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Froitzheim, Eva-Marina: HAP Grieshaber und die Neue Figuration. Horst Antes, Hans Baschang, Dieter Krieg, Heinz Schanz, Walter Stöhrer, Else Winnewisser. Hrsg.: Knubben, Jürgen /Rüth, Bernhard. 2009. 88 S. 28 x 24 cm. Gb EUR 24,00 ISBN: 978-3-86833-033-5 modo
Das waren noch Zeiten. Als Akademieprofessoren von ihrer Stelle zurücktraten, wenn ihre Studierenden das Examen nicht bestanden. Und das waren noch Zeiten, als zwei Akademieschülerinnen die Prüfung nicht bestanden, weil Köpfe und Hühner auf ihren Bildern angeblich nicht zu erkennen waren. Die Rede ist von HAP Grieshaber, seinen Schülern und den späten 1950er Jahren. 1960 trat HAP Grieshaber, der den Holzschnitt in der Nachkriegszeit erneuerte, von seiner Karlsruher Professur zurück, die er erst fünf Jahre zuvor in Nachfolge von Erich Heckel angetreten hatte. „Ich habe nie gewusst, worauf es ohne Kunst ankommt“, hat Grieshaber einmal gesagt.
Helmut Andreas Paul Grieshaber wurde 1909 geboren und ihm widmet der neu eröffnete Kunst Raum Rottweil nun anlässlich seines 100. Geburtstages zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern Horst Antes, Hans Baschang, Dieter Krieg, Heinz Schanz sowie Walter Stöhrer und Else Winnewisser eine Ausstellung. Klaus Gallwitz lässt in seinem Katalogbeitrag viel von dieser besondern Atmosphäre der Nachkriegszeit aufleben und Eva-Marina Froitzheim erläutert das spezifische Spannungsfeld von figürlichen und abstrakten Tendenzen in Karlsruhe. Dass die Figuration es in Deutschland weniger schwer hatte und nicht allein an der Wiedererkennbarkeit von Kopf und Huhn gemessen wurde, verdankt sich nicht zuletzt HAP Grieshaber und dem großen Einfluss, den er als Lehrender erreichte. Die Zeiten waren so, dass seine Schülerinnen und Schüler es dankbar aufsogen.
Beitin, Andreas F. /Fischer, Jutta: Stefanie Lampert allreal. 2009. 64 S. 21 x 27 cm. Ebr EUR 16,00 ISBN: 978-3-86833-032-8 modo
Die Zeit arbeite für sie, sagt Stefanie Lampert. Nicht in dem Sinne, dass sie den Wert ihrer künstlerischen Arbeiten steigere, sondern in einer viel umfassenderen Bedeutung. Der jeweilige Lichteinfall verändert die der Abstraktion verpflichteten Werke nicht nur, er weckt sie erst zum Leben. Zwei Arbeiten stehen im Mittelpunkt der Monografie der 1966 in Pforzheim geborenen Künstlerin. Einmal ihre Installation „Montevideo“, die für die Ausstellung des Museum Ritter „Neue Freunde – Aktuelle Positionen zum Quadrat“ entstand und ihr Kunst-am-Bau-Wettbewerbsbeitrag für das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Beide Arbeiten können exemplarisch für den Umgang mit Farbe, Licht und Raum von Stefanie Lampert stehen. Ihre Installationen wirklich zu erfassen, hieße sie einen ganzen Tag anzuschauen, wenn nicht gar ein Jahr, um den Wechsel des Lichts zu beobachten. Obwohl Stefanie Lampert an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe Malerei studierte, geht das, was sie schafft, genau genommen, über Malerei hinaus. Sind es doch Räume, genauer farbige Lichträume, die entstehen, wenn sie wie in Waldenbuch die Fenster mit transparenten Farbfolien überzieht. Dass das Licht gleichermaßen Farbe wie auch Schatten hervorruft, zeigt ihre Malereiinstallation in Karlsruhe, die sich dem Relief annähert und die Besonderheiten des Raumes einbezieht. Es ist konkrete Kunst mit viel Tiefenwirkung.
Bier, Rolf: Die Akademie, die Kunst, die ProfessorInnen. The academy, the art, the professors. Hrsg.: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 2009. 356 S. 21 x 16 cm. Pb EUR 22,00 ISBN: 978-3-86833-031-1 modo
Eins vorweg: Dies ist ein Bilderbuch. Wer kundig ist, Bilder zu lesen, wird viel darüber erfahren, wie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Kunst gelehrt wird. Denn die Publikation ist zugleich Künstlerbuch und Einblick in den Lehrbetrieb. "Die Akademie, die Kunst, die ProfessorInnen" stellt die 21 Lehrenden der Fachgruppe Kunst vor: in einem Essay von Rolf Bier, den Fotografien, die auf dem Campus, in den Ateliers und Werkstätten entstanden sind, aber auch durch ihre eigenen Arbeiten und mit Text- beiträgen. Gezeigt werden so Einblicke in das universitäre Leben der Akademie, die Lehrenden im Gespräch mit den Studierenden, beim Entstehen der künstlerischen Arbeiten oder beim gemeinsamen Betrachten von Kunst. Was das deutsche Akademie- system ausmacht, sei, so sagt Rolf Bier in seinem Beitrag, dass eine künstlerische Persönlichkeit mit der Führung einer Klasse betraut wird und diese nach ihren individuellen Vorstellungen leitet. Dass dies in Stuttgart, aber auch anderswo, zur Freude aller Freunde des wilden Denkens viel mit innerer Freiheit zu tun hat, dokumentieren die Aufnahmen und die besondere Gestaltung dieses Buches, das aus einem internen Wettbewerb hervorgegangen ist. Jonas Beuchert und Tilman Schlevogt haben die jeweiligen Teile anders angeschnitten und unterschiedliche Materialien für sie verwendet.
Flaig x 2. Hg.: Bernhard Rüth, Texte von Wendelin Renn, Tobias Wall. 78 S. 48 fb. Abb. 30 x 21,5 cm, Gb. EUR 24,00 ISBN: 978-3-86833-027-4 modo
Pflanzennamen wie Waldrebe, Wiesenbocksbart, Oleander und Huflattich sollte man eigentlich laut vor sich hin sprechen, denn erst so entfalten sie ihr eigentliches poetisches Potenzial. Oder sich die Arbeiten von Angela Maria Flaig (*1948) anschauen. Seit den 1990er Jahren schafft die Künstlerin aus Flugsamen Arbeiten und bannt das Flüchtige dieser zarten Samen in geometrische Formen. Es sind Kuben, Häuser, Säulen, aber auch Schalen, die sie allein aus den Samen formt. Angesiedelt irgendwo zwischen Minimal Art und Arte povera. Die jeweilige Form dieser Samenstände entscheidet, ob das Werk eine eher haptische oder zeichnerische Oberfläche haben wird. Die in Rottweil lebende Künstlerin Angela Maria Flaig unterbricht den Zyklus der Natur, indem sie aus der Natur Kunst macht. Und dennoch liegt in ihren Arbeiten ein Versprechen auf Fruchtbarkeit und Leben, etwa, wenn sie wie 2008 im Rottweiler Münster einen sargähnlichen Kubus aus Distelsamen auf einen Holzsockel aufbahrt. Dann, aber auch im musealen Kontext, wie dieser Katalogband vorführt, zeigt sich das Doppelwesen von Angela Maria Flaigs Arbeiten. Adalbert Stifters „Andacht zum Kleinen“ zeigt sich hier in ihrer fragilsten Form.
Bert Jäger - Malerei - Arbeiten auf Papier - Fotografie. 2009. Texte von Gert Reising, Jost Grosspietsch. 48 S. 29 x 23,5 cm, 25 fb. u. 5 s/w Abb. Gb. 16,00 EUR ISBN: 978-3-86833-015-1 modo
Der Journalist und Autor Wolfgang Heidenreich hat Bert Jäger einmal „als das aus der Vergessenheit auftauchende Kunst-Kalb mit den vier Köpfen“ bezeichnet. Voll von Anerkennung für die künstlerische Haltung, der die Autonomie und das Unzeitgemäße wichtig ist. „Bert Jäger, Malerei – Arbeiten auf Papier – Fotografie“ zeigt zumindest zwei Köpfe des Jägerschen Werkes, den der Malerei und der Fotografie. Dass Jäger selbst eine Ausstellung mit Fotografien badischer jüdischer Friedhöfe in der Synagoge Sulzburg plante und diese noch vor seinem Tod 1998 auswählte, ist ein schöner Anlass, dieses Vorhaben nun wirklich in die Tat umzusetzen. Und die jüdischen Friedhöfe, deren Grabstätten bekanntlich anders als im Christentum nicht aufgegeben werden, stimmen ein Thema an, das sich durch die Publikation und die beiden Ausstellungen zieht. Es geht um Erinnerung sowohl an eine ehemals lebendige Kultur in Süddeutschland als auch an einen Künstler, der als bedeutender Vertreter des deutschen Informel gilt. Bert Jäger ist hier wieder zu entdecken, in seinen stimmungsvollen, melancholischen Fotografien und in seiner energiegeladenen Malerei. Was ihm auf der Leinwand immer gelang, die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Kräfte auszudrücken, lässt sich sichtlich auch auf sein Gesamtwerk übertragen.
TOP 09 – Meisterschüler der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 2009. Hg: Axel Heil für die Staatl. Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 306 S., 211 fb. Abb., 21 x 14,8 cm, Br. 24,00 EUR ISBN: 978-3-86833-026-7 modo
Hinter dem nüchternen Titel „Top 09. Meisterschüler. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe“ verbirgt sich nichts anderes als eine Wundertüte. Ist der Band doch nicht im konventionellen Sinne ein Ausstellungskatalog, sondern dokumentiert das aktuelle Kunstschaffen eines ganzen Jahrgangs von Meister-schülerinnen und -schülern der Kunstakademie Karlsruhe. Mittlerweile ist es gute Tradition, dass am Ende des Meisterschülerjahres eine gemeinsame Ausstellung steht, die in immer wieder anderen Kunstinstitutionen Baden-Württembergs statt-findet. In diesem Jahr gastierte die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, die als eine der ältesten und bekanntesten Kunsthochschulen in Deutschland gilt, in der Esslinger Villa Merkel. Der Katalog jedoch, der in enger Zusammenarbeit mit den jungen Absolventinnen und Absolventen entstanden ist, stellt die 21 Künstler individuell in ihren Werken, mit Texten und Kurzbiografien vor. Er wirft daher ein Schlaglicht auf das aktuelle Kunstschaffen am Übergang von Studium und künstlerischer Selbstständigkeit.
Mit Werkdokumentation von Benjamin Appel, Nastassia Atrakhovich, Daniela Baldelli, Benjamin Bernt, Yan Dong, Frank Fischer, Karsten Födinger, Ilona Gaikis, Katharina Grimbs, Stefan Jeske, David Jungnickel, Mathias Klappert, Carolina Kreusch, Natalie Liu, Sylvia Maak, Dominika Rzychon. Andreas Schneider, Stefanie Schönberger, Mirjam Schwab, Gabriele Tibi und Johannes Vetter.
Michael Schwarze - Werkbuch. Text U. und M. Poschinger-Camphausen, Roldand Held, Friedrich Schmidt, Hans H. Hofstätter, Harald Fiebig. 192 S., 120 sw u. 67 fb. Abb., 30 x 22 cm, Gb. EUR 34,00 ISBN: 978-3-86833-020-5 modo
Wenn im Mai 2009 Michael Schwarzes Ausstellung „Skulpturen und Zeichnungen“ in Krefeld eröffnet wird, schließt sich ein Kreis. Denn hier wurde der Bildhauer nicht nur 1939 geboren, hier entdeckte er auch seine Liebe zur Kunst, der er sich nach einem Studium der Architektur an der Werkkunstschule in Krefeld ganz widmete. Mit seiner Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, die er als Meisterschüler von Karl Hartung abschloss, entschied er sich ganz für die Kunst. Er ist diesem Weg treu geblieben, wie er auch seine Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur mit beeindruckender Konsequenz über Jahrzehnte hinweg betrieben hat.
Michael Schwarze ist durch und durch Manierist, indem er die Möglichkeiten des Körpers in Marmor, Holz und Bronze und Steinguss, aber auch in der Zeichnung erweitert, Extremitäten verlängert oder gänzlich neue Leiber entwirft. Schwarzes anatomische Neuschöpfun- gen des „Horchbein“ oder des „Zahn-Zahn“ stehen dabei ganz in der Tradition von Hieronymus Bosch oder Gustav Moreau, aber auch der mittelalterlichen Kartografen, die neue Erdteile mit ihren Fantasiewesen bevölkerten. Die andere Seite von Michael Schwarzes Schaffen, das in dieser Publikation in seiner ganzen Bandbreite von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart dokumentiert wird, ist die Formlosigkeit des Todes. Vergänglichkeit ist im Werk von Michael Schwarze nur eine andere Art der ständigen Verwandlung.
Von Arman bis Andy Warhol. Die Meisterwerke im Ludwig Museum. 2009. Hg: Beate Reifenscheid. 176 S. 124 fb. u. 6 sw Abb., 27,5 x 21 cm, Br. 25,00 EUR ISBN: 978-3-86833-025-0 modo
Wer in Koblenz Andy Warhol sagt, meint auch Peter Ludwig. Über 1.000 Porträts von bekannten oder weniger bekannten Persönlichkeiten schuf Andy Warhol, darunter auch das des Sammlers Peter Ludwig. Man kann sich sicher sein, dass den Porträtierten mehr als die sprichwörtlich gewordenen 15 Minuten Weltruhm zuteil geworden ist. Die Ausstellung und der Katalog „Die Meisterwerke im Ludwig Museum“ hätten kaum auf dieses Werk verzichten können. Tatsächlich ist der Bestand des Koblenzer Museums durch eine besondere Handschrift geprägt, denn Peter und Irene Ludwig interessierten sich für Frankreich und die Kunst der Nachkriegszeit. Da lag es nahe, das 1992 in Ludwigs Geburtsstadt Koblenz gegründete Museum nach Westen auszurichten.
Die Sammlung von Peter und Irene Ludwig ist ein weit verzweigter Kosmos. Das zeigt auch dieser Band, der den Koblenzer Sammlungsbestand in seinen Highlights dokumentiert. So konnte in den letzten Jahren ein Austausch zwischen dem Koblenzer Ludwig Museum und dem Kölner Museum Ludwig initiiert werden, der das Profil beider Sammlungen schärfte. Wer sich einen profunden Überblick über die Kunst Frankreichs mit ihren Strömungen des Nouveau Réalisme und der Figuration libre verschaffen will, wird nach Koblenz fahren oder zu diesem Band greifen müssen. Doch damit nicht genug, hat zwischen Arman und Andy Warhol immer noch ein Robert Rauschenberg, ein Pablo Picasso sowie ein Willem de Kooning und ein Jean Tinguely Platz.
Rolf Bier - POUP- Portraits of Unseen People. 2009. Hg: Robert Simon, Susanne McDowell. Texte von Ludwig Seyfarth, Jan Verwoert. Dtsch/engl. 96 S., 56 fb. Abb., 29 x 23 cm, Gb., EUR 24,00 ISBN: 978-3-86833-024-3 modo
Rolf Biers Serie „Portraits of Unseen People” bedeutet genau das, was der Titel benennt. Weder beruft sich Bier in seinen Bildern auf unmittelbare Begegnungen noch auf Fotos. Bis der 1960 geborene Künstler sie malt, sind die Gesichter daher wirklich ungesehen. Entstanden ist die Serie, die mittlerweile auf 300 Bilder angewachsen ist, wohl aus dem Gefühl der Anonymität in New York. 2004 trat er dort das Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen an. Rolf Bier, der seit 2005 eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart innehat, interessieren formale und semantische Beziehungsgeflechte. Eben dies bilden seine Porträts ab, die ganz aus dem Prozess des Malens entstanden sind und die in ihrer Gesamtheit auch eine Geschichte der Malerei nachvollziehen. Bier geht es nicht um die Möglichkeit des Erkennens von Personen, denn mal sind die Gesichter detailreich, mal grob dargestellt. Einzig dem Format bleibt er treu. Ob Frau, ob Mann, ob alt oder jung, ist völlig zweitrangig, nicht aber der Ausdruck. Es zeige sich beim Betrachten der Bilder, so schreibt Jan Verwoert in seinem Katalogbeitrag, eine Schwelle zwischen Sehen und Berühren. Rolf Bier hat dem Menschen in seinen „Portraits of Unseen People“ ein Gesicht gegeben.
Friedemann Grieshaber. 2009. Text: Christoph Tannert, Angela Lammert, Susanne Husse, Julia Franck, Matthias Flügge. Dtsch/ Engl. 112 S., 68 fb. Abb., 29 x 23 cm, Gb. EUR 26,00 ISBN: 978-3-86833-014-4 modo
"Giacometti entkommen“ hat Julia Franck als Losung für Friedemann Grieshabers Skulpturen ausgegeben. Wenn eine bekannte Autorin wie Julia Franck ein Widmungsgedicht schreibt, muss es sich um einen besonderen Bildhauer handeln. Tatsächlich ähneln Grieshabers Werke denen von Giacometti nicht im Mindesten. Grieshabers Arbeiten ist meist etwas Statuarisches zu Eigen und sie sind sichtlich durch altägyptische Skulpturen und Bauwerke geschult. Grieshaber orientiert sich auf eine sehr grundsätzliche Weise an der Figur. Auch wenn er Häuser oder ganze Gruppen schafft, geht es ihm um die menschliche Figur. Drücken sich in den Häuserensembles doch Themen wie Geborgenheit, Heim, Unterschlupf und Ankunft aus. Für Grieshaber, der 1968 geboren wurde und nach seiner Lehre zum Steinmetz in Stuttgart und Berlin Kunst studierte, hat der Raum dabei die gleiche Bedeutung wie der Körper. Kein Wunder, schließlich entstehen die meisten von Grieshabers Arbeiten im Betongussverfahren, so dass er gewöhnt ist, Innen und Außen im Wechselspiel zu bedenken. Friedemann Grieshabers Werk ist ungewöhnlich, weil es so wenig an den Moden zeitgenössischer Kunst orientiert ist und es aufs Ganze geht. Seine Skulpturen, so sagt Grieshaber, antworten auf die Frage nach dem Leben und auf die nach dem Tod.
Karfunkelschein. Prade – Gablonzer. Modeschmuck. 1922– 1995. Hg.: Cornelie Ueding. Text: Cornelie Ueding, Jürgen Wertheimer. 412 S., 700 fb. Abb., 27,5 x 22,5 cm, Gb, Modo, Freiburg 2009. EUR 36,00 ISBN: 978-3-86833-019-9 modo
Viel spiegelt sich in diesen kleinen geschliffenen bunten Glassteinen. Die Magie der Schönheit, die Geschichte einer spannenden Kulturlandschaft und eines traditionsreichen Handwerks. Für all das steht auch die Firma Prade, die zwischen 1922 und 1995Modeschmuck schuf. Zuerst in Gablonz, später nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Neuanfang in Deutschland in Schwäbisch Gmünd. Die Geschichte der Firma Prade ist eng mit dem Glasbläserhandwerk in Böhmen und der Modeschmuckherstellung in Gablonz, der Gablonzer Bijouterie verbunden. Denn dort florierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Schmuck- und Glasindustrie, die der Stadt an der Neiße Wohlstand brachte.
Nach dem Krieg und der Ansiedlung in Schwäbisch Gmünd konnte die Familie Prade nicht nur ihre internationalen Geschäftsbeziehungen wieder aufgreifen, sondern auch auf ihren schier unerschöpflichen Ideenreichtum bauen.
Ungewöhnliche Schmuckstücke aus Glas in allen erdenklichen Farben und Formen sind im Laufe der Zeit entstanden. 30.000 Ringe, Colliers, Ohrringe und Broschen, immer höchst originell aber auch die Trends der großen Modehäuser aufgreifend. Der reich bebilderte und sorgfältig ausgestattete Band dokumentiert nicht nur eine der wenigen vollständig erhaltenen Modeschmuckkollektionen, sondern zeigt darüber hinaus die verschiedenen Werkzeuge und Herstellungsarten. Hinter dem schönen Schein steckt mehr als die reine Faszination an Form und Farbe.
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Susanne Kühn. Malerei, Zeichnung. 2007 – 2009. 2009. Hrsg: Forum Kunst Rottweil. 40 S. 22 fb. Ab., 28 x 24 cm, Br., EUR 16,00 ISBN: 978-3-86833-018-2 modo
Schönheit sei etwas, nach dem sie suche, sagt Susanne Kühn in einem Werkstatt-gespräch mit Elke Buhr. Und wirklich führen die Bilder und Zeichnungen der 1969 in Leipzig geborenen Künstlerin in so ästhetische wie artifizielle Räume. Susanne Kühn zitiert gleichermaßen die Renaissancemalerei und mit ihr prächtige Interieurs, Stoffe und Einrichtungsgegenstände als auch den japanischen Holzschnitt. Dynamik entsteht durch das Aufeinandertreffen verschiedener Bildsysteme und von Fläche auf Raum.
Wenn Susanne Kühn von ihrer Malerei spricht, verwendet sie gerne Begriffe wie „Malerschaltpult“ und „Forschungslabor“. Wer wie sie auf der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert hat, beherrscht die Technik und kann sich auf das Wesentliche der Malerei konzentrieren: die Erforschung der Möglichkeiten des Bildes. Daher bieten Susanne Kühns Bilder und ihre Zeichnungen ein gleicher-maßen ästhetisches wie intellektuelles Spiel. Bislang wurde Susanne Kühn vor allem im Kontext der Leipziger Schule und eines erweiterten Realismusbegriffs sowie einer neuen Romantik rezipiert. In den neuen zwischen 2007 und 2009 entstandenen Arbeiten zeichnet sich jedoch ab, dass es der in Freiburg lebenden Künstlerin auch um eine Erneuerung der Stillleben- und Porträtmalerei geht. Im Kunst Forum Rottweil werden diese Werke nun erstmals gezeigt.
Leisure. Rolf Bier, Lotte Lindner & Till Steinbrenner, Stefan Wissel. 2009. Hrsg.: Martin Engler. Text: Martin Engler. Dtch, Enlg. 48 S., 27 fb. Abb., 18,5 x 12, cm, Gb. EUR 14,00 ISBN: 978-3-86833-017-5 modo
Das Wort Muße scheint fast aus unserem Wortschatz verschwunden. Schade eigentlich. Denn kommen einem nicht die besten Gedanken, je zweckfreier die Zeit? Im Frühsommer konnten die Besucher des Hermannshof im niedersächsischen Völksen die schönste Art der Muße in der Verbindung von Naturerlebnis und Kunstbetrachtung praktizieren. Der Verein „Kunst und Begegnung Hermannshof“ öffnete Park und Garten sowie die weitläufigen Obstpflanzungen einem Kunst-projekt, das von Martin Engler (Städel, Frankfurt) kuratiert wurde.
Es liegt am Genius Loci, dass sich die vier beteiligten Künstler Rolf Bier, Lotte Lindner, Till Steinbrenner sowie Stefan Wissel mit der unmittelbaren Umgebung des Hermannshofs und dessen Gartenarchitektur befassten. So griff Stefan Wissel die Architektur des Pavillons auf, Lotte Lindner und Till Steinbrenner ließen Gotcha spielen und Rolf Bier holte den Himmel auf die Wiese. Der Mensch ist frei, wenn er spielt, sagte Friedrich Schiller. In Völksen wurde es für einen Sommer Wirklichkeit. Der letzte Sommer ist unwiederbringlich vorbei, doch der nächste kommt wieder mit viel Zeit für Muße. Für Nachahmer geeignet.
Waibel, Valeria: Seit eh und jetzt! Der Künstlerbund Baden-Württemberg im Ulmer Museum. Hrsg. v.Künstlerbund Baden-Württemberg. 2008. 156 S., 12 sw. u. 104 fb. Abb. 22,5 x 17 cm. Gb EUR 18,00 ISBN: 3-86833-011-9 modo
Der Künstlerbund Baden-Württemberg im Ulmer Museum
Seit eh und jetzt schaffen Menschen Kunstwerke und seit eh und jetzt sammeln sie diese. Kaum ein anderes Museum in Baden-Württemberg spiegelt diese kulturelle Praxis anschaulicher wider als das Ulmer Museum. Denn mit dem „Löwenmenschen“ besitzt es einen 30.000 Jahre alten Schatz.
Nicht ganz so alt ist die Zusammenarbeit zwischen dem Ulmer Museum und dem Künstlerbund Baden-Württemberg, die 1970 ihren Anfang nahm. „Seit eh und jetzt!“ ist bereits die fünfte Ausstellung des Künstlerbundes in den Räumen des Ulmer Museums. Sie greift konkret die Sammlungstätigkeit des Museums auf, das neben bedeutenden archäologischen Exponaten auch wichtige Kunstwerke aus der Zeit des Mittelalters, aber auch des Barock aufweisen kann. Für die Ausstellung haben Künstler des Künstlerbundes Baden-Württemberg Werke geschaffen, die mit der ständigen Sammlung korrespondieren und in Dialog mit den Werken mittelalterlicher Kunst oder den kunst- handwerklichen Exponaten treten. Die Zeitsprünge, die dabei entstehen sind durchaus gewollt. Der zweite Teil des Projektes stellt eine jurierte Sonderausstellung von Mitgliedern und Gästen des Künstlerbundes vor. Und so dokumentiert die Publikation „Seit eh und jetzt!“ nicht nur ein außergewöhnliches Ausstellungsprojekt, sie ist auch Kompendium der Aktivitäten des Künstlerbundes Baden-Württemberg.
Serexhe, Bernhard: GAMA & Grudziecki - Black Waters. Hrsg. v. Städtische Galerie Offenburg. 2008. 96 S. 22 x 21 cm.Pb EUR 18,00 ISBN: 978-3-86833-012-0 modo
Black Waters – so heißt nicht nur die gemeinsame Ausstellung von GAMA und Michael Grudziecki, wie ein tiefes, unergründliches Gewässer mag vielen tatsächlich die Malerei vorkommen. Zum Start der neuen Reihe der Städtischen Galerie Offenburg „proudly presents“ hat der Kurator Bernhard Serexhe vom ZKM zwei junge Maler ausgewählt. Es zeigt nicht nur, dass junge Künstler heute wieder selbstverständ- lich figurativ arbeiten, sondern auch, welch unter- schiedliche Auffassungen darüber herrschen. Was die beiden Maler eint, ist nicht nur ihr Geburtsjahr, so wurde GAMA 1977 im mongolischen Baotuo, Michael Grudziecki im polnischen Wroclaw geboren. Beide studierten auch an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo sie ihre Ausbildung als Meisterschüler abschlossen. Doch während GAMA sich weigert, in seinen surreal wirkenden Bildfindungen mehr als „Farbe auf Leinwand“ zu sehen, bedeutet die Malerei für Michael Grudziecki Ausdruck seiner selbst und seiner Sicht auf die Welt. So setzt er sich kritisch mit dem Überwachungsstaat, der Macht der Konzerne und der Anonymität der Städte auseinander.
Der reich bebilderte Band „Black Waters“ dokumentiert nicht allein die gemeinsame Ausstellung der beiden Künstler, er geht auch in Interviews ihren Vorbildern und ihrem Selbstverständnis nach. Vor allem jedoch ist er eine Einladung, zwei junge viel versprechende Künstler zu entdecken.
Riedel, Peter A /Tombazis, Alexandros N /Barreto, José: Robert Schad A Cruz Alta. 2008. 108 S., 100 fb. Abb. 24 x 17 cm. Gb EUR 19,00 ISBN: 3-937014-86-1 modo
Arthur Boskamp-Stiftung M.1 Hohenlockstedt Förderpreis 2007 – Fotografie. Stefanie Becker, Kimberly Horton. 2008. Hg.: Ulrike Boskamp und Filomeno Fusco, Texte: Ulrike Boskamp, Stephanie Bunk. 60 S., 68 fb. Abb. 22,5 x 16,5 cm, Br. EUR 18,00 ISBN: 978-3-86833-004-5 modo
Hohenlockstedt klingt nicht unbedingt nach dem Mittelpunkt aktuellen Kunstgeschehens. Und doch ist es beeindruckend, was die Arthur Boskamp-Stiftung in M.1 Hohenlockstedt zu Wege bringt. Wo früher Soldaten exerzierten, die SA eine Sportschule unterhielt und während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter einquartiert waren, ist mittlerweile Kultur eingekehrt. In Hohenlockstedt hat die Arthur Boskamp-Stiftung einen Förderpreis ausgeschrieben, der sich an jüngere Künstler wendet. Im ersten Jahr seines Bestehens wurde er im Bereich Fotografie ausgelobt, im folgenden Jahr stand die Video-kunst im Mittelpunkt und im nächsten Jahr wird er im Bereich Installation und Skulptur vergeben. Jenseits der häufig vorherrschenden Beliebigkeit kann so ein Dialog zwischen den Künstlern und zwischen diesen und den Betrachtern entstehen.
Die Ausstellung der beiden ersten Preisträgerinnen Stefanie Becker und Kimberly Horton im Jahr 2007 präsentierte nicht nur die Werke der beiden Künstlerinnen, sondern warf auch ein subjektives Schlaglicht auf die Möglichkeiten von Fotografie.
Während Stefanie Becker sich dem Medium auf eine fast dokumentarische Weise nähert, zeigte Kimberly Horton einen gleichermaßen poetischen wie experimentellen Blumenfries. Ein Jahrbuch, das hoffen lässt, dass noch viele Stipendiaten Hohen-lockstedt künstlerisch entdecken und hier arbeiten können.
Ralf Cohen – Phänomene. Transformelle Fotografie. 2008. Hg.: Städt. Galerie Fruchthalle Rastatt. Text: Peter Hank, Pit Klein, Clemens Ottnad. 72 S. 43 fb. und 49 s/w Abb. 20 x 25 cm, Br. EUR 18,00 ISBN: 978-3-86833-009-0 modo
Dass sich Ralf Cohen selbst als bildender Fotokünstler versteht, kommt nicht von ungefähr. Der 1949 geborene Cohen formt seine Fotos, genauer wohl seine Bilder, nach den inneren Vorstellungen, die die Wirklichkeit in ihm erzeugt. Ein Werk ist dann für ihn gelungen, wenn Foto und inneres Abbild möglichst genau miteinander übereinstimmen, mitunter auch durch fotochemische Überarbeitungen der analog entstandenen Aufnahmen. Titel wie „Seereflexe-Sehreflexe“, die einen Bezug zwischen dem Gesehen und dem Sehen sowie der Reflexion darüber herstellen, deuten diesen komplexen Bildfindungsprozess an. Ralf Cohen arbeitet sich an der Wirklichkeit ab, vereinzelt Phänomene, um sie besser zu verstehen und beleuchtet sie in Serien von verschiedenen Perspektiven. Da kann es durchaus passieren, dass einer einfachen Kartoffel soviel Bedeutung wie einem Sternenmeer ein-geräumt wird oder dass er Flüssen Fotos anheim gibt, damit diese auf den Aufnahmen Spuren des Fließens hinterlassen.
Erscheinungen, die Ralf Cohen interessieren, folgen bestimmten Gesetzen. Sei es der Schwarm der Kaulquappen, die brechende Welle oder eine Vernissagengesellschaft, immer organisieren sich die Gruppen oder Wassermoleküle nach bestimmten Grundsätzen. Einen Moment glaubt man, darin reines Chaos zu erblicken, dann ahnt man dahinter eine Ordnung. Diese Gesetze bildet Ralf Cohen in seinen Fotos ab und bringt sie zur Anschauung.
Elisabeth Endres. Block 1. Hrsg. Kunstverein Schallstadt. Texte: Barbara Heinrich, Christian Schaeffer. 96 S., 21,8 x 17 cm, 85 fb. Abb., Br. EUR 18,00 ISBN: 978-3-86833-010-6 modo
Nicht nur Bücher haben ihr Schicksal. Werke der bildenden Kunst umso mehr, wenn sie ihr eigenes Schicksal mit dem von Büchern verbinden. Elisabeth Endres’ Serie „Block I“, die im Kunstverein Schallstadt zu sehen sein wird, ist so ein Beispiel. Durch Zufall entdeckte die bei Freiburg lebende Künstlerin in einem Antiquariat alte Auktionskataloge aus den späten 1920er Jahren. In diesen waren wertvolle Kunstgegenstände abgebildet, die 1917 nach der Oktoberrevolution erst enteignet, dann verstaatlicht und schließlich, der Divisen wegen, im Ausland versteigert werden sollten. Ganze Geschichten ließen sich anhand dieser Seiten erzählen. Elisabeth Endres, die 1947 in Karlsruhe geboren wurde, versiegelt diese Blätter mit Wachs, fügt ihnen, meist in Rot und Schwarz, die eigenen Erinnerungsbilder hinzu.
Kindheitsgeschichten, Märchenfiguren und Traumbilder schreibt sie so diesen Blättern ein. Manche Stellen legt sie frei, so dass die Gemälde, Grafiken, das Porzellan und das Silber wieder zum Vorschein kommen. Dieser komplexe Bildwerdungsprozess ist für Elisabeth Endres eine Art archäologische Arbeit. In ihren poetischen und surrealen Bildrätseln macht die Künstlerin die Wege der Erinnerung sichtbar.
Robert Schad – Ein Kreuz für Fátima. 2008. Text: Peter Anselm Riedl, Alexandros N. Tombazis, José Barreto. Mit einem Gespräch zwischen August Heuser und Robert Schad. Deutsch / Englisch / Portugiesisch. 108 S. 126 fb. Abb. 24 x 17 cm, Gb. EUR 19,00
Portugiesische Ausgabe: 978-3-937014-86-9 ISBN: 978-3-937014-85-2 modo
Was früher die Regel war, ist heute die Ausnahme. Die Kirche hat als Auftraggeber für Künstler an Bedeutung verloren. Was geschieht, wenn sich ein zeitgenössischer Künstler wie der 1953 geborene Robert Schad auf ein Projekt eines Kreuzes einlässt, kann man in „Ein Kreuz für Fátima“ nun nach-vollziehen. Entstanden ist das monumentale, um die 30 Meter hohe Kreuz aus Cortenstahl, im Rahmen von Alexandros N. Tombazis Neubau der Dreifaltigkeitskirche für den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima. Der Entwurf des Architekten schloss auf grundlegende Weise die Zusammenarbeit mit Künstlern mit ein.
Für Robert Schad, der für seine Stahlskulpturen bekannt geworden ist, wurde es eine Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Wurzeln und eine Beschäftigung mit den kunsthistorischen Vorläufern von Christusdarstellungen. Er wollte, so sagt der Bildhauer, „die Assoziationsbreite so offen wie möglich halten“. Das Kreuz, das am 13. Oktober 2007 errichtet wurde, ist seitdem den Menschen, den Pilgern, der Region übergeben worden. Der Band dokumentiert die Phasen der Entstehung des Kreuzes und bietet einen Einblick in die Metallwerkstatt, wo das Kruzifix Gestalt annahm. Darüber hinaus kommen der Architekt Alexandros N. Tombazis zu Wort und der Künstler, der im Gespräch mit August Heuser eigene Beweggründe, Motive sowie kunstgeschichtliche Überlegungen zum Kruzifix aufzeigt. Weitere Essays verorten das Werk im Œuvre Schads und beleuchten die theologische Bedeutung des Neubaus der Dreifaltigkeitskirche in Fátima
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