination von Wissen untersucht.
Philippika (140). Pietruszka, Wojciech. The municipal elites of Campania during the Antonine-Severan period. Englisch. 2020. 488 S. 20 graphs, 1 map, 1 table. 24,0 x 17,0 cm. EUR 98,00. ISBN: 978-3-447-11452-3 Harrassowitz Verlag
Although Campania has for centuries attracted the attention of historians, epigraphers and archaeologists, no researcher has yet produced an extensive study concerning the municipal elites of the region during the 2nd and the early 3rd century CE.
In this book Wojciech Pietruszka fills this void by offering a broad insight into the socio-economic aspects of the Campanian municipal elites during the Antonine-Severan period. This in-depth account employs a wide variety of source material, with particular attention on the available epigraphic material. The study focuses on several key issues, which include the general condition of Campania (emphasising the effect that events such as the eruption of Vesuvius in 79 CE and the Antonine plague had on the region), the income and expenditure of the municipal elites (both private financial affairs and public acts of euergetism), the composition of city councils, the role and position of Augustales, and the importance of Campanian equites and senators. Bearing in mind that the whole area of Campania was quite diverse, the author divides Campania into three zones – coastal, central and the foothill regions – which enables him to analyse how the geographical location (the place of living) and its distance from both the ‘centre’ and the important trade routes influenced the way the municipal elites functioned. Finally, by comparing these research results with information from the earlier period, Pietruszka attempts to answer the question of whether the 2nd/beginning of the 3rd century CE was a time of real crisis, continuity, or growing prosperity for the municipal elites and Campanian cities.
Das Alltags- und Sozialleben der Sobek-Priester im kaiserzeitlichen Fayum. Philippika (144). Sippel, Benjamin. Gottesdiener und Kamelzüchter. Deutsch. 2020. 354 S. 5 Abb., 41 Diagramme, 1 Tabelle. 24,0 x 17,0 cm. EUR 85,00. ISBN: 978-3-447-11485-1 Harrassowitz Verlag
Als Octavian Ägypten eroberte (30 v.Chr.), thronten in den Dörfern am Rande des Fayum mehrere große Tempel, die den Kult um den Krokodilgott Sobek pflegten. Für die drei nachfolgenden Jahrhunderte sind aus dieser Region reiche archäologische, epigrafische und papyrologische Zeugnisse überliefert, die den Alltag der Priesterschaft zwischen Ritualhandlungen, Tempelverwaltung und Familienleben unter römischer Herrschaft illustrieren.
Benjamin Sippel zeichnet erstmals ein siedlungsübergreifendes Bild von den Beziehungen der fayumischen Sobek-Priester untereinander, zu ihren Dorfgemeinschaften und zu staatlichen Beamten. Im Fokus stehen die Dörfer Bakchias, Narmuthis, Soknopaiu Nesos, Tebtynis und Theadelphia. Den Kern der Untersuchung bilden vier Themenfelder: (1) die Eigenheiten der Namengebung unter priesterlichen Familien, (2) die Bemühungen der Tempelkollegien um ein hellenistisch gebildetes Publikum, (3) die weltlichen Verdienstmöglichkeiten für Priester und (4) die Konfliktherde im Umfeld der Tempel. Sippel gelingt es dabei einerseits, das Stereotyp von ägyptischen Priestern als ‚indigener Elite‘ zu dekonstruieren, andererseits schließt die Studie eine Forschungslücke, indem sie die Situation der ägyptischen Sobek-Kulte im Fayum unter römischer Herrschaft eingehend beleuchtet.
Seals and sealings of the 3rd millennium BC. Vorderasiatische Forschungen der Max Freiherr von Oppenheim Stiftung (2,9). Binder, Anne-Birte. The Glyptic of Tell Chu?ra. Englisch. 2020. 264 S. 183 figures, 40 tables, 30 plates. 34,5 x 24,0 cm. EUR 98,00. ISBN: 978-3-447-11350-2 Harrassowitz Verlag
This volume provides a complete presentation of the seal impressions and seals excavated between 1955 and the Syrian Civil war in 2011 in Tell Chuera. With a total of 605 items showing 313 different designs the corpus forms a good basis to analyze the motivic repertoire of Tell Chuera, which is the only major site of the 3rd millennium BC in the centre between the Balikh and Habur that has been excavated on a large scale.
Its location in a scarcely investigated area as well as the so far incomplete publication of the material have led to many discussions about the period/s in which the glyptic finds might have been used or produced. Since the majority of finds comes from secondary contexts, these contexts do not allow determining the age without references to other sites. One major part of this volume is therefore discussing the dating of almost the entire glyptic motives found within the borders of modern Syria and to create a chronological framework in which to integrate Tell Chuera’s glyptic. Besides the presentation and discussion of the date of the motives, the context of each specimen is presented with all available information. A brief discussion of the function of seals and sealings in Tell Chuera, especially in the area of the Kleiner Antentempel (Area K), concludes the volume.
Itinerarium. MGH - Reiseberichte des Mittelalters (1). Hrsg.: Herbers, Klaus; Unter Mitarbeit von Deimann, Wiebke; Hurtienne, René; Meyer, Sofia; Montag, Miriam; Walleit, Lisa; Beitr.: Orth-Müller, Tina B. Hieronymus Münzer. Deutsch. 2020. 572 S. 8 Abb. 21,8 x 15,5 cm. EUR 148,00. ISBN: 978-3-447-10972-7 Harrassowitz Verlag
Mit dem Itinerarium des bis zu seinem Tod in Nürnberg tätigen Humanisten, Arzt und Geographen Hieronymus Münzer über seine Westeuropareise 1494/95 eröffnen die MGH ihre neue Reihe der Reiseberichte des Mittelalters. Warum reisen die jeweiligen Protagonisten, was nehmen sie wahr und schließlich wohin reisen sie? Die Quellen geben Antwort auf Fragen nach Motivation, alltags-praktischen Aspekten, geographischen Erfahrungen und Orientierung.
Nachdem Ludwig Pfandl 1902 eine Teiledition des Itinerariums veröffentlicht hatte, die nur die Reiseroute in Spanien wiedergab, legt Klaus Herbers nun erstmals den gesamten Text in einer kritischen Edition mit ausführlicher Einleitung und detailliertem Sachkommentar vor. Hierin zeigt sich mit welcher Vielfalt an Motiven und Interessen Münzer seine Reise unternahm und dokumentierte. Humanistische Vorlieben paarten sich mit Reliquienverehrung, Interesse an wirtschaftlichen Entwicklungen, an Büchern und Handschriften. Seine Besuche an den beiden Königshöfen in Évora/Lissabon und Madrid stellten Höhepunkte der Reise dar, bei denen Aspekte von Kosmographie, Handel und Herrschaft mit Münzers Interesse für Königshöfe, Entdeckungen und Heidenkampf eng ineinandergriffen.
Cult Practices and Cult Spaces in Hittite Anatolia and Neighbouring Cultures. Proceedings of the First International HFR Symposium, Mainz, 3–5 June 2019. Studien zu den Bogazköy-Texten (66). Hrsg.: Görke, Susanne; Steitler, Charles. Cult, Temple, Sacred Spaces. Englisch. 2020. 376 S. 3 diagrams, 61 ill., 2 maps, 27 tables. 24,0 x 17,0 cm. EUR 88,00. ISBN: 978-3-447-11486-8 Harrassowitz Verlag
In June 2019, the project “Corpus der hethitischen Festrituale” (HFR) invited renowned international scholars to a symposium discussing recent developments in ancient Near Eastern studies regarding the interpretation of philological and archaeological sources from Anatolia and adjacent areas in the 2nd mill. BCE. The symposium focused on questions concerning the archaeology of temples and other sacred places, differentiation of sacred spaces according to written sources, the organization of festivals with a focus on spatial aspects, participation in festivals, and possibilities of interpretation thanks to insights into the cult practices of areas such as Northern Syria, the Levant, Mesopotamia or Egypt.
While the geographic focus of the symposium proceedings is on Hittite Anatolia, the first section includes studies examining rituals and their temple contexts in Egypt, the Levant, Assyria and Babylonia, providing comparative insights for understanding the Hittite festivals. An archaeological section offers new analyses of existing temple finds as well as a presentation of recent discoveries of sacred architecture, including inventories and sealings, in both Anatolia and the Levant. The remainder of the volume consists primarily of Hittitological philological studies of sacred space, analyzing the significance of various places, such as rivers, loci numinosi, roofs, the movement from one place to another within ritual practices, special terminology and characteristics of various festivals, particularities of cults of several cities and regions, the economic aspects of Hittite festivals and their ideological background in Hittite kingship and the king’s connection to festivals.
Die Juden in Ägypten (1915-1952). Korrelation von Sprache und Minderheit. Al-Khatib, Taqadum. Deutsch. 2020. 228 S. 15 Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 48,00. ISBN: 978-3-447-39059-0 Harrassowitz Verlag
Ägypten erscheint als Fallstudie zugleich interessant und problematisch. Seit der Revolution von 1919 bis heute wiederholen sich dieselben offenen Fragen wie die Stellung der Minderheiten innerhalb der Gesellschaft, besonders der Juden (früher) und der Kopten (heute). Das vorherrschende nationale Denken in Wirtschaft und Gesellschaft, der Nationalismus als solcher in seinen verschiedenen Ausprägungen, die islamische Erneuerung, der Antikolonialismus, der Palästinakonflikt mit dem ihn begleitenden Antizionismus und schließlich die die staatlichen Repressionsmaßnahmen begleitenden allgegenwärtigen Menschenrechtsverletzungen haben klare Antworten bisher verhindert.
Von diesen Begleitumständen wurden auch die jüdischen Diskurse in Ägypten geprägt. Hier stellt sich die Frage danach, welche Stellung die Juden in der ägyptischen Gesellschaft zwischen 1915 und 1952, insbesondere aber in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, einnahmen und danach, ob diese Stellung sich erkennbar von der anderer nicht-muslimischer oder nicht-ägyptischer Minderheiten im Land unterschied. Ausgehend von der These, dass die ägyptischen Juden sowohl durch die Ideologie des politischen Zionismus als auch durch den ägyptischen Nationalismus instrumentalisiert wurden, geht Taqadum Alkhatib in seiner Studie diesen Fragen nach und untersucht neben der Stellung der Juden in der ägyptischen Gesellschaft die Beziehung zwischen den sephardischen, aschkenasischen und karäischen Juden im genannten Zeitraum. Dabei geht es nicht um eine chronologische Deskription, sondern um eine sprachliche, historische und ideologische Analyse.
Beglaubigungstätigkeit und Selbstrepräsentation von Jüdinnen und Juden. 2 Bände. Forschungen zur Geschichte der Juden (30). Lehnertz, Andreas. Judensiegel im spätmittelalterlichen Reichsgebiet. Deutsch. 2020. 934 S. 197 Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 168,00. ISBN: 978-3-447-11507-0 Harrassowitz Verlag
Im Mittelalter diente das Siegel insbesondere in Nordeuropa gemeinhin als Beglaubigungsinstrument, das der heutigen Unterschrift gleichkommt. Es war ein exzellentes Medium zur Selbstdarstellung in Bild (Siegelbild) und Schrift (Siegelumschrift). In ihm konnten auf engstem Raum komplexe soziale Verhältnisse ausgedrückt werden. Als die christlichen Bürgerinnen und Bürger im spätmittelalterlichen deutschen Reichsgebiet eigene Siegel zu führen begannen, nahmen auch Jüdinnen und Juden an dieser Praxis teil. Sowohl jüdische Geschäftsleute wie auch jüdische Gemeinden nutzten eigene Siegel als Ausdruck der Selbstrepräsentation beim Abschluss von Rechtsakten in Verbindung mit Christen.
Andreas Lehnertz legt nun eine Edition dieser Judensiegel von ihrem Aufkommen seit etwa der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1519 vor (Teil II), die als Basis für weiterführende Studien dient (Teil I). Die Studie untersucht Judensiegel von Individuen wie ganzen Gemeinden unter verschiedenen Aspekten. Dabei werden die Besiegelungspraxis ebenso wie die Urkundenformulare, an denen die Judensiegel hängen, untersucht und in ihren jeweiligen historischen Kontext eingeordnet. Insbesondere die Judensiegel der Erzstiftes Trier und der Freien Stadt Regensburg stehen hierbei im Fokus. Die Arbeit würdigt damit sowohl das Einzelsiegel wie auch das Corpus der Judensiegel im Allgemeinen als Teil der jüdischen materialen Kultur des Mittelalters.
Philippika (136). Graml, Constanze. The Sanctuary of Artemis Soteira in the Kerameikos of Athens. Englisch. 2020. 290 S. 9 attachments, 2 figures, 63 plates, 4 tables. 29,7 x 21,0 cm. EUR 128,00. ISBN: 978-3-447-19910-0 Harrassowitz Verlag
In 1890, a newly discovered sanctuary was excavated in the necropolis on the famous Kerameikos of Athens. Guided by the ancient written sources and the expectations of his day, the excavator Kyriakos Mylonas interpreted the precinct as an Imperial Roman sanctuary of the goddess Hekate. In ancient texts, this deity is commonly associated with magical rituals and binding spells, and lead tablets used for such purposes have been found in graves all over the Greek world, including those of the Kerameikos necropolis. Due to the location of the sanctuary among the tombs and Mylonas’ interpretation of the site as belonging to this striking deity, researchers came to treat it as an unambiguously attested cult place of Hekate, even though the archaeological discoveries had not yet been fully published.
This volume is dedicated to this task. By conducting an in-depth analysis of the site’s entangled excavation and research history together with a new investigation of the actual archaeological findings, Constanze Graml not only re-dates the district to the Hellenistic period, but also reassigns it to the goddess Artemis Soteira. Based on these results, the sanctuary’s embedding and role in the cult topography of Athens and Attica can finally be seen in new light.
L’evidenza dei papiri latini d’Egitto tra I e III d.C. Philippika (139). Salati, Ornella. Scrivere documenti nell’esercito romano. Italienisch. 2020. 244 S. 43 Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 64,00. ISBN: 978-3-447-11451-6 Harrassowitz Verlag
The general purpose of military paperwork in the Roman army was to control and to manage the personnel, giving detailed information about compositions of the unit, status and availability of the soldiers for duty tasks, their salaries and expenses. The needs of the service called for documents highly readable that, in their form and content, show a good degree of uniformity over time and space. Although some scholars have discussed the various typologies of documents and have reconstructed the branches of military bureaucracy, until now the topic is still a field open for study.
The volume by Ornella Salati aims to address the question of documents’ composition in the Roman army during the first three centuries AD, analysing Latin papyri from Egypt. Particular attention is paid firstly to their layout, visual details (format of columns, blank spaces) and handwriting (capital and/or cursive); secondly their pattern, content and language (specific sentences, formulae) are discussed. Comparative evidence from other military contexts (Vindolanda in northern England, Dura Europos in southern-eastern Syria, Gholaia in north Africa) are also taken into account. Possible connections with time and space, and even with the material support are explored in order to show similarities and differences. Such comprehensive approach consents to obtain a deeper knowledge of the organization of the Roman army and of the system of writing, authentication and archiving its documents.
L’evidenza dei papiri latini d’Egitto tra I e III d.C. Philippika (139). Salati, Ornella. Scrivere documenti nell’esercito romano. Italienisch. 2020. 244 S. 43 Abb. 24,0 x 17,0 cm. EUR 64,00. ISBN: 978-3-447-39025-5 Harrassowitz Verlag
The general purpose of military paperwork in the Roman army was to control and to manage the personnel, giving detailed information about compositions of the unit, status and availability of the soldiers for duty tasks, their salaries and expenses. The needs of the service called for documents highly readable that, in their form and content, show a good degree of uniformity over time and space. Although some scholars have discussed the various typologies of documents and have reconstructed the branches of military bureaucracy, until now the topic is still a field open for study.
The volume by Ornella Salati aims to address the question of documents’ composition in the Roman army during the first three centuries AD, analysing Latin papyri from Egypt. Particular attention is paid firstly to their layout, visual details (format of columns, blank spaces) and handwriting (capital and/or cursive); secondly their pattern, content and language (specific sentences, formulae) are discussed. Comparative evidence from other military contexts (Vindolanda in northern England, Dura Europos in southern-eastern Syria, Gholaia in north Africa) are also taken into account. Possible connections with time and space, and even with the material support are explored in order to show similarities and differences. Such comprehensive approach consents to obtain a deeper knowledge of the organization of the Roman army and of the system of writing, authentication and archiving its documents.
Entwicklung einer standardisierten Zeichenschrift zur Analyse und Vermittlung archäologischer Funde und Befunde. Schriften zur Vorderasiatischen Archäologie (15). Kilchör, Fabienne. Archäologie visualisieren. Deutsch. 2020. 202 S. 175 Abb. 29,7 x 21,0 cm.EUR 98,00. ISBN: 978-3-447-11395-3 Harrassowitz Verlag
Materielle und immaterielle Kulturgüter werden nicht mehr nur als Zeugnisse vergangener Kulturen angesehen, sondern in ihrem Kontext auf soziale und ökonomische Aspekte früherer Gesellschaften untersucht. Aus dieser Perspektive spielen die Beschreibung und Darstellung von Funden und Befunden eine zentrale Rolle für das Sichtbarmachen von Zusammenhängen und für das Verständnis neuer Erkenntnisse. Die entsprechenden Darstellungsmethoden − weg von der Betrachtung einzelner Dinge hin zur Erforschung kultureller Zusammenhänge – hinken dabei jedoch hinterher, da moderne Informationsvisualisierungen, die hierfür geeignet wären, bislang kaum entwickelt und genutzt wurden.
Fabienne Kilchör präsentiert in ihrer Publikation Verfahren, die gleichermaßen für die wissenschaftliche Forschung als auch für die Wissensvermittlung geeignet sind. Von zentraler Bedeutung ist dabei die eigens entwickelte Zeichenschrift „Diglû“ mit über 400 in eine Schreibschrift eingebetteten Piktogrammen, die eine gestalterunabhängige Anwendung und Datenanalyse ermöglicht. Präsentiert werden Darstellungsprinzipien, Maßnahmen aus dem Bereich der visuellen Kommunikation und Methoden des Informationsdesigns. Die Verwendung von Diglû wird in Karten, einer Harris-Matrix und einer Datenbank ebenso vorgeführt wie bei neuartigen Darstellungsmethoden mittels Informationsgrafiken. Neben der Darlegung der wissenschaftlichen Grundlagen finden sich zahlreiche Anwendungsbeispiele aus dem Bereich der Vorderasiatischen Archäologie und Anleitungen für die Nutzung der Verfahren.
Bibliotheken im kaiserzeitlichen Rom.Bätz, Alexander. Seelen der Stadt. Deutsch. 2020. 108 S. 20,0 x 13,5 cm.EUR 19,90. ISBN: 978-3-447-11505-6 Harrassowitz Verlag
Seit dem späten 1. Jahrhundert v.Chr. war Rom auch eine Stadt der öffentlichen Bibliotheken. Kaiser von Augustus bis Trajan gründeten Büchersammlungen in der Hauptstadt und verbreiteten mit ihnen eine Fülle an Botschaften, die über die reine Bereitstellung von Literatur deutlich hinausgingen. Prunkvolle Bibliotheksbauten und identitätsstiftende Bestände sorgten für die Ausformung eines Bildes vom Prinzeps als Bauherr, Wohltäter und Kulturförderer. Alexander Bätz untersucht in „Seelen der Stadt“ nach einer chronologischen Charakterisierung der kaiserlichen Bibliotheksgründungen bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts Arbeit und Organisation im Inneren der römischen Büchersammlungen unter behutsamer Verwendung heutiger bibliothekswissenschaftlicher Kategorien. In den Blick genommen werden die Themenfelder Architektur, Benutzung, Bestände, Erwerbung, Bearbeitung und Personal. Durch die Vereinigung von altertums- und bibliothekswissenschaftlichen Blickwinkeln entsteht eine konzise Synthese des derzeitigen Wissens vom (stadt)römischen Bibliothekswesen, dessen Nähe zu unserem modernen Bibliotheksalltag an vielen Stellen überraschend evident ist.
Dukat und griechisch-orthodoxes Patriarchat von Antiocheia in mittelbyzantinischer Zeit (969–1084). Mainzer Veröffentlichungen zur Byzantinistik (14). Todt, Klaus-Peter.Deutsch. 2020. 778 S. 3 Karten, 3 Tabellen. 24,0 x 17,0 cm.EUR 148,00. ISBN: 978-3-447-19688-8 Harrassowitz Verlag
Hatte das antike Antiocheia unter der arabischen Herrschaft von 636/637 bis 969 n.Chr. eher ein Schattendasein geführt, so stieg die Stadt nach ihrer Rückeroberung (969-1084) durch Byzanz zum Verwaltungszentrum des zeitweise wohl wichtigsten Militärgouvernements des Byzantinischen Reiches auf. Klaus-Peter Todt stellt in seiner Studie die Geschichte Antiocheias und Nordsyriens in mittelbyzantinischer Zeit dar und beschreibt die Neuorganisation Kilikiens unter dem Dux bzw. Katepanō der Reichsprovinz Antiocheia. Es wird gezeigt, dass sich die Zivilverwaltung der Provinz, soweit sie mit Hilfe der sigillografischen Überlieferung rekonstruierbar ist, nicht von anderen Reichsprovinzen unterschied. Die Besonderheit der Provinz bestand vielmehr darin, dass hier eine griechisch-orthodoxe (melkitische), aber in frühislamischer Zeit sprachlich arabisierte Bevölkerungsmehrheit dominierte, die im Patriarchat von Antiocheia organisiert war. Todt zeigt, wie dieses nach 969 in die Reichskirche reintegriert und strukturell an das Vorbild des Patriarchates von Konstantinopel angepasst wurde. Ausführlich werden auch die Katholikate des Patriarchats östlich des Euphrat und die Beziehungen zwischen dem Patriarchat und Georgien behandelt, außerdem die zugehörigen Kirchenprovinzen und die dort nachweisbaren Klöster.
Blaise Pascal - August Stramm - Felix M Furtwängler. Hrsg.: Helmut Mayer. Mit zwei beiliegenden Originalholzschnitten des Künstlers.Furtwängler, Felix M. A Poetomar. Sinnphobie der Worte. Deutsch. 2020. 180 S. 29,7 x 21,0 cm.EUR 128,00. ISBN: 978-3-447-11446-2 Harrassowitz Verlag
Felix Martin Furtwängler gehört mit seiner eindringlichen und symbolhaft verschlüsselten Bild- und Zeichensprache zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern. Seine Malerei und seine Druckgraphik sind in vielen Sammlungen in Europa und in den USA zu finden. Ein Schwerpunkt seines Schaffens ist das Malerbuch, das er in Personalunion als Künstler und Verleger herausgibt, ermöglicht durch sein handwerkliches und technisches Können.
„A POETOMAR ist ein Dreiklang, bestehend aus dem Gedicht „Weltwehe“ des expressionistischen Autors August Stramm, einzelnen Gedanken des mittelalterlichen Philosophen Blaise Pascal sowie staccatohaften Pointierungen mittels Wort und Bild durch FM Furtwängler, die die Texte bildhaft sublimieren. Bildkünstlerischer und literarischer Teil durchdringen sich dabei wechselseitig, die Textsegmente sind aus dem Satzspiegel herausgelöst und ins Bild integriert. Das Ergebnis ist kein Gleichklang von symphonischer Harmonie. Vielmehr entsteht ein Widerstreit zwischen den einzelnen Bedeutungsebenen – Wort, Syntax, Bild, Zeichen – die dem selektiven Wahrnehmungsvermögen des Menschen entsprechen. Sie sind ein Bild unserer disparaten Welt, die der Illusion einer Übereinstimmung von Mensch und Natur die Wirkmacht einer gedanklichen und sinnlichen Reflexion über das Vermögen des Einzelnen im Kontext gegenwärtiger Möglichkeiten entgegensetzen will“ (Annette Tietz im Vorwort).
An agricultural village of the Middle Archaic period in Southern Peru. Forschungen zur Archäologie Außereuropäischer Kulturen (17). Gorbahn, Hermann. Pernil Alto. Englisch. 2020. 384 S. 68 fb. Abb. 29,7 x 21,0 cm.EUR 89,00. ISBN: 978-3-447-11417-2 Harrassowitz Verlag
As of yet, little is known about the emergence of agriculture in the Central Andes. The results of the investigations of the Middle Archaic settlement of Pernil Alto (3800-3000 BC) presented in this volume now provide important insights for a better understanding of this development.
The site of Pernil Alto is located in the foothills of the Andes in Southern Peru. Extensive excavations were carried out here by the German Archaeological Institute. Within the scope of this research, the economic development, form of mobility and social structure were investigated. For this purpose, the discovered remains (artefacts, dwellings, burials, botanical and faunal remains, and human remains) were analyzed and numerous 14C-analyses and Sr-analyses were carried out. The results were combined in a multi-proxy analysis and evaluated in relation to paleo-environmental findings. The result is a six-phase settlement with intra-site burials. During the first phase (ca. 3800-3300 BC), it was a settlement of foragers that relied on food collection, but already cultivated domesticated plants in an additional low-level food production. From the second phase (ca. 3300 BC) onwards, the settlement had developed into a permanent, structured village in which agriculture constituted the basis of subsistence.
This is hitherto one of the oldest documented villages in the Americas where agriculture formed the basis of subsistence. The results of the research conducted at Pernil Alto thus contribute to a better understanding of the formation of slightly later first complex, marine-agricultural societies on Peru‘s central coast.
Affektkultur und Inszenierungsstrategien in Tragödie und Komödie des vorbürgerlichen Zeitalters (1630–1760). culturae (18). Hrsg.: Steigerwald, Jörn; Meyer-Sickendiek, Burkhard. Das Theater der Zärtlichkeit. Deutsch. 2020. 306 S. 10 Abb. 24,0 x 17,0 cm.EUR 69,00. ISBN: 978-3-447-39002-6 Harrassowitz Verlag
Die Beiträge des Sammelbands diskutieren die These, dass sich im 17. Jahrhundert das Paradigma der ‚Zärtlichkeit‘ ausbildet, das ein neues Verständnis von Liebe, Familie und Geschlechterbeziehungen hervorbringt und das zugleich die Basis legt für die Genese der empfindsamen Gefühlskultur des 18. Jahrhunderts.
Hierzu werden erstmals in einem systematischen und übergreifenden Ansatz Forschungen zur Rolle der ‚Zärtlichkeit‘ in unterschiedlichen sozialen Kontexten (etwa mit Blick auf die galante "tendresse" der höfischen Gesellschaft Frankreichs oder auf die "Zärtlichkeit" des zivilen Klassizismus in Deutschland) und in den verschiedenen Ausprägungen des Theaters (Tragödie, Komödie, Oper) zusammengeführt. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, die bisherigen nationalen und disziplinären Perspektiven neu zu reflektieren und einschlägige Autoren und Werke (so etwa Corneille, Molière, Racine, Tirso de Molina, Voltaire, Lessing, Goldoni) in jenem interkulturellen Kontext zu verorten, in dem sich die dynamische Transformation von ‚Zärtlichkeit‘ zu ‚Empfindsamkeit‘ vollzieht. Dies wird dadurch geleistet, dass sowohl die Konzeption des Theaters der Zärtlichkeit um 1630 herausgearbeitet als auch dessen Transformationen und Modifikationen bis 1760 paradigmatisch behandelt werden.
 
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