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Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts

In der renommierten, vom Deutschen Archäologischen Institut herausgegebenen Zeitschrift, werden seit 1930 Forschungsberichte zu den aktuellen (meist) deutschen Grabungen in Ägypten präsentiert und Objekte- und kleinere Detailstudien veröffentlicht. Im 2020/21 erschienenen Band kann sich der Leser erneut auf einen breit angelegten Band freuen, der die Forschungserträge unterschiedlichster Projekte vorlegt. Insgesamt finden sich 14 Artikel, die hier nicht allesamt besprochen werden können.

Großen Raum nehmen Vorberichte zu den aktuellen Forschungsgrabungen des Institutes ein, die im vorliegenden Fall in Form von drei Berichten vorgestellt werden: Zum einen widmet sich die Forschergruppe um Ulrich Hartung und Rita Hartmann den vor- und frühgeschichtlichen Befunden der Siedlung von Buto (Tell el-Fara’in) im Norddelta Ägyptens (S. 147–196), zum anderen finden sich die Untersuchungsergebnisse des spätzeitlich bis islamischen Buto durch die Forschergruppe um Grégory Marouard und Pascale Ballet (225–271). Beide Vorberichte zeigen wie eine detaillierte und kleinteilige Arbeit in anspruchsvollem Gelände zu wichtigen Erkenntnissen führt. Neue Ergebnisse zur frühen Besiedlung des Fundplatzes liefert die für Buto erstmals für die Stufe Naqada IIC/D (ca. 3400 v. Chr.) entdeckte Brauerei (S. 156–160) und die Auswertung der Funde wie etwa Keramik und Steinartefakte, die bis in die frühen Siedlungsphasen der sogenannten Unterägyptischen Kultur zurückreichen. Diese Funde und Forschungen liefern wichtige neue Aspekte und Puzzlesteine für die Rekonstruktion der Siedlungsweise und Organisation des frühen Ägypten.

Einen interessanten historischen Anstoß liefert der Beitrag von Jack A. Josephson und Melinda Hartwig, die – entgegen der klassischen ägyptologischen Einteilung – den Beginn des Alten Reiches mit König Chasechemui vorschlagen, der sonst noch als letzter König der frühdynastischen Zeit angesehen wird (S. 213–223). Der Übergang der Frühzeit (Ende 2. Dyn.) zum Alten Reich (Anfang 3. Dyn.) ist bis heute in der ägyptologischen Forschung nicht vollständig abgesichert, da kaum verlässliche rezente Schriftzeugnisse vorliegen. Zwar konnten die deutschen Nachgrabungen in der Königsnekropole von Abydos durchaus plausibel machen, dass die Bestattung von König Chasechemui durch seinen mutmaßlichen Sohn Djoser zu Beginn der 3. Dynastie erfolgt ist, doch ist gerade die Königsabfolge (Chasechemui – Djoser) im Fach noch nicht zweifelsfrei akzeptiert. Die Autoren des Beitrages liefern Argumente, die die vor vielen Jahren von G. Dreyer geäußerten Ansätze stützen und gehen mit ihrer Annahme sogar noch einen Schritt weiter. Entgegen der bisherigen Lehrmeinung vertreten sie die Ansicht, dass bereits mit Chasechemui das Alte Reich beginnt. Dabei dient ihnen dient vor allem das umfassende Bauprogramm unter Chasechemui als wichtiges Argument. Allerdings negiert dieser Vorschlag andere Ansätze, wie etwa die sogenannte Turiner Königsliste, so dass fraglich bleibt, ob dieser Vorschlag auf breite Zustimmung in der Ägyptologie führen wird.

Neben weiteren archäologischen Einzelbetrachtungen wie etwa von J. Jancziak zum Antichambre carrée der Pyramidenkomplexe des Alten Reiches, ist vor allem auch der Beitrag von N. El-Shohoumi hervorzuheben, die sich mit den Kulten muslimischer Heiligtümer in der Region von Aswan beschäftigt (S. 283–300). In dieser sehr lesenswerten Studie widmet sie sich mehr ethnologisch als archäologisch den Narrativen und Monumenten der jüngeren ägyptischen Geschichte und so erfahren wir Einzelheiten zu Scheich Nigm dessen kleines Heiligtum unweit der Fährstation von Aswan-Gharb liegt und weitere Lokalheilige wie Scheich Arman, Mula und Muhammad werden in den Blick genommen. Es ist sicher sehr zu begrüßen, dass auch der Erforschung des muslimischen Ägypten und seiner Monumente in Ägypten ein größerer Raum gegeben wird.

16.02.2022
Robert Kuhn
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts (75). Hrsg.: Seidlmayer, Stephan J.; Polz, Daniel. Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 75 (2019). Deutsch; Englisch. 302 S. 165 Abb., 26 Tabellen. 29,7 x 21 cm. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2020. EUR 128,00.
ISBN 978-3-447-11343-4   [Harrassowitz Verlag]
 
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