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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Kovacs, Martin. Untersuchungen zum spätantiken männlichen Privatporträt. Reihe B: Studien und Perspektiven; Spätantike - Frühes Christentum - Byzanz (40). Kaiser, Senatoren und Gelehrte. 2016. 456 S. 660 Abb . EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-601-7 L, Reichert
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Bildnisrepräsentation der Aristokratie des spätrömischen Reiches in ihrer Bedeutung, ihren unterschiedlichen Facetten sowie in der Bandbreite und den Entwicklungen der Bildnisstilisierungen während der Spätantike zu erfassen. Zusätzlich zur mit neuen Kriterien erfolgten Analyse des bekannten Materials (...) steht die kulturgeschichtliche Bedeutung und die Transformation des Phänomens der Ehrenstatue bzw. der Stilisierungen des Porträts im Zentrum der Untersuchung. In Abgrenzung zur seit Konstantin feststellbaren distanzierten Bedeutung des kaiserlichen Bildnisses zeigt sich, dass mit der Aufgabe des seit dem frühen Prinzipats gültigen „Zeitgesichts“ im frühen 4. Jh. die spätrömische Aristokratie neue, spezifisch eigene Formen der Bildnisrepräsentation suchte. Diese betonten durch ihre im Vergleich zum Kaiserbild dezidiert realistischere Erscheinung die Distanz zum Kaiser und reflektieren die Suche nach „angemessenen“ Stilisierungen, welche die Werte und Normen spätrömischen Standesbewusstseins repräsentieren konnten. Die in den Privatbildnissen des 4. Jhs. ablesbare Gestaltungsvielfalt findet sich in anderen spätantiken Porträtmedien nur bedingt wieder. Es ist festzustellen, dass innerhalb eines sozialen Ambientes in verschiedenen Medien unterschiedliche Porträtauffassungen vorherrschten. Ein individualisierendes Bildnis schien mit dem Beginn der Spätantike immer mehr dem rundplastischen Porträt vorbehalten zu sein. Ehrenstatuen waren Bestandteil eines traditionellen Bilddiskurses, in dem vornehmlich die Statuen eine individualisierende Aussage besitzen sollten, da diese sich mit den Ehrenstatuen der großen Vergangenheit in einer kompetitiven Situation befanden. Als besonders signifikant erweisen sich regionale Sonderformen wie in Ephesos. Die vom Kaiserbildnis abgekoppelte Entwicklung des Privatporträts verdeutlicht, wie in einer historischen Situation der Suche nach angemessenen Alternativen unterschiedliche Gestaltungsweisen erprobt und regionale Entwicklungslinien nicht nur neu geschaffen wurden sondern sich als beständige Phänomene halten konnten. Dazu gehören auch retrospektive Porträts aus dem Umfeld von Athen und Korinth. Dargestellt sind nicht profane Amtsträger, sondern lokale Geistesgrößen, die als Philosophen sowie als Träger und Förderer paganer Kulte tätig waren. Die lokale Elite in den traditionsreichen griechischen Städten trug die eigene Geschichte und Tradition mit Stolz nach außen. Das 6. Jh. erweist sich als das Ende der rundplastischen Ehrenstatue. In einer sukzessiven Veränderung der Funktionen und Anforderungen der urbanen Strukturen ist eine synchrone Entwicklung zu beobachten, die einerseits in einer Verlagerung des urbanen Lebens von den alten öffentlichen Plätzen und Bauten der bürgerlichen Zusammenkunft in die neu errichteten Kirchen, und andererseits in eine „Überführung“ des Mediums des öffentlichen Porträts in die Kirchen, und infolge dessen in die Flächenkunst kulminierte. Mit dem nicht nur auf die Porträtstatuen beschränkten Niedergang des „statue habit“ ging andererseits eine substanzielle Kontinuität des „portrait habit“ einher. (...) Die Untersuchung versteht sich sowohl als Beitrag zur kulturgeschichtlichen Erforschung des römischen Porträts im Rahmen der Klassischen Archäologie wie auch als soziale und politische Analyse der materiellen Kultur der Spätantike innerhalb der Christlichen Archäologie.
The Civil Basilica. Stinson, Philip. Engl. 2016. 248 S., 512 z. T. fb. Abb., 31 x 23 cm, Gb. EUR 79,00 CHF 81,20 ISBN: 978-3-95490-111-1 L, Reichert
The volume presents the results of a decade of field research on the Civil Basilica at Aphrodisias – a huge public building built in the late first century AD. Aphrodisias is a premier site in the field of Roman archaeology for what it tells us about a Greek city in the eastern Roman world. The Basilica occupied three city blocks and was the largest fully-enclosed public space in the town center. Its architectural design displays a distinctive combination of both Greek and Roman aspects. Later in its history, the building may have served as the seat of Roman provincial administration when Aphrodisias became the capital of its province in the mid-late third century AD. It was in use down to the mid-sixth century AD. The book contains a detailed account of the Basilicas well-preserved architectural remains and is illustrated with over a hundred drawings by the author. The reconstruction of Diocletian’s Edict of Maximum Prices inscribed on the Basilicas North Facade (pieced together in collaboration with Michael Crawford) makes it possible to analyze the well-documented display context of this famous monument of ancient public writing. The Basilica is also set in the context of several similar buildings in Asia Minor that together constitute a distinct regional form of the Roman basilica. There is a summary in Turkish, and appendices describe the excavation, ceramics, and building inscriptions.
Baubefunde und Stratigraphie der Unterburg (Kampagnen 1976 bis 1983). Die mykenische Palastzeit (SH III B2) und beginnende Nachpalastzeit (Beginn SH III C). Tiryns (UF974), Band: 17. Damm-Meinhardt, Ursula. 2016. 320 S. 11 Abb. 32 x 23 cm. Gb. EUR 58,00 CHF 59,60 ISBN: 978-3-95490-091-6 L, Reichert
Die Burganlage von Tiryns in der Argolis zählt zu den besterforschten Zentren der mykenischen Kultur. Ein besonderes Augenmerk gilt der Unterburg, die von 1976–1983 unter der Leitung von Klaus Kilian zu zwei Drittel ihrer Fläche ausgegraben wurde. Die nachgewiesene Abfolge der spätbronzezeitlichen Siedlungsphasen reicht von der älteren Palastzeit (SH III A) bis zum Ende der mykenischen Epoche (SH III C Spät). Der vorliegende 1. Teilband von TIRYNS XVII befasst sich mit dem Abschnitt der entwickelten und ausgehenden jüngeren Palastzeit (SH III B Entwickelt–Ende) bis zur frühesten Nachpalastzeit (Beginn SH III C Früh), berücksichtigt werden auch die Ergebnisse der jüngeren Ausgrabungen von 2001–2003 (Joseph Maran) und 2004/2005 (griechische Ephorie). Daran schließt sich die von Tobias Mühlenbruch in TIRYNS XVII 2 publizierte Siedlungsgeschichte der Nachpalastzeit (SH III C Früh–Spät) unmittelbar an. Im ersten Teil dieser kritischen Auswertung und maximalen Darstellung von Kilians Ergebnissen wird die Unterburg während ihrer wohl intensivsten Ausbauphase gezeigt, deren Beginn mit der Vollendung der Festungsanlage und der letztmaligen Erneuerung des Palastes auf der Oberburg einherging. Unser heutiges Bild von Tiryns ist in besonderem Maße durch diesen Zeitabschnitt geprägt. Die eng an den Palast gebundene, durch vielfältige Architekturformen und ganz unterschiedliche Inventarausstattungen auf eine sozial abgestufte Bevölkerung weisende Unterburgsiedlung prosperierte etwa zwei Generationen lang. Noch gegen Ende dieses Siedlungsabschnitts erfolgten aufwendige Umbaumaßnahmen an der nördlichen Befestigung und mehrere Neubauten im Inneren der Unterburg. Gegen 1200 v. Chr. wurde die gesamte Burganlage jedoch zerstört. Während der Palast einem Brand zum Opfer fiel, ist in der Unterburg die im Siedlungsbefund als durchgängiger Zerstörungshorizont kenntliche Katastrophe in ihren Ursachen noch nicht befriedigend erklärt. Die vom Ausgräber favorisierte Erklärung als eine Zerstörung durch Erdbeben wird derzeit auf den Prüfstein gelegt.Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit befasst sich mit den unmittelbar auf die Zerstörung folgenden Siedlungsaktivitäten am Beginn von SH III C Früh. Kilians sorgfältigen feinstratigraphischen Beobachtungen ist es zu verdanken, dass hier, wie an keinem anderen Ort, eine Wiederbesiedlung der noch bestehenden Ruinen nachgewiesen werden konnte. Dabei muss offen bleiben, ob es sich um die angestammte Bevölkerung oder neu hinzugezogene Bevölkerungsteile handelte, auch eine Kombination von beidem wäre möglich. Diese Phase der „Ruinenbewohnung“ markiert den Beginn der Nachpalastzeit, die im Weiteren zu einer Neuordnung der Unterburg nach gänzlich veränderten Planungsvorstellungen führen sollte. Im Anfangsstadium orientierte sie sich jedoch noch an den Bauten der ausgehenden Palastzeit. Auffallend ist die vergleichsweise geringe Qualität der provisorisch wirkenden Wohnstätten, was auf einen vollständigen Bruch mit den bisherigen Ressourcen hindeutet. Historisch gesehen ist der Niedergang der mykenischen Paläste eine Phase des gesellschaftlichen Umbruchs – in der Unterburg von Tiryns kann die vermutlich nur kurze Übergangszeit im archäologischen Befund gefasst werden.
Kapitelle des 11.-13. Jahrhunderts im Veneto als Nachgestaltungen antiker und spätantik/frühbyzantinischer Modelle und das „revival“ im Kirchenbau. Spätantike - Frühes Christentum - Byzanz (41); Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz (41). Kramer, Joachim. Kapitelle des 11.-13. Jahrhunderts im Veneto. 2016. 266 S. 10 Tafeln, 108 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 79,00. ISBN: 978-3-95490-099-2 L, Reichert
Im Säulenschmuck von mittelalterlichen Kirchen und Palästen in den Orten des Veneto wurden Kapitelle römisch-antiker und frühbyzantinischer Zeit wiederverwendet. Neben ihnen treten mittelalterliche Kapitelle auf, die als Nachahmungen der älteren anzusehen sind und an denen eine eigene Formensprache zu finden ist. Die sich in der Ausstattung entsprechenden Kapitelle aus den verschiedenen Zeitperioden werden hier nebeneinander behandelt und abgebildet. Das soll die Unterschiede (mit Hilfe vieler Fotos) erkennen und besser verstehen lassen. Hieraus ergibt sich mehrfach eine andere Beurteilung der Stücke, als es bisher üblich war.An Kirchenbauten, die seit dem Ausgang des 1 I. Jahrhunderts entstanden sind, wird die Bemühung deutlich, frühchristliche Bauten und deren Ausstattung nachzugestalten. Mehrere mittelalterliche Kirchen zeigen in ihrer Baugestaltung die Anlehnung an die älteren Formen. Das ist u. a. an der Anordnung der Säulen in deren Inneren zu beobachten (z. B. in der Harmonisierung ihres Nebeneinanders). Auf diese Tendenz zur Nachgestaltung gehen auch die hier behandelten Kapitelle des Veneto zurück.
Saints cavaliers. Culte et images en Géorgie aux IVe–XIe siècles. Iamanidzé, Nina. Spätantike - Frühes Christentum - Byzanz, Kunst im ersten Jahrtausend. Reihe B: Studien und Perspektiven (SV767), Band: 42. Franz. 2016. 204 S. 84 meist fb. Abb. 15 Tafeln. 24 x 17 cm. Gb. EUR 98,00 CHF 100,70 ISBN: 978-3-95490-114-2 L, Reichert
This is the first archeological, iconographical and hagiological study, based on the unpublished archaeological research findings, that attempts to measure the importance of the Georgian environment for the genesis of this theme and for a broad understanding of the cult and iconography of holy rider, widespread later not only in Georgia but on in the whole Byzantine world. It presents the 6th to 11th century Georgian art from a broad perspective, regarding the country as a one of the major component of the Late Antique and Early Medieval civilizations settled between Christian and Islamic worlds. Placing Georgian artistic production in a broader international context, this research, founded on archaeological evidence from different cultural areas will examine questions about the intercultural relationships and influences that converged in this one country, revealing its links to neighboring cultures.
Climate and Settlement in Southern Peru. The Northern Río Grande de Nasca Drainage between 1500 BCE and 1532 CE. Soßna, Volker. Forschungen zur Archäologie Außereuropäischer Kulturen (UD372), Band: 13. Engl. 2016. 320 S., 180 meist fb. Abb. mit DVD, 29 x 19 cm. Gb. EUR 98,00 CHF 100,70 ISBN: 978-3-95490-078-7 L, Reichert
Die Kulturen, die über die Jahrtausende an der Peruanischen Südküste zwischen den Tälern von Chincha und Yauca blühten, hatten großen Einfluss auf die Geschichte der zentralen Anden insgesamt. Bedeutende lokale Kulturen, wie Paracas (ca. 800 – 250 v. Chr.) und Nasca (ca. 250 v. – 650 n. Chr.) sind weithin bekannt für ihre Fels- und Bodenzeichnungen, aber auch für die außerordentliche Kunstfertigkeit ihrer Handwerker beim Produzieren von hochwertigen Textilien und Keramiken. Die Region spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Expansion der Reiche der Wari (ca. 650 – 1000 n. Chr.) und Inka (ca.1470 – 1532 n. Chr.).Trotz der Bedeutung der Südküste ist relativ wenig über ihre Siedlungsgeschichte bekannt. Dank eines archäologischen Langzeit-Projekts des Deutschen Archäologischen Instituts sind nun detaillierte Daten für den nördlichen Teil des Río Grande de Nasca-Gebietes verfügbar. Aufgrund des Reichtums an relativ gut erhaltenen archäologischen Überresten ist diese Region besonders gut für eine Fallstudie geeignet. Auf der Grundlage dieser Daten werden in diesem Buch 3.000 Jahre Siedlungsgeschichte rekonstruiert. Die Siedlungsmuster von zehn aufeinanderfolgenden Kulturphasen zeigen erhebliche Veränderungen in Bezug auf Siedlungshierarchien und Bevölkerungsentwicklung. Zudem haben sich die Siedlungsschwerpunkte verschoben. Aufgrund der Trockenheit in der Region haben bereits geringfügige Schwankungen in der Gesamtmenge und der jahreszeitlichen Verteilung von Niederschlägen einen erheblichen Einfluss auf das landwirtschaftliche Potential. Es wird daher der Frage nachgegangen, inwieweit klimatische Schwankungen in der Vergangenheit der Hauptauslöser für Änderungen im Siedlungsverhalten gewesen sein könnten.Dazu werden Analysen archäologischer Daten mit Studien zur Klimageschichte verglichen, die auf erhebliche Veränderungen in den Niederschlagsmustern hindeuten. Ein zeitliches Zusammenfallen von wichtigen Entwicklungen in der Besiedlung und beim Klima könnte einen kausalen Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen nahelegen. Die begrenzte und ungleichmäßige Auflösung der Daten erlaubt zwar noch keine abschließende Beurteilung, doch der allgemeine Trend scheint darauf hinzudeuten, dass dies tatsächlich während einiger bestimmter Perioden tatsächlich der Fall war. Die Mehrheit der bedeutenden Siedlungsverschiebungen und demographischen Schwankungen fällt jedoch nicht zeitlich mit eindeutig nachweisbaren Klimaänderungen zusammen.
Architektur und Struktur des nordöstlichen Stadtgebietes von Kharab Sayyar, Nordsyrien. Würz, Michael. Ausgrabungen Kharab Sayyar (WVQ04), Band: 2. Deutsch-Syrische Ausgrabungen im islamischen Kharab Sayyar (TQ191), Band: 2. 2015. 232 S., 438 Abb., 8 Pläne. 30 x 21 cm. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-95490-026-8 L, Reichert
Der zweite Band dokumentiert die Struktur und Architektur der Wohngebiete im Südosten der Stadt. Die Ausgrabungen in insgeamt acht Gebäuden, darunter einer kleinen Moschee, liefern, vor allem durch das Fehlen einer jüngeren Überbauung, besondere Einblicke in ein Wohnviertel einer abbasidischen Provinzstadt.
Das Brixener Passionsspiel 1551 im Kontext seiner Zeit.Edition – Kommentar – Analyse. Fischer, Martin. Imagines Medii Aevi. Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung (SZ140), Band: 36. 2016. 336 S., 47 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-95490-148-7 L, Reichert
In den letzten beiden Jahrzehnten nahm die mediävistische Forschung zum geistlichen Spiel des Mittelalters und der Frühen Neuzeit einen ungeahnten Aufschwung. Dennoch stellen für einige Spiele, insbesondere des Südtiroler Raumes, immer noch Editionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts die einzig verfügbare Textgrundlage dar, was in der Folge auch zum Ausbleiben einschlägiger Untersuchungen zu diesem Bereich geführt hat. Im Rahmen der vorliegenden Studie wird das Brixener Passionsspiel 1551 erstmals vollständig und nach aktuellen editorischen Maßstäben ediert. Damit stehen nun Text und Melodien in einer verlässlichen Edition auch anderen mediävistischen Disziplinen, wie etwa den Musik- und Theaterwissenschaften, der Judaistik und den Geschichtswissenschaften, zur Verfügung. Nach einer ausführlichen Beschreibung der Handschrift F.B.575 wird das Brixener Passionsspiel im Kontext der Tiroler Spieletradition verortet und mit Blick auf mögliche Vorlagen bezüglich des medialen Status seiner Überlieferung untersucht. Die literarischen Inszenierungsstrategien, Aspekte der Performativität sowie das literarische und historische Umfeld stehen im Zentrum des Analyseteils, wobei in der Verknüpfung von szenisch-dramatischer und theologisch-liturgischer Deutung des Geschehens Konturen der Spielintention sichtbar werden, die neben der Unterweisung im christlichen Glauben und der Heilssicherung wohl vorrangig in der Belehrung und Erbauung des (städtischen) Publikums bestand, an dessen Mitgefühl (compassio) durch die Veranschaulichung der Passion Jesu appelliert wurde. In diesem Zusammenhang ist im Vergleich zu den meisten anderen Passionsspielen der Tiroler Spielegruppe sowohl die hohe Zahl als auch die deutlich negative Darstellung der auftretenden Juden auffällig, was möglicherweise in direktem Zusammenhang mit der Politik Maximilians I. stehen könnte.
Malkurs Chinesische Blumenmalerei. Schritt für Schritt mit Lili Yuan. Yuan, Lili. 2014. 96 S., 200 fb. Abb. 23 x 25 cm. Gb. EUR 24,80 ISBN: 978-3-95490-014-5 L, Reichert
Die Kunst der chinesischen Malerei, die auf einer über fünftausendjährigen Tradition chinesischer Philosophie und Denkweise basiert, ist einzigartig. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie mit zu den wertvollsten Schätzen der Weltkultur gehört. Chinesische Malerei strebt nach einer Natürlichkeit, Stille und Gelassenheit, die auf den Ursprung des Daoismus zurückzuführen ist. Das Wesen der Malerei wurde am gründlichsten durch die Philosophie des Laozi und des Zhuangzi beeinflusst. Die einleitend dargelegte künstlerische Gedankenwelt reflektiert die Seele der Lao-Zhuang-Philosophie. Sie ist gekennzeichnet durch eine enge Verbundenheit von Mensch und Natur, durch Offenheit, Toleranz und Ruhe gegenüber der Außenwelt und durch ihre Natürlichkeit. Diese Philosophie ist die geistige Quelle, aus der die chinesischen Maler zu allen Zeiten schöpften.Die in Shanghai geborene Künstlerin und Autorin diese Buches, Lili Yuan, leitet seit achtzehn Jahren zahlreiche Malkurse der chinesischen Tuschemalerei in Deutschland und wurde in China mehrfach ausgezeichnet.Durch dieses Buch möchte Sie ihre Erfahrungen der Blumenmalerei teilen und weitergeben. Insgesamt werden 20 Blumenmotive im Stil der feinen Xieyi-Malerei behandelt. Der Malprozess eines jeden Blumenmotivs steht dabei im Mittelpunkt und wird anhand von über zweihundert farbigen Abbildungen mit kurzen Textbeschreibungen erläutert. Dabei ist die Pinselführung Schritt für Schritt zu erkennen. Darunter befinden sich klassische Motive wie Pflaumenblüten, Orchideen, Bambus und Chrysanthemen, aber auch Motive, welche in der chinesischen Malerei üblicherweise nicht vorkommen, wie Rosen, Mohn, Iris und Weihnachtssterne.
Die Mauern von Syrakus. Das Kastell Euryalos und die Befestigung der Epipolai. Beste, Heinz-J.; Mertens, Dieter, Ortisi, Salvatore. Sonderschriften des Deutschen Archäologischen Instituts Rom (RQ663), Band: 18. 2016. 328 S. 374 z. T. fb. Abb. 9 Pläne. 34 x 25 cm, Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-95490-033-6 L, Reichert
Nach dem dramatischen Ringen 414/413 v. Chr. mit den Athenern, welche Syrakus lange Zeit von der im Norden über der Stadt gelegenen Hochfläche Epipolai aus belagert hielten, beschloss der Tyrann Dionysios I. angesichts der erneuten Bedrohung durch die Karthager 402 v.Chr., das Plateau mit einer Mauer zu schützen. So entstand als wichtigster Teil seiner aufwendigen Aufrüstungsmaßnahmen die größte Verteidigungsanlage der gesamten griechischen Welt mit einer Länge von ca. 21 km und einer großen Schutzburg, dem sog. Kastell Euryalos, an seiner Westspitze. Die Anlage wurde von den nachfolgenden syrakusanischen Strategen, Tyrannen und hellenistischen Königen (Dionysios II, Timoleon, Agathokles, Hieron II) bis zum Ende des 3. Jhs. v. Chr. immer weiter und monumentaler ausgebaut. Die sog. Langen Mauern dienten dabei weniger der unmittelbaren Befestigung der Stadt, sondern fungierten vielmehr als sog. Landschaftsfestung, um im Kriegsfalle die Landbevölkerung sicher unterzubringen. Die erstmalige Untersuchung dieses gewaltigen Mauerzuges, dessen Bau noch vom augustuszeitlichen Historiker Diodorus Siculus eindrücklich beschrieben wird, erbrachte neben der Neuentdeckung wesentlicher Bestandteile – Tore, Türme, ein eigenes Lagerkastell, Straßenverbindungen mit dem Umland – Einblicke in die rasche Wandlung der Verteidigungskonzepte der Zeit nach der Erfindung des Katapults eben durch Dionysios‘ Techniker. Dies gilt besonders für das Kastell Euryalos, dessen Entwicklung hin zur komplexesten Burganlage der Klassischen Antike beispielhaft ist für die uns auch durch die antike Technik-Literatur der Poliorketiker vollzogenen Gedanken. Der große Archimedes hat dazu nach den neuen Erkenntnissen aber nur noch die – letztlich erfolglose – Bestückung mit Maschinen eingebracht. Die Untersuchung erfolgte auf der Grundlage eines völlig neuen Planes der gesamten Stadt im M 1: 2.000, in dem neben den Mauerzügen alle heute noch sichtbaren archäologischen Reste eingetragen sind. So beginnt die Arbeit auch mit einer umfangreichen zusammenfassenden Studie zur Stadtgeschichte insgesamt, soweit sie sich in ihren Mauern spiegelt. Darin spielt die Rezeptionsgeschichte des antiken Syrakus seit der Renaissance, in der die weitläufigen Mauern der Epipolai als die Stadtmauern der berühmten antiken Großstadt missverstanden wurden, eine bis heute wirkende Rolle.
Munyat ar-Rummaniya. Ein Islamischer Landsitz bei Córdoba. Teil 1 Palastanlagen. Arnold, Felix; Canto Garcia, Alberto; Vallejo Triano, Antonio. Madrider Beiträge (UG577), Band: 34. 2016. 448 S., 295 fb. u. 331 sw Abb., 6 Falttafeln, 9 Beilagen. 32 x 21 cm. Gb. EUR 198,00 ISBN: 978-3-95490-066-4 L, Reichert
In der Glanzzeit des Kalifats war die Stadt Córdoba (Spanien) von luxuriösen Landvillen umgeben. Historische Quellen berichten von prachtvollen Palastanlagen, exotischen Gärten und ausgedehnten Ländereien. Die Bauten stehen am Anfang einer Entwicklung, die später zum Bau der Alhambra in Granada führte, aber auch auf die europäische Architektur- und Landschaftsgestaltung Einfluss nahm. Der vorliegende Band stellt erstmals die archäologischen Zeugnisse einer solchen Landvilla umfassend vor.Der Landsitz ar-Rummaniya liegt am Fuß der Sierra Morena, rund 10 km westlich des Stadtzentrums von Córdoba und 2 km westlich der Palaststadt Madinat al-Zahra’. Die Anlage wurde vermutlich von ad-Durri „dem Kleinen“, einem Finanzminister des Kalifen al-Hakam I., um das Jahr 965 errichtet. Auf einer Gesamtfläche von 4,5 ha umfasst sie vier Terrassen, von denen drei als opulente Gärten gestaltet waren. Auf der obersten Terrasse lagen ausgedehnte Wohngebäude sowie ein ungewöhnlich großes Wasserbecken. Architektonischer Höhepunkt war ein prächtiger Saalbau, der sich einerseits zu dem Wasserbecken, andererseits zu dem Garten öffnete. Der Saal ist insofern von besonderer Bedeutung, als bei der Anlage seiner Arkaden erstmals die Prinzipien der menschlichen Perspektive Berücksichtigung fanden, fünf Jahrhunderte früher als vergleichbare Versuche in der italienischen Renaissance.Die vorliegende Publikation ist Ergebnis eines seit 2006 laufenden Gemeinschaftsprojektes des Deutschen Archäologischen Instituts, der Universidad Autónoma de Madrid und des Conjunto Arqueológico de Madinat al-Zahra. Die Monographie umfasst eine detaillierte Dokumentation aller erhaltenen Überreste des Landsitzes in großformatigen Grundrissen und Ansichten, eine ausführliche Baubeschreibung sowie eine komplette Vorlage der Ergebnisse der archäologischen Grabungen der letzten Jahre, inklusive der dabei gemachten Keramik- und Metallfunde. Berücksichtigt wird dabei auch die jüngere Nutzungsgeschichte der Anlage, von der Reconquista bis zum Bau eines modernistischen Landhauses ab 1926. Ergänzt wird diese erschöpfende Darstellung durch Beiträge zur Geschichte, Geologie, Wassertechnik und Botanik des Fundplatzes. Zudem stellt der Band den Landsitz in den Kontext der Entwicklung der Palastarchitektur in Córdoba und der islamischen Baugeschichte in ihrer Gesamtschau.Der Band bildet einen substanziellen Beitrag zur islamischen Baugeschichte des westlichen Mittelmeerraumes. Zudem präsentiert er neue Aspekte zur Vorgeschichte des gezielten Einsatzes der menschlichen Perspektive in der Architektur und ist damit für Kunsthistoriker der italienischen Renaissance von besonderem Interesse.
Divrigi. Unterwegs zur türkischen Mystik in Stein. Wöhrlin, Traugott. 2013. 224 S., 28 x 21 cm. 226 meist fb. Abb. Gb. EUR 110,00 ISBN: 978-3-89500-981-5 L, Reichert
Die islamische Mystik – insbesondere deren persische und türkische Version – hat sich in einer kaum übersehbaren Fülle literarischer und lyrischer Werke ausgedrückt. Angesichts dieser Dominanz des Wortes fand bislang die Möglichkeit kaum Beachtung, mystische Gedankenbilder könnten sich auch im Ornament z.B. als Portaldekor niedergeschlagen haben. Die erheblich von der orthodox-islamischen Kunst abweichende Bauplastik an der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammenden Freitagsmoschee und dem dort angegliederten Spital in der ostanatolischen Kleinstadt Divriği wurde daher bis in die jüngste Vergangenheit als Exotismus oder als „barocke Entartung“ abgetan. Dennoch waren es nicht zuletzt gerade die merkwürdigen steinernen Reliefgebilde, die dem Bauwerk 1986 zum Prädikat „Weltkulturerbe“ verholfen haben, ohne dass jedoch jemand an eine ikonografische Würdigung oder Deutung der eigenartigen Figuren gedacht hätte.Für den mit ornamentaler Symbolik vertrauten Baumenschen und Lehrer im Gestaltungsbereich Traugott Wöhrlin, bestanden nie Zweifel, dass der scheinbar exaltierten Formensprache zumindest eine Ideologie, wahrscheinlicher aber eine religiöse Überzeugung zugrunde liegen müsse. Auf seinen zahlreichen Begegnungen in den Ländern des Orients mit den verschiedensten Spielarten der islamischen Kultur und Religion hatte er auch Einblicke in die mystische Dimensionen des Islam gewonnen und mit ihnen die Vermutung, die Kunst von Divriği könne mit dem Sufitum in Verbindung stehen. Ermuntert durch die 2003 verstorbene große alte Dame der deutschen Islamwissenschaft, Annemarie Schimmel, diese Spur weiter zu verfolgen, kam es zu einer intensiven zeichnerischen Bestandsaufnahme vieler ornamentaler Details und dabei zur allmählichen Entzifferung einer mystischen Bildersprache. Ohne das islamische Bilderverbot zu verletzen aber auch ohne sich den dogmatischen Zwängen der orthodoxen Kunst zu beugen schildert diese ebenso abstrakte wie deutliche Sprache die Liebe als Energiequelle für alles Leben und damit als Wesenskern des Göttlichen.Der Autor beschreibt im Buch aber nicht nur die Ergebnisse seiner Studien sondern auch den langen und teils mühsamen Weg dorthin: Abstecher in die geschichtlichen und geografischen Zusammenhänge ebenso wie die notwendige Auseinandersetzung mit Regeln und Erscheinungsformen der orthodox-islamischen Kunst sowie den Grundzügen der islamischen Mystik und anderen religiösen Strömungen lokaler Bedeutung. Durch den bewussten Verzicht auf eine rein wissenschaftliche Darstellung und durch die Einbeziehung subjektiver Erlebnisse und Wahrnehmungen, wird das Buch auch für interessierte Laien interessant und leicht lesbar.
Baubefunde und Siedlungsentwicklung der Südumgehung im Oppidum von Manching. Die Ausgrabungen in Manching (20). Winger, Katja. 2016. 304 S. 90 Tafeln, 259 meist fb. Abb. 32 x 23 cm. Gb. EUR 75,00. ISBN: 978-3-95490-165-4 L, Reichert
Die zwischen 1965 und 1971 ergrabene Südumgehung bietet mit ihrer Länge von etwa einem Kilometer beste Voraussetzungen, um die Entwicklung der 380 ha großen Siedlung zu erforschen. Während der nördliche Teil der Grabungsfläche im zentrumsnahen Teil des Oppidums liegt, reicht sie im Süden bis an den Verlauf des Walles. Bereits die Analysen zur Fundverteilung – besonders die Arbeit von Herbert Lorenz – ließen erahnen, dass sich das Ausgreifen der besiedelten Fläche der Südumgehung von Nord nach Süd besonders gut abzeichnet. Mit diesem Band der Reihe „Die Ausgrabungen in Manching“ werden nun erstmals die vollständigen Befunde der Südumgehung vorgelegt, mit denen die Besiedlungsgeschichte dieses Bereiches des Oppidums nachgezeichnet wird. Die 140 Gebäude verteilen sich dabei auf acht Bauphasen, in denen sich ganz unterschiedlich genutzte Bereiche - u.a. ein Kultbezirk mit einem Rundbau und Gehöfte mit Langbauten – über längere Zeit verfolgen lassen. Neben einem Kapitel zu den Sonderbauten im Kultbezirk widmet sich die Arbeit auch anderen Gebäudetypen und stellt anhand von Vergleichen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Oppidums Überlegungen zur funktionalen Deutung an. Bereits während der Ausgrabungen fielen Gebäude mit gleichen Abmessungen bzw. Zusammensetzungen aus gleichen Bauteilen auf. Den vom Ausgräber Franz Schubert daraufhin vorgelegten Überlegungen zum keltischen Fußmaß ist ein eigenes Kapitel gewidmet, welches sich kritisch mit der Übertragbarkeit antiker Baumaße auseinandersetzt. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit den Deponierungen der Südumgehung, deren bekannteste Vertreter die beiden Vogelkopf-Achsnägel darstellen. Die Bedeutung für die Siedlungsentwicklung des gesamten Oppidums wird am Ende des Bandes besprochen. Nach den Erkenntnissen von der Südumgehung und der Zusammenschau mit anderen bereits ausgewerteten Grabungsflächen kann von einem sprunghaften Ausgreifen der besiedelten Bereiche am Ende von LT C1 ausgegangen werden. Eine Parallelisierung der Siedlungsphasen mit den drei Bauphasen der Stadtmauer legt nahe, dass der Innenraum des Oppidums auch nach der endgültigen Zerstörung des Osttors weiterhin zumindest in Teilen besiedelt wurde.
Reichenauer Buchmalerei 850-1070. Berschin, Walter; Kuder, Ulrich. Deutsch. 160. 72 meist fb. Abb. 30 x 21 cm. Gb. L. Reichert Verlag, Wiesbaden 2016. EUR 39,90. ISBN: 978-3-95490-129-6 L, Reichert
Spätestens um 850 n. Chr. sind auf der Klosterinsel Reichenau die ersten illuminierten Prachthandschriften hergestellt worden. Ab 960 entstehen sie in dichter Folge, die den Bedarf des Klosters bei weitem übersteigt. Um 1000 erreicht die Buchkunst der Reichenau den Königshof; Heinrich II. hat seine Gründung Bamberg mit vielen Reichenauer Handschriften ausgestattet. Unter Abt Bern von der Reichenau (1008–1048) steigt die Menge der auf der Reichenau für auswärtige Besteller geschaffenen Prachthandschriften nochmals an; um 1070 erlischt diese Kunst auf der Insel. Es sind insgesamt noch 58 Prachthandschriften vorhanden, über deren Reichenauer Herkunft weitgehend Konsens besteht. Damit weist die Reichenauer Malerschule ein OEuvre auf, das von keiner anderen der Zeit erreicht oder übertroffen wird. Das große Thema dieser Schule ist das Leben Christi: Unter Reichenauer Mitwirkung ist der erste ausführliche Leben-Jesu-Zyklus der westlichen Buchmalerei entstanden. Daneben hat aber auch anderes Platz: das Dedikationsbild, der Evangelist, die altgeorgische Figur, das Bischofsportrait, das Herrscherbild, die Sängerschar, das Leben Johannes des Täufers. Ungewöhnliche Themen innerhalb der abendländischen Buchmalerei sind der Marientod und Christi Höllenfahrt. Hier werden byzantinische Sujets aufgenommen, wie auch der durchgehende Goldgrund, der um 985 in Konstantinopel nachweisbar ist, bald darauf auf der Reichenau erschent. Das Buch versteht sich als chronologisch geordneter Rundgang durch eine imaginäre Ausstellung aller dieser weit verstreuten Handschriften. Aus jeder Prachthandschrift wird eine repräsentative Seite abgebildet und erläutert – in einem Ausnahmefall (nr. 32) sind es drei Bilder. Die Einleitung skizziert die Forschungsgeschichte der Wiederentdeckung Reichenauer Buchmalerei und fasst zusammen, was über Themen, Formate, Empfänger, Schreiber und Maler etc. aus den Handschriften zu entnehmen ist. Der weltweit bekannteste Teil des Reichenauer Weltkulturerbes soll so in seiner Gesamtheit sichtbar gemacht werden.
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Arnold Gorski. „In den Kulissen“. Gorski, Arnold. Kunstgeschichte Wiesbaden (3). Hrsg.: Kunstarche Wiesbaden e. V. 2016. 68 S. 21 x 21 cm. Pb. EUR 10,00. ISBN: 978-3-95490-166-1 L, Reichert
In den Kulissen – Ein magischer Moment. Ohne Zweifel ist dies ein ganz besonderer Moment, die letzten Sekunden vor Beginn der Vorstellung im Theater. Für uns Zuschauer sind sie gefüllt mit Spannung, aber auch mit Erwartung, mit Unruhe, zuweilen mit Verlegenheit – ein kurzes Gespräch mit dem Sitznachbarn, ein prüfender Blick, ob das Handy ausgeschaltet ist, ein letztes Hüsteln, bevor der Vorhang sich öffnet. Anders die Situation der Schauspieler, die sich womöglich nach einem Gespräch in der Kantine, nach den Vorbereitungen in der Maske und der Garderobe auf der Bühne einfinden – und in den Kulissen innerhalb weniger Minuten sozusagen von einem Aggregatzustand in den anderen changieren: vom Alltagsbürger in die Figur, die sie an diesem Abend verkörpern sollen. Nach dem lockeren Geplauder mit Kollegen ist nun Anspannung, die volle Konzentration auf den Text, auf die Rolle angesagt. Eine Metamorphose, die immer wieder – täglich neu – eine Herausforderung darstellt und letztlich gelingen muss. Diesen Moment zu erfassen, greifbar und nacherlebbar zu machen, hat sich Arnold Gorski in seinen Studien "In den Kulissen" vorgenommen. Er kann dabei zurückgreifen auf seine eigenen Erfahrungen als Schauspieler (1959 –1964); aus der Erinnerung heraus gestaltet er – Jahrzehnte überbrückend – die Serie seiner Kulissenbilder. Es geht ihm erkennbar um die Menschen, um die Szene, um den Augenblick. Denn seine Figuren, ihre Gesichter sind nicht ausgemalt, teils werden sie im abstrahierenden Zusammenspiel der Farben eins mit der sie umgebenden Kulisse, faszinieren gerade in ihrer Schemenhaftigkeit. Soweit sich die Bildende Kunst dem Sujet Theater gewidmet hat, stand in früheren Jahrhunderten -bis zurück in die Antike - zumeist der Darsteller auf der Bühne im Blickpunkt. ob auf altgriechischen Vasen, römischen Mosaiken, den Figurinen des Rokoko oder Abbildungen aus den Aufführungen der Klassik und Romantik, stets wird uns der Charakter in typischer Haltung und Geste nahe gebracht. Gorski hingegen betrachtet das Davor, die Annäherung an die Rolle, das Innehalten, das Sich-hinein-Begeben ins Bühnengeschehen. Wir ahnen, ausgehend vom Kostüm, dass uns mal Komödianten, mal tragische Gestalten begegnen; aber sie sind für uns nicht zu fassen. Der Blick in die Kulisse, der uns sonst verwehrt ist, lässt unserer Fantasie freien Lauf, uns mit einzufinden inmitten der Schauspieler, mit ihnen zu fühlen, zu empfinden, bereit zu sein für den Auftritt. Ich bin überzeugt, dass Arnold Gorskis Bilderserie "In den Kulissen" bei vielen Theaterbesuchern Erinnerungen an eigene intensive Bühnenerlebnisse auslösen wird und Anstoß zu den unterschiedlichsten Assoziationen über die Welt als Bühne sein kann. In diesem Sinne wünsche ich diesem Büchlein interessierte und begeisterungsfähige Betrachter. Helmut Nehrbaß Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde des Staatstheaters Wiesbaden e.V.
Archäologische Untersuchungen zur Siedlungsgeschichte von Thugga. Die Ausgrabungen südlich der Maison du Trifolium 2001 bis 2003. Thugga (XCQ48), Band: 3. Ritter, Stefan / Rummel, Philipp von. 2016. 388 S., 520 z. T. fb. Abb. 34 x 25 cm. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-95490-031-2 L, Reichert
In diesem Band werden die Ergebnisse eines deutsch-tunesischen Grabungsprojektes vorgelegt, das in Zusammenarbeit zwischen dem Archäologischen Institut der Universität Freiburg i. Br. und dem Institut National du Patrimoine, Tunis von 2001 bis 2003 im antiken Thugga durchgeführt wurde. Thugga, das heutige Dougga, ist zwar eine der besterhaltenen römischen Städte in Nordafrika, doch dokumentieren die imposanten Ruinen lediglich den Zustand der Stadt in der späteren römischen Kaiserzeit. Ziel des Projektes war es daher, erstmals einen umfassenden Einblick in die Stadtgeschichte zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde in einem Wohnareal der Unterstadt, südlich der Maison du Trifolium, exemplarisch eine lokale Siedlungsstratigraphie bis zu den frühesten Spuren menschlicher Aktivitäten hinunter untersucht.Die Auffindung zweier Gräber aus der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. erbrachte die überraschende Erkenntnis, dass der Stadtberg von Thugga bereits im späten Neolithikum aufgesucht und für Bestattungen genutzt wurde. Mit diesen Gräbern wurden Zeugnisse einer Epoche entdeckt, die in Nordafrika insgesamt bisher kaum bekannt ist. Größere Siedlungsaktivitäten setzten allerdings erst mehr als ein Jahrtausend später ein. Die Ausgrabung eines großen, mit einem zentralen Wirtschaftshof ausgestatteten Wohnhauses aus hellenistischer Zeit beweist, dass sich bereits die punisch-numidische Stadt bis weit in den Süden des kaiserzeitlichen Siedlungsraumes erstreckte. Dieses Wohngebäude wurde um 100 n. Chr. durch einen größeren, aber strukturell ähnlichen Neubau ersetzt. Der Neubau bezeugt, dass es noch bis in die mittlere Kaiserzeit Häuser gab, die nach dem herkömmlichen Schema punischer Hausarchitektur gestaltet waren, und markiert zugleich die beginnende Umwandlung dieses Stadtbezirkes zu einem gehobenen Wohnviertel. Die spätantiken Befunde liefern erstmals Anhaltspunkte dafür, dass in den Randbezirken Thuggas bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. Wohnquartiere aufgegeben wurden. Die Auffindung von zehn Steinkistengräbern aus vandalisch-byzantinischer Zeit schließlich bezeugt erstmals für Thugga die andernorts gut bekannte Sitte, Friedhöfe in aufgelassenen Wohngebieten anzulegen.Mit diesen stratigraphischen Untersuchungen konnte zum ersten Mal in Thugga ein umfassender Einblick in die Besonderheiten der lokalen Siedlungsabfolge, von punisch-numidischer Zeit bis in die Spätantike gewonnen werden. Mit der Aufarbeitung und Vernetzung des reichen stratifizierten Fundmaterials wurde ein zuverlässiges chronologisches Gerüst erstellt, welches die historische Einordnung künftiger Fundkomplexe aus Thugga und der Region ermöglicht. Zugleich wird erstmals ein reiches Spektrum an chronologisch fixierten, aus geschlossenen Befunden stammenden Funden aus Thugga für überregionale Vergleichsstudien verfügbar gemacht.
Architektur und Kult im Kontext. Kleonai (1). Mattern, Torsten. Das Herakles-Heiligtum von Kleonai. 2015. 252 S. 62 Tafeln, 1 Beilage, 224 Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 79,00. ISBN: 978-3-95490-052-7 L, Reichert
Ca. 500 m südwestlich der antiken Stadt liegt das Herakles-Heiligtum von Kleonai. Es besteht aus einem tetrastylen dorischen Prostylos und einem ihm gegenüber liegendem Peribolos. Beide stammen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Der Tempel, dessen Kultbildtorso erhalten ist, kann weitgehend gesichert rekonstruiert werden. Er ist aufgrund der weiten Verbreiterung des Mittelinterkolumniums und der Integration des Altars in die Krepis sehr ungewöhnlich gestaltet. In dem Band wird zunächst der architektonische Befund des Ensembles vorgelegt und rekonstruiert und anschließend kontextualisiert. Grundlage für das Verständnis der Entstehungszeit und der Wahl der Kultinhabers ist die Geschichte der Stadt Kleonai, die deswegen mit Hilfe historischer, epigraphischer und archäologischer Quellen entwickelt wird. Anschließend wird der Heraklestempel in seinen architekturgeschichtlichen Kontext eingeordnet. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Charakteristika des Baus gelegt und wichtige Elemente hellenistischer Architektur, z.B. Grundrisstypologien oder Mehrmetopenschemata, ausführlich behandelt. Insgesamt erweist sich der Herakles-Tempel als ein gutes Beispiel für die Architektur des „Dritten Griechenlands“, der kleineren Orte, welche jenseits der großen kulturellen Zentren das Bild des antiken Griechenlands prägten, während die archäologische Überlieferung zumeist von den Zentren dominiert wird. Jene lokalen Architekturen waren aber in ihrer Gestaltung freier von großen Traditionen und können damit ein Korrektiv für unser Bild des antiken Architekturbestandes bilden.
Les figures du temps chrétien au Moyen Âge. Wolfgang-Stammler-Gastprofessur (21). Schmitt, Jean-Claude. L’histoire en lignes et en rondelles. Franz. 2015. 84 S. 45 fb. Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 29,95. ISBN: 978-3-95490-039-8 L, Reichert
Die Frage nach der Zeit steht im Zentrum der Definition von Geschichte als Geisteswissenschaft. Aber was bedeutet die Zeit für einen Historiker? Die Zeit ist der zwangsläufige Träger von evolutionären Phänomenen, die der Historiker untersucht und zu erklären versucht, die er aber viel seltener selbst zum Objekt seiner Reflexionen macht. Und wenn doch, dann fragt er sich: Was ist Zeit? Was die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft? Die Dauer, das Ereignis, das Datum, das Jahrhundert? Wie ist das Verhältnis zwischen der Zeit der Geschichte und der Zeit der Erinnerung? Die historische Dimension des Ganzen: Was sind die Konzeptionen und die Repräsentationsweisen der Zeit in den vergangenen Gesellschaften? Wie haben die Menschen die Zeit in den vorausgegangenen Zivilisationen gemessen? In welchen zeitlichen Maßstäben haben sie ihre täglichen Aktivitäten rhythmisiert? Wir leben heute in einer globalisierten Zeit, mit einer universellen Uhrzeit, gemessen mit den gleichen atomaren Techniken, die immer genauer werden, wohingegen früher der Bereich der Ausdehnung der Zeiterfassung und der Kalender die räumlichen Grenzen eines einzelnen Volkes, einer Kultur, eines Königreiches nicht überschritten haben. Die Fragen bezüglich der Zeit sind in unserer heutigen Gesellschaft entscheidend. Deshalb ist es umso wichtiger, sie in einer Geschichte zu verorten, die sich aufmerksam den technischen Veränderungen der Zeitmessung, den Konzepten und jeglichen erdachten und abgebildeten Zeit-Formen in der Vergangenheit widmet. Dazu möchte die vorliegende Publikation mit einer Analyse der mittelalterlichen Darstellungsweisen von Zeit einen Beitrag liefern.
Studien zu den Gladiatorenreliefs der späten Republik und der Kaiserzeit aus Italien. Studien zur Antiken Stadt (15); Studien zur Antiken Stadt (15). Flecker, Manuel. Römische Gladiatorenbilder. 2015. 312 S. 272 Abb. 32 x 24 cm. Gb. EUR 98,00. ISBN: 978-3-95490-097-8 L, Reichert
Die Darstellung von Gladiatoren und ihren Kämpfen gehört zu den zentralen Themen der kaiserzeitlichen Bilderwelt. Durch die Untersuchung von Ikonographie und Erzählweise geht die vorliegende Studie erstmals umfassend der Entstehung und Entwicklung der Gladiatorenbilder sowie ihren Funktionen und Botschaften in später Republik und Kaiserzeit nach. Im Zentrum der Arbeit steht dabei die sozialhistorische und kunstgeschichtliche Einordnung von Relieffriesen, die einst die Grabbauten munizipaler Würdenträger in Italien schmückten. Als konkrete Erinnerungsbilder verwiesen sie auf die Rolle der Grabinhaber als Veranstalter von munera gladiatoria. Die teilweise monumentale Wiedergabe von Gladiatorenspielen auf den Gräbern der editores muneris setzte ganz vereinzelt im späten 2. Jh. und der 1. Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. in Mittelitalien ein und hatte ihren Höhepunkt in augusteischer Zeit. Bereits für die nachaugusteische Zeit zeichnet sich jedoch ein starker Rückgang der Gladiatorenreliefs ab. Die Bilder sind vor allem in den Regionen Mittel- und Süditaliens zu finden, in denen die Stiftung von Gladiatorenkämpfen durch städtische Magistrate noch ein Novum und damit eine außergewöhnliche Leistung war. Der Vergleich mit anderen liberalitas-Darstellungen erweist darüber hinaus die herausragende Bedeutung der Gladiatorenreliefs und der dahinter stehenden Veranstaltungen in diesem Zeitraum. Wohl gemeinsam mit nicht erhaltenen Tafelbildern, die bereits für das 2. Jh. v. Chr. literarisch belegt sind, stellen die Grabreliefs das erste bildliche Medium überhaupt dar, das in großem Umfang Gladiatorenkämpfe zeigt. In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine eigene, nahezu ex novo entstandene Bildsprache, die vorbildhaft für die gesamte Kaiserzeit werden sollte und die in dieser Studie erstmals detailliert nachvollzogen wird. Die treibende Kraft hinter den sich rasch wandelnden Bildkonzepten sind dabei die Grabinhaber in ihrer Rolle als Spielgeber. Der Blick auf weitere Denkmälergattungen wie Reliefkeramik, Bildlampen, Graffiti, aber auch auf Wandmalerei und Mosaik vermag es ferner, gewandelte Darstellungsinteressen in unterschiedlichen Kontexten, Zeiten und Regionen aufzuzeigen. Neben der Analyse unterschiedlicher Erzählstrategien gilt das Augenmerk darüber hinaus Fragen wie dem Verhältnis von Bild und Realität, der Rolle von Gewalt oder dem Verhältnis von Gladiatur und Eros in den Bildern. Neues Licht auf das Gladiatorenwesen und ihre Ikonographie wirft dabei besonders die Untersuchung der einzelnen armaturae und ihrer Bewaffnung, die in ihrer Bedeutung zwischen Barbarenklischee, existierendem Feindbild, mythischem Heros sowie Kampfstil und besonderen Kampftechniken changieren.
Griechische Keramik nördlich von Etrurien: Mediterrane Importe und archäologischer Kontext. Internationale Tagung Basel 14.-15. Okober 2011 . Hrsg.: Bonomi, Simonetta; Guggisberg, Martin A. 2015. 232 S. 154 z. T. fb. Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 78,00. ISBN: 978-3-95490-072-5 L, Reichert
Griechische Keramik gehört zu den auffälligsten Gütern, die im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in die keltischen Machtzentren Mitteleuropas importiert wurden. Lange Zeit galt ihr Nachweis als zentrales Kriterium zur Definition der keltischen ‚Fürstensitze’. Griechische Keramik, so die Annahme, diente der Vermittlung mediterraner Trinksitten in den mitteleuropäischen Raum. Neue Funde aus Kontexten, die nicht mit dem herkömmlichen Bild des ‚Fürstensitzes’ korrespondieren, sowie das immer dichter werdende Netz der Fundpunkte diesseits und jenseits der Alpen legen jedoch eine differenziertere Bewertung des Phänomens „Importkeramik“ nahe. Die im vorliegenden Band vereinten Tagungsbeiträge beleuchten die Rolle der griechischen Luxuskeramik als Medium des kulturellen Austauschs zwischen der mediterranen und der mitteleuropäischen Welt am Beispiel von Alt- und Neufunden aus der Zone nördlich und südlich der Alpen.
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