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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Klemm, Elisabeth: Die ottonischen und frühromanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. 2 Bde/Tle. 2004. 544 S., 689 sw. u. 32 fb. Abb., Textbd: 276 S., Tafelbd: 268 S. 32 x 24 cm. (Kat. d. illuminierten Handschr. d. Bayer. Staatsbibl. In Mchn. 2) Gb EUR 220,- ISBN: 3-89500-348-4 L, Reichert
Madrider Mitteilungen 45, 2004. Engl. /Ital. /Dt. Hrsg. v. Deutsches Archäologisches Institut Madrid. 2004. VI, 615 S., 191 Abb., 32 Taf. und 2 fb. Taf. 25 x 19 cm. Ln EUR 98,- ISBN: 3-89500-401-4 L, Reichert
Uerpmann, Hans P /Uerpmann, Margarethe: Stone Age Sites and their Natural Environment. The Capital Area of Northern Oman. Part III. 2004. 280 S. 24 cm. (Tübinger Atlas d. Vorderen Orients (Beih.) B ) Kt EUR 88,- ISBN: 3-89500-373-5 L, Reichert
Elisabet Enß: Spätantike · Frühes Christentum · Byzanz. Reihe A. Band 13: Holzschnitzereien der spätantiken bis frühislamischen Zeit aus Ägypten. Funktion und Dekor. 2004. 4°. ca 600 S., ca. 1000 s/w-Abb., Gb., ca. EUR 178,– ISBN: 3-89500-398-0 L, Reichert
Die in zahlreichen Sammlungen weltweit zerstreuten Holzschnitzereien des spätantiken bis frühislamischen Ägypten sind hier in einem wissenschaftlichen Katalog zusammengestellt. Erstmalig wird durch eine Analyse von Form und Verbindungsmöglichkeiten von mehr als 400 Stücken eine Gliederung der Objekte in Funktionsgruppen ermöglicht. Weiterhin wird der ornamentale und figurale Dekor der Schnitzereien untersucht, zum einen hinsichtlich der Funktion der Stücke und zum anderen in Bezug auf die Dekoration von Objekten anderer Gattungen und/oder Provenienzen des östlichen Mittelmeerraumes.
Die Taliban im Land der Mittagssonne. Geschichten aus der afghanischen Provinz. Erinnerungen und Notizen von ‘Abdurraªm¡n Pahw¡l. Aus dem Dari übersetzt und hrsg. von Lutz Rzehak. 2004. 120 S., 4 Abb., Kt. EUR 16,90 ISBN: 3-89500-416-2 L, Reichert
Dieses Buch enthält die deutsche Übersetzung einer in Persisch (Dari) verfassten und bislang unveröffentlichten Handschrift, die der Herausgeber und Übersetzer im Herbst 2002 bei einer Forschungsreise nach Afghanistan finden konnte. Die Handschrift beinhaltet persönliche Erinnerungen und Notizen des inzwischen verstorbenen afghanischen Intellektuellen Abdurrahman Pahwal an die Zeit der Taliban-Herrschaft. Diese Aufzeichnungen, größtenteils während der Taliban-Herrschaft angefertigt, sind die erste umfassende Schilderung der Geschichte der Taliban aus innerafghanischer Perspektive. In zeitlicher Hinsicht gibt die Handschrift einen chronologisch geordneten Überblick über die Ereignisse, die sich vom Auftauchen der Taliban bis zum Ende ihrer Herrschaft im Herbst 2001 zugetragen haben. Gelegentlich wird auch auf frühere Ereignisse Bezug genommen, die bis in die 1950er Jahre zurück liegen.
In räumlicher Hinsicht konzentriert sich die Schilderung auf die Geschehnisse in der Provinz Nimruz, also einer Gegend abseits der in den Medien viel beachteten Regionen Kabul, Kandahar, Kunduz oder Mazar-i Sharif. Nimruz ist in den sonstigen Berichten weitgehend unbeachtet geblieben, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Afghanistans gerade dort zu Hause ist. In ihrer Erzählstruktur sind die Erinnerungen Pahwals zwischen oraler Erzähltradition, Memoirenliteratur und moderner Geschichtsschreibung anzusiedeln. Der Verfasser sieht sich in erster Linie als Bewahrer der Erinnerung an vergangene Ereignisse. Seine Aufzeichnungen weisen einige Merkmale auf, die auch schon aus der persischsprachigen Memoirenliteratur bekannt sind. Abschnitte aus dem Leben des Verfassers werden rekonstruiert und von Zeit zu Zeit mit der Darstellung der Geschichte der Taliban-Herrschaft in Nimruz verflochten. Insgesamt ist das Werk aber keine Autobiographie, denn der Autor folgt seinem Anspruch, vornehmlich politische bzw. historische Ereignisse und Prozesse der jüngeren Vergangenheit festzuhalten und möchte seine schriftstellerische Tätigkeit vor allem unter historiographischen Gesichtspunkten gewürdigt sehen. Mit der oralen Erzähltradition verbindet ihn der Brauch, vergangenes Geschehen in Form einzelner Geschichten zu erzählen. Auch eine wohlgebildete Geschichte gilt dabei als pragmatisch defizitär, wenn sie keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Geschehens anbieten kann. Deshalb wird Geschichte wie bei oraler Überlieferung gern in Form von metaphorischen Geschichten erzählt, bei denen fiktional-dichterische Elemente gegenüber dem faktualen Geltungsanspruch einer historiographischen Darlegung keine alternative, sondern eine zusätzliche Dimension der Sinnbildung darstellen. Darüber hinaus wollte Abdurrahman Pahwal aber auch den Ansprüchen jener modernen Geschichtsschreibung genügen, mit der er aufgrund seiner universitären Ausbildung und akademischen Tätigkeit vertraut war. All diese Ansprüche lassen sich in der Absicht bündeln, vergangenes Geschehen als objektiv sinnvollen und kohärenten Zusammenhang mit erklärbaren kausalen Verknüpfungen zu begreifen. Gelegentlich bietet Pahwal deshalb analytische Zusammenfassungen oder er führt jene Faktoren an, die das eine oder andere Ereignis seiner Meinung nach bewirkt haben.
Sein Text bietet so anschauliche Informationen über die Helfershelfer der Taliban im Ausland sowie aus den Kreisen der einheimischen Bevölkerung. Wir lernen Personen kennen, die es verstanden haben, ungeachtet ideologischer Vorbehalte jedem Herrschaftssystem zu dienen, das es in den vergangenen 25 Jahren in Afghanistan gegeben hat. Das Phänomen Taliban wird somit seiner ideologischen Überfrachtung entrissen.
Sprachen und Kulturen des Christlichen Orient. Die koptischen Textilien im museum kunst palast Düsseldorf. Teil 1: Wirkereien mit figürlichen Motiven. Von Karl-Heinz Brune. 2004. 312 S., 34 s/w- und 32 fb. Abb., 24 cm, Gb., mit Bild-CD, EUR 98,- ISBN: 3-89500-397-2 L, Reichert
Das museum kunst palast ehemals Kunstmuseum Düsseldorf beherbergt etwa 500 koptische Textilien, der größte Teil davon Mitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts durch Ankäufe des Kunsthändlers Franz Bock erworben. Er hatte auf seinen Reisen nach Ägypten zahlreiche Textilien aus spätantiker bis früh-islamischer Zeit erstanden, die er später in Europa an verschiedene Museen veräußerte. Er selbst war es auch, der in Düsseldorf im Jahre 1887 die erste und bisher einzige Ausstellung dieser damals 458 Exponate organisierte und einen (unbebilderten) Katalog dazu verfasste. Seitdem war diese großartige Sammlung bis auf einige wenige Wirkereien den Blicken der Öffentlichkeit entzogen.
Im vorliegenden Werk werden nun in Form eines Katalogs die 150 Stücke mit figürlichen Motiven vorgestellt. Sie umfassen den Großteil des ikonographischen Materials, das den Webern in der Zeit der Spätantike und des frühen Christentums zur Verfügung stand. Deswegen lässt sich an etlichen Beispielen der Übergang von einer paganen zu einer christlich geprägten Thematik nachvollziehen, wodurch die Rolle der koptischen Kunst als Brücke zwischen Heiden- und Christentum verdeutlicht wird. Bei der Realisierung dieses Projekts war eine anschauliche und möglichst ausführliche Bilddokumentation ein vordringliches Anliegen. Deswegen wurde für diese Publikation der Entwicklung neuer Medien Rechnung getragen und dem Katalog eine Bild-CD beigegeben. Auf ihr sind alle Stoffe, teilweise mit bis zu einem halben Dutzend Detailaufnahmen, im jpg-Format dokumentiert. Um eine möglichst hohe Bildqualität zu erzielen, wurden die Textilien, soweit möglich eingescannt, also ohne den Umweg über das Fotografieren direkt digital erfasst. Das hat entscheidende Vorteile, denn so können die Textilien am Bildschirm in starker Vergrößerung und damit in allen Details betrachtet werden. Selbst im Original weniger gut erkennbare Partien können durch digitale Bearbeitung (Helligkeitswechsel, Kontrastverstärkungen) besser visualisiert werden.
Die Tatsache, dass nun am Bildschirm unter Umständen mehr Einzelheiten zu erkennen sind als am Original und erst recht auf Buchabbildungen, eröffnet für die wissenschaftliche Diskussion natürlich ganz neue Perspektiven. Speziell die Diskussion z.B. über Darstellungen, deren ikonographischer Gehalt noch nicht entschlüsselt worden ist, sollte auf diese Weise eine deutliche Belebung erfahren. 57 der insgesamt 150 Stoffe werden aber in der herkömmlichen Bildform im Buch selbst auf Tafeln präsentiert, so dass sich auch beim „normalen„ Lesen durchaus ein guter Eindruck der Sammlung gewinnen lässt.
Verzeichnis der typographischen Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Von Falk Eisermann. 2004. 3 Bde., Bd.1: 360 S., 100 Tafeln; Bd. 2: 636 S., Bd. 3: 652 S., 100 Abb. Ln., 24 cm, EUR 148,- ISBN: 3-89500-374-1 L, Reichert
Das VE 15 enthält Beschreibungen von etwa 2150 typographischen Einblattdrucken des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, von denen viele hier erstmals erfaßt werden. Neben der bibliographischen Erschließung bietet der Katalog ausführliche Kommentare zu druck- und überlieferungsgeschichtlichen, literarischen, historischen und kunsthistorischen Problemen. Register und Konkordanzen erschließen das Verzeichnis. 100 Abbildungen bieten einen repräsentativen Überblick über die Vielfalt des Materials. Das VE 15 dokumentiert umfassend die Bedeutung des Einblattdrucks für die Medienwelt des 15. Jahrhunderts und stellt einen großen Quellenfundus für viele an der Kultur des späten Mittelalters interessierte Disziplinen bereit.
Governing the Holy City. The Interaction of Social Groups in Jerusalem between the Fatimid and the Ottoman Period. Hrsg.: Korn, Lorenz. 2004. EUR 39,- ISBN: 3-89500-404-9 L, Reichert
The history of Jerusalem during the Islamic Middle Ages was not confined to the foundation of sanc-tuaries, and the struggle over their control — even if these aspects could not be ignored in the context of Jerusalem. Different kinds of sources — buildings, inscriptions, documents and chronicles — inform us about the history of Jerusalem between the Fatimids and the Ottomans, and on the changing social and political factors which shaped the urban environment.

Jerusalem im islamischen Mittelalter — zwischen Fatimiden und Osmanen — hat vor allem durch seine Heiligtümer, die die Stadt zum wichtigsten muslimischen Heiligtum nach Mekka und Medina erheben, Aufmerksamkeit erfahren. Die umayyadische Ausgestaltung des ehemals jüdischen Tempelberges knüpfte an die alten Heiligtumstraditionen an und schuf ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Auch wenn diese Prägung an keiner Stelle außer Acht gelassen werden kann, nähert sich Governing the Holy City dem Phänomen des islamischen Jerusalem aus einem anderen Blickwinkel: Wie behandelten Herrscher und Gouverneure die Stadt, und wie lebten darin die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen?
Die in diesem Buch versammelten Aufsätze behandeln Themen aus der Geschichte Jerusalems über einen Zeitraum von über sechshundert Jahren. Kann man in Anbetracht der politischen Wechselfälle von einer kontinuierlichen gesellschaftlichen Entwicklung in Jerusalem sprechen? Wie stellt sich die Situation während und nach der Kreuzfahrerherrschaft in dieser Hinsicht dar? Wandelte sich die Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen an städtischen Angelegenheiten?
Wie artikulierte sich Opposition? Welche Art von Selbstdarstellung betrieb die politische Führung? Unter diesen Vorzeichen lassen sich verschiedene Aspekte der politischen Kontrolle über die Stadt darstellen. Dabei werden die verschiedensten Quellen berücksichtigt: Sie reichen von Bauten über Inschriften und Urkunden bis zu chronikalischer Literatur. Die Beiträge zu diesem Sammelband gehen auf ein Panel auf dem 28. Deutschen Orientalistentag in Bamberg zurück. Teilnehmer verschiedener Nationalität, darunter insbesondere Palästinen-ser und Israelis, diskutierten die Geschichte des islamischen Jerusalem.
Aus der Perspektive des Historikers wird nicht nur deutlich, dass die Herrschaft über die Stadt immer wieder umstritten war, sondern auch, wie Mechanismen von Herrschaft und Opposition funktionierten.

Fachgebiete:
Islamwissenschaft, Mittelalterliche Geschichte, Byzantinistik, Osmanistik/Turkologie, Kunstgeschichte
Theis, Lioba: Flankenräume im mittelbyzantinischen Kirchenbau. Zur Befundsicherung, Rekonstruktion und Bedeutung einer verschwundenen architektonischen Form in Konstantinopel. 2004. 376 S., 259 Abb. 24 cm. (Spätantike Frühes Christentum Byzanz. B 18) Gb EUR 98,- ISBN: 3-89500-359-X L, Reichert
Spätbyzantinische Kirchenanlagen (seit dem 13. Jh.) in den ehemaligen Kernbereichen von Byzanz, besonders in Konstantinopel, Griechenland, aber auch auf dem Balkan sind in der Regel viel-teilig. Sie bestehen aus dem Kernbau von Bema, Naos und Narthex und werden häufig auf Nord- und Südseite von Nebenräumen flankiert. Die vorliegende Untersuchung erbringt den Beweis, daß solche Anlagen schon in mittelbyzantinischer Zeit (sicher seit dem 10. Jh.) in der Hauptstadt Konstantinopel entwickelt wurden und sich von dort in den byzantinischen Kernlanden, aber auch in allen von Byzanz beeinflußten Ländern (z.B. in Russland) verbreitet haben. Form und Funktion dieser Raumteile im Verhältnis zum Gesamtbau werden anhand des archäologischen Befundes der konstantinopolitanischen Beispiele exemplarisch untersucht.
Monumenta Artis Romanae (MAR). Hg. vom Forschungsarchiv für Antike Plastik am Archäologischen Institut der Universität zu Köln. Band II: Römische Skulpturen des späten Hellenismus und der Kaiserzeit. Teil 2: Werke nach Vorlagen und Bildformeln hellenistischer Zeit sowie die Skulpturen in den Magazinen (= MAR XXXIV). Bearbeitet von Christiane Vorster. 2004. 376 S., 560 s/w-Abb., 24 cm, Ln., EUR 110,- ISBN: 3-89500-392-1 L, Reichert
Mit dem vorliegenden Katalogband wird die Publikation der rundplastischen Idealskulpturen des Museo Gregoriano Profano zum Abschluß gebracht. Im Hauptteil des 172 Denkmäler umfassenden Kataloges werden die im Museum ausgestellten Skulpturen, die hellenistischen Vorbildern folgen, in ausführlichen Katalogtexten vorgelegt. Ein zweiter Teil ist den magazinierten Skulpturen gewidmet, deren Bearbeitung erst durch einen Ende der 90er Jahre erfolgten Umbau der vatikanischen Skulpturenmagazine möglich wurde. Ziel des Katalog ist, die besprochenen Skulpturen nicht nur typologisch und chronologisch einzuordnen, sondern sie darüberhinaus als Elemente einer umfassenden römischen Bildsprache verständlich zu machen.
Fleischer, Andrea: Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240). 2004. 324 S., 95 Abb. 24 cm. Ln EUR 68,- ISBN: 3-89500-315-8 L, Reichert
Im Zentrum dieser Arbeit steht das Zisterzienserkloster Salem, das 1134 gegründet wurde und durch seine Nähe zum Bodensee in eine Kulturlandschaft eingebunden ist. Zu nennen sind die Klöster Reichenau, St. Gallen, Weißenau, Weingarten, die Konstanzer Dombibliothek und auch das weiter entfernt gelegene Zwiefalten.
Unter dem fünften Abt von Salem, Eberhard I. aus der einflussreichen Familie der Grafen von Rohrdorf bei Meßkirch, erlebte das Zisterzienserkloster eine wirtschaftliche Prosperität, die auch dem Skriptorium einen ersten Höhepunkt beschied. In einer ausführlichen paläographischen Untersuchung wird die Salemer Schreibschule dieser Zeit rekonstruiert, und in einem kunsthistorischen Teil werden die verschiedenen Initialstile der Werkstatt untersucht.
Auf diesen Grundlagen basieren die nachfolgenden Fragestellungen, inwieweit die Ausstattung der Salemer Handschriften mit den rigiden Statuten des Zisterzienserordens konform ist und den ästhetischen Vorstellungen des bedeutendsten Zisterziensers Bernhard von Clairvaux entsprechen. Dabei wird das Skriptorium sowohl im Vergleich mit seinem zisterziensischen Schwesterkloster Kaisheim betrachtet als auch im Spannungsfeld seiner Eingebundenheit in eine bereits bestehende Klosterlandschaft — hervorzuheben sei das Kloster Weingarten unter Abt Berthold und Zwiefalten mit Reinhard von Munderkingen. Im Folgenden wird die Wissenschaftspflege der Zisterzienser behandelt sowie zusammengestellt, welche Texte in der Salemer Klosterbibliothek zu Beginn des XIII. Jahrhunderts abgeschrieben und gesammelt wurden. Schließlich erfährt die eigene literarische Produktion eine besondere Würdigung. Aus der Feder eines gewissen Johannes Gallus sind Gedichte auf Dietheim von Krenkingen, dem Abt von der Reichenau und Bischof von Konstanz, der in Salem seine letzte Ruhestätte fand, ebenso überliefert wie ein Epitaphgedicht auf zwei bislang unbekannte Grafen, die als Mitglieder der Familie des Eberhard von Rohrdorf identifiziert werden konnten und als Laien in Salem ebenfalls eine Grabliege erhielten.
Einen besonderen Höhepunkt bilden aber die Verse des Johannes Gallus über den Staufer Philipp von Schwaben, der 1208 in Bamberg hinterrücks ermordet wurde. Diese werden mit anderen zeitgenössischen Gedichten über den Königsmord zu Bamberg verglichen. Ferner wird eine Vision über ein Eucharistiewunder — auf Abt Eberhards Veranlassung in Salem niedergeschrieben — in dieser Arbeit nach der Urfassung ediert. Mit der Zusammenstellung der Texte, die in Salem gesammelt wurden, und der Würdigung der eigenen literarischen Produktion gelang es, das bislang gültige Bild zu revidieren, dass Eberhard von Rohrdorf ein nüchterner Zisterzienser gewesen wäre, der sich um kulturelle Angelegenheiten wenig Verdienste erworben hätte. Vielmehr förderte und kultivierte der Zisterzienserabt die Hagiographie und die Visions- und Mirakelliteratur sowie die Memoria an Menschen, die mit Salem verbunden waren, in hohem Maße.
Contributions to Tibetan Studies, Edited by David P. Jackson, Vol. 2. Die Statue und der Tempel des Arya Va-ti bzang-po. Ein Beitrag zu Geschichte und Geographie des tibetischen Buddhismus. Von Franz-Karl Ehrhard. 2004. 656 S. 65 Abb. und Faltkarte, Ln., EUR 98,- ISBN: 3-89500-306-9 L, Reichert
Studie zum Kult des Bodhisattva Avalokitesvara in Mang-yul sKyid-grong im südwestlichen Tibet anhand eines Pilgerführers des Brag-dkar rta-so sPrul-sku Chos-kyi dbang-phyug (1775– 1837). Neben der annotierten Übersetzung dieses als Manuskript erhaltenen Werkes werden weiterhin zwei als Blockdrucke erhaltene Texte aus dem 16. Jh. vorgestellt, die als älteste xylographierte Pilgerführer des tibetischen Kulturraumes gelten. Damit kann die religiöse Geographie einer Region erhellt werden, die einen zentralen Platz im kulturellen Gedächtnis der Tibeter einnimmt. Die für die Tibetologie und verwandte Disziplinen erstmals zugänglich gemachten Quellen enthalten auch Lobpreise für das Standbild aus der Feder verschiedener Vertreter der Inkarnationsreihe der Dalai Lamas.
Böhm, Stephanie: Klassizistische Weihreliefs. Zur römischen Rezeption griechischer Votivbilder. 2004. 132 S., 81 Abb. 29 cm. (Palilia 13) Pb EUR 22,- ISBN: 3-89500-383-2 L, Reichert
In diesem Band werden römische Marmorreliefs mit Götterbildern vorgestellt, die in der Art klassischer Weihreliefs gestaltet sind. Es handelt sich um klassizistische Arbeiten der späten Republik und Kaiserzeit, die sich am Vorbild der griechischen Votive orientieren, diese aber nicht kopieren. Die eigenständige Leistung der klassizistischen Bildhauer besteht darin, eklektische Neuschöpfungen geschaffen zu haben, deren Charakter sich in der Rezeption von Bildkompositionen und Figurentypen sowie in der architektonischen Gestaltung und im Format offenbart. Im Hinblick auf die Figurentypologie bediente man sich auch der Anregungen, die spätklassische Urkunden- und Grabreliefs boten. Doch nicht nur retrospektive Züge kennzeichnen die Reliefs als klassizistische Neuschöpfungen. Oft fließen beim eklektischen Kombinieren auch Elemente des zeitgenössischen Bildrepertoires ein.
Bemerkenswert ist indes die Stilsicherheit, durch die sich klassizistisch arbeitende Werkstätten auszeichnen. Stilformeln der Klassik werden derart gekonnt eingesetzt, daß ein Relief, dessen Figurenschmuck zum größten Teil aus eklektischen Neuschöpfungen besteht, einen ungewöhnlich klassischen Eindruck evoziert.
Besonders enge Verbindungen bestehen zwischen den klassizistischen Reliefs und den verschiedenen Denkmälergattungen des römischen Ausstattungsluxus. Innerhalb des römisch-klassizistischen Kunstbetriebes muß für die klassizistischen Weihreliefs jedoch der Status einer eigenständigen Denkmälergattung postuliert werden.

Joining Greek tradition was seeked by the sculptors who produced the marble reliefs dealt with in this study: reliefs which are held in the manner of Greek classical votive reliefs. But in fact they are no productions of the fifth or fourth century B.C., but classicist creations, dating of the late Roman Republican or imperial period. The artist’s aim was not to copy the classical prototypes. They were understood as source of inspiration. The results were creations of obviously ecclectic character basing on the reception of pictorial compositions and typology of Greek relief art. There are many features in common with other categories of Roman decorative art. Nevertheless the function of the classicist votive reliefs was not purely decorative.
Über die Autorin:
Prof. Dr. Stephanie Böhm, geb. 1958, Studium der Klass. Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Alten Geschichte in Heidelberg und Bonn. Promotion 1986 in Heidelberg.
Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts 1986-87. 1988-1995 Wissenschaftliche Assistentin am Archäologischen Institut Bonn. 1994 Habilitation in
Bumiller, Manfred: Tropfenförmige Anhänger. Typologie frühislamischer Bronzen der Bumiller-Collection. 2002. 294 S., 195 Abb. 30 cm. (Museum f. Frühislam. Kunst in Bamberg 6) Pb EUR 120,- ISBN: 3-88226-871-9 L, Reichert
Fürbeth, Frank: Heilquellen in der deutschen Wissensliteratur des Spätmittelalters. 2004. 452 S. 24 cm. (Wissenslit. im Mittelalter 42) Ln EUR 59,- ISBN: 3-89500-396-4 L, Reichert
Dieses Buch behandelt die Genese einer Textgattung, die im spätmittelalterlichen Italien anläßlich der Analyse und Beschreibung der Wirkkraft natürlicher Heilquellen entwickelt wurde. Es verfolgt die Rezeption dieser Textgattung im deutschen Raum und ihre Diversifizierung im Zusammenhang mit unterschiedlichen Gebrauchsinteressen von akademischen Ärzten und medizinischen Laien.
The Baloch and Their Neighbours. Ethnic and Linguistic Contact in Balochistan in Historical and Modern Times. [Afghanistan] Hrsg.: Korn, Agnes /Jahani, Karina. 2004. 380 S., 10 Ktn 24 cm. Gb EUR iVb ISBN: 3-89500-366-2 L, Reichert
Stadler, Martin A: Ägyptische Mumienmasken im Martin von Wagner Museum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. (Schenkung Gütte). 120 S., 19 sw. u. 16 fb. Abb. 24 cm. Gb. L. Reichert, Wiesbaden 2004. EUR 29,- 12. Januar 2005 ISBN: 3-89500-361-1 L, Reichert
Auf den ersten Blick wäre zu erwarten, daß ein für die altägyptische Kultur derart prominentes Charakteristikum wie Mumienmasken ein wohlerforschtes Gebiet ist. Wem fielen nicht herausragende Beispiele wie die goldenen Masken der Tuja oder des Tutanchamun ein? Doch häufig ist in der Ägyptologie gerade das in der öffentlichen Wahrnehmung Typische nur unzureichend oder gar nicht erforscht, was an der gewaltigen Materialfülle liegt, der nur wenige Ägyptologen gegenüberstehen. So sind auch die Mumienmasken ein bislang von der Ägyptologie nur oberflächlich gestreiftes Gebiet. Fragen der Datierung und der Provenienz sind noch nicht voll befriedigend beantwortet, ebenso wurden das ikonographische Programm und damit die religiösen Aussagen, die aus den Mumienmasken abzuleiten sind, kaum systematisch diskutiert.
Der vorliegende Band beschäftigt sich mit diesen Fragen aus Anlaß der Veröffentlichung von zwölf bislang unpublizierten ägyptischen Mumienmasken, die sich heute im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg befinden. Sie wurden vom Privatsammler Friedrich Gütte der Universität Würzburg geschenkt, wobei die Herkunft unbekannt ist. Diese Masken sind weder stilistisch noch chronologisch eine homogene Gruppe. Auch ihr Erhaltungszustand ist ganz unterschiedlich. Deshalb ist es nötig, zunächst über den kunsthistorischen Vergleich eine Datierung und Provenienz zu etablieren, um dann diese Stücke in Farbabbildungen erstmals der Öffentlichkeit vorzulegen. Zwar ist die grobe chronologische Einteilung in die ptolemäische bis frühkaiserzeitliche Epoche für die Würzburger Gruppe eindeutig, doch ist dies bei einer 400jährigen Zeitspanne nur eine grobe Datierung. In dieser Arbeit ist versucht worden, diese näher einzugrenzen.
Da die meisten Masken mit einem reichen Bildprogramm dekoriert sind, darf auch der religionshistorische Hintergrund nicht vernachlässigt werden. Zwar haben andere Museen schon in ihren Katalogen für einzelne Masken kurze Erläuterungen gegeben, aber die Ikonographie nicht als System aufgearbeitet. Hier werden nun die Bilder und Symbole auf den Würzburger Masken erstmals unter Einbeziehung der Textquellen systematisch erläutert und in einen übergreifenden Gesamtzusammenhang gestellt.
Dadurch wird ein Beitrag zur ägyptischen Totenreligion in der spätptolemäischen und frühkaiserzeitlichen Epoche geleistet, als die altägyptische Kultur sich bereits knapp 300 Jahre lang mit der hellenistischen Kultur in einem Spannungsfeld befand. Die Abgrenzung gegenüber dem Hellenismus oder Öffnung ihm gegenüber wird auch an den Mumienmasken deutlich. In den Kapiteln, die die religiöse Bedeutung der Mumienmasken für die Ägypter und das Bildprogramm erläutern, richtet sich der Band nicht nur an den Fachmann, sondern auch an den am Altertum interessierten Laien.
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Stephan-Chlustin, Anne: Artuswelt und Gralswelt im Bild. Studien zum Bildprogramm der illustrierten Handschriften. Imagines Medii Aevi Bd. 18. Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung. Hg. H. Brunner, E. Hösch, R. Sprandel, D. Willoweit. 2004. 360 S., 78 Abb. 24 cm. Ln EUR 68,- ISBN: 3-89500-357-3 L, Reichert
Diese Arbeit ist den sechs überlieferten illustrierten Parzival-Handschriften gewidmet: den beiden Münchner Handschriften G (Cgm 19) und Gk (Cgm 18), den aus der elsässischen Werkstatt Diebold Laubers stammenden Handschriften m (Cod. Vindob. 2914), n (Cgp. 339) und o (Ms M 66 Dresden) und dem Berner Codex Gx (Cod. AA 91), der mit den Lauber-Handschriften den sog. Volkshandschriften zugerechnet wird. Sie hat zwei Untersuchungsschwerpunkte. Der erste gilt nach einer Darstellung von Überlieferung, Datierung, Aufbewahrung, Schrift, Texteinrichtung und Ausstattung der Codices der Charakterisierung des künstleri-schen Ausdrucks der Bilder dieser Handschriften, die mit Ausnahme des Cgm 19 nicht faksimiliert sind, und beschäftigt sich zum einen mit Technik, Zeichen- und Malstil und Koloristik, zum andern mit der Darstellungsweise in den Kategorien Person, Tier, Architektur, Landschaft und Komposition. Eine vollständige und genaue Bestandsaufnahme soll dazu beitragen, das Negativurteil über die Bebilderung einiger Handschriften zu überprüfen, besonders jener aus der Lauber-Werkstatt, und sie einer vorurteilsfreieren Betrachtung zuzuführen. Das Ziel dieser Bestandsaufnahme ist nicht die Einordnung in das kunsthistorische Umfeld, auch wenn entsprechende Vergleiche vorgenommen werden, sondern die Herausarbei-tung der stilistischen Merkmale der verschiedenen Bildversionen der Parzival-Handschriften. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Text-Bild-Beziehungen. Beide Untersuchungsschwerpunkte berücksichtigen die gelegentlich gestellte Forderung nach einer Einzelanalyse der Manuskripte. Fragen der Sachkultur, Kleidung und Rüstung werden — soweit erforderlich für die Ikonographie und dieInterpretation der Rezeption der Dichtung - von Fall zu Fall und ansonsten nur marginal gestellt. Die Arbeit stützt sich zunächst in allen Fällen auf die per-sönliche Autopsie der Handschriften. Die Beschreibung des künstlerischen Ausdrucks erfolgt ohne strenge Be-achtung des dreistufigen Prinzips nach E. Panofsky — vorikonographische Beschreibung (und pseudoformale Analyse), ikonographische Analyse, ikonologische Interpretation — auf der Basis eingehender Prüfung der Ori-ginale hinsichtlich Technik und Stil und für alle Bilder vorgenommener Farbnotate. Die ikonographische Beschreibung in den Kapiteln der Text-Bild-Analyse sucht nach größtmöglicher Genauigkeit. Die Text-Bild-Analyse setzt die Bildinhalte in Beziehung zum erzählten Bericht. Sie untersucht die Methode antizipierender, retrospektiver oder paralleler Begleitung des Textes durch das Bild. Sie überprüft die Textkenntnis des Rubrikators anhand seiner Bebilderungsvorgaben und die des Illustrators, indem sie Indizien seiner Textkennt-nis oder mangelnden Textkenntnis aufsucht. Sie untersucht die Themenauswahl mit dem Ziel, Einsicht in die Funktion des Bildprogramms zu gewinnen, und versteht und befragt es als Medium der Rezeption und Interpretation der Dichtung durch Rubrikator und Illustrator. Eine Synopse der Bebilderungssysteme und ihrer szenisch-in-haltlichen oder ikonographischen Beziehungen soll der Auffindung von Indizien einer Bildtradition der *G- und *D-Handschriften dienen.
Buchmalerei in Freiburg im Breisgau. Ein Zisterzienserbrevier aus dem frühen 14. Jahrhundert. Zur Geschichte des Breviers und seiner Illumination. Von Judit Raeber. 2003. 408 S. 85 s/w und 78 fb. Abb, Gb. EUR 98,- ISBN: 3-89500-321-2 L, Reichert
Mit dem Thema ‚Brevier‘ befasste sich vor allem die theologische Forschung, wobei das Gebet im Vordergrund stand. Die „Gebetsträger“ frühen Datums — deren Ursprung, Konzept, künstlerische Ausstattung, Handhabung — wurden bislang von der Fachwelt nicht oder nur am Rande behandelt. Es war deshalb der Autorin ein Anliegen, auf diesem interessanten Gebiet einen Forschungsbeitrag zu leisten.
Vorgestellt wird eine aussergewöhnliche, kurz nach 1300 im Raum Freiburg i. B. entstandene illuminierte Brevierhandschrift. Dieses so genannte Luzerner Brevier, ehemals für ein Zisterzienserkloster eingerichtet, ist ein repräsentativer Zeuge oberrheinischer Buchmalerei jener Zeit. Der Codex besticht durch seinen hohen künstlerischen Gehalt ebenso wie durch die zum Teil unkonventionelle Wahl der Illustrationen.
Erfreulicherweise ist es geglückt, den Auftraggeber zu eruieren, die Werkstätte zu lokalisieren sowie die spätere Uberlieferungsgeschichte relativ geschlossen zu rekonstruieren. Bei der Stilanalyse kristallisierte sich überraschend eine enge Verwandtschaft heraus mit der berühmten Weltchronik des Rudolf von Ems, so dass eine Werkstattidentität der beiden Handschriften angenommen werden darf. Diese Mutmassung enthält einige Brisanz: Die Weltchronik wurde mangels Hinweisen auf Auftraggeber bis vor kurzem aufgrund stilistischer Kriterien nach Konstanz eingeordnet, in jüngster Zeit paläographischer Eigenheiten wegen nach Zürich.
Buchgeschichtliche Aspekte zum Brevier allgemein werden in einem separaten Teil behandelt. Unter anderem wird auch die Frage der Herkunft aufgeworfen:
Spanien — Wiege des Breviers? Ein weiteres Thema ist die Benutzung des Breviers im gemeinsamen Chorgebet. Aufgrund des vorgestellten Zisterzienserbreviers lag es nahe, sich mit den Zisterziensern zu befassen und deren Offizium zu untersuchen, um dann dem Ergebnis Allgemeingültigkeit zuzuschreiben. Im letzten Teil findet sich eine minuziöse Aufarbeitung der Geschichte der Brevierillumination seit Anbeginn. Diesem langjährigen Desiderat ist die Autorin nachgekommen, zum einen, um das Luzerner Brevier auch in diesem Kontext betrachten zu können, zum andern, um eine künftige Basis zu schaffen für weitere Studien auf diesem Gebiet.
Kataloge der Universitätsbibliothek Heidelberg. Band VI. Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg. (Cod. Pal. germ., 1-181) Bearb. Karin Zimmermann unter Mitwk. von Sonja Glauch, Matthias Miller und Armin Schlechter. 2003. 636 S., 41 z. T. fb. Abb., 29 cm, EUR 138,- ISBN: 3-89500-152-X L, Reichert
Die Codices Palatini germanici (Cod. Pal. germ.) bilden heute die älteste, über Jahrhunderte gewachsene größere Sammlung deutscher Manuskripte, die geschlossen erhalten ist. Überwiegend handelt es sich bei den Palatini germanici um die volkssprachigen Anteile der Schloßbibliotheken der Heidelberger Kurfürsten und ihrer Familien. Die insgesamt 848 Handschriften waren bis zum Dreißigjährigen Krieg Teil der zu ihrer Blütezeit weltberühmten Heidelberger Bibliotheca Palatina. Unter dieser Bezeich-nung werden im Kern die Buchbestände der Universität, der Stiftsbibliothek in der Heiliggeistkirche und der Schloßbibliothek der Kurfürsten von der Pfalz verstan-den, die von Kurfürst Ottheinrich (1502 — 1559; reg. 1556 — 1559) vereinigt worden waren. Durch wertvolle Zugänge wurde sie auch später noch vermehrt. Etwa ein Drittel des Gesamthestandes überliefert Medizinisches und AIchemisches. Die zweitgrößte Gruppe ist die der theologischen Codices. Etwa 120 Handschriften lassen sich den Historici zuordnen. Erst an vierter Stelle sind die gut 100 Handschriften zu verzeichnen, die mittelhochdeutsche und frühneuhochdeutsche Literatur überliefern. Auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes war die Bibliothek nach der Eroberung Hcidelbergs durch katholische Truppen im Jahr 1622 dem Vatikan als Kriegsbeute übergeben worden. Insgesamt gelangten so etwa 3500 Handschriften und mindestens 12.000 gedruckte Titel nach Rom. Die lateinischen, griechischen und hebräischen Handschriften sowie die Gesamtzahl der Drucke befindet sich noch heute dort, während die Codices Palatini germanici aufgrund von Vereinbarungen, die während der Pari-ser Friedensverhandlungen getroffen worden waren, 1816 nach Heidelberg zurückkehrten. Der erste Band der neu bearbeiteten Kataloge der Universitätsbibliothek Heidelberg umfaßt den Signaturenab-schnitt der Codices Palatini germanici 1 bis 181. Am Anfang stehen im hier behandelten Signaturensegment ver-schiedene Texte und Sammelhandschriften astrologisch-astronomischen Inhalts. Einen umfangreichen Bestandteil mit überwiegend theologischer Literatur leiten zwei mehrbändige illuminierte Übersetzungen der Bibel aus den Werkstätten Ludwig Henfflins (Cod. Pal. germ. 16— 18) und Diebold Laubers (Cod. Pal. germ. 19—23) ein. Reformatorisches Schrifttum ist in dem beschriebenen Teil-bestand unter anderem durch Abschriften von Predigten Martin Luthers vertreten (Cod. Pal. germ. 41—49). Hierun-ter befindet sich auch ein aus dem Jahr 1530 stammendes Autograph des Reformators (Cod. Pal. germ. 40). Es folgen einige Handschriften mit literarischen Texten. Hierzu gehören beispielsweise der ‚Ackermann aus Böhmen‘ des Johannes von Tepl (Cod. Pal. germ. 76), der Prosaroman ‚Pontus und Sidonia‘ (Cod. Pal. germ. 142) oder der ‚Herpin‘ Elisabeths von Hessen-Nassau (Cod. Pal. germ. 152). Aus dem Besitz beziehungsweise dem Umfeld der für ihre literarischen Interessen bekannten Pfalzgräfin Mechthild (1419—1482) stammen unter anderem ein Manuskript mit den ‚Translatzen‘ des Niklas von Wyle (Cod. Pal. germ. 101)und ein Exemplar des ‚Buchs der Beispiele‘ von Antonius von Pforr(Cod. Pal. germ. 84). Interessenten: Historiker, Kunsthistoriker, Germanisten, Studierende und Lehrende der Fächer Mittellatein, Philosophie, Theologie, Handschriftenkunde.
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