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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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Annemarie Stauffer. Antike Musterblätter. Wirkkartons aus dem spätantiken und frühbyzantinischen Ägypten. Spätantike · Frühes Christentum · Byzanz. Reihe A: Grundlagen und Monumente. Band 5248 S, 225 sw. u. 108 fb Abb., 31 Strichzeichnungen. 4 °, Gb., EUR 138,00 ISBN: 978-3-89500-584-8 L, Reichert
Die Frage nach antiken Mustervorlagen und damit verbunden die Frage nach antiker Werkstattorganisation hat Wissenschaftler verschiedener Disziplinen in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Durch ihre Forschungen zur spätantiken Textilgeschichte stieß Annemarie Stauffer vor einigen Jahren auf Papyrusillustrationen aus Ägypten, die augenscheinlich als Vorlagen in der Textilherstellung gedient haben. Im Rahmen einer interdisziplinär angelegten Forschungsarbeit wurden die Bestände sämtlicher namhafter europäischer und außereuropäischer Papyrussammlungen systematisch nach solchen Vorlagen für Weber durchsucht. Über hundert erhaltene Beispiele konnten dabei wissenschaftlich erfasst werden.
Die große Zahl der erhaltenen Mustervorlagen erlaubte es, diese nach gemeinsamen Merkmalen zu befragen und die Vorlagen originalen spätantiken und frühbyzantinischen Textilien gegenüber zu stellen. Aus der Beschäftigung mit dem reichhaltigen Material ergeben sich überraschende und klare Einblicke in den antiken Werkstattbetrieb sowie vielfältige Hinweise dazu wie Vorlagen in den Webateliers umgesetzt wurden, wie genau die Weber sich an die Vorlagen hielten bzw. wie weit sie sich die Freiheit für eigene Gestaltungsmöglichkeiten nahmen.
Im ersten Teil der Publikation werden die klar fassbaren Charakteristika der Musterkartons für Wirker vorgestellt, die Vorlagen selbst gegen andere Gruppen spätantiker Papyrusillustrationen abgegrenzt, die Arbeitsweise mit solchen Vorlagen erläutert und Fragen des künstlerischen Umgangs mit derartigen Vorgaben diskutiert.
Es schließt sich ein ausführlicher vergleichender Katalog der behandelten Mustervorlagen auf Papyrus an, in dem alle Beispiele in Schwarz-Weiß und Farbe abgebildet werden. Erstmals werden die Vorlagen zeitgleichen Textilien gegenübergestellt. Dadurch wird die Art und Weise, wie solche Vorlagen ins textile Medium umgesetzt wurden, augenfällig und leicht nachvollziehbar. Ein Tafelteil mit 48 Farbtafeln ergänzt den wissenschaftlichen Katalog.
Das in der Publikation erstmalig in dieser Weise vorgeführte Material wirft neues Licht auf den Umgang mit Vorlagen nicht nur im Bereich der Textilkunst, sondern auch in anderen kunsthandwerklichen Bereichen wie der Mosaikkunst, Bauplastik und Kleinkunst. Die Publikation richtet sich deshalb nicht nur an Textilhistoriker, sondern an einen breiten Kreis von Altertumsforschern, Archäologen, Papyrologen und Kunsthistorikern.
Bankettgebäude in griechischen Heiligtümern. Von Christina Leypold. 2008. 8°. 368 S., 69 s/w-Abb., 138 Strichzeichnungen, geb., EUR 82,00 ISBN: 978-3-89500-582-4 L, Reichert
Das Bankett im Heiligtum bildete in der griechischen Antike einen zentralen Bestandteil der Kultfeste: Der Verzehr des Opferfleisches bedeutete für die ganze Bürgerschaft einer Polis den besonderen und keineswegs alltäglichen Genuss einer reichlichen Fleischmahlzeit.
In der Regel schmauste und feierte die Festgemeinschaft nach dem Opferritual unter freiem Himmel oder in temporär errichteten Zelten und Hütten. Einige Heiligtümer besaßen jedoch eine besondere Ausstattung: Gebäude, die eigens für die sakralen Bankette errichtet worden waren und in welchen eine auserwählte Personengruppe abgesondert vom turbulenten Fest tafelte.
Die Monographie erfasst das Thema sakraler Speisebauten erstmals in seiner Gesamtheit und liefert neue Grundlagenforschung zur architektonischen Ausstattung griechischer Heiligtümer und ihrem vielschichtigen funktionalen Kontext: Woran kann man einen solchen Bankettbau auch bei schlechtem Erhaltungszustand erkennen? Welche Stellung nahmen diese Speisebauten innerhalb der Sakralarchitektur ein? Welche Bedeutung kam ihnen bei den Götterfesten zu? Und welche Personen genossen das Privileg, ihr Kultmahl in diesem besonderen architektonischen Rahmen einzunehmen? Christina Leypold geht diesen vielfältigen Fragen in einer minutiösen und dennoch anschaulichen Analyse von Grund auf nach: Bisherige Vorgehensweisen bei der Identifizierung architektonischer Reste als sakrale Banketträumlichkeiten werden auf den Prüfstand gestellt und klare Kriterien zur Funktionsbestimmung neuer archäologischer Befunde erarbeitet. Auf der Basis einer umfassenden Materialvorlage, die Speisebauten aus dem Zeitraum vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis in hellenistische Zeit einschließt, wird die erstaunliche architektonische Vielfalt dieser Gebäudegattung präsentiert, in welcher sich gleichermaßen funktionale Ansprüche und lokalspezifische Besonderheiten niederschlagen. Dem Leser erschließt sich, inwiefern bauliche Elemente speziell für die sakralen Speiseanlagen entwickelt wurden und in welchem konkreten Zusammenhang sie mit ihrer Nutzung standen. Leypold richtet den Fokus insbesondere auch auf den bislang kaum bekannten kultischen Kontext der Bauten, wobei sie neue methodische Wege geht: Die Plazierung der Bankettgebäude im Heiligtumsareal wird als Indikator nicht nur für ihren räumlichen, sondern auch für ihren funktionalen Bezug zum Kultgeschehen ausgewertet, was ermöglicht, zwischen verschiedenartigen Speiseanlässen zu differenzieren.
Indem die Autorin die Erkenntnisse aus ihrer Analyse mit den Informationen literarischer und epigraphischer Zeugnisse zusammenführt, macht sie die potentiellen Nutzer der Bankettrräume ausfindig und erhellt entscheidend die Bedeutung der Banketträume als Bestandteil der Heiligtumsinfrastruktur.
Beiträge zur islamischen Kunst und Archäologie. Jahrbuch der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft, Band 1. Bericht über die Tagungen in Bamberg vom 1. bis 2. Juli 2005 und in Bonn vom 7. bis 8. Juli 2006. Hrsg. Ernst-Herzfeld-Gesellschaft. 2008. 8°. 214 S., 99 s/w-Abb., 6 Zeichnungen und 25 Karten/Pläne, kart., EUR 59,00 ISBN: 978-3-89500-648-7 L, Reichert
Der erste Band der Beiträge zur islamischen Kunst und Archäologie enthält Vorträge der Tagungen der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft, die in Bamberg im Juli 2005 und in Bonn im Juli 2006 gehalten wurden. Beide Tagungen zeigen die thematische Vielfalt und die geographische Spannbreite der vorgestellten Beiträge sowie das Spektrum des Programms für kunsthistorische und archäologische Forschungen, das für die publizierten Arbeiten der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft richtungsgebend ist.
Ein wichtiger Aspekt der Beiträge zur islamischen Kunst und Archäologie besteht darin, dem Nachwuchs in den Fächern Kunstgeschichte, Archäologie und Bauforschung der islamischen Welt eine Plattform zu geben, die einen angemessenen Publikationsrahmen gewährleistet, und gleichzeitig Autoren in verschiedenen Sprachen zu Wort kommen zu lassen. Neue Forschungsergebnisse werden auf internationaler Ebene publiziert und tragen maßgeblich zur Kenntnis der islamischen Kultur und deren Rezeption in Europa bei. Regelmäßig stattfindende Kolloquien bieten weitere Diskussionsforen und runden das Programm ab.
Die erste Ausgabe des Jahrbuches publiziert Forschungsergebnisse, die auf den Feldarbeiten der Autoren basieren, aber auch literarische, epigraphische und kunsthistorische Betrachtungen. Die Beiträge umfassen die Zeitspanne von der Frühzeit des Islam bis in die Neuzeit und werfen Streiflichter auf die Rezeptionen islamischen Formengutes im 19. und 20. Jahrhundert. Der geographische Rahmen erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach China.
Fundstücke in abendländischen Museen und architektonische Zeugnisse von Bauformen der islamischen Welt im Eklektizismus Europas gehören gleichermaßen dazu wie die Kulturkreise Vorder- und Mittelasiens.
Als Inaugurationsschrift enthält der Band Biographisches sowie Würdigungen der wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeit Ernst Herzfelds, des Namenspatrons der Gesellschaft.
Aktuelle Ausgrabungsergebnisse werden genauso berücksichtigt wie Studien an Objekten aus öffentlichen und privaten Sammlungen, gelegentlichen Stellungnahmen zu anderen Schriften der Fachgebiete runden den Band ab.
So diskutieren die Berichte des ersten Kolloquiums Funde, die Ernst Herzfeld in Samarra gemacht hat, epigraphisches Material einer Moschee in China, indische Architektur aus Delhi, aber auch neue Erkenntnisse an spanischen Bauten sowie Grabungsresultate aus Syrien. Weitere Beiträge befassen sich mit der Verwendung islamischer Dekorations- und Architekturformen in den Bauten König Ludwigs II. von Bayern und mit islamischer Kunst in deutschen Sammlungen.
Das Repertoire des zweiten Kolloquiums stellt Neues aus Spanien, Indien und Iran vor. Eine Abhandlung über die Ästhetik der islamischen Kunst zeigt deren Einfluss auf die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts und beschäftigt sich mit Rezeptionsfragen
Der islamische Palast auf der Alcazaba von Almería.Von Felix Arnold. mit Beiträgen von Lorenzo Cara Barrionuevo, Patrice Cressier und Natascha Kubisch. Madrider Beiträge, Band 30. 2008. 4°. 352 S., 93 s/w-Abb., 17 Tabellen, weitere 183 s/w-Abb. auf 46 Tafeln, 12 Faltkarten, Ln., EUR 110, ISBN: 978-3-89500-587-9 L, Reichert
Muhammad al-Mutasim, Herrscher über die Stadt Almería, hatte einen Traum: Auf seiner Burg sollten ihm seine Architekten eine Gartenvilla anlegen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1091 entstand auf dem Burgberg – der so genannten Alcazaba von Almería – eine eigenwillige Synthese aus militärischer Festung, bürgerlichem Stadthaus und luxuriösem Lustschloss. Der Geograph al-Udhri, der den Palast noch zu Lebzeiten des Erbauers besuchte, schwärmte von seinem Obstgarten, dem aufwendigen Bewässerungssystem und einem Saal, dessen Fenster einen Ausblick auf die Stadt und den Hafen von Almería gewährten.
Viel ist von der Palastanlage des al-Mutasim nicht erhalten geblieben. Nach der Reconquista zerstörte im Jahr 1522 ein gewaltiges Erdbeben nicht nur die gesamte Stadt Almería, sondern auch den Palast. Erst eine archäologische Grabung förderte in den Jahren 940 bis 952 die Überreste des Palastes von al-Mutasim zutage: Neben Spuren des ehemaligen Palastgartens Reste einer Badeanlage sowie Fragmente der Granatapfeldekoration des Thronsaales. Die vorliegende Publikation dokumentiert erstmals umfassend die Ergebnisse dieser Grabung. Anhand einer ausführlichen Baubeschreibung sowie einer Analyse baukonstruktiver Methoden und architektonischer Entwurfsprinzipien zeichnet der Autor dabei die Entwicklung der Alcazaba nach, von ihrer Errichtung durch den Kalifen von Córdoba im Jahr 956 als Festung zur Sicherung des Militärhafens sowie der Werft von Almería bis zu ihrem Ausbau zum Lustschloss unter al-Mutasim und ihrer Weiternutzung durch Statthalter und Gouverneure des 2. bis 5. Jahrhunderts. Die lange Entstehungs- und Nutzungsgeschichte der Alcazaba von Almería bietet dabei die einzigartige Möglichkeit, dem Wandel in den Leitbildern islamischer Palastarchitektur und in den ihr zugrunde liegenden Herrschervorstellungen nachzugehen.
Vervollständigt wird die Beschreibung des Palastes durch Beiträge zur Baudekoration, zur Weiternutzung der Alcazaba in christlicher Zeit und zu ihrer Geschichte als Baudenkmal im 9. und 20. Jahrhundert.
Der Traum, Burg und Gartenvilla in einem einzigen Bauwerk zu vereinen, blieb der islamischen Palastarchitektur der iberischen Halbinsel erhalten. Höhepunkt und Endpunkte der Versuche einer solchen Synthese war die Alhambra, die Palastanlage der Nasriden des 13. bis 15. Jahrhunderts in Granada.
Die vorliegende Publikation erweitert unsere Kenntnis der architektonischen Vorläufer und Vorbilder der Alhambra, eines der bekanntesten und bemerkenswertesten Monumente des islamischen Andalusien. Beiträge:
Lorenzo Cara Barrionuevo: La Alcazaba de Almería como monumento: Investigación, patrimonio y restauración Felix Arnold: Die Architektur Lorenzo Cora Barrionuevo: Alcazaba de Almería en la época cristiana Patrice Cressier: Chapiteaux, bases et tailloirs des monuments islamiques d’Almería Natascha Kubisch: Las yeserías islámicas Fachgebiete:
Baugeschichte, Islamwissenschaft, Kunstgeschichte, Mittelalterarchäologie, Burgenforschung, Kultur Andalusiens
Kilian, Klaus: Die handgemachte geglättete Keramik mykenischer Zeitstellung. Bearb. v. Mühlenbruch, Tobias. 2008. 180 S., 50 sw Abb., 40 Tafels. 31,60 x 22,40 cm. (Tiryns 15) Gb EUR 39,00 ISBN: 3-89500-549-5 L, Reichert
Dieser Band publiziert ein von Klaus Kilian kurz vor seinem Tode fertig gestelltes Manuskript, das sich mit einer keramischen Fundgruppe der spätrnykenischen Zeit auseinandersetzt, deren Bedeutung kontrovers diskutiert wird. Während ein Teil der Forschung der so genannten „handgemachten geglätteten Keramik" (Handmade Burnished Ware) eine Schlüsselrolle in der Frage nach der Zuwanderung von Fremdbevölkerung in die mykenischen Kernregionen Südgriechenlands beimisst, sehen andere in ihr ein rein autochthones Phänomen, das seine Entstehung internen Prozessen des sozialen und ökonomischen Wände ist am Übergang vom 13. zum 12. Jahrhundert v. Chr. verdankt. In diesem Werk wertet Kilian die bei seinen Ausgrabungen entdeckten Gefäßfragmente handgemachter geglätteter Keramik aus, die den bisher umfangreichsten in Griechenland gefundenen Bestand dieser Art repräsentieren. Er untersucht die chronologische Laufzeit, erörtert die Herstellungstechnik, umreißt das Spektrum an Gefäßformen und Ziertechniken und vergleicht den vom ihm bearbeiteten Keramikbestand mit ähnlichen Fundkomplexen anderer Orte der Ägäis und Zyperns. Das zentrale Problem der Herleitung dieser Keramik steht dabei im Vordergrund. Eine eingehende Gegenüberstellung mit vergleichbarer Keramik aus anderen Teilen Südost- sowie Südeuropas gewährt hier neue Einblicke. Kilians detaillierte Untersuchungen zeigen, dass die Herstellung spätmykenischer handgemachter geglätteter Keramik wolil tatsächlich auf fremden Töpferei-Traditionen beruht, und zwar vorrangig auf solchen zeitgleicher Kulturgruppen der Apenninenhalbinsel. Die daraus resultierende Anwesenheit von Bevölkerungsgruppen aus Südeuropa und ihre Hintergründe unterzieht er einer ausführlichen Diskussion. So lässt sich in Tiryns die handgemachte geglättete Keramik bereits mehrere Jahrzehnte vor der Zerstörung des mykenischen Palastes nachweisen. Sie kann daher nicht als Anzeichen für die Ankunft von Neuankömmlingen zu Beginn der Nachpalastzeit dienen.
Die Ausführungen von Kilian haben wenig an Aktualität eingebüßt. Zum einen liegt dies an seiner außergewöhnlich gründlichen Einarbeitung in die Materie, zum anderen an der Tatsache, dass es sich bei den Tirynther Funden um einen Schlüsselkomplex für die Beurteilung spätmykenischer handgemachter geglätteter Keramik handelt. Die Qualität der Forschungsleistung von Kilian wird dadurch unterstrichen, dass ihm Einsichten gelingen, die eine Reihe von späteren Forschungsergebnissen vorwegnehmen.
Breuer, Ingo: Existenzsicherung und Mobilität im ariden Marokko. 2007. 220 S. 24 x 17 cm. (Nomaden u. Sesshafte. SFB Differenz u. Integration. Wechselwirkung zw. nomadischen Band 9) Gb EUR 54,00 ISBN: 3-89500-606-8 L, Reichert
Bagg, Ariel: Die Orts- und Gewässernamen der neuassyrischen Zeit. Teil 1: Die Levante. 2008. 476 S., 1 Kte 24 x 17 cm. (Tübinger Atlas d. Vorderen Orients (Beih.) B Band 7/7) Pb EUR 49,00 ISBN: 3-89500-586-X L, Reichert
Persistenz und Rezeption. Weiterverwendung, Wiederverwendung und Neuinterpretation antiker Werke im Mittelalter. Hrsg. v. Boschung, Dietrich/Wittekind, Susanne . 2008. 396 S., 138 sw. Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums für die antikenKulturen des Mittelmeerraumes - Centre for Mediterranean Cultures 6) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-622-X L, Reichert
Das Mittelalter baut in vielen Bereichen des praktischen wie geistigen Lebens auf Erkenntnissen, Strukturen und Werken der Antike auf oder fügt diese auf unterschiedliche Weise in seine eigene kulturelle Ordnung ein. In den mittelalterlichen Städten gaben antike Straßenzüge, Verteidigungsmauern und Monumentalbauten eine räumliche Struktur vor, die an neue Bedürfnisse angepasst wurde, indem bestimmte Bereiche verlassen. Bauten umfunktioniert oder überbaut wurden. Bildung, Wissenschaft und Kunstfertigkeit der Antike wurden an Königshöfen und in Klöstern geschätzt - viele Werke der antiken Literatur wurden abgeschrieben, kommentiert oder neu geordnet, antike Kostbarkeiten wurden in den Schatzkammern bewahrt, verschenkt und oft zu neuen Gegenständen verarbeitet. Doch dies sind nur einige Beispiele für die rege Auseinandersetzung mit der antiken Kultur im Mittelalter.
Die archäologische Forschung hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Spätantike beschäftigt. Dabei galt das Interesse zum einem der Transformierung des antiken Repertoires in einem veränderten politischen und religiösen Umfeld, zum anderen dem Weiterbestehen und Weiterwirken von Strukturen und Lebensformen in vielen Bereichen des Alltags. In der deutschen Mediävistik des 20. Jahrhunderts richtete die historische und kunsthistorische Forschung ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Antikenrezeption im Zusammenhang mit der karolingischen und ottonischen Renovatio imperii als herrscherlicher Legitimationsstrategie sowie auf die Wissenschafts-Renaissance im 12. Jahrhundert. Neuere Arbeiten zeigen nun die Fortführung und die Veränderungen antiker Verwaltungsformen, Leitbegriffe, Zesetzeswerke oder Lehrbücher auf und reflektieren die mittelalterlichen Antikenbilder und -fiktionen.
Diese neuen Impulse greift der vorliegende Band, der auf einem Kolloquium zweier Forschungszentren der Philiosophischen Fakultät der Universität zu Köln - des „Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraums (Zakmira)" und des „Zentrums für Mittelalterstudien" - basiert, auf. Verschiedene Autoren aus den Fächern Archäologie, Geschichte, Judaistik, Kunstgeschichte, Mittellatein und Philosophie stellen in den Beiträgen die vielfältigen Phänomene der Weiterverwendung und Neuinterpretation antiker Werke in unterschiedlichen Bereichen aus interdisziplinärer Perspektive dar und vergleichen sie miteinander.
Die Begriffe Persistenz und Rezeption im Titel des Bandes weisen auf verschiedene Formen des Weiterlebens der Antike im Mittelalter hin. Der Begriff der Persistenz zielt auf das Beharrungsvermögen der antiken Relikte, auf die scheinbar selbstverständliche Aufnahme und Fortführung überkommener Formen, Stoffe und Strukturen; der Rezeptionsbegriff akzentuiert die bewusste Übernahme bestimmter kultureller Formen der Antike durch die Kulturträger der mittelalterlichen Gesellschaft. Auf diese Weise gelingt es, die unterschiedlichen Perspektiven der Altertumswissenschaften und der Mediävistik aufzunehmen und Disziplinen zusammenzuführen, die sonst durch Gegenstand und Methoden getrennt sind.
Interessenten /Bereiche: Archäologen, Historiker, Judaisten, Kunsthistoriker, Mittellatein und Philosophie
Buffa, Vittoria: Ma'layba et l'Age du Bronze du Yémen. 28.03.2008. 340 S., 83 sw Abb., mit 4 Klapptaf.31 x 22 cm. (Archäologische Berichte aus dem Yemen 12) Gb EUR 68,00 ISBN: 3-89500-572-X L, Reichert
Bräm, Andreas: Das Andachtsbuch der Marie de Gavre. Paris, Bibl. Nat. Ms. nouv. acq. fr. 16251. Buchmalerei in der Diözese Cambrai imletzten Viertel des 13. Jahrhunderts. 1998. 388 S., 84 sw. Abb. 29 x 21 cm. Ld EUR 62,00 ISBN: 3-89500-031-0 L, Reichert
Das Andachtsbuch der Marie de Gavre, Ms. nouv. acq. fr. 16251 der Bibliotheque Nationale von Paris, zählt mit ehemals 90, heute 87 ganzseitigen Miniaturen zur Vita Christi und der Heiligen zu den bedeutendsten Bilderhandschriften des 13. Jahrhunderts. Es stellt den buchkünstlerischen Höhepunkt Nordfrankreichs und Flanderns in dieser Zeit dar.
Kalendar- und Archivstudien erlauben es, die Erstbesitzerin um 1285, eine Nonne im Zisterzienserinnenkloster von Wauthier-Braine im belgischen Hennegau zu ermitteln, die damit in den kleinen Kreis adeliger Besitzerinnen exklusiver Bilderhandschriften gehört.
Typologisch ist das Werk einzigartig, da es außer einem lateinischen Kalendar und einer in französischer Sprache geschriebenen Miniaturenliste textlos ist. Die große Zahl von ganzseitigen Miniaturen ohne Text - mit Szenen in knapper aber prägnanter Formulierung und mit Compassio-Motiven - zeigt, daß die Handschrift als Bilderandachtsbuch konzipiert und benutzt wurde.
Die Buchmaler, aus deren Werkstatt noch fünf weitere Handschriften hervorgegangen sind, haben kaum im Kloster gearbeitet, sondern wohl in der Stadt Nivelles. Ihre Arbeit ist denn auch stark dem dort befindlichen berühmten Gertrudenschrein verpflichtet. Die Untersuchung der Arbeitsabläufe hat gezeigt, daß die Herstellung des außerordentlich reich illustrierten Codex für die Künstler keine alltägliche Aufgabe darstellte.
Die monographische Darlegung des Bilderandachtsbuches erfolgt im Zusammenhang mit der Produktion illuminierter Handschriften in der Diözese Cambrai, die im Mittelalter mit Brabant und Hennegau einen beträchtlichen Umfang erreichte und städtische Zentren wie Mons, Brüssel und Mechelen umfaßte.
Die Monographie enthält außer einer kunsthistorischen und historischen Einordnung sämtliche Miniaturen sowie ausführliches Vergleichsmaterial in über 200 Abbildungen.
Christina Thieme. Das Tafelbild aus der Kathedrale von Trogir. Kunsttechnologische Studien zur Tafelmalerei Dalmatiens des 13. Jahrhunderts. Spätantike - Frühes Christentum Byzanz. REihe A. Grundlagen und Monumente. Bd. 14. 2008. 292 S., 120 sw. Abb und 224 fb. Abb., 49 sw. und 2 fb. Strichzeichnungen. 29 x 22 cm, Gb. EUR ISBN: 978-3-89500-562-6 L, Reichert
Das Tafelbild von Trogir, als Hochaltarretabel für die Kathedrale des kleinen dalmatinischen Städtchens an der östlichen Adriaküste geschaffen, stellt ein einzigartiges kulturelles und künstlerisches Zeugnis der fruchtbaren Begegnung von Osten und Westen dar. Das Tafelbild entspricht formal der westlichen Kunstgattung, folgt aber in Planung und Ausführung östlichen Konventionen und spiegelt somit die lebendige Spannung zwischen der östlichen hochbyzantinischen und der neu entstehenden westlichen Tafelmalerei wider.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte Dalmatiens und der Stadt Trogir, die politisch und kulturell im Spannungsfeld zwischen Byzanz und Rom, zwischen dem ungarischen Königreich und Venedig lag. Daran schließen sich Studien zur Kult- und Liturgiegeschichte der Stadt Trogir an, die trotz der geographischen Nähe zur Ostkirche an die römische Kirche gebunden war. Neben den Fragen aus dem Kontext des Fundortes bilden Untersuchungen am Tafelbild selbst den Kern der Arbeit. Nach einer Beschreibung der Darstellung werden Holztechnik, vorbereitende Maßnahmen für die Malerei und die Maltechniken bis ins Detail untersucht und erfasst. Darüber hinaus bezieht Cristiana Thieme stilistische und qualitative Eigenschaften der Malerei ein. Schließlich wertet sie die umfangreiche kroatische Literatur aus, um das Tafelbild von Trogir mit der dalmatinischen Tafelmalerei des 13. Jahrhunderts vergleichen zu können.
Die Autorin:
Dr. phil. Dipl.-Restauratorin Cristina Thieme absolvierte ihr Studium der Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der Künste (HKB), Bern. 1991 bis 1995 war sie Mitarbeiterin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und bearbeitete Konservierungsfragen zur Polychromie der Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China, Qin Shi Huandi. Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der Technischen Universität München. 2006 promovierte sie über das Tafelbild von Trogir an der Technischen Universität München. Forschungsschwerpunkte sind kunsttechnologische Fragen zur Maltechnik, Mikroskopie und die Analytik von Malmaterialien.
Neapolitanische Bilderbibeln des Trecento. Anjou-Buchmalerei von Robert dem Weisen bis zu Johanna I. Andreas Bräm. 1056 S., Textband. 464 S., Tafelband. mit 866 sw und 45 Farbtafeln. 29 x 22 cm, Gb. EUR 248,00 ISBN: 978-3-89500-503-9 L, Reichert
Andreas Bräni analysiert erstmals acht zwischen 1310 und 1365 in Neapel illuminierte lateinische Bibeln, die unter Robert dem Weisen (König von Neapel 1309-1343) und seiner Nachfolgerin Johanna I. (Königin von Neapel 1343-1382) entstanden. Neben Bildprogrammen, Stil und Ikonographie, Erzählstruktur, beteiligten Werkstätten und Buchmalern ermittelt er die Auftraggeber. Im Vordergrund stehen die Illustrationszyklen, die ein neues Licht auf dieses Feld der Kunstgeschichte werfen.
Die neapolitanischen Trecentobibeln sind die bedeutendsten illustrierten Vulgata-Handschriften ihres Jahrhunderts und werden heute unter anderem im Vatikan, in Turin, in der österreichischen Nationalbibliothek und der British Library aufbewahrt. Ihre narrativen Bibelzyklen werden nur von den Bible mora/wee-Handschriften, einem Buchtyp, der im 13. Jahrhundert im Umkreis des französischen Königshofes geschaffen wurde, übertroffen. Andreas Bräm wies nach, dass in Neapel französische Handschriften vorlagen, die teilweise kopiert wurden. Den Bibeln lassen sich ferner byzantinische Oktateuche an die Seite stellen, die für Einzelszenen als Vorlagen dienten. Die Apokalypse-Zyklen der Planisio- und der Wiener-Bibel gehen auf zwei in Stuttgart aufbewahrte Tafeln zurück, der olkham-Hall-Bibel diente ein anglonormannischer Zyklus als Vorbild. Einzelne Bilder beruhen sogar auf außerbiblischen Quellen, so auf Flavius ]osephus Antiquitates ludaicae.
Die neapolitanischen Bibeln sind das Werk von vier Buchmalern, die weitere Bilderhandschriften hinterlassen haben: Der Maler der Holkham-Hall-Bibel, der Maler des Andalo di Negro, Christophoro Orimina und der Wiener Bibelmaler. Das Gesamtwerk der beteiligten Künstler wird ebenso untersucht wie ihr Verhältnis zu anderen neapolitanischen Trecento-Künstlern. Diese umfassende Darstellung ermöglicht weitere Einblicke in Arbeitsweise und Quellen der Illustrationsprogramme sowie Datierungen der Tätigkeit der Vulgata-Maler. Insgesamt entsteht eine Monographie zur Buchmalerei Neapels zwischen 1330 und 1380, in der alle wesentlichen Werke abgebildet sind.
Als Auftraggeber der ersten Bibel, die heute in der vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird, ließ sich der Cölestinerabt Matteo de Planisio ermitteln, während die Hamilton-Bibel für Königin Johanna entstand. Weitere Auftraggeber sind Johannas Gemahl Ludwig von Tarent und die Erzbischöfe Landolfo Brancaccio und Giovanni Gaetani Orsini.
Viele Stellen zeigen, wie die Illuminierung auf ihre Auftraggeber zugeschnitten wurde. Eine Schlüsselszene ist etwa die Besiegelung des neu geschlossenen Bundes mit Gott am Ende des Buches Josua: Während diese Episode in der Planisio-Bibel für den Abt Matteo in ein christlich-sakrales Ambiente verlegt wird, erscheint sie in der für Königin Johanna bemalten Hamilton-Bibel in einer städtisch-royalistischen Prägung. In der ersten Miniatur ist der als alter Mann dargestellte, nimbierte Führer von einer basilikalen Kleinarchitektur umgeben, in der zweiten erscheint er als mittelalterlicher König.
Kosmos der Zeichen. Schriftbild und Bildformel in Antike und Mittelalter. Begleitbuch zur Ausstellung des Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes der Universität zu Köln und des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln. Hrsg. Boschung, Dietrich /Hellenkemper, Hansgerd. 2007. 384 S., 120 Abb. 24 x 17 cm. (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes Centre for Mediterranean Cultures 5) Pb EUR 39,90 ISBN: 3-89500-585-1 L, Reichert
Aizanoi, Dokimion und Anatolien. Stadt und Land, Siedlungs- und Steinmetzwesen vom späteren 4. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. Archäologische Forschungen, Band 23 Aizanoi, Band1. Von Philipp Niewöhner. 2007. 4°. 374 S., 637 sw. u. 1 fb. Abb., 1 Faltplan. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-547-3 L, Reichert
1990 begann ein neuer Abschnitt der Aizanoi-Grabung mit dem Ziel, die Stadtentwicklung von den Anfängen bis zur Einbeziehung der Ruinen in das traditionelle türkische Landstädtchen Çavdarhisar zu untersuchen. Diese Untersuchungen liefern Erkenntnisse zur Erforschung des Siedlungswesens und der Kulturlandschaften im westlichen Zentralanatolien und darüber hinaus.
Im Gegensatz zu anderen anatolischen Städten hat die Lage Aizanois abseits der modernen Wirtschafts- und Tourismuszentren zahlreiche antike Hinterlassenschaften bewahrt. In vielen Dörfern finden sich Architekturteile, die offensichtlich aus christlichen Bauten stammen, aber kaum Hinweise auf antike Repräsentationsarchitektur.
Philipp Niewöhner analysiert jenen historischen Wandlungsprozess am Ende der Antike, indem er alle auffindbaren frühbyzantinischen Monumente der Aizanitis dokumentiert und auswertet. Er weist überzeugend nach, dass sich die Siedlungsbilder des städtischen Zentrums und der ländlichen Siedlungen im 5. und 6. Jh. angleichen. Die fortschreitende Vernachlässigung der Stadt geht mit einem Bauboom auf dem Land einher, der auf steigende Bevölkerungszahlen hinweist – eine Tendenz, die ganz Anatolien im 5. und 6. Jh. prägte. Ihre Ursachen liegen im komplexen Zusammenwirken von politisch-gesellschaftlichen und ökonomischen Faktoren.
Ein weiteres Ergebnis zeichnete sich erst im Lauf der Untersuchungen ab: Erstklassige Steinmetzarbeiten aus dem gleichen dokimischen Marmor, der in der Kaiserzeit für die berühmten kleinasiatischen Sarkophage verwendet wurde, belegen die fortgesetzte Produktion der Brüche und Werkstätten in Dokimion. Sie entwickelten im 4. Jh. jenes charakteristische Formenrepertoire, das in theodosianischer Zeit von den hauptstädtischen Marmorbrüchen auf Prokonnesos übernommen wurde, und blieb bis ins 6. Jh. erstklassig. Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Entwicklung der Steinmetzkunst, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis von Hauptstadt und Provinz. Für die weitere Erforschung des frühbyzantinischen Siedlungs- und Steinmetzwesens in Anatolien bieten die neu vorgelegten Befunde aus Aizanoi eine umfangreiche und in vieler Hinsicht repräsentative Materialbasis.
Kult und Kommunikation. Medien in Heiligtümern der Antike. Schriften des Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes – Centre for Mediterranean Cultures (ZAKMIRA), Band 4. Hrsg.: Christian Frevel und Henner von Hesberg. 2007. 8°. 468 S., 116 s/w-Abb., kart., EUR 42,00 ISBN: 978-3-89500-574-9 L, Reichert
Der vorliegende Band untersucht die komplexen Zusammenhänge und Strukturen von Kommunikation an und in antiken Heiligtümern.
Dabei wird offensichtlich, dass diese spezielle Kommunikation untrennbar mit den Heiligtümern verbunden ist.
Zumindest für die heidnische Antike gilt, dass im Heiligtum die Verbindung von Gottheiten und Menschen in besonderer Weise vermittelt wurde und in Kult und Ritual für die Teilnehmer erfahrbar sein sollte. In diesem Zusammenhang sind eine Vielzahl von Kommunikationssituationen und -konstellationen denkbar. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit lassen sich vier Bereiche der Kommunikation an und in Heiligtümern unterscheiden. Zunächst gibt es den Bereich der direkten sprachlichen Kommunikation, wie er in Gebeten, Ritualen, Orakeln oder auch im Austausch mit anderen Kultteilnehmern auftritt. Daneben existiert die schriftlich fixierte Kommunikation eines Tempelbetriebes, die aus Opferlisten, Tarifen oder anderen Texten besteht. Der dritte Bereich umfasst die medial vermittelte Kommunikation während der Kulthandlung, zu dem Prozessionen, konsumptive Opfer oder Votiv- und Weihegaben zählen. Zuletzt ist der Bereich der symbolisch repräsentativen Kommunikation zu nennen, der aus Architektur, Ausstattung, Kultbildern, Inschriften etc. besteht. Der Begriff „Medium“ steht hierbei als Synonym für den Träger oder Mittler einer Kommunikationsleistung und beschränkt sich nicht auf die technischapparativen Aspekte der Informationsübertragung. Er schließt vielmehr die antiken Symbolsysteme und ihre Kommunikation mit ein und hilft, die Repräsentanz und Permanenz der antiken Kulturen genauer zu beschreiben.
Der Fokus dieses Bandes liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kult und Medialität in ihren verschiedenen Formen von Kommunikation an, in und über Heiligtümern. Die Aufsätze des ersten Teils zeigen auf, dass die heiligen Stätten mehr als nur Orte waren, an denen Rituale vollzogen und das Göttliche repräsentiert wurde.
Stattdessen verstehen sie Heiligtümer als komplexe Kommunikationssysteme, durch die religiöse, politische und wirtschaftliche Botschaften anhand von sprachlichen und graphischen Medien vermittelt wurden.
Der zweite Teil befasst sich mit der besonderen Bedeutung, die Votiv- und Weihegaben zukommt, da sie sich sowohl an eine Gottheit als auch an die anderen Kultteilnehmer richten. Die Aufsätze beleuchten unterschiedliche Aspekte der Votivkulte und decken den gesamten Mittelmeerraum in der Zeit vom akeramischen Neolithikum bis zur Spätantike ab.
Aus dem Inhalt:
Christian Frevel, Henner von Hesberg: Einführung
I. Heiligtümer
José Luis García-Ramon: Der Begriff des Heiligtums aus sprachgeschichtlicher Perspektive
Katja Sporn: Höhlenheiligtümer in Griechenland
Dietrich Boschung: Kultbilder als Vermittler religiöser Vorstellungen
Bernd Manuwald: Wundergeschichten aus dem Asklepios-Heiligtum von Epidauros.
Dokumente eines religiösen Kommunikationssystems Wolfgang Thiel: Überlegungen zur Kultur- und Religionspolitik König Antiochos’ IV.
Epiphanes am Beispiel der Entwicklung des Heiligtums des Zeus Olympios/Akraios von Nysa-Skythopolis
Rotraud Wisskirchen: Die Apsisstirnwand von SS. Cosma e Damiano/ Rom: Ihre Aussage zur Kirchenpolitik Sergius’ I. (687–701)
II. Votive
Christian Frevel: Geschenke für die Götter: Votive als Kommunikationsindikatoren in Heiligtümern der Bronze- und Eisenzeit in Palästina/Israel
Robert Wenning: Nabatäische Votivnischen, Clan-Heiligtümer, Tempel und Votive Henner von Hesberg: Votivseriationen
Daphni Doepner: Zur medialen Funktion von Terrakottastatuetten in griechischen Heiligtümern. Ein Befund in Medma (Rosarno)
Helga Bumke: Fremde Weihungen für griechische Götter. Überlegungen zu den Bronzestatuetten ägyptischer Götter und Priester im Heraion von Samos
Ralf Krumeich: Ehrenstatuen als Weihgeschenke auf der Athener Akropolis. Staatliche Ehrungen in religiösem Kontext
Werner Eck: Votivaltäre in den Matronenheiligtümern in Niedergermanien: Ihre Aussagefähigkeit für die Formen der „Kommunikation zwischen Menschen und Göttern“
Manuel Fiedler, Constanze Höpken: Das „gemeinschaftliche“ und das „private“ Opfer: Beispiele aus dem Spektrum von Votivpraktiken in römischen Heiligtümern, dargestellt an Befunden aus Apulum und Sarmizegetusa (Dakien)
Madrider Mitteilungen. Band 48 (2007). Hrsg. Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Madrid. 2007. 8°. 384 S., 200 s/w- und 11 fb. Abb. 36 Tafeln, Gb. EUR 78,00 ISBN: 978-3-89500-577-0 L, Reichert
Aus dem Inhalt:
M. KUNST und M. A. ROJO GUERRA: La Lámpara und La Revilla del Campo. Zwei Siedlungen des frühesten Neolithikums der Iberischen Halbinsel bei Ambrona (Provinz Soria) und ihre absolute Chronologie. Teil 1: La Lámpara
H.-P. STIKA: Früher neolithischer Ackerbau in Zentralspanien sowie Pflanzenreste aus einem neolithischen Grabhügel aus Ambrona (Provinz Soria) R. DAMBECK und H. THIEMEYER: Geoarchäologisch-bodenkundliche Untersuchungen bei Ambrona (Provinz Soria). Zwischenbericht
A. SCHWEIZER: Ein pleniweichselzeitliches Pollenprofil von der spanischen Nordmeseta bei Miño de Medinaceli (Provinz Soria)
A. SCHWEIZER: Einblicke in die mittel- bis spätholozäne Vegetationsgeschichte auf der Nordmeseta Spaniens bei Miño de Medinaceli (Provinz Soria). Ergebnisse einer archäopalynologischen Prospektion
H.-P. STIKA: Großrestbestimmungen an Pollenprofilen aus Ambrona (Provinz Soria)
A. M. ARRUDA: A idade do ferro do Sul de Portugal. Estado da investigação
R. GRAELLS I FABREGAT: Espadas miniturizadas en las necrópolis del Noreste de la Península Ibérica
J. VIVES-FERRÁNDIZ SÁNCHEZ: A propósito de un infundibulum etrusco hallado en aguas de la Bahía e Xàbia (Alacant)
J. MAIER ALLENDE und TH. G. SCHATTNER: Neues zur galläkischen Kriegerstatue von Villar de Barrio (Provinz Orense)
D. GRAEN: Ein neues Fragment eines Reliefsarkophages aus Quinta de Marim (Olhão, Distrikt Faro, Portugal). Bemerkungen zur Sarkophagbestattung in der Lusitania
J. PERA ISERN und A. USCATESCU: La Antigüedad Tardía en la ciudad de Iesso (Guissona, Lérida). Una aproximación a través del análisis de algunos contextos estratigráficos
CH. EGER: Guarrazar (Provinz Toledo). Bericht zu den Untersuchungen 2002 bis 2005
F. GIESE-VÖGELI: Die Gewölbe der Großen Moschee von Córdoba und der islamische Osten. Ursprung, Verbreitung und Auflösung eines Wölbsystems
Die antiken Skulpturen in Newby Hall sowie in anderen Sammlungen in Yorkshire. Monumenta Artis Romanae, Band XXXV. Hrsg.: Forschungsarchiv für Antike Plastik am Archäologischen Institut der Universität zu Köln. Antike Skulpturen in englischen Schlössern. Begründet von Hansgeorg Oehler. Von Dietrich Boschung und Henner von Hesberg. 2007. 4°. 320 S., 497 s/w- und 4 fb. Abb., Gb. EUR 110,00 ISBN: 978-3-89500-431-5 L, Reichert
Die Skulpturengalerie in Newby Hall gehört zu den bedeutendsten Antikensammlungen in Privatbesitz. Ihr Rang gründet sich vor allem auf die Qualität der hier zusammengetragenen 69 Statuen, Büsten und Reliefs. Die Bedeutung der Statuen ist in der archäologischen Literatur seit dem 9. Jahrhundert betont worden, doch wird eine zuverlässige Beurteilung der Stücke erst durch den vorliegenden Katalog ermöglicht.
Newby Hall gilt zu Recht als Muster einer englischen Antikensammlung des 18. Jahrhunderts – sie ist in ihrem Aufstellungskontext seit 1764 weitgehend intakt geblieben. Eine ausführliche Einleitung beschäftigt sich daher mit der Erwerbungsgeschichte und mit dem Aufstellungskonzept des 18. Jahrhunderts.
Diese Publikation enthält in erster Linie die wissenschaftliche Erschließung der 137 Antiken in Newby Hall und in sieben weiteren englischen Privatsammlungen. Zum Teil wurden sie bisher nur ungenügend vorgelegt, zum Teil werden sie hier erstmals veröffentlicht.
Dem Ziel einer Grundlagenpublikation entsprechend, dokumentiert die vorliegende Monographie alle Stücke fotografisch, basierend auf den Fotokampagnen des Kölner Forschungsarchivs für Antike Plastik. Ebenso wichtig ist die sorgfältige Darstellung von Erhaltungszustand und modernen Ergänzungen, die in der bisherigen Literatur zum Teil kontrovers beurteilt wurden. Die einzelnen Katalogtexte ermöglichen zudem die begründete Datierung sowie Einordnung und Interpretation der Skulpturen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage nach der Provenienz der Stücke, die sich in zahlreichen Fällen klären ließ.
Der Orientteppich. Einblicke in Geschichte und Ästhetik. Von Werner Brüggemann. 2007. 8°.416 S., 124 z. T. fb. Abb. Gb., EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-563-3 L, Reichert
Der Orientteppich wird meistens aus der kunsthistorischen Perspektive betrachtet. Werner Brüggemann würdigt in der vorliegenden Arbeit erstmals die Bedeutung des Orientteppichs anhand geschichtlicher und ästhetischer Aspekte. Fünf Abhandlungen führen in bislang unbekannte Themen ein und eröffnen neue Einblicke in die „Bild“-Welt der Orientteppiche. Neben einer Geschichtsbetrachtung untersucht der Autor verschiedene Teppichmuster und verfolgt deren Ursprünge.
Im letzten Teil widmet er sich der Rezeption des Orientteppichs im 20. Jahrhundert. Ziel des Bandes ist ein vertieftes Verständnis für diesen bedeutenden Gegenstand orientalischer Kultur. Werner Brüggemann studierte Literaturwissenschaft, Germanistik, Geschichte und Philosophie, bevor er sich auf islamische Kunst und Orientteppiche spezialisierte. Seit 1968 arbeitet er wissenschaftlich auf diesem Gebiet. Sein Interesse gilt vor allem der Ästhetik des Orientteppichs. Er hat dazu zahlreiche Ausstellungen begleitet und Publikationen herausgegeben. Zwei seiner Werke gelten als Standardwerke: Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien (gemeinsam mit Harald Böhmer) und Yayla, Form und Farbe in türkischer Textilkunst.
Aus dem Inhalt
Vorwort: Jens Kröger
Einführung: Versuch einer Annäherung
Erster Teil: Zur Geschichte des Orientteppichs I Traditionen in Anatolien – Eine andere Betrachtung der Geschichte
II Van Eyck – Ein unbekanntes Teppichmuster aus früher Zeit
III Holbein-Teppich und Holbein-Kelim Zweiter Teil: Zur Ästhetik des Orientteppichs IV Die Stunde des Fragments
V Die Macht des Einfachen
Farbabbildungen
Anhang
Statuen in der Spätantike. Hrsg.: Franz Alto Bauer und Christian Witschel. Spätantike · Frühes Christentum · Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Hrsg. Beat Brenk, Johannes G. Deckers, Arne Effenberger, Lieselotte Kötzsche. Reihe B: Studien und Perspektiven, Band 23. 2007. 8°. 500 S., 202 s/w- und 4 fb. Abb. Gb. EUR 98,00 ISBN: 978-3-89500-576-3 L, Reichert
Die Erforschung statuarischer Bildwerke steht im Schnittpunkt verschiedener altertumswissenschaftlicher Disziplinen, und dies gilt insbesondere für spätantike Skulpturen: Sie sind Zeugnisse einer allmählich auslaufenden Kunstgattung, der Vollplastik, denen – vielleicht gerade infolge nachlassender Produktion – besondere Bedeutung beigemessen wird. Statuen, die im öffentlichen Raum aufgestellt waren, bilden einen wichtigen Gradmesser für die Kontinuität städtischer Ausstattungspraxis in der Spätantike. Sie belegen, sofern es sich um Bildwerke im privaten Lebensbereich handelt, die Langlebigkeit klassisch-mythologischer Sujets am Übergang zum Mittelalter. Die Inschriften auf Statuenbasen wiederum entwerfen in ihrer Intellektualität das Bild einer bildungsfreudigen Oberschicht, während gerade Verstümmelungen und Zerstörungen von Bildnissen die Furcht vor Statuen bezeugen.
Damit sind nur einige wenige Aspekte der Bedeutung und verschiedenartigen Wahrnehmung von Bildwerken in der Spätantike genannt, die in dem vorliegenden Band aus verschiedenen Blickwinkeln von Archäologen, Historikern und Kunsthistorikern thematisiert werden. Dabei werden am Beispiel ausgewählter Befunde und Kontexte nicht nur Probleme der Chronologie und der Entstehung von Statuensammlungen thematisiert, sondern auch Fragen der Kontextualisierung sowohl im privaten wie im öffentlichen Raum behandelt. Besonderes Augenmerk gilt der Frage nach den Gründen für das Ende der Statuenproduktion und welche Repräsentationsformen an die Stelle der Statuenausstattung traten.
Aus dem Inhalt:
Vorwort
Franz Alto Bauer, Christian Witschel: Statuen in der Spätantike
I. Statuen im kulturellen Diskurs der Spätantike
Peter Stewart: Continuity and Tradition in Late Antique Perceptions of Portrait Statuary Barbara E. Borg: Bilder für die Ewigkeit oder glanzvoller Auftritt?
Zum Repräsentationsverhalten der stadtrömischen Eliten im 3. Jh. n. Chr.
Franz Alto Bauer: Virtuelle Statuensammlungen
II. Statuen im öffentlichen Bereich Christian Witschel: Statuen auf spätantiken Platzanlagen in Italien und Africa
Robert Coates-Stephens: The Reuse of Ancient Statuary in Late Antique Rome and the End of the Statue Habit
Sarah Bassett: Ancient Statuary in Fourth-Century Constantinople: Subject, Style, and Function
R. R. R. Smith: Statue Life in the Hadrianic Baths at Aphrodisias, AD 100−600: Local Context and Historical Meaning
Johanna Auinger, Elisabeth Rathmayr: Zur spätantiken Stautenausstattung der Thermen und Nymphäen in Ephesos
III. Statuen im privaten Bereich
Niels Hannestad: Late Antique Mythological Sculpture – In Search of a Chronology
Lea M. Stirling: Statuary Collecting and Display in the Late Antique Villas of Gaul and Spain: A Comparative Study
Marianne Bergmann: Die kaiserzeitlichen Porträts der Villa von Chiragan: Spätantike Sammlung oder gewachsenes Ensemble?
Susanne Muth: Das Manko der Statuen? Zum Wettstreit der bildlichen Ausstattung im spätantiken Wohnraum
Bayer, Karl: Cristoforo Buondelmonti, Liber insularum (ULBD Ms. G 133). Transkription des Düsseldorfer Exemplars, Übersetzung und Kommentar. 2007. 92 S., 1 Kte 43 x 30 cm. Pb EUR 49,00 ISBN: 3-89500-542-8 L, Reichert
Der Florentiner Cristoforo Buondelmonti besuchte während des ersten Drittels des 15. Jahrhunderts auf mehreren Reisen die ägäische Inselwelt, Kreta, die ionische Westküste und Konstantinopel. Seine so gewonnenen geographischen Erkenntnisse legte er in zwei Schriften nieder: in der Descriptio insulae Cretae (1417) und im Liber insularum archipelagi (1420), die beide in der Folge in verschiedenen Fassungen eine weite Verbreitung fanden. Sie sind unter anderem in der unter der Signatur Ms. G 13 in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf verwahrten spätmittelalterlichen Sammelhandschrift überliefert, die geographische, historiogra-phische und astronomisch-astrologische Texte vereint. Die besondere Bedeutung der Düsseldorfer Fassung des Liber insularum liegt in der Illustration des Textes, nämlich den Karten von den einzelnen beschriebenen griechischen Inseln mitsamt Einzeichnung wichtiger Bauwerke. Von überragender Bedeutung ist dabei eine ganzseitige Ansicht von Konstantinopel, die völlig neue Aufschlüsse zu Topographie und Baugeschichte der Stadt im späten 15. Jahrhundert gibt und deren Quellenwert weit über den begleitenden Text hinausweist. Der Text selbst beschreibt detailreich und immer um Objektivität bemüht die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der bereisten Orte. Im Vordergrund steht jedoch – wie könnte es im Zeitalter des Renaissance-Humanismus auch anders sein? – die Suche nach Überresten der antiken Kultur. Er registriert einen erstaunlichen Bestand v. a. an marmornen Säulen, wohl allerdings mit dem Hintergedanken, dass man derlei in Florenz gut brauchen könnte. In einem Fall macht er sich sogar an die Wiederaufrichtung einer großen Säule, was ihm aber trotz des Einsatzes von Schiffsmaschinen nicht gelingt. Die „Transkription“ von Karl Bayer enthält eine Übersetzung ins Deutsche, eine Übersichtskarte, einige Kommentarnotizen und umfangreiche Register.
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