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Sophie Innmann – Shortcut to the Highway. Innmann, Sophie. Beitr.: Katz, Anna Maria; Hoffmann, Leni; van der Veen, Manuel. Dtsch.; Engl. 2019. 144 S. Abb. 26 x 19 cm. EUR 24,00. ISBN: 978-3-86833-262-9 modo
„Shortcut to the Highway“ ist der erste Werküberblick der Künstlerin Sophie Innmann mit Arbeiten von 2011 – 2018.
An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert und bei Prof. Leni Hoffmann als Meisterschülerin abgeschlossen, hatte Sophie Innmann 2016/17 das Residenz-Stipendium des MWK Baden-Württemberg an der Cité Internationale des Arts Paris (FR) inne. Die multimedial arbeitende Künstlerin bewegt sich im öffentlichen und halböffentlichen Raum, setzt mit partizipativen und ortsspezifischen Arbeiten, oft Installationen, an Situationen an, die menschliches Handeln und dessen Spuren untersuchen oder es selbst herausfordern. Die Subversivität des Spielerischen und der Ironie verwandelt bei Sophie Innmann trostlose, raue Oberflächen, Orte oder Sitten in feine Zeichnungen, soziale Zusammenkünfte, Performances, Rauminstallationen und Malerei: ein Footballspieler tackelt eine Wand und hinterlässt eine feine Zeichnung, ungenutzte Zwischenräume finden eine Funktion, kollektiver Alkoholkonsum wird Performance, ein Basketballspiel wird Malerei… Der Zusammenhang von Handlung und Spur, Benutzung und Abnutzung und schließlich die künstlerischen Interventionen zur Umnutzung, die Sophie Innmann durch kleine Verschiebungen oder Hervorhebungen vornimmt, eröffnen andere Wahrnehmungsperspektiven und führen alltägliche Handlungen manchmal auch ad absurdum.
Günter Figal – Gefäße als Kunst. Reflexionen von japanischer Keramik aus. Figal, Günter. 2019. 160 S. 50 Abb. 24 x 17 cm. EUR 29,80. ISBN: 978-3-86833-260-5 modo
Können Gefäße Kunstwerke sein – so wie Skulpturen und Bilder? Um das zu klären, stellt Günter Figal in seinem Buch die Frage, was Kunst sei, neu. Er stellt sie, ohne sich an selbstverständlich gewordenen Kunstbegriffen zu orientieren, von den Gefäßen aus. Um zu zeigen, was es heißt, dass Gefäße Kunstwerke sind, berichtet der Autor, wie er in Japan die Gefäßkunst entdeckte. Er erzählt aus deren Geschichte, unter anderem davon, wie diese Kunst mit der japanischen Teekultur zusammenhängt und wie sie schon im sechzehnten Jahrhundert eine moderne Kunst war. Er beschreibt handwerkliche Techniken, in denen Gefäße wie Teeschalen, Teebecher und Vasen entstehen, und stellt wichtige Vertreter der internationalen keramischen Gegenwartskunst vor. Vor allem denkt Günter Figal über die eigentümliche Schönheit der Gefäße nach, auch darüber, wie diese die Schönheit ‚westlicher’ Malerei anders sehen lässt und wie sie das alltägliche Leben bestimmen kann. Die Photographien des Autors ergänzen den Text, indem sie auf ihre Weise eine Geschichte über Orte der Gefäßkunst – Werkstätten, Galerien, Museen und Privathäuser – und über Gefäße, die Günter Figal gesehen hat, erzählen.
Aldona Kut – NOMADA. Kut, Aldona. Beitr.: Gomringer, Nora; Fuchs, Christina; Heyden, Thomas. 2019. 96 S. 100 Abb. 31 x 19 cm. EUR 32,00. ISBN: 978-3-86833-259-9 modo
Die in Polen geborene Künstlerin Aldona Kut arbeitet konsequent zwischen mehreren Disziplinen – sie studierte Malerei, Bühnenbild und Modedesign an der Kunstakademie in Krakau sowie Architektur und Stadtforschung an der AdBK in Nürnberg und bedient sich in ihrer Kunst aus all diesen Bereichen. In ihrem Werk hat Aldona Kut eine eigene Formensprache gefunden, die sich durch ihren sensiblen Umgang mit Materialeigenschaften und deren Formmöglichkeiten auszeichnet. Zentrales und verbindendes Element darin ist die Faltung – sie erzeugt Zwischenraum und macht Außenseiten zu Innenseiten. Aldona Kuts Publikation „NOMADA“ versteht auch das Buch als eigenes Objekt und knüpft in haptischer und optischer Gestaltung an ihrem Werk an. Abgebildet sind die jüngsten Werke der Künstlerin sowie Arbeiten aus den Ausstellungen, „Nomada“ im Kunstverein Ingolstadt, „Controlled Collisions“ in der Villa Dessauer Bamberg und „Terrain“ in der Baumwollspinnerei Leipzig. „NOMADA“ ist eine persönliche Kartographie Aldona Kuts, die über das Einzelwerk als Bild, Objekt und Performance hinaus von Wegen, Grenzen, Außen- und Innenräumen handelt.
Dirk Sommer | Sellia. Notizen – Zeichnungen – Malerei. Sommer, Dirk. Beitr.: Müller, Hans-Joachim; Fotograf Strauss, Bernhard. 2019. 160 S. 80 Abb. 30 x 21 cm. EUR 28,00. ISBN: 978-3-86833-249-0 modo
Gemeinsam mit dem Künstler Dirk Sommer lässt sich der lesende Betrachter auf einen Ort ein: Sellia – ein 240-Seelen-Dorf auf der griechischen Insel Kreta. Sommer erzählt in tagebuchartigen Einträgen, Gedanken und Ideen-Fragmenten vom Da-Sein. Belebt von Stimmungen, Gerüchen, Geschmäckern, und Geräuschen, schildert er Begegnungen mit Kultur, Religion, Tod, Raki, Traditionen, Mentalität, Menschen. Die Einfachheit des kretisch Alltäglichen erscheint mit ganz eigener Qualität und Geschwindigkeit zwischen Sonneauf- den-Bauch-scheinen-lassen und dörfischen Festen. Einlassen mit Dirk Sommer heißt: Da sein, geschehen lassen, sich in den Fluss begeben und im Treiben ankommen. Seine abgebildeten farbigen Zeichnungen, die mit seinem vor-Ort-Sein entstehen, halten sich im Abstrakten. Mit gestischem Strich werden sie nur punktuell figürlich und setzen Fixpunkte in der Erzählung des Bildflusses – auf ihre Art sind die Zeichnungen genauso unterwegs, wie Sommer selbst.
Erweitert wird der Blick auf das kretische Dorf durch ein in die Publikation eingelegtes Heft mit Fotografien von Bernhard Strauss, das Sommers Protagonisten in Schwarz-Weiß- Porträts zu konkreten Persönlichkeiten werden lässt.
Herbert Schoppe – Robert Schad | Fundstücke – Zeichnungen. Schoppe, Herbert. Zeichnungen von Schad, Robert; Vorwort von Schulte, Bettina. 2019. 88 S. Abb. 21 x 15 cm. EUR 19,80. ISBN: 978-3-86833-257-5 modo
Herbert Schoppe und Robert Schad sind Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten: beide jedoch ‚Arbeiter an der Linie‘.
In „Fundstücke – Zeichnungen“ begegnen sich ihre Professionen – der Schreiber und der Künstler, Wort und Strich: Schoppe schreibt und Schad zeichnet.
Die Texte von Herbert Schoppe, Autor und ehemaliger Rundfunkredakteur, entspringen Alltagssituationen, in denen Schönes und Trauriges auf mitunter bizarre Weise zusammentreffen. Er erfindet nicht, sondern er findet. In einem leichten, erzählerischen Ton schildert er die Begegnung mit Menschen und erspürt in diesen Situationen eine existentielle Tiefe, die nur ein wahrer Menschenfreund empfinden kann. Mit seinen Texten unter dem Arm besuchte er den Bildhauer und Zeichner Robert Schad im französischen Larians. Während Schoppe vorlas, zeichnete Schad.
Zwischen dem Sprachgestus und der Liniensetzung entstand ein Dialog, dessen Moment-Skizzen Robert Schad im Atelier zu Zeichnungen verdichtete. Formal reduziert und in der Dynamik der schwarzen Linie aufgehend, führen sie das Auge des lesenden Betrachters mit eigener Dramaturgie durch das Buch.
Andreas Lau – SCHICHT/SICHT Malerei. Lau, Andreas. Beitr.: Hübl, Michael. Franz.; Dtsch.; Engl. 2019. 120 S. Abb. 29 x 23 cm. EUR 28,00. ISBN: 978-3-86833-261-2 modo
Die Arbeiten des Malers Andreas Lau faszinieren und verwirren unsere Wahrnehmung zugleich. Immer gibt es den Moment, in dem seine Bilder in der Betrachtung kippen und von ihrem typisch abstrakten Muster – einer Rasterung in Zeichen, Linie und Punkt – zum Figürlichen übergehen. Der Abstand zum Bild ist entscheidend für dieses Phänomen. Mit der Vergrößerung der Distanz zur Malerei erkennt man plötzlich z.B. ein Gesicht, das aus dem Raster hervortritt und die Frage nach der Zuverlässigkeit der eigenen Wahrnehmung drängt sich ins Bewusstsein. Andreas Lau setzt sich in seinem Werk mit der Vielschichtigkeit von Lesbarkeit auseinander. Die bildliche Codierung – von der Zerlegung in Zeichen und zurück zur figurativen Verdichtung – erfolgt in einem aufwendigen vom Künstler perfektionierten Malprozess, in dem er Eitempera in mehreren Schichten auf seine Leinwände aufträgt. Die Publikation „SchICHT“ zeigt einen Überblick seines Schaffens mit frühen Arbeiten aus den 90er Jahren und seinen aktuellen Werk-Serien. Neben einem Text von Michael Hübl sind erstmals eigene Texte des Künstlers publiziert. Dass Laus Auseinandersetzung sich auch im Sprachlichen in Wortspielen und Vieldeutigkeit fortführt, macht die konsequente Auseinandersetzung und ein gedankliches Gerüst als Bezugspunkt seines malerischen Werkes deutlich.
Urs Aeschbach – Werküberblick 2003-2018. Aeschbach, Urs. Beitr.: Friedli, Lena; Gampp, Axel; Lunn, Felicity; Zürcher, Isabel; Zwez, Annelise. 2018. 96 S. Abb. 32 x 24 cm. EUR 32,00. CHF 38,00 ISBN: 978-3-86833-255-1 modo
Viel und wenig. Üppig überladen, wuchernd – und dann: Fokus auf den einen Baumstamm, seine eine Bruchstelle mit ihren speziellen Splitterungen des Holzes. Urs Aeschbach spielt mit Perspektiven, der Illusion von Bild und Raumkonstruktion. Thema immer wieder: die Natur. Protagonisten sind Pilze, Hölzer, Quallen in üppiger Unterwasserlandschaft, ein Baumstamm, das Pferd. Vor seiner Malerei wird unser Bildgedächtnis wach und die Malereigeschichte läuft vor unserem inneren Auge ab. Seine Arbeiten haben altmeisterliches, impressionistischen oder pointilistischen Duktus. Zunehmend ist es der Surrealismus, der Einzug darin gehalten hat. Der Werküberblick der letzten 15 Jahre zeigt neben dem malerischen Werk Urs Aeschbachs auch Collagen, Fotografien, Kunst-und-Bau-Projekte und Installationen, die spektakulär und partikular wie ein Set für einen Stop-Motion-Film aufgebaut, weit in den Raum greifen. Viel Lärm um nichts, um nur ein Bild in einem kreisrunden Ausschnitt zu liefern, durch den man auf das Geschehen blickt. Doch zeigen diese Arbeiten eindrücklich, dass zwischen zwei Dimensionen und drei Dimensionen – Bild und räumlicher Realität – Ebenen liegen, die die Wahrnehmung niemals mitdenken kann.
Andriu Deplazes – Körper.Blume.Wasser.Gras. Deplazes, Andriu. Hrsg.: Kunstverein Friedrichshafen; Beitr.: Bühler, Kathleen; Denzler, Julian. Dtsch.; Engl. 2018. 72 S. Abb. 24 x 27 cm. EUR 22,00. CHF 27,00 ISBN: 978-3-86833-258-2 modo
Andriu Deplazes (*1993), der an der Zürcher Hochschule der Künste und an der LUCA School of Arts Brüssel studierte, erhielt 2017 den Helvetia Kunstpreis und war im gleichen Jahr eine der Entdeckungen unter den jungen Schweizer Künstlern auf der Liste Basel. Die erste umfassende Publikation, anlässlich seiner Einzelausstellung Körper Blume Wasser Gras im Kunstverein Friedrichshafen, zeigt seine farbenkräftige, expressive Malerei und fokussiert – mit Texten von Kathleen Bühler (Kunstmuseum Bern) und Kurator Julian Denzler (Kunstverein Friedrichshafen) – das Thema menschlichen Seins mit der Natur in seinen Arbeiten. Deplazes zeigt diese Beziehung endfremdet und befremdlich, so wie den Menschen selbst. Seine Figuren sind nackte, immer wieder amorphe, kahle, Fleisch-Gestalten, die sich im weiten Raum üppiger Fauna oder trostloser Wüsten-Landschaft winden. Im Versuch etwas mit ihrem Körper auszurichten, lediglich anwesend zu sein, sich anzupassen oder zu verbiegen – und sei es nur für eine Yogaübung – erscheinen sie im Bildraum labil bis verloren. Der Blick wird gebannt von dieser Schau der in Farben leuchtenden Unbeholfenheit körperlichen Daseins. Vom Landschaftspanorama fast verdrängt und deplatziert, sind die Körper außerstande so recht in ihrer Umgebung existieren zu können und halten sich gern an Zweig oder Blumenstil fest – vielleicht liegt aber gerade in dieser zaghaften Geste ihre erste echte Kontaktaufnahme mit der Natur?
Ralph Fleck: Malerei – Painting – Pintura. Fleck, Ralph. Beitr.: Baumann, Günter; Allert, Tilman; Müller, Hans-Joachim. Engl.; Dtsch.; Spanisch. 480 S. Abb. 32 x 24 cm. Modo Verlag, Freiburg 2019. EUR 48,00. ISBN: 978-3-86833-253-7 modo
Eine Käseecke, ein Bücherregal, die Alpen – das was sich auf Ralph Flecks Leinwänden farbenmächtig aus Farbmassen auftürmt, zeugt von einer puren, unbändigen Lust an der Malerei. An der Leinwand ist Fleck ein Berserker und wie die vorliegende Publikation zeigt, ist das schon lange so. Bereits Ende der 1970er Jahre setzte der Künstler seinen Pinsel breitflächig auf den Bildgrund und türmte die Farbe opulent zu gewaltigen Erhebungen auf. Fahrzeuge aller Art waren zu dieser Zeit ein Thema, doch damals wie heute ging es dem Künstler nicht um die realistische Wiedergabe seiner Motive und schon gar nicht um die Übermittlung einer Bildbotschaft. Ob Figur, Landschaft oder Stillleben – wirklich real ist auf seinen Bildern in erster Linie die Materialität der Farbe. So entsteht in den Werken von Ralph Fleck eine eigene, über den Moment hinausgehende, dauerhafte Bildwahrheit, die den Betrachter über die Welt staunen lässt.
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WAS IST WAHR – Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019. Hrsg.: von Marschall, Isabelle; Kunstkommission der Erzdiözese Freiburg. 2018. 112 S. 60 Abb. 29 x 22 cm. EUR 24,00. ISBN: 978-3-86833-238-4 modo
Seit 2008, nun zum vierten Mal, wird der Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg für Bildende Kunst vergeben, der sich für einen Austausch zwischen Kirche und Kunst engagiert. Mit dem Ausschreibungsthema WAS IST WAHR, ohne das Fragezeichen formuliert, öffnet der Kunstpreis 2019 den Dialog für Positionen, die am Reibungspotential zwischen Glaube und Empirie ansetzen. Die Publikation WAS IST WAHR präsentiert die 19 nominierten zeitgenössischen Positionen, die aus über 900 Bewerbungen ausgewählt wurden und vor der Preisvergabe in einer Wanderausstellung im Morat-Institut Freiburg, im Kunstmuseum Singen und im Stift Neuburg, Heidelberg zu sehen sind.
Eine Besonderheit der Publikation dieses Jahr: WAS IST WAHR setzt den interdisziplinären Austauschgedanken direkt um, indem neben Fachtexten die begleitenden Textbeiträge zu den 19 nominierten künstlerischen Arbeiten im dialogischen Kommentar zwischen Theologie und Kunstwissenschaft verhandelt werden. Ganz unmittelbar wird die Wahrnehmung von Kunst und Wahrheit aus unterschiedlicher Perspektive deutlich.
Nina Rike Springer I believe I can fl y Hrsg. Matthias Lenz, Regina Michel, ZF Kunststiftung. Text: Ralf Christofori. 2018. 48 S., 83 fb. Abb. 23 x 28 cm, Gb. Dtsch; Engl. EUR 20,00 ISBN: 978-3-86833-256-8 modo
Nina Rike Springer ist meist selbst Protagonistin in ihren eigenen Arbeiten. Die Künstlerin und Stipendiatin der ZF Kunststiftung Friedrichshafen 2018, die an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der Bauhaus-Universität Weimar studierte, setzt in ihren Videoarbeiten und Fotografi en Körper und Handlung in Bezug zu ihrer Bildwelt. Als mit Badekappe neutralisiertes Wesen begibt sie sich in Konfrontation mit abstrakten Gegebenheiten geometrischer Formenlandschaften, die an die Ästhetik von Bauhaus oder Futurismus denken lassen – eine Welt in poppiger Farbigkeit. Der Humor dieser Begegnungen liegt in ihrer Absurdität: in logisch sinnfreien Handlungen voll überzeugter Notwendigkeit, die zwischen Anpassung an die Gegebenheiten und dem Ausdehnen ihres möglichen Handlungsspielraums agieren. Dazu gehören u.a. Flugversuche auf einem Quader. Die Publikation I believe I can fl y, die die gleichnamige Ausstellung der ZF Kunststiftung im Zeppelin Museum Friedrichshafen begleitet, zeigt neueste fotografi sche Arbeiten sowie Videostills aus Springers Stop- Motion-Animationen in Daumenkino-artigen Bildsequenzen. Konsequenterweise löst sich die Künstlerin als Protagonistin aus den Bildrahmungen des eigenen Kataloges und wandert, verdoppelt und verdreifacht, bis in die Ausstellungsansichten hinein – gleich einer Videospiel-Figur, die mit jeder Seite von Level zu Level springt. Bei Nina Rike Springer liegt das Potential, die Situation und ihre Möglichkeiten zu erweitern, im Spielerischen.
Gabriela Stellino – Bildgeschehen. Stellino, Gabriela. Hrsg.: Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft; Beitr.: Morat, Franz Armin; Düwell, Ulrike. 2018. 112 S. Abb. EUR 28,00. ISBN: 978-3-86833-250-6 modo
Die Faszination für das landschaftliche Panorama ist in Gabriela Stellinos künstlerischer Arbeit allgegenwärtig. Mit „Bildgeschehen“ liegt nun eine Werkübersicht in Kapiteln zu Monotypien, Zeichnungen, Ölmalerei und Aquarellen der Künstlerin aus den letzten zehn Jahren vor, die dies offenkundig werden lässt. Nach ihrem Studium an der staatlichen Hochschule für Bildende Kunst Pridilliano Pueyrredon, Buenos Aires u.a. bei Pippo Ferrari und Roberto Paez, zog die Argentinierin mit italienischen Wurzeln 1997 in den Südwesten Deutschlands. Fast glaubt man nun aus Stellinos reduzierter Farbpalette ihre jetzige Heimat herauslesen zu können – sanftes Ocker und satte Grüntöne.
Inspiriert durch lange Beobachtungsprozesse eines landschaftlichen Ausschnitts findet Bewegung der Landschaft bei Stellino ihr Äquivalent in der Bewegung von Farbe und ihren Eigenschaften auf dem Malgrund. In Stellinos Aquarellen und lavierten Zeichnungen, meist in kleinem Panoramaformat, scheint ihr Fließen sich wie ein Schleier auf etwas zu legen, der in den Ölmalereien pastös den eigentlichen Gegenstand der Betrachtung verdeckt und die Farbe in den Monotypien nur partiell eine Form definieren zu wollen. Betont flächig bleiben Stellinos „Farblandschaften“, ganz wie eine Nebelfront, die durch Verdecken und Freistellen Bilder generiert und räumliche Tiefe erahnen lässt – Prozesse, die Stellino auch im Bewegtbild mit ihren „Secuencias“, Videosequenzen aus den eigenen Zeichnungen und Aquarellen, sichtbar macht: Suggestion von Landschaft die sich auflöst, herausbildet, versteckt bleibt. Nie ist klar, welche Ebene in Bewegung ist – Bild oder Farbe?
Jürgen Brodwolf Stiftung Kandern – Sammlung Erika und Jürgen Brodwolf. Hrsg.: Brodwolf, Jürgen; Beitr.: Heidenreich, Wolfgang; Wessel, Thomas; Henze Triebold, Alexandra; van der Grinten, Franz Joseph. 2018. 96 S. Abb. 29 x 24 cm. EUR 28,00. ISBN: 978-3-86833-248-3 modo
Die Publikation „Jürgen Brodwolf Stiftung Kandern. Sammlung Erika und Jürgen Brodwolf“ gibt Einblick in eine Welt, in der alles mit allem verwoben ist. Da ist das alte Krankenhaus des Städtchens Kandern mit seinen 23 Zimmern, das vor mehr als zwanzig Jahren Wohnort und ab 2005 Sitz der Jürgen Brodwolf Stiftung wurde. Der sensible Blick des Fotografen Bernhard Strauss führt mitten ins Herz dieses „Figurenhauses“, in dem Wohnbereich, Werkstatt, Atelier, Archiv und Ausstellungsräume nahtlos ineinander übergehen. Der Aufbau seines Erinnerungsspeichers, der auch die Entwicklung seiner Figurentypologie beherbergt, zeigt Jürgen Brodwolf als methodisch und konsequent arbeitenden Künstler. Darüber hinaus ist er ein akribischer Kunstsammler, dessen Fokus auf Arbeiten von der Klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst liegt. Mit zahlreichen Abbildungen sowie einführenden Texten über den Künstler, seine Stiftung und Sammlung öffnet die Neuerscheinung die Tür zu einer faszinierenden Lebens- und Arbeitsstätte.
Alfred Haller. Haller, Alfred. Hrsg.: Museum im Burghof Lörrach; Markgräfler Museum Müllheim; Beitr.: Gallwitz, Klaus. 2018. 80 S. Abb. 27 x 21 cm. EUR 14,80 ISBN: 978-3-86833-252-0 modo
Alfred Haller (1921 – 1957) und seine Frau Gerta (1919 – 2003) zählten in der Nachkriegsmoderne zu den bekanntesten Künstlern und Gebrauchsgrafikern im Dreiländereck (D / CH / F). In Anschluss an eine diesjährige Retrospektive, die dem künstlerischen Schaffen des Paares in drei Institutionen in Müllheim und Lörrach gewidmet ist, liefert die Publikation die längst fällige erste umfassende Übersicht über das Gesamtwerk von Alfred Haller. Bis zu seinem frühen Unfalltod blieb Haller, einst Student an der Gewerbeschule Basel (heute: Schule für Gestaltung, Basel), in seiner Malerei, den Tuschen, Aquarellen und Monotypien dem Gegenstand verpflichtet. Landschaften, Stillleben, Figuren und Köpfe waren seine bevorzugten Sujets. So unauffällig diese Motive zu sein scheinen, nach den erschütternden Kriegserlebnissen bedeuteten sie für Alfred Haller die Entdeckung der Schönheit dieser Welt. Er entwickelte einen eigenständigen, lyrischen Stil, der das Erbe der klassischen Moderne mit zeitgenössischen Tendenzen verband. Ein dynamisches Werk, das jetzt umfangreich neu entdeckt werden kann.
Dieter Mammel – TIEFER SCHLAF. Mammel, Dieter; Hrsg.: Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen; Beitr.: Eichhorn, Herbert; Clemens Ottnad, Corona Unger. 2018. 96 S.,80 Abb. 17 x 24 cm. Gb. EUR 20,00 ISBN: 978-3-86833-254-4 modo
Immer wieder ist es der Mensch, der in Dieter Mammels Arbeiten inszeniert und isoliert im Mittelpunkt der Leere steht. Ob im undefinierten monochromen Raum, vor endlosem Horizont oder in nicht endenden Wasseroberflächen und -tiefen. Die zum Teil merkwürdig verzerrten Perspektiven und Ausschnitte in denen die Porträtierten gezeigt werden, haben den Charakter eines fotografischen Schnappschusses, der hier malerisch umgesetzt, gezielt Momente der Verlangsamung eingefroren hat. Entführend in traumartige Zwischen- und Schwebezuständen, die verwischen und verschwimmen wie die Nass-in-Nass mit Tusche und Acryl gearbeiteten Figuren auf dem Malgrund, (oder der Versuch sich an Geträumtes zu erinnern,) ist die Beobachtungsperspektive nah an den teils melancholisch in sich versunkenen Protagonisten. Manchmal so nah, wie nur eine Kamera mit ausgestrecktem Arm an ein Gesicht herankommen und scharfstellen kann. So nah, dass auch die Grenze verschwimmt zwischen: träumt man oder betrachtet man sich gar selbst von außen? Tiefer Schlaf oder ein naher Verwandter?
Sebastian Speckmann – Some things can be left unsaid. Speckmann, Sebastian. Hrsg.: Wesle, Anna; Museum Franz Gertsch; Beitr.: Wesle, Anna. Engl.; Dtsch. 2018. 56 S. Abb. 26 x 18 cm. EUR 25,00. CHF 28,00 ISBN: 978-3-86833-246-9 modo
Some things can be left unsaid – der Titel der Publikation sowie der ersten Ausstellung des Leipziger Künstlers Sebastian Speckmann in der Schweiz (Museum Franz Gertsch) setzt bereits auf subtile Irritation durch feine Wortverschiebung: Manche Dinge sollte man nicht aussprechen; und manche Dinge können unausgesprochen bleiben á la „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Versteckt oder überlagert durch den archaischen Schwarz-Weiß-Kontrast, schleicht auch etwas Irritierendes in den Linolschnitten, Holzschnitten und Collagen des ehemaligen Studenten von Neo Rauch und Heribert C. Ottersbach. Zivilisatorische Überreste, Landschaft, Architektur, Naturszenarien, vereinzelte Menschen, die merkwürdige, nichts sagende Handlungen vollführen – immer scheint man etwas wiederzuerkennen, immer mit dem mulmigen Gefühl, dass es nicht stimmt. Some things can be left unsaid zeigt Speckmanns teils neu für die Ausstellung produzierten Linolschnitte, die in aufwendiger Schnitttechnik und Kreuzschraffur gearbeitet, in Welten entführen, in denen Vertrautes in die Nähe des Unwirklichen rückt und eklektizistisch zum fiktionalen Szenario vermischt wird. Deutsche Industriebauten der 1930er Jahre treffen so schon mal auf einen italienischen Geschlechterturm aus San Gimignano, um ein Bild vorstädtischer Landschaft zwischen Industrie und Dorf-Idyll zu suggerieren. Sebastian Speckmanns Arbeiten, die im Ausstellungskontext oft großformatig oder installativ den ganzen Raum bespielen, scheinen Dystopie und Utopie in einer eigenen Welt abzubilden, die – aus der Zeit gefallen wie alte Science-Fiction Filme – von gestern sowie ganz von morgen sein könnte. Eine Spannung, in der vielleicht nur Bilder sprechen können.
Martin Kasper: IM WASSERSCHLOSS GLATT – VERTIGO. Kasper, Martin Hrsg.: Landratsamt Rottweil; Rüth, Bernhard. Beitr.: Müller, Hans-Joachim. 68 S., 27 Abb. 21 x 21 cm. Gb. Modo Verlag, Freiburg 2018. EUR 18,00 ISBN: 978-3-86833-251-3 modo
Vertigo ist der Fachbegriff für ein Dreh- oder Schwankgefühl und natürlich denkt man bei diesem Begriff sofort an den Filmklassiker von Alfred Hitchcock, dessen Protagonist an einer extremen Form von Höhenangst leidet. Vertigo so lautet auch der Titel der Publikation des Freiburger Malers Martin Kasper, die seine neusten Arbeiten aus der Werkschau im Wasserschloss Glatt abbildet. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Kasper in seiner Werkgruppe „Raumbilder“ mit Architektur- und Innenraumdarstellungen. Mitunter geht es in dieser Malerei, die sich zwischen dem Abstrakten und Gegenständlichen bewegt, alles andere als statisch zu. In seinen neuen, für die Ausstellung im historischen Wasserschloss entstandenen Arbeiten, werden Innenräume in einen schwindelerregenden Wirbel versetzt. Kasper sprengt mit dieser dynamischen Malerei den Raum und konfrontiert den Betrachter mit einer spannungsvoll aufgeladenen, irritierenden Art von Wirklichkeit.
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Keummi Paik-Bauermeister – Neue Arbeiten. Paik-Bauermeister, Keummi. Beitr.: Egel, Antonia; Figal, Günter; Ludwig, Jochen; Bauermeister, Volker. 2018. 64 S. Abb. 26 x 21 cm. EUR 22,00. ISBN: 978-3-86833-245-2 modo
Die Arbeiten von Keummi Paik-Bauermeister sind in ihrer Einfachheit unerschöpflich. Über eine Grundfarbe zieht die Künstlerin freihändig dünne, parallele Linien in geringem Abstand vom oberen zum unteren Bildrand. Sie füllen ihre kleinen Formate von links nach rechts vollständig aus. Die für diese Kompositionen eingesetzten beiden Farbtöne variieren, immer gleich ist die langsam ausgeführte Geste, die stille, selbstvergessene Handlung am Bild. Mit Nähe zur Konstruktiven Kunst zeigen Paik-Bauermeisters Arbeiten in ihrer konzeptueller Manier nichts Benennbares, vermitteln keine Botschaft, sind einfach Bilder, welche die Ruhe des Schöpfungsaktes wie einen Kern umschließen. In der Publikation, mit dem nüchternen Titel Neue Arbeiten, zeigt Keummi Paik Bauermeister, die bei Peter Dreher und Rolf-Gunter Dienst studierte, sehr eindrücklich, wie sich mit einem Minimum an Gestalt ein Maximum an Wahrnehmungsmöglichkeiten ergeben kann. In der Betrachtung wird gegenwärtig, wie das Auge nicht mehr zwischen Farbgrund und Linie trennt und was als Gitter angelegt ist, als sanft vibrierenden, farbigen Schleier wahrnimmt. Der Vorgang des Sehens selbst wird nachvollziehbar.
Siegfried Kreitner. Begleitbuch zur Arbeit 1996 – 2018. Text: Peter Lodermeyer, Nikolai Vogel. 2018. 96 S., 220 Abb., 17 x 24 cm, EUR 24,00 ISBN: 978-3-86833-240-7 modo
Siegfried Kreitner sieht sich selbst als klassischen Bildhauer und er beschreibt sich als „eher technikfeindlich“. Doch seine Skulpturen sind alles andere als statisch und wie das vorliegende Werkverzeichnis offenbart, hat er in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein beeindruckendes, kinetisches Œuvre geschaffen. Mit den zwischen 1996 und 2018 entstandenen Arbeiten dokumentiert das Verzeichnis eine künstlerische Entwicklung, in der die Bewegung seiner Lichtsäulen, Kuben, Quader und Stelen durch einen analogen, rein mechanischen Antrieb, seit 1998 mit dem Einsatz von Licht und ab 2004 zusätzlich mit Farbe gekoppelt wird. Kreitners „Kinetische Farbmalerei“ verlangt nach einem entschleunigten Betrachter, der vor den Werken verweilt und Ruhe findet.
Payer Gabriel: Cosmic Imperative. Payer, Micha; Gabriel, Martin; Payer Gabriel. Hrsg.: Lenz, Matthias; Michel, Regina; ZF Kunststiftung; Beitr.: Höller, Silvia. Dtsch.; Engl. 2018. 48 S. fb. Abb. 28 x 23 cm. EUR 20,00. ISBN: 978-3-86833-231-5 modo
Was ist das große Ganze und wie funktioniert es? Was unterscheidet eine Ordnung, die man nicht mehr überblickt, vom Chaos? Micha Payer und Martin Gabriel, die seit 17 Jahren als Künstlerkollektiv tätig sind, beschäftigen sich mit der Komplexität des Daseins. „Die kosmische Zwangsläufigkeit des Lebens“ lautete der Titel der Ausstellung, mit der die Stipendiaten der ZF Kunststiftung 2017 im Zeppelin Museum in Friedrichshafen zu Gast waren. Bei der Formfindung spielen Wiederholung und Variation eine zentrale Rolle. Detailgetreu auf 100 DIN-A4-Blätter haben Payer und Gabriel den Eisenmeteorit gezeichnet, der am 26. Mai 1751 nahe Zagreb auf die Erde stürzte. „Apologie des Zufälligen“ lautet der Titel ihrer Zeichnungen, und mit einer geradezu wissenschaftlichen Akribie vertiefen sich Payer und Gabriel in die Ordnungsprinzipien und Gesetzmäßigkeiten einer Welt, die zunehmend komplizierter wird.
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