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KAMMERER-LUKA. Retrospektive 1950 – 2015. 2016. Hrsg.: Archiv Kammerer-Luka. Mit Texten von Alain Buttard, Rainer Lawicki, Kammerer-Luka, Barbara Nierhoff-Wielk und Dieter Weber. 2016. 2 Bände. 728 S., 850 fb. Abb. 24 x 30 cm. Gb. EUR 195,00 CHF 215,00 ISBN: 978-3-86833-128-8 modo
Malerei, Druckgrafik, kinetische Skulpturen, Kunst im öffentlichen Raum, Computer- und Filmkunst – das bildnerische Werk von Kammerer-Luka (geb. 1929 in Gernsbach / Baden) ist reich an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Mit unterschiedlichsten Mitteln setzt er sich mit den für ihn zentralen Themen Sprache, Schrift, Text und Zeichen auseinander. Schon seit 1972 und in Zusammenarbeit mit dem Informatiker Jean-Baptiste Kempf nutzt Kammerer-Luka auch den Computer für seine künstlerischen Projekte und unterwirft einfache Formelemente mathematischen Ordnungsprinzipien. Die konkretkonstruktive Kunst bereichert Kammerer-Luka um eine – überraschend – inhaltliche Komponente, denn der Künstler sieht seine seriellen Arbeiten auch als eine Form der Interpretation von Welt und Wirklichkeit.
Seine logisch aufgebauten Formensysteme machen unbekannte Zeichen zu Zeichen des Unbekannten.
Vor fast 20 Jahren bezeichnete Peter Staechelin die Arbeiten von Kammerer-Luka als „Wegmarken auf der Suche nach universeller Kommunikation jenseits kultureller Kodierung“. Noch immer gilt dieser Satz für das Werk des seit nunmehr über sechs Jahrzehnten unermüdlich Schaffenden.
Die zweibändige Publikation eröffnet einen detaillierten Zugang zum Werk von Kammerer-Luka. (Bis zu den neuesten Arbeiten aus den Jahren 2015). Mit ca. 850 Abbildungen werden Teile des umfangreichen Werkes dokumentiert, aber auch über Skizzen, Entwürfe, Fotografien und Arbeitsdokumente Einblick in die Dimension, die gesellschaftliche-künstlerische Auseinandersetzung eines zwischen Frankreich und Deutschland agierenden Künstlers ermöglicht.
Der Text von Rainer Lawicki erläutert aus kunsthistorischer Sicht die Bandbreite des Gesamtwerkes, von den Anfängen der 1950er Jahre bis zu jüngsten Werken wie dem Zyklus Hommage à Malewitsch (2008).
Barbara Nierhoff-Wielk erörtert in ihrem Aufsatz zu den computergenerierten Arbeiten von Kammerer-Luka und J.-B. Kempf wichtige Aspekte des Werkes im Kontext der computergestützten Kunst, der Groupe Art et Ordinateur de Belfort (GAOB) seit den 1972er Jahren.
Im Nachwort des Herausgebers werden von Dieter Weber (für das Archiv Kammerer-Luka) Arbeitsweisen, Themen und ausgewählte Werkgruppen des Künstlers im biografischen Kontext vorgestellt. Im Anhang sind zudem Aufsätze, Reden und Texte von Kammerer-Luka zu einzelnen Werken dokumentiert.
Annette Merkenthaler . und sehen – wie das Gras wächst. Bauermeister, Volker; Karopka, Manuel; Métayer, Michel; Zischler, Hanns. Mitwirkung (sonst.) Merkenthaler, Annette. 120 S. 60 Abb. 15 x 24 cm. Modo Verlag, Freiburg 2016. EUR 26,00. CHF 32,00 ISBN: 978-3-86833-184-4 modo
Das Berufsbild des amtlichen Straßenbegehers ist leider viel zu unbekannt. Hanns Zischler, Schauspieler und Sprecher, hat es in seinem Berlinbuch beschrieben. Und vielleicht ist Annette Merkenthaler auch ein bisschen in die Rolle eines solchen Straßenbegehers geschlüpft. Doch der Freiburger Künstlerin geht es nicht um die Dokumentation von etwaigen Straßenschäden, sondern eher um eine Kartografierung von Freiräumen. Sie fotografierte Berliner Brachen und schaute, wie die Natur sich gegen Beton und die Geschichte der Stadt durchsetzt und wie das Terrain neu genutzt wird.
Annette Merkenthalers Werke – sie fotografiert, schafft Skulpturen, vor allem jedoch Installationen – sind vielleicht selbst solche Beobachtungsstationen. Im Liliental, einem forstlichen Versuchsgelände im Kaiserstuhl, installierte sie im Jahr 2000 einen Kubus aus Maschendrahtzaun, in dem die Vegetation wachsen konnte und zugleich reglementiert wurde. Für einen Skulpturenweg entwarf sie 2001 die Arbeit „Das Gärtchen“, deren Betonelemente sie der Natur überließ. In der Folge siedelten sich durch Samenflug Pflanzen an. Gut 15 Jahre später ist es jetzt Zeit zu sehen, wie sich die Arbeiten in der Paradoxie von freier Entfaltung und Kontrolle entwickelt haben. In diesem Künstlerbuch stehen sie im Kontext weiterer Arbeiten von Annette Merkenthaler, dem Essay von Hanns Zischler, Texten über ihr Werk und die Betrachtungen des Waldökologen Manuel Karopka.
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between – Michael Danner | Sebastian Kuhn | Gert Riel. Jung, Simone; Lechleiter, Antje; Meyer, Werner; Panhans-Bühler, Ursula. Hrsg.: Museum ART.PLUS Donaueschingen. Dtsch; Engl. 2016. 80 S. 75 Abb. 28 x 24 cm. EUR 33,00. CHF 37,00 ISBN: 978-3-86833-186-8 modo
Das Dazwischen war für die Kunst noch nie ein schlechter Ort. „Between“ lautet auch der Titel einer Ausstellung im Museum ART.PLUS in Donaueschingen, die Werke der Bildhauer Michael Danner, Sebastian Kuhn und Gert Riel zusammenführt. Drei Bildhauer und unendliche Möglichkeiten für das Wechselspiel zwischen Statik und Elastizität, Konzentration und Expansion, Spannung und Balance. Der Ausstellungstitel verweist zugleich auf einen Zustand des Übergangs, in dem sich die Skulpturen, Installationen und Raumgebilde der drei Künstler befinden. Michael Danner (*1951), Sebastian Kuhn (*1977) und Gert Riel (*1941) sind Bildhauer aus verschiedenen Generationen, auch deshalb steht ihr Werk unter ganz unterschiedlichen Einflüssen. Bei Michael Danner leiten sich die auf wenige Grundformen reduzierten Stahlskulpturen und Zeichnungen von seinem Verständnis des Raumes als Gefüge von Spannungen ab und seinem Interesse für fernöstliche Philosophie. Sebastian Kuhn hingegen entwirft in seinen Installationen, Reliefs und Objekten immer auch bildhauerisch inszenierte Dramen, in denen der Betrachter zum Mitspieler wird. Sie entstehen aus industriellen Materialien wie farbigem Acrylglas, Gummi oder Polyurethan und aus Licht. Sebastian Kuhn destruiert, um aus den einzelnen Elementen etwas Anderes entstehen zu lassen. Während Gert Riel Farbe als bewusste malerische Geste einsetzt, die seinen minimalistischen Aluminiumarbeiten eine völlig neue Anmutung gibt. Farbe und Material sind in seinen Wand- und Bodenobjekten als eigenständige Qualität spürbar. Die Ausstellung und der Katalog mit seinen Essays zum Werk der Künstler und einem umfangreichen Abbildungsteil stiftet selbst ein derartiges Dazwischen. Es ist ein Ort, an dem neue Sichtweisen entstehen.
Beate Knapp – tribute to Grande. Reinhardt, Brigitte; Ottnad, Clemens. 2016. 160 S. ca. 225 Abb. 28 x 23 cm. EUR 32,00. CHF 35,00 ISBN: 978-3-86833-185-1 modo
Die Dinge fanden Beate Knapp schon früh. Bereits während des Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart begann die 1952 geborene Beate Knapp gegenständlich zu malen. Und obwohl vereinzelt Menschen vorkommen und es durchaus Ausflüge in die Aktmalerei gab, widmete sie den Objekten immer die eigentliche Aufmerksamkeit in ihrem Werk, in das die Kunsthistorikerin und ehemalige Leiterin des Ulmer Museums Brigitte Reinhardt einführt. Entgegen der klassischen Stilllebenmalerei arrangiert Beate Knapp nicht ihre Sujets dekorativ auf Tischen, sie isoliert sie und bildet das jeweilige Objekt auf neutralem Grund ab. Ihr Farbspektrum ist konzentriert: Grautöne, ein reduziertes Weiß, Schwarz, manchmal Akzente in Rot oder Grün. Oder proben hier etwa die Dinge den Aufstand, wie Clemens Ottnad – Erich Kästner zitierend – andeutet. Die Gegenstände – Polaroidkameras, Schreibmaschinen, Staubsauger oder immer wieder Damentaschen und später Ballerinas – taugen nicht zur metaphysischen Aufladung. Es sind Objekte, mit denen wir uns umgeben, an denen wir manchmal Spuren hinterlassen. Doch für Beate Knapp sind es vor allem Malanlässe. Knapp, die in Achern und Berlin lebt und arbeitet, ist – auch wenn ihre Handschrift rasch ist – eine sorgfältige Malerin, die ihr Motiv auf der Leinwand entstehen lässt. Der eigentliche Tribut wird hier den Bildern gezollt, die eine große Bühne bekommen.
Ulrich Gehret – mamba-whaling. Gehret, Ulrich; Corino, Karl. Hrsg.: Haus der modernen Kunst Staufen; Urheber (sonst.) Gehret, Ulrich. 2016. 184 S. 79 Abb. 28 x 24 cm. EUR 30,00. CHF 34,00 ISBN: 978-3-86833-188-2 modo
Ulrich Gehret ist niemand, der die Kunst mit einem Abenteuer verwechseln würde. Er lebt beides. Gehret, der 1944 im ostpreußischen Cranz geboren wurde, studierte in Berlin und Hamburg freie Malerei, doch schon bald zog es den Künstler in die Welt. Ulrich Gehret bereiste Südamerika, Mexiko, Trinidad und Tobago, nicht selten mit dem Motorrad. Immer entstand unterwegs Kunst, oft Bilder in der Größe von Satteltaschen, aber häufig bezog er in der Fremde ein Atelier. Als visuelle Notizen bezeichnet er seine Werke, die in Mischtechnik entstehen und auf den Betrachter wie Speicher von Seheindrücken wirken. Zu seinen Materialien gehören Pflanzen, Tierknochen, Schlangenhäute und Papierfragmente, meist sind die Bilder mit einer Paraffinschicht versiegelt. Wenn Ulrich Gehret seine Arbeiten mit einem schlichten Metallrahmen umschließt, sind sie noch nicht zum Abschluss gekommen. Die Bilder arbeiten weiter, das Wachs bekommt Risse, das Metall verändert sich, alles ist im Schwebezustand. Ulrich Gehret, der von sich selbst als einem „wogenden und wechselnden Ich“ spricht, sucht das Offene nicht nur metaphorisch, er bereist das Meer mit einem Boot, dem er den bezeichnenden Namen „nota visual“ gegeben hat. Die Publikation vereint nun sein bildnerisches mit seinem literarischen Werk. Auszüge aus seiner vielschichtigen und ausufernden Novelle „mamba-whaling“ geben einen Einblick in diesen Wortkosmos und begleiten seine Bilder aus den letzten vier Jahrzehnten.
Maya Bringolf – Loaded Circles. Hrsg.: Peter Stohler und Nina Wolfensberger, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. 2015. 94 S. Abb. 28 x 20 cm. EUR 28,00. CHF 31,00 ISBN: 978-3-86833-183-7 modo
In der Schweizer Kunstszene nimmt die 1969 geborene Maya Bringolf eine besondere Position ein. Ihr Werk reizt Ambivalenzen aus, es ist konzeptuell, aber auch körperlich. Die Monografie zu ihrer Einzelschau im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona gibt einen Einblick in die neuen Arbeiten der in Zürich lebenden Künstlerin. Er nähert sich diesen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven an, mit Essays, literarischen Bildbetrachtungen und einem Interview, das Einblick in die Gedankenwelt der Künstlerin gibt. Maya Bringolf hat in Zürich und München Kunst studiert und seit ihrer Rückkehr in die Schweiz entstehen Arbeiten, die sich nicht auf ein Medium festlegen lassen. In den letzten Jahren hat sie Installationen, Zeichnungen und Collagen geschaffen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie durchaus widersprüchliche Gefühle beim Betrachter auslösen können. Zwischen gemütlich und unbehaglich schwankt der Eindruck, wenn sie Möbel aus dem Brockenhaus arrangiert, geradezu beklemmend ist es, wenn sie Abgüsse ihres Kopfes zu einem Turm stapelt. In ihren aktuellen Arbeiten sucht sie stärker den Bezug zur Gesellschaft, so setzt sie in Collagen sakrale Räume mit denen des Handels gleich und pflanzt in Kirchen Bildschirme der New Yorker Börse auf. Oder sie verbindet Röhrensysteme mit Orgelpfeifen. Alles zirkuliert: Geld- und Warenströme, der Atem, die Luft.
Marianne Hopf – Malerei. Ließegang, Susanne; Morat, Franz Armin. Hrsg.: Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i. Br. Dtsch; Engl. 2015. 160 S. 157 Abb. 30 x 24 cm. Gb. EUR 30,00. CHF 35,00 ISBN: 978-3-86833-167-7 modo
Die Künstlerin Marianne Hopf ist jemand, der die Landschaft und das Sehen dieser Landschaft als Ereignis erlebt. Und wer sich den Großformaten der Malerin gegenüber sieht, kann etwas von diesem Ereignis nachempfinden. Malerei inszeniert sich in den Werken Hopfs als Landschaft. Seit Claude Monet drängt es das Tafelbild zur Rauminstallation und wenn das Freiburger Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Marianne Hopf nun eine Retrospektive widmet, wird der Raum auch zum Teil dieser Installation. Der begleitende Katalog rekapituliert das Werk der 1959 in Freiburg geborenen Künstlerin: ihre großformatigen Bilder, die Zeichnungen, die Projekte für den Außenraum, ihre Experimente mit dem Farbpigment, überhaupt die starke Präsenz des Materials in ihrem Werk. Essays von Franz Armin Morat und Susanne Ließegang werfen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven einen Blick auf die Arbeiten. Sie ziehen Verbindungen zu früheren Ausstellungen, dem venezianischen Maler Emilio Vedova, einem Vertreter des Informel und Vorbild von Marianne Hopf und sie zeichnen auch ein Porträt einer Künstlerin, die Körper und Geist in ihren Werken zu vereinen weiß.
Stefan Strumbel. Brandenburger-Eisele, Gerlinde; Weibel, Peter. Urheber (sonst.) Strumbel, Stefan; Hrsg.: Städtische Galerie Offenburg. Dtsch; Engl. 2015. 180 S. 142 Abb. 31 x 25 cm. Gb. EUR 39,00. CHF 44,00 ISBN: 978-3-86833-181-3 modo
Ob der Street Art-Künstler Stefan Strumbel sich hat träumen lassen, seine Ideen einmal in Bronze gegossen zu sehen? Ein größerer Gegensatz zur flüchtigen Kunst der Straße ist wohl kaum denkbar. Doch tatsächlich haben sich die Arbeiten Strumbels radikal gewandelt, seit er in den 1990er Jahren in seiner Geburtsstadt Offenburg seine ersten Graffitis sprühte. Jetzt kommen sie, um zu bleiben. Längst finden sich seine poppigen, subversiven Kuckucksuhren in prominenten Privatsammlungen und statt Anzeigen gibt es mittlerweile offizielle Anfragen. Sei es für die Innengestaltung der katholischen Kirche in Goldscheuer, die Oper Stuttgart oder zum 300-jährigen Bestehen der Stadt Karlsruhe. Das Haus Baden bat ihn um ein Denkmal für Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach. Heimat ist bei Stefan Strumbel Pop-Kultur mit lokaler Provenienz und Pop-Kultur lokaler Alltag. Da ist die Einzelausstellung, die die Städtische Galerie Offenburg dem wohl bekanntesten Künstler der Stadt widmet, nur konsequent. Die Publikation reflektiert diese Werkentwicklung und zeigt den Entstehungsprozess wichtiger und aktueller Arbeiten, aber auch, wie sich ein Künstler neu erfindet. Die Straße als das natürliche Terrain eines Street Art-Künstlers hat dennoch Eingang in den Katalog gefunden, indem Stefan Strumbel fotografische Augenblicke von unterwegs zeigt.
Bernd Völkle – Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier 1958 - 2015. Beitr.: Bauermeister, Volker; Merk, Jan; Hrsg.: Markgräfler Museum Müllheim. 2015. 352 S. 2554 fb. Abb. 22 x 16 cm. EUR 38,00. CHF 44,00 ISBN: 978-3-86833-169-1 modo
Arbeiten auf Papier, erst recht Zeichnungen sind für Maler oft ein Nebenschauplatz. Nicht so für Bernd Völkle. Blättert man nun in diesem vollständigen Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier, muss man einen Eindruck revidieren. Der 1940 geborene Bernd Völkle ist noch um einiges produktiver als gedacht. Die etwa 2.500 Werke, die in diesen Band aufgenommen wurden, sind Ausdruck einer ungeheuren Schaffenskraft und sie kommentieren, reflektieren und begleiten die wesentlichen Auseinandersetzungen, die der Künstler seit den 1950er Jahren bis heute führt. Ein Essay von Volker Bauermeister befasst sich mit diesem Werkkomplex und ordnet ihn in das OEuvre ein, indem der Kunsthistoriker Verbindungen zu wesentlichen Motiven – wie das Kreuz, das Lo-Shu-Quadrat – und Einflüssen wie dem Ab - strakten Expressionismus zieht. Arbeiten auf Papier meint bei dem in Tannenkirch lebenden Künstler nicht ausschließlich die Zeichnung, es meint noch nicht einmal Papier und Grafitstift. Bernd Völkle benutzt feinstes Papier, aber auch Buchbinderpappe, Raufasertapete, Pappteller, Packpapier oder Wellpappe und er greift zur Kreide, zu Filzstiften, mitunter zu Asphalt, Aquarell- und Ölfarben. Was dabei entsteht, ist vital und farbig, oft nah an der Malerei, aber auch nah am Objekt. Seit den 1950er Jahren finden sich in seinem Werk Collagen, seit den 2000er Jahren faltet Völkle frühere Arbeiten, die er verworfen hat, zu handlichen Packen. Durch den chronologischen Aufbau dieser Publikation lassen sich Werkgruppen erkennen und vergleichen und Entwicklungen verfolgen. Man bemerkt aber auch einen sehr hintersinnigen Humor. „Ich will mich selbst mit meinen Arbeiten überraschen“, sagt Bernd Völkle.
Heidi Bierwisch – Schichtergründungen. Gespräche im Atelier. Bierwisch, Heidi. Vorwort von Lauter, Marlene; Interviewer Frömel, Gerhard; Interviewter Adler, Karl-Heinz; Ardley, Colin; Bruch, Hellmut; Castagno, Laura; Dick, Inge; Eck, Ralph; Ernst, Rita; Gomringer, Eugen; Linschinger, Josef; Mosso, Leonardo; Interviewter Roy, Reinhard; Röhm, Vera; van Gerner, Henk. 2015. 288 S. Abb. 24 x 17 cm. EUR 28,00. CHF 32,00 ISBN: 978-3-86833-171-4 modo
Das Künstleratelier ist ein besonderer Ort, finden sich hier doch nicht nur Materialien und Werkzeuge, Skizzen, Vorstudien und Kunstwerke verschiedenster Schaffensphasen, sondern auch andere Zeugnisse der Selbstreflexion des dort Schaffenden. Heidi Bierwisch war viele Jahre Leiterin des FORUM KONKRETE KUNST ERFURT und hat eine beachtliche Anzahl von Ateliers gesehen. Große und kleine, vollgestellte und penibel aufgeräumte waren darunter, sie gehörten alten und jungen Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst, lagen im Dschungel der Großstadt und auf dem platten Land. In den aufgezeichneten Gesprächen geht Heidi Bierwisch in 14 Ateliers von Künstlern aus Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz und Frankreich auf Spurensuche. Dabei klärt sie genau die Dinge, die wir schon immer wissen wollen. Etwa: Was bedeutet es dem Künstler, "ins Atelier zu gehen" und was liebt er an diesem Ort? Welche Vision führt ihn in sein Schaffen, was treibt ihn an und wie geht er mit Zweifeln um? Wie ist er rein praktisch gesehen organisiert? Und die Masterfrage: Was führte zum Erfolg?
Ursula Jüngst – Elementare Akkorde. Hrsg.: Schlichtenmaier, Bert. Beitr.: Hoffmann, Dieter / Schavan, Annette / Schlichtenmaier, Bert. 2015. 112 S., 57 Abb. 28 x 24 cm. Gb. EUR 32,00 CHF 35,00 ISBN: 978-3-86833-182-0 modo
Der Pinselstrich ist zu ihrem Markenzeichen geworden. Ursula Jüngst selbst spricht von einer Pinseltaktung und dass der Farbduktus ihr eigentlicher Lebensrhythmus sei. Tatsächlich bestehen die Bilder der 1965 geborenen Ursula Jüngst mehr als andere aus Pinselstrichen und sind ein wahrer Farbrausch. Jüngst ist eine abstrakte Malerin, die mit gestischen Pinselstrichen ihre Farbsetzungen macht. Doch das Bild beginnt für sie schon früher, indem sie die Leinwand selbst bespannt und grundiert. Man kann in Ursula Jüngst Bildern, die manchmal monumentale Ausmaße annehmen, durchaus Ereignisse oder Landschaften wahrnehmen. Sei es der Krieg in Syrien oder die üppige Vegetation in Spanien, wo sie einen Teil des Jahres verbringt. Denn Ursula Jüngst ist einerseits Pleinairmalerin, andererseits braucht sie die Ruhe ihres Ateliers in Nürnberg, wo sie studiert hat, um sich zu sammeln. Der Ortswechsel sei, so sagt sie, gut, um die Augen offen zu halten. Die Publikation stellt nicht nur neue Arbeiten der Künstlerin vor, er zeigt auch, wo sie entstanden sind und im Detail, wie die verschiedenen Farben aufeinander reagieren. Zwischen den Werken, den Aufsätzen und Interviews, mittels derer man sich dem OEuvre der Künstlerin nähern kann, finden sich Kommentare der Malerin zu ihren Bildern: „Die Zikade singt ihr Mittagslied. Schrill. Kobaltblau beißt Rot. Die Sonne ist grell und heiß. Die Zeit scheint stehengeblieben, der Moment unendlich.“
Shangri-La. Das Museum hinter der Brücke / Museo dopo il ponte. Beitr.: Boehncke, Heiner; Danicke, Sandra; Flagmeier, Renate; Klemp, Klaus; Meyer, Roland; Wagner K., Matthias. Hrsg.: Schneider, Cosima; Schneider, Klaus. 2015. Dtsch/Engl./; Italienisch. 400 S. 350 meist fb. Abb. 27 x 22 cm. Modo Verlag, Freiburg 2015. EUR 56,00. CHF 64,00 ISBN: 978-3-86833-166-0 modo
Besucher waren vorgewarnt. Ein handschriftlicher Hinweis verkündete: „Das Museum Shangri-La als Zeuge der über tausendjährigen Geschichte unserer Vorfahren in ihrer Arbeit, Mühe und Hingabe, erstreckt sich über 5.000 Quadratmeter“. Von Beginn an war es ein utopisches Unterfangen. Nicht grundlos stand das fiktive Lama-Kloster Shangri-La aus James Hiltons Roman „Der verlorene Horizont“ für dieses Museum Pate. Ein normales Museum war Shangri-La nie. Seit 1965 verfolgte Pietro Benzi (1931–2014) das Projekt, während der Umweltaktivist bei den Bauern des Piemonts dafür warb, keine Pestizide zu verwenden, sammelte er ein, was diese nicht mehr wollten, weil es zu alt oder aus der Mode gekommen war: 2,7 Millionen Objekte der Alltagskultur, darunter viel Hausrat, religiöser Kitsch, Nippes, Schuhe und Plastikspielzeug. Pietro Benzi, der als Glockenmechaniker gearbeitet hat, sammelte gegen das Vergessen an, gegen die Vergänglichkeit kam auch er nicht an. Der Bildessay von Cosima und Klaus Schneider nimmt den Betrachter mit auf eine Reise in das Innere dieser unsystematischen Sammlung. Viel Staub und Spinnfäden haben sich über diese „Stillleben aus verborgenem Tiefsinn“ gelegt, wie der Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke diese Ruine eines Museums nennt. Die sechs Texte dieses Buches kreisen um den Sinn des Sammelns und der Institution des Museums, folgen aber auch poetischen Arrangements und dadaistischen Collagen. Hier ist ein Originalkunstwerk zu entdecken.
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Bettina Rave – Flow. Herzogenrath, Wulf ; Slevogt, Esther. Hrsg.: Christoph Bauer für das Kunstmuseum Singen. 2015. 104 S. 27 x 24 cm. Dtsch; Engl. EUR 26,00. CHF 29,00 ISBN: 978-3-86833-180-6 modo
Ein Bild ist bei Bettina Rave immer mehr als ein Bild. Es ist zugleich eine Reflexion, was ein Bild ausmacht. Man könnte also sagen, dass sich die 1964 geborene Berliner Künstlerin mit der Dialektik von Bild und Material befasst, doch Bettina Rave ist niemand, der die Kunst zu einer alleinigen Angelegenheit des Kopfes machen wollte. Den intellektuellen Diskurs setzt sie in sinnlich visuelle, farbintensive Bilder um. Die eigentlichen Hauptmedien von Bettina Rave, die nach ihrer Ausbildung in visueller Kommunikation Malerei und Film studiert hat, sind das Bild und das Video. Wenn ihre Arbeiten narrativ sind, dann erzählen sie von ihrem Gemachtsein. Das Filmmaterial wird in inszenierten Bildstörungen zum Thema, neben einem rezitierten Gedicht von Arthur Rimbaud werden auch die genauen Farbbezeichnungen genannt oder der Bildträger gerät selbst in den Fokus. Anlässlich ihrer Einzelausstellung im Kunstmuseum Singen wird in einer umfassenden Monografie das Werk von Bettina Rave in Essays von Esther Slevogt und Wulf Herzogenrath erläutert und in einem ausführlichen Bildteil und kommentierten Index präsentiert.
Andrea Heller – Paradoxie des Haufens. Wesle, Anna. Hrsg.: Museum Franz Gertsch; Urheber (sonst.): Heller, Andrea. 2015. Dtsch/Engl. 64 S. 44 Abb. 26 x 18 cm. Pb. EUR 25,00. CHF 28,00 ISBN: 978-3-86833-179-0 modo
Das Paradoxon des Haufens, auch Sorites-Paradoxie genannt, ist seit der Antike bekannt. Es benennt das Phänomen, dass vage Ansammlungen von Elementen nicht klar definiert werden können. Macht das 99. Element einen Haufen aus oder erst das 100.? Und wenn ein Haufen kein Haufen ist, was ist es dann? Künstlerinnen und Künstlern dürfte diese Problematik nicht fremd sein. Es gibt schließlich auch keine eindeutige Definition dafür, wann ein Bild fertig ist. Insbesondere dann nicht, wenn es wie bei den Werken von Andrea Heller gleichermaßen durch amorphe und geometrische Formen, durch abstrakte Gebilde und organische Wucherungen charakterisiert ist. Es ist also kein Zufall, dass die 1975 geborene Künstlerin, die in Zürich und Hamburg studiert hat, sich ausgerechnet mit der Paradoxie des Haufens befasst. Der Katalog, der ihre Ausstellung im Museum Franz Gertsch begleitet, setzt den Fokus auf neuere Papierarbeiten der Bielerin sowie skulpturale Objekte aus Glas und aktuelle Raumansichten. Andrea Hellers Werke wachsen, so beschreibt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Anna Wesle in ihrem einführenden Text den Arbeitsprozess, aus einer Keimzelle heraus und beruhen auf dem Prinzip der Wiederholung. Der Blick des Betrachters wandert über große und kleine Strukturen und Variationen und lässt den Haufen so zu einem Haufen werden.
Franz Bernhard – Werkverzeichnis der Skulpturen, Band III. 2015. Thies, Erich; Heilig, Sabine. Urheber (sonst.): Bernhard, Franz; Hrsg.: Galerie Ruppert Birkweiler. 180 S. 124 Abb. 21 x 20 cm. Gb. EUR 35,00. CHF 39,00 ISBN: 978-3-86833-175-2 modo
Zur Erfahrung einer Skulptur gehörte für Franz Bernhard immer die Berührung. „Man spürt auch vieles, wenn man an einer Skulptur entlangfährt, das man so nicht sieht“, hat der 2013 verstorbene Künstler einmal gesagt. Der dritte und abschließende Band des Werkverzeichnisses zeigt, dass für Franz Bernhard Oberflächen komplexe Angelegenheiten waren. Er arbeitete gerne mit gefundenen Materialien, deren Patina auf Alter und Gebrauch schließen ließ. Materialien, die er stückelte, korrigierte und dann wieder wegnahm. Auch der Arbeitsprozess war an der Oberfläche der Skulpturen zu sehen. Das Werkverzeichnis der Skulpturen stellt die Arbeiten Franz Bernhards der Jahre 2004 bis 2013 in konzentrierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor, erläutert sie durch Texte von Sabine Heilig und Erich Thies und ergänzt sie durch eine umfassende Bibliografie und Sammlungsnachweise. Der Band bietet aber auch einen Einblick in das Schaffen des 1934 im Sudetenland geborenen Künstlers. „Werkstatt“, nannte Franz Bernhard aus Hochschätzung für das Handwerk sein Atelier. Schwarz-Weiß-Fotos geben einen Einblick in die Organisation dieser Werkstatt. Die andere Quelle aber, aus der sich die Werke Franz Bernhards speisen, ist seine Humanität. Es war die menschliche Figur, mit der er sich im Lauf seines gesamten Künstlerlebens befasste und der er ein Denkmal durch Köpfe, Büsten, Torsi und Figuren setzte. Die menschliche Gestalt war ihm Sinnbild der Schönheit der Natur und das Maß aller Kunst.
"denk mal kunst": Jürgen Knubben im Kloster Kirchberg – TWIN S. 2015. Urheber (sonst.): Knubben, Jürgen; Beiträge von Köhler, Herbert; Hrsg.: Rüth, Bernhard S. 80 Abb. 21 x 21 cm. geheftet. EUR 18,00. CHF 20,00 ISBN: 978-3-86833-178-3 modo
Der Name der Reihe „denk mal kunst“ ist doppeldeutig gewählt, spannt er doch einen Bogen von der Denkmalpflege hin zur Förderung der Kunst. Der Künstler, mit dem diese neue Reihe des Landkreises Rottweil startet, ist Jürgen Knubben. Die Idee von „denk mal kunst“ ist, die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern in Bezug zu Kulturdenkmälern im Kreisgebiet zu setzen. Knubbens Stahlskulpturen sind im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg zu sehen, das über einen spätbarocken Konventbau, die Klosterkirche und Reste eines gotischen Kreuzgangs verfügt. Die Wahl Jürgen Knubbens ehrt nicht nur dessen Engagement für die Kunst und die Kunstvermittlung, seit 1993 leitet er das Forum Kunst Rottweil, sie ist auch ein Geschenk zu seinem 60. Geburtstag. Wie die Reihe so ist auch das Werk des gebürtigen Rottweilers Jürgen Knubben durch Dichotomien geprägt. Es beruht auf den Gegensätzen konvex-konkav, plastischlinear, sphärisch-plan. In den 1980er Jahren entschied sich Jürgen Knubben, der Theologie studiert hat, für Baustahl als Material. Seine Werke sind dem Minimalismus verpflichtet und beruhen auf einfachen geometrischen Grundformen wie dem Kreis, der Ellipse, dem Quadrat, dem Rechteck und dem Dreieck, in ihnen deutet sich die Möglichkeit zu einer Besitznahme durch den Menschen an. Türme und Obelisken finden sich ebenso in seinem Formenvokabular wie Leitern und Häuser. Und sie sind häufig als Paar anlegt. Als „dialogisch-choreografisch angelegte Duette“ hat der Kunsthistoriker Herbert Köhler, der in diesem Katalogbuch in Jürgen Knubbens Werk einführt, diese „Twins“ bezeichnet. In Jürgen Knubbens gleichnamiger Ausstellung im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg gibt es aber noch ein Drittes. Es ist der Genius Loci der Klosterkirche, des Kreuzgangs und des Konventbaus, der eine reizvolle Ménage-à-trois entstehen lässt.
Gabriela Morschett – Unendlich. Merk, Jan; Cybinski, Nikolaus; Ottnad, Clemens. Urrheber (sonst.): Morschett, Gabriela; Hrsg.: Markgräfler Museum Müllheim. 2015. 100 S., 24 x 30 cm, Gb. EUR 28,00 CHF 33,00 ISBN: 978-3-86833-164-6 modo
Das Werk von Gabriela Morschett lässt sich in Gegensätzen beschreiben, bewegt es sich doch zwischen den Polen Ordnung und Chaos, Komplexität und Einfachheit. Dabei ist das eigentliche Ausdrucksmittel der 1955 in Stettin geborenen Künstlerin die Linie. Auf ihr beruhen ihre Zeichnungen, die Radierungen, aber auch ihre dreidimensionalen Arbeiten, die aus schwarzem Eisendraht entstehen. Die Publikation, die anlässlich von Gabriela Morschetts Einzelausstellung im Markgräfler Museum Müllheim erscheint, vereint nun erstmals Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren. Eine Zeichnung, so erzählt die Müllheimerin im Gespräch mit dem Kunstkritiker Nikolaus Cybinski in diesem Katalog, entwickele sich in ständiger Kommunikation, erst durch diesen Dialog zwischen Künstlerin und Werk beginne die Zeichnung zu leben. Morschetts Zeichnungen haben dabei oft die Anmutung von Landschaften, sie verdichten sich mittels Tusche und Schellack zu Flächen. Die Radierung hingegen, so sagt die Künstlerin, sei für sie ein Medium, das sie wähle, wenn es um die Conditio humana, das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft gehe. Der Ausstellungskatalog gibt in Wort und Bild einen tiefen Einblick in das Werk von Gabriela Morschett, ihrer Inspiration – das Reisen und Lyrik von Else Lasker-Schüler, Friederike Mayröcker und Wislawa Szymborska – und warum es für sie unerlässlich ist, in Serien zu arbeiten.
Bernd Völkle – Bloß kein Mausoleum. 2015. Hrsg.: Weber, Dieter; Urheber (sonst.): Völkle, Bernd. 400 S. 33 x 24 cm. EUR 380,00. CHF 430,00 ISBN: 978-3-86833-168-4 modo
Eigentlich war dies einmal lediglich ein schlichtes Kassenbuch. Auf 400 Seiten umfasst es jetzt die Kunst- und Lebenswelt von Bernd Völkle. Da wird collagiert, gestempelt, aquarelliert und gezeichnet, manchmal entlang, manchmal entgegen der Lineatur des Buches. Man kann es auf vielerlei Arten lesen, ein Erinnerungsbuch ist es immer. Wie gegenwärtig der in Tannenkirch lebende Künstler jedoch ist, zeigt die Machart dieses Künstlerbuches, das jetzt faksimiliert wurde. Völkle ist ein Jäger von Gemeinplatz und Phrase in deutschsprachigen Tageszeitungen. Er erlegt „Silberstreifen am Horizont“, die „Kunst der Möglichkeiten“ und merkwürdige Überschriften wie „Christbäume erfreuen Zootiere“. Die Geschichten dahinter bleiben dem Leser verborgen, nicht aber Bernd Völkles Sichtweise. „Die Tiere feiern nicht Weihnachten, höchstens als Braten“, setzt er in gestempelten Buchstaben dahinter. Wenn Völkle die ausgeschnittenen Überschriften einklebt oder neu zusammenstellt und sie untereinander setzt, erinnert das manchmal an das Cadavre exquis der Surrealisten. Immer hat es jedoch mit Bernd Völkles Lebenskreis zu tun. So finden sich Fotos aus Kunstausstellungen, die am Oberrhein zu sehen waren. Und nicht selten macht der Künstler aus seinen Trouvaillen echte Bernd Völkles, indem er sie in die Form eines Quadrates, Kreuzes oder Dreieck bringt. Was ein Buch alles sein kann, macht dieses sichtbar: ein Spiel mit Typografie, Bedeutung. Da treibt jemand ernsthaft Scherz mit seiner Haupt- und Lebensaufgabe Kunst.
Franz Bernhard – Werkverzeichnis der Radierungen. Band II, 1999 – 2006. Schell, Andreas; Spiegel, Peter; Stehl, Lutz. Hrsg.: Andreas C. H. Schell Stiftung.2015. 72 S., 21 x 20 cm, Gb. EUR 32,00 CHF 36,00 ISBN: 978-3-86833-174-5 modo
Die ersten Radierungen von Franz Bernhard datieren bereits aus der Studienzeit. Die Kupferplatte wurde durch das „Gravieren, Kratzen und Beschneiden“ zum Relief, das durch den Abdruck in das Papier übertragen wurde. Dieser skulpturale Umgang mit den Techniken der Radierung bleibt bis zu den letzten Arbeiten hin sichtbar. Peter Spiegel, der seit 1974 in enger Abstimmung mit dem Künstler die Auflagen als Drucker realisiert hat, gibt in seinem Textbeitrag Einblick in die Zusammenarbeit mit Franz Bernhard. So entstanden in über 50 Jahren des Schaffens insgesamt 143 Radierungen, die in kleinen Auflagen von zumeist 20 bis 25 Exemplaren gedruckt wurden. Das Werkverzeichnis der Radierungen Band II dokumentiert die von 1999 bis 2006 entstandenen Auflagen und knüpft so an den 1996 erschienenen Band I des Werkverzeichnisses der Radierungen 1966 bis 1992 an.
Freunde und Bekannte Franz Bernhards, die ihn privat und bei der Arbeit jahrelang begleiteten, haben für die Ausstellung in Jockgrim ihre Gedanken zum Künstler in kurzen Textbeiträgen zum Ausdruck gebracht. Diese persönlichen Erinnerungsstücke sind ebenfalls im Werkverzeichnis nachzulesen und ermöglichen eine besondere Sichtweise auf den Menschen Franz Bernhard.
Der zweite Band des Werkverzeichnisses erscheint parallel zu der Ausstellung „Franz Bernhard – Grafik und Texte“ des „Kuratorium für Kunst- und Denkmalpflege“ die vom 26. April bis 24. Mai 2015 in Jockgrim stattfindet.
ALLE! 60 Jahre Künstlerbund Baden-Württemberg. 2015. Hrsg.: Künstlerbund Baden-Württemberg. 700 S. 634 Abb, 15 x 21 cm, Br. EUR 32,00 CHF 38,50 ISBN: 978-3-86833-176-9 modo
Als der Künstlerbund Baden-Württemberg am 7. Februar 1955 gegründet wurde, ging alles ganz schnell. Bereits am 2. April wurde seine erste Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden veranstaltet. Nur wenige Jahre nach dem Zusammenschluss von Baden und Württemberg hatte der Künstlerbund durchaus auch politische Funk - tionen zu erfüllen. Es galt die neue Einheit des Landes zu repräsentieren. Heute repräsentiert der Künstlerbund Baden-Württemberg die Künstlerinnen und Künstler des Landes und vertritt ihre Interessen. Regelmäßige Ausstellungen gehören dazu. Jetzt zum 60. Bestehen des Künstlerbundes Baden-Württemberg kehrt er zu einer Praxis zurück, die sich in den Nullerjahren verloren hatte. Zum einen weil die Mitgliederzahlen stiegen, zum anderen weil kuratorische Konzepte oder das Reagieren auf den jeweiligen Ausstellungsraum wichtiger wurden als die gesamte Bandbreite des künstlerischen Schaffens in Baden- Württemberg zu zeigen. Der Ausstellungs- und Katalogtitel „Alle!“ ist also durchaus wörtlich zu nehmen: in seiner solidarischen Haltung, aber auch in seinen Ausmaßen. Von Margit Abele bis Rolf Zimmermann umfasst dieser Katalog alle der knapp 400 Mitglieder, die mit einem Porträt, einer Arbeit und einem künstlerischen Lebenslauf vorgestellt werden. Und so ist „Alle!“ auch ein Nachschlagewerk zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler aus und in Baden-Württemberg geworden.
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