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Buddhist Stone Sutras in China. Shandong Province 2. 2015. Hrsg.: Ledderose, Lothar; Wang, Yongbo; Wenzel, Claudia. Engl. ;Chinesisch. 480 S. 38 x 29 cm. Gb. EUR 154,00. CHF 207,00 ISBN: 978-3-447-10329-9 Harrassowitz Verlag
The second volume on Buddhist stone sutras in Shandong presents the extant inscriptions on the four mountains around the city of Zoucheng: Mount Yi (564 and before 572), Mount Tie (579), Mount Ge (580), and Mount Gang (580). The studies of these inscriptions began in the late 18th century. The history of this scholarly enterprise is discussed in the introductory essay by Lothar Ledderose, “Epigraphers in Zoucheng”.
The inscription of 564 with key passage from the Sutra on the Great Perfection of Wisdom Spoken by Mañjusri on the peak of Mount Yi was only discovered in the 1990s, and its colophon in 2002. A colophon to the same passage engraved further down the mountain names Hulü Wudu of the Northern Qi, probably a Xianbei, who was executed in 572. On Mount Tie a passage from the Great Collection Sutra is carved in the shape of a stele, more than 50 meters high. Its colophon, entitled Stone Hymn, is with a height of 17 meters the largest in China. It is also remarkable for its discussion of the aesthetics of calligraphy. Engraved on Mount Ge is a passage from the Vimalakirti Sutra. The inscriptions on Mount Gang are unique in being distributed over more than thirty cliffs and boulders. The passage describes the enchanting scenery on Mount Malaya, where the Buddha preached the Lankavatara Sutra to a great assembly. Pilgrims read the full text, as they climb the mountain. All texts are fully documented in photographs and rubbings; they are transcribed and translated into English. The volume is in Chinese and English
The research team, led by Lothar Ledderose, includes a group at the Heidelberger Akademie der Wissenschaften, and specialists from China, Japan, Europe, and America.
Stiftsbibliothek und Kirchenschatz. Materielle Kultur in den Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen. 2015. Kruse, Britta-Juliane. Wolfenbütteler Mittelalter-Studien (28). 460 S. 100 Abb. Engl. Br.EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-447-10291-9 Harrassowitz Verlag
Mittelalterliche Klosterbibliotheken und Kirchenschätze, über Jahrhunderte ergänzt, wurden im Zuge der Reformation kurzfristig aufgelöst oder gar zerstört. Die Handschriften und frühen Drucke aus den Augustiner-Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen nahe Braunschweig sind daher von besonderer Bedeutung, denn ihre große Anzahl bildete die Basis für Bibliotheksrekonstruktionen, deren Ergebnisse als Leitfaden durch das vorliegende Buch führen. Urheber dieses Glücksfalls war Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg, der 1572 einen Großteil der heute bis zu 900 Jahre alten Bücher aus den Stiften in seine gerade gegründete Bibliothek zu Wolfenbüttel transferieren ließ. Diese bibliophilen Kostbarkeiten wurden nicht nur in Auftrag gegeben, gestiftet und gesammelt; einen größeren Teil schrieben und illustrierten die Chorfrauen selbst und fertigten auch die sehr kreativ gestalteten Einbände an. Zusammen mit den niederdeutschen und lateinischen Schriften in den rund 150 Büchern, darunter viele Raritäten, bieten der Buchschmuck und die vielen Benutzungsspuren einen anschaulichen Einblick in die Materialität mittelalterlicher Bücher.
Einen virtuellen Rundgang durch die heute völlig veränderte Steterburger Stiftskirche, von deren Altären, liturgischen Geräten, Heiligenbildern und Textilien kaum noch etwas erhalten ist, ermöglichen die Daten und Fakten des hier ebenfalls publizierten Inventars des Steterburger Kirchenschatzes.
Dieses Buch ist als Fortführung und Ergänzung des Katalogs „Rosenkränze und Seelengärten. Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern“ konzipiert, der 2013 begleitend zu der gleichnamigen Ausstellung in der Herzog August Bibliothek erschien
Kunst der Täuschung. Über Status und Bedeutung ästhetischer und dämonischer Illusion in der Frühen Neuzeit in Italien und Frankreich. Internationaler Workshop 12.2014. Hrsg.: Dickhaut, Kirsten. culturae. intermedialität und historische anthropologie (13). 2015. 500 S. 24 x 17 cm. Gb. EUR 84,00. CHF 109,00 ISBN: 978-3-447-10384-8 Harrassowitz Verlag
Aus heutiger Sicht mag es erstaunlich sein, dass im theologischen Diskurs und in der frühneuzeitlichen Inquisition Illusionen als zentrales Kennzeichen dämonisch-teuflischer Aktivitäten galten. Ausgehend von dieser Beobachtung erörtern internationale Experten der Dämonologie, Theologie, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte wie auch der Komparatistik, Germanistik, Anglistik, Romanistik, Theaterhistoriografie und Kunstgeschichte Wirkungen der dämonischen Konnotation und Konsequenzen für die Semantik von Illusionen in der Kultur-, Literatur- und Kunstgeschichte. Auf diese Weise werden erstmals die zeitgenössischen Argumentationsmuster und Reflexionen des Zusammenhangs von dämonischer und ästhetischer Illusion mit Blick auf die Romania herausgestellt.
Der Band zeigt, wie das in allen Künsten proliferierende Illusionsthema nicht einfach nur als Wirkungselement oder Effekt künstlerischer Techniken zu begreifen ist; vielmehr legen die Analysen die Polyvalenz von Illusionen und das zugrundeliegende dämonische Modell offen. Dass das Erkennen der Ursache von Illusionen ein epistemologisches Problem darstellt, bildet deshalb das strukturbildende, zentrale Element der behandelten zeitgenössischen Texte. Der Band präsentiert zum einen Analysen dämonologischer Schriften wie den Hexenhammer, Jean Weyers Cinq livres de l’imposture et tromperie des diables, des enchantements et sorcelleries und Bodins De la Démonomanie des sorciers, zum anderen neue Perspektiven auf die Werke Ariostos, Bibbienas und Machiavellis sowie auf zentrale Texte von Ignatius von Loyola, Pascal, Corneille und Molière.
Ägyptische Magie und ihre Umwelt. Jördens, Andrea. Philippika. Altertumskundliche Abhandlungen (80). 2015. 379 S. 25 Abb., 3 Diagramm(e), 2 Tabelle(n). 24 x 17 cm. Gb. EUR 48,00. CHF 63,90 ISBN: 978-3-447-10316-9 Harrassowitz Verlag
Dem antiken Verständnis nach war Magie weit mehr als nur ein Sammelsurium esoterischer Praktiken und Rituale, die vor allem zum eigenen Nutzen und zum Schaden anderer eingesetzt wurden. Vielmehr sind darunter alle religiösen Handlungen jenseits der institutionalisierten Kultausübung zu fassen.
Dies zeigen auch die zwölf Aufsätze, die aus der im Frühjahr 2011 anlässlich der Rückkehr eines lange vermissten Heidelberger Zauberbüchleins organisierten Ausstellung Ägyptische Magie im Wandel der Zeiten hervorgingen. Nunmehr um eine außerägyptische Perspektive erweitert, reicht der zeitliche Rahmen der Beiträge in diesem Band von den Anfängen der Schriftlichkeit im Zweistromland und dem Alten Ägypten bis tief in das koptischsprachige Mittelalter hinein. Überblicksartikel vermitteln einen Eindruck von Magie in Mesopotamien und im Vorderen Orient sowie im spätzeitlichen Ägypten. Daneben stehen thematische Beiträge zu solchen Bereichen, in denen man sich bevorzugt magischer Mittel bediente, so beim Schutz der Grabstätte, bei der Abwehr von Schlangen und Skorpionen, im medizinischen Bereich und mit besonderer Energie bei der Verfolgung sexueller Ziele. Ägyptische und griechische Papyri, aber auch die gern mit Zeichnungen verbundenen koptischen Zaubertexte führen eine beunruhigende Vielfalt und Gestalt hilfreicher oder schädlicher Mächte vor Augen; magische Elemente im Neuen Testament kommen ebenso zur Sprache wie das breite Feld der Zahlensymbolik. Aus den hier erstmals systematisch zusammengestellten Magica der Heidelberger Papyrussammlung wird zugleich die große Rolle deutlich, die die Überlieferungslage für unsere Kenntnis all dessen spielt
Die Buchbestände des Augustiner-Chorherrenstifts Georgenberg bei Goslar im Mittelalter bis zur Zerstörung 1527. Schevel, Jochen. Wolfenbütteler Mittelalter-Studien (27). 2015. 576 S. 57 Abb. Gb. EUR 98,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-447-10289-6 Harrassowitz Verlag
Am 22. Juli 1527 wurde das Augustiner-Chorherrenstift Georgenberg vor Goslar bei Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Goslar und Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel zerstört und geplündert. Einen großen Teil der dabei auf das Vorwerk Grauhof geretteten Bücher des Stifts ließ Herzog Heinrich Julius schließlich 1603 in die Hofbibliothek nach Wolfenbüttel überführen.
Die vorliegende Arbeit geht den teils verschlungenen Wegen der heute noch vorhandenen Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke aus dem Besitz der Georgenberger Chorherren nach. Das sich hieraus ergebende Corpus wurde einer Untersuchung hinsichtlich der vielfältigen kodikologischen und inhaltlichen Merkmale der Bücher unterzogen. Anhand von Gebrauchsspuren und Besitzvermerken konnten die Wege einzelner Bände ins Stift nachvollzogen werden. Damit wird deutlich, wo und wie die Georgenberger Chorherren Werke erworben haben, mit denen sie ihre Bibliothek aufbauten. Titel- und Signaturschilder geben dabei Auskunft über die inhaltliche Ordnung der Bücher in der Bibliothek; auch jene Bände, die an anderen Orten des Stifts aufbewahrt waren, finden in der Untersuchung Berücksichtigung. Einen weiteren Aspekt bilden die Veränderungen, denen die Georgenberger Buchbestände vom 12. bis zum 16. Jahrhundert unterworfen waren.
Diese Arbeit bietet damit erstmalig einen komprehensiven Überblick über die noch existierenden Bücher des mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstifts Georgenberg sowie eine eingehende Untersuchung dieser Bände, aus der sich ein umfassender Katalog typischer Merkmale sowohl der Georgenberger Bücher als auch der Entwicklung der Georgenberger Buchbestände ergibt.
Die Seleukiden und Iran. Die seleukidische Herrschaftspolitik in den östlichen Satrapien. Plischke, Sonja. Classiet Orientalia (9). 2015. 408 S. 33 Abb., 1 Karte(n). EUR 78,00. CHF 109,00 ISBN: 978-3-447-19160-9 Harrassowitz Verlag
Die iranischen Gebiete, die seit dem Asienfeldzug Alexanders III. in den griechischen Fokus gerückt waren und Teil des Seleukidenreiches wurden, weisen auf Grund ihrer polyethnischen Bevölkerungsstruktur, ihrer kulturellen Vielfalt und ihrer multiplexen lokalpolitischen Strukturen in hellenistischer Zeit den größten Spannungsbogen zwischen Ost und West auf. Im Gegensatz zu den übrigen, hauptsächlich makedonisch geprägten hellenistischen Großreichen standen die Seleukiden daher vor der Aufgabe, ihre Herrschaftsausübung in den ‚Oberen Satrapien‘ an die indigenen Traditionen anzupassen und sich so gegenüber der griechisch-makedonischen und der lokalen Bevölkerung in gleicher Weise zu legitimieren.
Um die Spezifika der Seleukidenherrschaft in den östlichen Satrapien herauszustellen, widmet sich die vorliegende Studie dem strukturellen Aufbau der seleukidischen Herrschaft in den östlichen Satrapien und der Interaktion zwischen den Herrschern, ihren Satrapen oder Funktionären und lokalen Dynasten bzw. der lokalen Bevölkerung im Osten. Zudem fragt sie nach einem langfristigen Konzept, das dem multikulturellen und polyethnischen Charakter des östlichen Teils des Seleukidenreiches Rechnung trug und dadurch eine eigene seleukidische Form der monarchischen Herrschaft entwickelte, die sich aus Rückgriffen auf fremde Traditionen, persönliche politische Erfahrungen und der im westlichen Raum verbreiteten hellenistischen Monarchie zusammensetzte.
Der Gelehrte im Haus. Ehe, Familie und Haushalt in der Standeskultur der frühneuzeitlichen Universität Helmstedt. Harding, Elizabeth. Wolfenbütteler Forschungen (139). 2015. 416 S. 17 Abb. Gb. EUR 74,00. CHF 99,00 ISBN: 978-3-447-10286-5 Harrassowitz Verlag
Infolge der Reformation hielt für die Professoren an den protestantischen Universitäten die Ehe als neues Ideal Einzug – auf diese Weise präsentierten sich die Hochschullehrer als konfessionstreue Gruppe. Die Beteiligung der Familie an öffentlichen Universitätsfeiern half ihnen dabei zugleich, sich als privilegierter und exklusiver Stand zu etablieren. Im Aufklärungszeitalter trat dann an die Stelle dieses Selbstentwurfs ein neues Gelehrtenbild, zu dem vor allem die wiederentdeckte Leitidee des allein lebenden Professors gehörte. Der Gelehrte im Haus untersucht am Beispiel der Universität Helmstedt das dynamische Verhältnis von Universität und Familienleben im Hinblick auf die Funktionen, die es für die Professorenschaft erfüllte. Dabei wird die These verfolgt, dass die Themenbereiche Ehe, Familie und Haushalt zentral für das Selbst- und Fremdverständnis der Universitätsprofessoren waren. Das Buch bietet dabei einen tiefen Einblick in die häusliche Ordnung, den Umgang mit Ehe und Sexualität sowie die Selbstdarstellung in Text und Bild. Ausgewertet wurden neben dem archivalischen Bestand der Universität Helmstedt auch Leichenpredigten, Bestattungsprogramme und Ratgeberliteratur. Die Studie konturiert so den Umgang mit der Familie als Ausdruck von gelehrten Lebensweisen und eröffnet damit zugleich eine neue Perspektive auf die Wissenschaftsgeschichte.
Gottheit und Gabe. Eine ökonomische Prozession im Soubassement des Opettempels von Karnak und ihre Parallele in Kôm Ombo. Rickert, Alexa. Studien zur spätägyptischen Religion (4). 2015. 328 S. 20 Abb., 7 Tabelle(n), 85 Tafel(n). EUR 78,00. CHF 109,00 ISBN: 978-3-447-19095-4 Harrassowitz Verlag
Ein fester Bestandteil des Dekorationsprogramms bei in der Griechisch-römischen Zeit erbauten ägyptischen Tempeln sind die langen Reihen Gaben tragender Götter, die an vielen Stellen des Gebäudekomplexes den untersten Abschnitt der Wände zieren. Diesen Sockel- oder Soubassementprozessionen wurde in der Vergangenheit nicht die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wie etwa den viel beachteten Ritualszenen, was auch die geringe Anzahl der bislang erschienenen Fachpublikationen zeigt.
Um diese Lücke ein Stück weit zu schließen präsentiert Alexa Rickert in ihrer Untersuchung Gottheit und Gabe eine vergleichende Analyse zweier Prozessionen, die dem sogenannten ökonomischen Typus zuzuordnen sind. Prozessionen dieser Art kennzeichnen sich durch die Darstellung von Göttern, die jeweils eine bestimmte Gruppe von Opfergaben (z.B. Milch, Brot oder Schlachtvieh) repräsentieren. Neben hieroglyphischer Abschrift, Transliteration, Übersetzung und Kommentar wird eine vollständige Umzeichnung der Reliefs auf 51 Tafeln vorgelegt, was dem Leser ein müheloses Heranziehen der zum Text gehörigen Darstellungen ermöglicht. Rickert geht dabei nicht nur auf die Funktion der ökonomischen Prozessionen im Soubassement der späten Tempel ein, sondern setzt die Textgruppe auch in Beziehung zu Vertretern anderer Gattungen, um mögliche Verwandtschaften aufzudecken.
Das Charisma der Könige. Zur Konzeption des altorientalischen Königtums im Hinblick auf Urartu. Linke, Julia. Philippika. Altertumskundliche Abhandlungen (84). 2015. 344 S. 34 Abb., 7 Karte(n), 9 Tabelle(n). 24 x 17 cm. Gb. EUR 68,00. CHF 89,00 ISBN: 978-3-447-10349-7 Harrassowitz Verlag
Das altorientalische Reich Urartu mit seinem Zentrum im heutigen Ostanatolien war in seiner Blütezeit (9. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) ein ernst zu nehmender Rivale Assyriens. Das Bild, das die zeitgenössischen assyrischen Quellen vom Nachbarn Urartu zeichnen, ist aufgrund der in erster Linie kriegerischen Kontakte zwischen den Reichen zum einen stark tendenziös gefärbt. Zum anderen baut es aber ebenso stark auf dem Selbstbild Assyriens auf und entspricht diesem auch weitgehend - demnach ist Urartu ein zentralisierter Staat, regiert von einem König, aufgeteilt in Provinzen, versehen mit einem differenzierten Beamtenapparat. Die Frage ist, wie weit dieses Bild den tatsächlichen Umständen in Urartu nahekommt und wie in Urartu selbst das Königtum gesehen wird. Schon der Name, den die Urartäer ihrem Land geben, ist ein anderer als der aus Assyrien stammende: Sie nennen es Biainili>/i>. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, das urartäische Königtum, sein Selbstbild und die Selbstinszenierung seiner Könige so weit wie möglich aus urartäischen Quellen zu erschließen und des Weiteren mögliche Übernahmen aus anderen altorientalischen Kulturen auszumachen. Dabei geht es insgesamt weniger um die Rekonstruktion vorgeblich „historischer Realitäten“ als vielmehr um eine Annäherung an die ideologische Gedankenwelt des urartäischen Königtums. Fokus und roter Faden der Untersuchung ist stets der König als Amtsperson.
Maske, Maskerade und die Kunst der Verstellung. Vom Barock bis zur Moderne. Hrsg.: Kruse, Christiane. Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung (52). 2015. 280 S. 69 Abb. Gb. EUR 68,00. CHF 89,00 ISBN: 978-3-447-10290-2 Harrassowitz Verlag
Auf der Kunst der Maske basiert das soziale Rollenspiel der frühneuzeitlichen höfischen Gesellschaft. Hier werden Anfang des 16. Jahrhunderts eine Theorie des „uomo universale“ formuliert und eine Ästhetik des (schönen) Scheins in die politische und gesellschaftliche Praxis implementiert, die in der sozialen Realität, in einer weitreichenden Kultur der Maske, Maskerade und Verstellung, sichtbar ist. Literatur, Theater, Musik und Bildkünste reflektieren den Seinsmodus des ,als ob‘, der in der Maske spielerisch und zugleich machtvoll ausagiert wird, und erkennen darin ebenso die Wirkmacht ihrer Kunst wie auch – in der moralischen Ausprägung – das Instrument für Verstellung, Täuschung und Lüge. Die nicht nur bei Hofe, aber dort mit der größten Wirksamkeit sich auf alle anderen gesellschaftlichen Schichten ausbreitende Kunst der Maske und Verstellung wird zum Angelpunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit der höfisch-absolutistischen Gesellschaft, wie sie etwa Michel de Montaigne, der sich vom Hof fernhielt, und die Moralistik des 17. Jahrhunderts formuliert sowie auf breiter Basis das Zeitalter der bürgerlichen Aufklärung kritisiert haben.
In der Maske, so lautet die These des Bandes, werden sich die Künste ihrer selbst bewusst. Die hier versammelten Beiträge werfen prononcierte Schlaglichter auf die Voraussetzungen und Folgen dieses spannungsvollen Prozesses bis in das 19. Jahrhundert hinein.
Visualisierte Gegenseitigkeit. Prekarien und Teilurkunden in Lotharingien im 10. und 11. Jahrhundert. (Trier, Metz, Toul, Verdun, Lüttich). Groß, Katharina. 2015. 388 S. 40 Abb., 6 Diagramm(e), 1 Karte(n), 22 Tabelle(n). 23 x 15 cm. Leinen. EUR 55,00. CHF 73,90 ISBN: 978-3-447-10161-5 Harrassowitz Verlag
Im 10. und im 11. Jahrhundert entstand in Lotharingien eine neue Form von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verträgen. Diese Entwicklung wurde einerseits durch lokale Traditionen, andererseits aber auch durch neue politische, soziale und ökonomische Herausforderungen begünstigt. So kam es im Laufe des 10. Jahrhunderts zur Begegnung zwischen der Vertrags- und Urkundenform der Prekarie einerseits und der diplomatischen Form der Teilurkunde (auch oft als „Chirograf“ bezeichnet) andererseits.
Katharina A. Groß Studie geht den Fragen nach, inwiefern und warum Lotharingien die (oder eine) Wiege der kontinentalen Teilurkunde war und was die Übernahme und der besondere Erfolg dieser neuen Ausstellungsform für Prekarien im regionalen Kontext bedeuten. Nach einer Bestandsaufnahme aller noch fassbaren lotharingischen Prekarien und Teilurkunden aus dem betrachteten Zeitraum zeigt die systematische Analyse des ermittelten Urkundencorpus nach formalen und inhaltlichen Kriterien Tendenzen und Entwicklungslinien in der Beurkundung von Prekarien und Leihverträgen wie auch der Praxis der Chirografierung andererseits. Diese beiden Schritte ermöglichen eine Interpretation der vorgefundenen Phänomene, wobei die Urkunde als Mittel der „Visualisierung“ von sozialen Beziehungen in einer Epoche zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit betrachtet wird. Die Synthese des Buches enthält schließlich eine Reihe von Fallstudien, in denen einzelne Stücke in Form von „Momentaufnahmen“ genauer untersucht und in ihrem jeweiligen historischen Kontext besprochen werden.
Linguistic, Oriental and Ethiopian Studies in Memory of Paolo Marrassini. Bausi, Alessandro; Gori, Alessandro; Lusini, Gianfrancesco. 2015.. Engl. 741 S. 67 Abb., 20 Tabelle(n). 24 x 17 cm. Gb. EUR 128,00. CHF 172,00 ISBN: 978-3-447-10317-6 Harrassowitz Verlag
Entitled to the memory of Paolo Marrassini (Florence, 1942–2013), Professor for Ethiopian and Semitic Studies in Pisa, Florence, Naples and Addis Ababa, this volume reflects the wide spectrum of interests of its dedicatee. While the majority of the contributions included deal with Semitic, Arabic and Jewish Studies, Assyriology and most of all classical Ethiopian Studies, also Egyptology, Ancient Near Eastern, Biblical, Medieval and African Studies, Linguistics and Classical Archaeology are included, not without a look into contemporary issues of migration and globalization. Contributed by colleagues, friends and pupils of Marrassini from several European countries, the USA and Ethiopia, the volume consists of 36 papers in English, French and Italian, ranging from research notes to comprehensive essays and extensive text editions with translation and commentary. It also includes short notices on the dedicatee by the editors and Riccardo Contini, along with his complete bibliography.
Zur Erinnerung an Paolo Marrassini (Florenz, 1942-2013), Professor für äthiopische und Semitistik in Pisa, Florenz, Neapel und Addis Abeba berechtigt, dieses Volumen spiegelt das breite Spektrum der Interessen seiner Widmung. Während die Mehrheit der Beiträge enthalten Deal mit semitisch, arabischen und jüdischen Studien, Assyriologie und gefragtesten klassischen äthiopischen Studien, auch Ägyptologie,
Altorientalistik, biblische, Mittelalter und Afrikawissenschaften, Linguistik und Klassische Archäologie enthalten sind, nicht ohne einen Blick in aktuellen Fragen der Migration und Globalisierung. Von Kollegen, Freunden und Schülern Marrassini aus mehreren europäischen Ländern beigetragen, den USA und Äthiopien, das Volumen besteht aus 36 Papiere in Englisch, Französisch und Italienisch, von der Forschung Hinweise zu umfassenden Essays und umfangreiche Textausgaben mit Übersetzung und Kommentar. Es enthält auch kurze Hinweise auf der Widmungsträger von der Redaktion und Riccardo Contini, zusammen mit seiner vollständigen Bibliographie.
Die Polonisierung der Stadt Posen nach 1918 und 1945. Im Spannungsfeld von Region und Nation. Moskal, Anna. Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Ostmitteleuropas (23). 2015. 298 S. 14 Abb. EUR 56,00. CHF 78,50 ISBN: 978-3-447-19118-0 Harrassowitz Verlag
Die Lokalgeschichte der Stadt Posen/Poznan wurde wesentlich von den konkurrierenden Nationalismen des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt: Sowohl Polen als auch Deutsche erhoben Anspruch auf die Stadt, die mehrfach ihre staatliche Zugehörigkeit wechselte.
Gegenstand von Anna Moskals Untersuchung sind Polonisierungsprozesse in Posen während der Zwischenkriegszeit und in der Nachkriegszeit bis zur Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt dabei auf der kulturellen Aneignung des deutschen historischen Erbes durch die polnische Mehrheitsbevölkerung. Moskal zeigt, dass diese Aneignungsprozesse nicht nur durch die zwischenstaatlichen deutsch–polnischen Beziehungen, sondern auch durch innenpolitische Faktoren, etwa das Spannungsverhältnis zwischen Posen und der Hauptstadt Warschau, geprägt wurden. Die Ergebnisse der Untersuchung beruhen auf drei Fallstudien: dem Wandel der Posener Oper, der bis heute größten Internationalen Messe in Polen sowie den früheren Friedhöfen der katholischen, evangelischen und jüdischen Stadtbevölkerung. Damit wird zugleich ein neuer Zugang zur Stadt- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas eröffnet.
Der Sarg des Panehemisis in Wien. Mit einer detaillierten Bilddokumentation der Särge des Panehemisis und Horemhab auf DVD. Leitz, Christian. Zeichnungen von Altmann, Victoria. Studien zur spätägyptischen Religion (3). 2015. 492 S. 11 Tabelle(n). EUR 98,00. CHF 139,00 ISBN: 978-3-447-19084-8 Harrassowitz Verlag
Panehemisis, Priester des Amun-Re von Schena und Inhaber weiterer Priesterämter, lebte zu Beginn der Ptolemäerzeit in Naukratis im Nordwestdelta, ließ sich jedoch wie viele Würdenträger seiner Zeit in der Nekropole von Saqqara südlich von Memphis bestatten. Sein über zwei Meter langer Basaltsarg zeichnet sich sowohl durch seinen exzellenten Erhaltungszustand als auch durch die hohe Qualität seiner Reliefs aus. Die Innenseite des Sarges blieb unbeschriftet, aber insbesondere der Deckel wie auch die Wanne des Sarges sind mit einer außergewöhnlich großen Anzahl von Inschriften und Darstellungen verziert. Auf der Oberfläche verteilen sich weit über 100 Darstellungen von Gottheiten, die alle von kürzeren oder längeren Texten begleitet sind.
Christian Leitz bietet erstmalig eine vollständige Publikation des Sarges in Form eines Faksimiles; insgesamt handelt es sich um etwa 200 Strichzeichnungen und 200 Fotos sowie weitere 465 hochauflösende Detailaufnahmen, die dem Band auf DVD beigelegt sind. Zusätzlich wird der verwandte Sarg des Horemhab in Kairo in verkürzter Form publiziert. Leitz’ Studie enthält nicht nur eine Übersetzung und ausführliche Kommentierung aller Texte, sondern auch eine Einordnung in den größeren Kontext der Stundenwachen und einen Vergleich mit den osirianischen Texten der späten Tempel.
Der Starke auf dem Dach. Funktion und Bedeutung der löwengestaltigen Wasserspeier im alten Ägypten. Ventker, Bettina. Studien zur spätägyptischen Religion (6). 2015. 310 S. 30 Abb., 9 Tafel(n), 16 Tabelle(n). EUR 98,00. CHF 139,00 ISBN: 978-3-447-19108-1 Harrassowitz Verlag
In der ägyptischen Tempelarchitektur finden sich für die Wasserableitung neben schmucklosen Steinblöcken auch figürlich ausgearbeitete Wasserspeier, die durchweg als rundplastische Löwen gestaltet sind. Anders als aus Griechenland, Rom oder von zahlreichen mittelalterlichen Kirchen und Kathedralen bekannt, speien die ägyptischen Exemplare das Wasser jedoch nicht aus dem Maul, sondern leiten es durch eine zwischen den vorgestreckten Pranken angebrachte Rinne ab. Bettina Ventker untersucht in ihrer Studie Der Starke auf dem Dach den Sinngehalt dieser Architekturelemente, der sich keineswegs wie gemeinhin angenommen in der Übel abwehrenden Funktion des Löwen erschöpft. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt dabei auf den dekorierten Löwen-Wasserspeiern der griechisch-römischen Zeit, deren Inschriften Aufschluss über die ihnen zugrunde liegenden Vorstellungen geben und so den wesentlichen Zugang zum Verständnis ermöglichen. Auf Grundlage der in Transliteration und Übersetzung vorgelegten Texte kann erstmals ein umfassendes Bild von der Funktion und Bedeutung der Motivwahl des Löwen gezeichnet werden. Obwohl löwengestaltige Wasserspeier für die gesamte ägyptische Geschichte im Tempelbau belegt sind, wurden sie in der Fachliteratur bislang nur unzureichend berücksichtigt. Um diese Forschungslücke zu schließen, legt Ventker zudem einen Gesamtüberblick über die Konstruktion und Gestaltung der Löwen-Wasserspeier vom Alten Reich bis in die griechisch-römische Zeit vor.
Die lokalen Sarkophage aus Thessaloniki. Mit epigraphischen Beiträgen von Pantelis Nigdelis und einem Anhang von Y. Maniatis und D. Tambakopoulos. Stefanidou-Tiveriou, T. 2014. 304 S. 28 x 21 cm. Gb. EUR 99,00. CHF 129,00 ISBN: 978-3-447-10240-7 Harrassowitz Verlag
In den Nekropolen Thessalonikis nahmen die Sarkophage während des 2. und 3. Jhs. n. Chr. eine herausragende Stellung unter den Grabmonumenten ein. Das Gros des erhaltenen Materials machen Sarkophage aus, die aus in den Steinbrüchen von Thasos gewonnenen Rohlingen in Thessaloniki selbst hergestellt wurden und in ihrer Mehrzahl Grabinschriften tragen. Darüber hinaus finden sich Sarkophage aus Kleinasien, wie etwa die Girlandensarkophage aus Assos in der Troas oder die seltenen Beispiele aus Prokonnesos; nur eine relativ kleine Gruppe wurde aus Attika eingeführt. Hinsichtlich der Größe und der Bedeutung ihres Informationsgehaltes sind die lokalen Sarkophage aus Thessaloniki - nach ihren attischen Konkurrenten - die zweitbedeutendste Gruppe im griechischen Mutterland. Die Sarkophage von Thessaloniki bilden zusammen mit den Grabaltären und den unterschiedlichsten Arten von Grabreliefs einen umfangreichen Bestand, der uns mit einer Fülle von Inschriften über Grabsitten und Jenseitsvorstellungen, aber auch über Aspekte der Sozialgeschichte der Hauptstadt der römischen Provinz Macedonia informiert. Darüber hinaus erlauben sie uns als Massenprodukte, die Abhängigkeiten der Werkstätten Thessalonikis von den verschiedenen Zentren Kleinasiens, von Athen und natürlich von Thasos herauszuarbeiten. Der Band 8 der Sarkophag-Studien von Th. Stefanidou-Tiveriou legt mehr als 240 Monumente vor, die in den Museen und Sammlungen in Thessaloniki, auf Freiflächen der Stadt oder - in wenigen Fällen - in Museen im Ausland aufbewahrt werden. Das Kapitel zu den Inschriften von P. Nigdelis widmet sich nicht nur Fragen der Datierung, sondern insbesondere Aspekten der Sozialgeschichte der Stadt, also der Identität der Sarkophagbesitzer, den Bedingungen für Errichtung und Erwerb eines Sarkophags, juristischen Aspekte der verschiedenen Bestattungen bis hin zum Phänomen der Grabschändung, des Grabkultes und der Gesetzgebung zum Schutz der Sarkophage. Im Anhang von Y. Maniatis und D. Tambakopoulos wird mit einer naturwissenschaflichen Analyse die Provenienz des verwendeten Steinmaterials untersucht.
Attische Grabbezirke klassischer Zeit. Breder, Jan. Philippika. Altertumskundliche Abhandlungen (60). 2014. 389 S. 275 Abb., 2 Tabelle(n). EUR 88,00 CHF 125,00 ISBN: 978-3-447-19134-0 Harrassowitz Verlag
Um 430 v.Chr. setzten die attischen Grabbezirke ein. Diese Komplexe aus Architektur, Bestattung mit Beigaben, Opferstellen und Stelenausstattung standen im Kontext der langen griechischen Sepulkraltradition. Besonders interessant ist der Aspekt der Gestaltung des Innenraumes der Grabbezirke, also die Frage, ob die Grabanlagen terrassenartig hoch verfüllt waren oder nach einer Umfriedung den Bestattungsplatz umschlossen, woraus sich erkennen lässt, ob Bestattungen oder spätere Gedächtnisriten innerhalb des Grabbezirks oder auf dessen Oberfläche stattfanden.
Jan Breder untersucht in seiner Studie am Gegenstand der Grabbezirke die Frage, ob bestimmten Bauformen eine inhaltliche Bedeutung immanent war, die über ihre reine Funktionalität hinausging. Die Analyse von Konstruktion und Wandaufbau zeigt, dass die Umfassungsmauern der Grabbezirke denen von Heiligtümern entsprachen, durch ihr spezifisches Erscheinungsbild evozierten sie die Konnotation als „Temenos“ und boten den Hinterbliebenen die Möglichkeit, die Grabstätte im Habitus einer Kultstätte zu präsentieren. Auch in der Ausstattung der Grabbezirke mit Stelen und Marmorgefäßen lassen sich sakralisierende Elemente beobachten, zudem wurden seit langem etablierte Objekte der Grabpflege wie Lekythen in den Grabbezirksfassaden in Marmor monumentalisiert. Breder stellt überzeugend dar, dass sich als Beweggrund für die Gestaltung der Grabbezirke auf eine dauerhafte Darstellung der als Nomizomena bezeichneten Totenriten schließen lässt.
Die Architektur und Stratigraphie der Zentralen Oberstadt von Tall Mozan/Urkeš. Bianchi, Alice; Dohmann-Pfälzner, Heike; Geith, Eva; Pfälzner, Peter; Wissing, Anne. Beitr.: Kümmel, Christoph. Studien zur Urbanisierung Nordmesopotamiens, Serie A (1). 2014. 600 S. EUR 184,00 CHF 255,00 ISBN: 978-3-447-19311-5 Harrassowitz Verlag
Band 1 der Serie A, "Die Architektur und Stratigraphie", stellt den ersten Teil des Endberichtes der Ausgrabungen in der Zentralen Oberstadt von Tall Mozan/Urkes in Nordost-Syrien dar. Die Forschungen der Universität Tübingen stellten eine ununterbrochene Siedlungsabfolge von der ersten Hälfte des 3. bis in die zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. fest. Die zentrale Terrasse aus Lehmziegel, auf der ein Tempelgebäude stand und die in ihrer Größe vergleichbar ist mit den Stufenpyramiden (Zikkuraten) des südlichen Mesopotamiens, sowie der freie zentrale Platz waren über den gesamten Zeitraum hinweg in kaum veränderter Weise in Benutzung. Zusammen mit der in der Unterstadt durch geomagnetische Prospektion und Oberflächenbegehungen beobachteten regelmäßigen hexagonalen Gesamtanlage verraten sie eine zentral gelenkte räumliche Organisation der damals als Urkes bekannten Stadtsiedlung.
Das in der Oberstadt ergrabene Wohnviertel war in der Frühen Bronzezeit durch eine kleinteilige Bebauung gekennzeichnet, die einen sozial niedrigen Stand der Bewohnerschaft verrät. Am Ende des 3. Jahrtausends wurde neben den einfachen Wohnhäusern ein großes Gebäude errichtet, das als Wirtschaftsgebäude gedeutet werden kann. Zu Beginn des 2. Jahrtausends schließlich entstanden geräumigere und besser gebaute Wohnhäuser, die sich in der Ausrichtung und in der Größe gleichen und über ein regelmäßiges Wegenetz erschlossen sind. Diese Jahrhunderte andauernde Kontinuität des öffentlich genutzten Raumes bietet zusammen mit den Veränderungen des privaten Raumes ein lebendiges Bild der damals bedeutenden Stadt Urkes.
Die Buchbestände von Wötlingerode. Ein Zisterzienserinnenkloster im Kontext der spätmittelalterlichen Reformbewegungen. Kreutz, Jessica. Wolfenbütteler Mittelalter-Studien (26). 2014. 312 S. 14 Abb. Gb. EUR 64,00 CHF 85,00 ISBN: 978-3-447-10287-2 Harrassowitz Verlag
Die spätmittelalterlichen Buchbestände des Zisterzienserinnenklosters Wöltingerode gehören zu den umfangreichsten überlieferten Bibliotheken im norddeutschen Raum. Nach einer detaillierten kodikologischen, paläografischen und inhaltlichen Analyse des rekonstruierten Bestandes dient eine am Ende des Spätmittelalters in der klostereigenen Werkstatt entstandene Handschrift als Ausgangspunkt für die Untersuchung der Bildungsverhältnisse der Nonnen. Diese im Novizinnenunterricht verwendete Handschrift kann als literarisches Spiegelbild des Gesamtbestandes gelten, da sie eine komplexe Zusammenstellung von zahlreichen Autoren und zum Teil noch unbekannten Texten enthält sowie über ein breites literarisches Repertoire verfügt. In einer Gesamtschau bieten sowohl die im Zuge der Reformbestrebungen entstandenen als auch die reformkonformen Bücher einen genauen Einblick in die veränderte Ausbildungssituation der Novizinnen und den monastischen Lektürealltag der Nonnen. Ansätze eines angestrebten Bildungskonzeptes sind in der Auswahl der Themen, in der literarischen Verarbeitung der Texte und in der Zielsetzung der Lektüre zu erkennen.
Die Entwicklung der Wöltingeroder Schriftlichkeit zwischen Wandel und Kontinuität steht im direkten Bezug zur Klostergeschichte. Die während der Reformbewegung geforderte Rückkehr zu den monastischen Idealen und die Intensivierung des spirituellen Lebens zog in Wöltingerode zugleich auch eine Bildungsreform nach sich. Demzufolge lassen sich mittels der Buchbestände zahlreiche Hinweise zusammentragen, die nicht nur für einen Anschluss der Wöltingeroder Zisterzienserinnen an die Reform sprechen, sondern das Kloster im regionalen Sozialgefüge als ein bedeutendes Reformzentrum charakterisieren.
Goldenes Wissen. Die Alchemie – Substanzen, Synthesen, Symbolik. Hrsg.: Feuerstein-Herz, Petra; Laube, Stefan. Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek (98). 392 S. 198 Abb. 26 x 21 cm. Gb. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2014. EUR 39,80. CHF 52,90 ISBN: 978-3-447-10251-3 Harrassowitz Verlag
Die Alchemie eröffnet ein faszinierendes Wissensfeld der Theorie und der Praxis. Bis heute ist sie vor allem als Goldmacherei im kulturellen Gedächtnis lebendig geblieben, doch vereint sie zwei an sich grundverschiedene Konzepte: einerseits die Vorstellung einer heiligen Natur, durchdrungen von über sich selbst hinausweisenden und miteinander in Beziehung stehenden Zeichen, der sich der Mensch mit Ehrfurcht zu nähern hat; andererseits ein forschendes Interesse, das ihre Elemente isoliert, präpariert und operierend empirisch ihre Beziehungen untereinander aufdeckt mit dem Ziel, den Aufbau der materiellen Welt zu durchschauen. Wenn es auch nicht gelingen konnte, Blei zu Gold zu veredeln oder die Formel der Unsterblichkeit zu finden, bahnten sich in alchemischen Laboratorien Wege zur Chemie. Die Suche nach dem Stein der Weisen führte in Bergbau, Metallurgie und Töpferei zu heute noch wirksamen praktischen Entdeckungen: Nicht nur die Destillation von Alkohol geht auf alchemische Versuche zurück; Alchemiker entdeckten Schwefel- und Salpetersäure sowie Ammoniak; und auch die Erfindung des Porzellans in Europa wäre ohne das alchemische Laboratorium nicht möglich gewesen. Die Ausstellung Goldenes Wissen zeigt aus dem reichen Fundus der Herzog August Bibliothek in repräsentativer Breite Text- und Bildquellen aus 300 Jahren Alchemiegeschichte: Beginnend mit illuminierten Handschriften aus dem frühen 15. Jahrhundert, endet sie mit dem 18. Jahrhundert, als sich der rational-objektive Zugang zur Welt fest zu etablieren beginnt.
Die Ausstellung ist vom 31. August 2014 bis zum 22. Februar 2015 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel zu sehen.
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