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Glasproduktion im Taunus

Beliebt waren im Mittelalter die Glasproduktionsstätten bei denen, die daran verdienten, und das waren im Wesentlichen die adeligen Grundherren. Die Dörfer der Umgebung, beziehungsweise mit ihnen benachbarte Grundherren hatten nicht selten das Nachsehen, denn die Herstellung von Glas verbrauchte massenhaft das allseits begehrte Holz. Die Glasöfen, und davon gab es an einem einzigen Standort gleich mehrere, erforderten zur Schmelze des Quarzsandes 1000 Grad Celsius und auch die sich anschließenden Produktionsgänge verschlangen Unmengen Brennholz.

In einem neu erschienenen Forschungsbericht über die Glasproduktion in Glashütten im Taunus wird dieser Prozess in drei wissenschaftlichen Beiträgen auch für den Laien gut verständlich und nachvollziehbar geschildert sowie mit zahlreichen Abbildungen ergänzt. Ingrid Berg berichtet über die „Situation und Produktion der Waldglashütten im Taunus“ aus dem 12. und 15. Jahrhundert und Ende des 17. Jahrhunderts. Peter Steppuhn befasst sich mit der „Archäologie einer Glashüttenlandschaft – Hochtaunus“ und Karl Heinz Wedepohl und Andreas Konz beleuchten Aspekte der Glaszusammensetzung spätmittelalterlicher Hütten auf dem Taunuskamm.
Abgesehen von dieser ausführlichen Dokumentation archäologischer Funde im Gläshüttener Wald werden verschiedene Funktionsbereiche und die Organisation der Glashütten angesprochen und Vergleichsbeispiele fertiger Produkte herangezogen, da man vor Ort nur Bruchstücke oder. Abfallprodukte dem Boden entlocken konnte. Dennoch gibt der vorliegende Bericht auch für den Laien einen gelungenen Einblick in die mittelalterliche Glasproduktion einer bislang nahezu unbekannten Glasregion in der Mitte Deutschlands.

Zwar wurden diese Forschungen mit Unterstützung der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. durchgeführt, aber ohne das Engagement der örtlichen „Initiative Kulturkreis Glashütten e. V.“ wäre diese wohl nicht zustande gekommen.

Hier haben Forschung und kommunales Engagement eine vorbildliche Arbeit geleistet, die allen Beteiligten zur Ehre gereicht, die Nachkommen zu Dank verpflichtet.

17.06.2010
Gabriele Klempert
Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. Nr. 9 - 2006/07. [Glashütten] Hrsg. v. Kommission f. Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. 2009. Vorw.: Udo Recker. 149 S., 95 Abb., 18 Tab., 7 Taf. 29 x 21 cm. Marie Leidorf, Rahden 2009 Pb EUR 29,80
ISBN 978-3-89646-168-1
 
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